Pentona

Die Pentona

Die Pentona wurde erstmalig 1956 zur Leipziger Frühjahrsmesse gezeigt und war bereits ab der zweiten Hälfte jenes Jahres lieferbar. Der rasche Bedeutungsgewinn des Kleinbildfilms beim Photoamateur verlangte dringend nach entsprechenden Kameras. Als "die neue, preisgünstige Kleinbildkamera 24 x 36 mm" beworben, bot die Pentona Blitzlicht-Synchronisation, ein automatisches Bildzählwerk, eine Doppel- und Leerbelichtungssperre, einen Steckschuh und den "Blendenrechner". Als Objektiv wurde standardmäßig das Meyer Trioplan 1:3,5/45 im Priomat 00 Verschluß verbaut. Weitere Objektive waren das Meyer Domiplan 1:2,8/45 und das E. Ludwig  Meritar 1:3,5/45. Mit all diesen Objektiven waren problemlos Farbaufnahmen auf Agfacolor Umkehrfilm möglich. Solche "bunten" Urlaubsdias erfreuten sich ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre zunehmender Beliebtheit.


Literatur:

Neues für den Lichtbildner, Bericht über die Leipziger Frühjahrsmesse 1956 , in: Die Fotografie 4/1956, S. 120.

Loose, Erhard  "Die Pentona, eine neue Kleinbildkamera", in: Die Fotografie 9/1956, S. 259

Pentacon Pentona II

Die Pentona (I)

Detailunterschiede:


Die Optik ist mit dem Gütezeichen "S", dem roten "V" und der Seriennummer versehen. Neben der gezeigten "deutschen" Variante, existieren auch Exemplare, die für den Export hergestellt wurden. Bei diesen ist die Entferungsscala und der "Blendenrechner" in feet beschriftet und das Stativgewinde in 1/4 Zoll ausgeführt. Auf der Rückwand ist rechts (in Aufnahmerichtung) die Betriebsnummer 12/2034 und das Gütezeichen 1 eingeprägt, links befindet sich der Schriftzug " MADE IN GERMANY". Vorn gut zu sehen (im Bild links), der große Ernemann-Turm.


Eine geringe Zahl an Exemplaren der Pentona trägt auch eine Fabrikations-Nummer, als Beispiel sei die Pentona Nr. 251 genannt, die die Fabrikations-Nr. 5070 467 trägt.

Pentona Nr. 20221 Bestell.-Nr. 152 470, Priomat Verschluss mit Trioplan 1:3,5/45 Nr. 175229

Der Prospekt von 1956 ist noch mit VEB Zeiss Ikon Dresden gekennzeichnet. DV: III/9/7  It 2332/56 5

Best. - Nr. 231

6756 Ra  III-9-5  257  15  It 5377/57

15.000 Exemplare ohne Herstellernennung

6014 Ra  III-9-5  357  1

1000 Exemplare ohne Herstellernennung

6524 Ra  III-9-5  1057  16  Ag 10/0826/57

Detailunterschiede:


Die Kamera selbst hat noch alle Merkmale wie das oben gezeigte Exemplar. Alle dazugehörigen Papiere sowie der Karton sind mit dem KW Logo versehen.

Pentona Nr. 39469  Bestell.-Nr. 152.470 Priomat Verschluss mit Trioplan 1:3,5/45 Nr. 1824865

Detailunterschiede:


Die Optik trägt das Gütezeichen "S", es fehlen das rote "V" und die Seriennummer. Der Verschluß ist mit dem Gütezeichen "1" und dem KW-Logo versehen. Während die Kameras mit dem großen Turmsymbol, auf der Rückwand die Betriebs-Nr. 12/2034 rechts tragen, wurde bei den Kameras mit dem KW-Logo, die Betriebs-Nummer 12/2035 auf der linken Seite der Rückwand angebracht. Die Besonderheit, ist hier keineswegs der Seitenwechsel. Das Besondere, ist die Betriebs-Nummer an sich und deren Vorfinden im Zusammenhang mit dem KW-Logo.

Pentona Nr. 75632   Bestell.-Nr. 152.470 Priomat Verschluss mit Trioplan 3,5/45

Detailunterschiede:


Die Optik trägt kein Gütezeichen. Das bei diesem E. Ludwig Meritar 3,5/45 noch vorhandene rote V, lässt die Vermutung zu, daß diese Optik ursprünglich nicht für die Pentona gedacht war. Da auch die für die Pentona hergestellte Sonnenblende, mit einem Aufsteckdurchmesser von 32 mm nicht passt, untermauert diese Vermutung. Der Verschluss trägt das Gütezeichen 1 und den Ernemannturm. Wie das vorherige Gehäuse, trägt auch dieses, das KW Logo und die Betriebs-Nummer 12/2035.

Pentona Nr. 88758, Bestell.-Nr. 152.490, Priomat Verschluß mit Meritar 3,5/45

Die Pentona II

Detailunterschiede:


Die Optik trägt das Gütezeichen 1, der Verschluss das Gütezeichen 1Q und den Ernemannturm. Die Rückwand ist jetzt mit einem kleinem Ernemannturm versehen und trägt nur noch das Gütezeichen 1. Ein weiteres Detail ist, daß das Trioplan jetzt mit feet- und Meterteilung beschriftet ist.

Pentona II Nr. 102607, Bestell.-Nr. 152.070, Priomat Verschluss mit Trioplan 3,5/45

Detailunterschiede:


Das Domiplan 2,8/45 ist mit dem Gütezeichen 1 versehen, der Verschluss trägt nur noch den Schriftzug "PRIOMAT".


Pentona II Nr. 140600, Bestell-Nr. 152.16, Priomat Verschluss mit Domiplan 2,8/45

100 140

Trioplan 3,5/45 mit Priomat 00 Verschluß (811 070) für Pentona II  Meterteilung

100 141

Trioplan 3,5/45 mit Priomat 00 Verschluß (811 071) für Pentona II   feet-Teilung

100 150

Meritar 3,5/45  mit Priomat  00 Verschluß (811 070) für Pentona II   Meterteilung

100 151

Meritar 3,5/45  mit Priomat  00 Verschluß (811 071) für Pentona II   feet-Teilung

100 160

Domiplan 2,8/45 in Priomat 00 Verschluß

100 470

Trioplan 3,5/45 in Priomat 00 (Erz. Nr. 811 010) für Pentona

100 480

Trioplan 3,5/45 in Priomat 00 (Erz. Nr. 821 010) für Pentona

100 490

Meritar 3,5/45 in Priomat 00  für Pentona

152 000

Pentona Tubuskamera 24 x 36  Gehäuse 

206 150

Aufsteck-Sonnenblende 32 mm

212 402

Bereitschaftstasche für Pentona II, Rindsleder glatt

212 403

wie 412 402,  II. Wahl

Geschichtliche und technische Einordnung der Pentona

Die Pentona ist trotz ihrer einfachen Ausstattung eine bemerkenswerte Kamera. Das gilt in technischer wie geschichtlicher Hinsicht. Historisch gesehen ist sie die letzte Neukonstruktion, die der VEB Zeiss Ikon noch auf den Markt gebracht hat. Ab der zweiten Jahreshälfte 1956 wird diesem Betrieb dann zunächst die Konstruktionsabteilung entzogen und (offenbar) den Kamera-Werken Niedersedlitz untergeordnet, und anschließend irgendwann im Frühjahr 1957 geschieht dasselbe mit der gesamten Zeiss-Ikon-Stehbildabteilung. Äußeres Anzeichen dieses betrieblichen Umbaus ist, wie oben von Yves Strobelt gezeigt, daß die ersten Bedienungsanleitungen zwar den Ernemannturm als typisches Erkennungsmerkmal des VEB Zeiss Ikon Dresden tragen, aber die Nennung genau dieses Betriebes als Hersteller der Pentona in der Anleitung fehlt. Später wird dann sogar das KW-Logo auf die Kamera und die Anleitungen gedruckt und geprägt. Genauso wie bei der Spiegelcontax erfolgt die Fertigung aber mit großer Sicherheit weiterhin in den Betriebsteilen von Zeiss Ikon, und nicht etwa in Niedersedlitz. Dieser seltsame betriebliche Umbau hat schon viele Autoren (wie zum Beispiel Herrn Kuć) verwirrt und zu falschen Schlüssen getrieben. Dieses mehr als abrupte Ende des VEB Zeiss Ikon ist in der Literatur bislang auch wenig behandelt worden.


Meinen Recherchen nach lassen sich zwei wesentliche Triebkräfte für diesen Wandel ausmachen: Einmal die eklatante Erfolglosigkeit des VEB Zeiss Ikon bei der Entwicklung neuer Kameratypen. Das gilt sowohl für die überambitionierten Konzepte der Pentax und der Pentaplast als auch für die Sackgasse geratene Entwicklung einer Dresdner Contaflex. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, daß es Siegfried Böhm von den Kamerawerken Niedersedlitz gewesen ist, der die Spiegelcontax in der zweiten Jahreshälfte 1956 wenigstens mit der neuen Springblende und einem helleren Sucherbild ausgestattet hat, um dieser in die Jahre gekommenen Kamera das Überleben zu sichern. In diesem Hinblick kam die Pentona als Neuentwicklung für den VEB Zeiss Ikon leider zu spät.


Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Wie ich im Aufsatz zu den DDR-Zentralverschlüssen darzustellen versucht habe, drohte dem VEB Zeiss Ikon offenbar das Schicksal, alle seine in der Bundesrepublik angemeldeten Patente an Stuttgart zu verlieren. Das muß man jedenfalls aus dem Reigen an Umschreibungen von Patentanmeldungen schließen, der in den Jahre 1957/58 zu verzeichnen ist. Der Markenname "Zeiss Ikon" wurde in der Folgezeit schlicht und ergreifend aus dem DDR-Wirtschaftsgefüge getilgt. Eine vergleichbar vehemente Verteidigung der Markenrechte wie beispielsweise im Falle Carl Zeiss Jenas sind beim VEB Zeiss Ikon nicht einmal im Ansatz ersichtlich. Und was den Rest betraf, war es offenbar schlicht und ergreifend so, daß allein der VEB Kamera-Werke Niedersedlitz als vergleichbarer Großbetrieb übriggeblieben war, dem der Stehbildsektor des ehemaligen Konkurrenten in der Schandauer Straße überhaupt noch angegliedert werden konnte. Von einer feindlichen Übernahme im westlichen Sinne ist daher nicht zu sprechen. Immerhin wissen wir heute, daß diese Zugehörigkeit des ZI-Stehbildsektors zu KW ja nur eine etwa zweijährige Übergangszeit betraf, in der die gesamten betrieblichen Strukturen im Photo- und Filmgerätebau der DDR neu geordnet worden sind und an deren Ende die Gründung der Kamera- und Kinowerke stand, die später zum Kombinat Pentacon weiterentwickelt wurden. Für uns bleibt aber festzuhalten, daß allem Anschein nach gleichermaßen interne wie externe Faktoren zum raschen Ende Zeiss Ikons geführt haben.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß einige Schutzrechtanmeldungen zur Pentona überliefert sind, die nicht nur Aufschluß über die neuartige Konstruktionsansätze dieser Kamera, sondern auch noch etwas nähere Einblicke in den Auflösungsprozeß Zeiss Ikons bieten. Die früheste Gebrauchsmusteranmeldung für die Pentona ist die Nummer DBGM 1.726.119 vom 27. Februar 1956, eingereicht durch den VEB Zeiss Ikon. Gegenstand ist der neuartige Grundaufbau der Pentona, bei der eine Metall-Kunststoff-Bauweise zur Anwendung kommen sollte. Kunsstoffe wie Bakelit waren bislang nur bei Kameras der niederen Preisklasse verwendet worden. Um die Vorteile der einfachen Bearbeitung von thermoplastischen Kunststoffen auch an einer Mittelklassekamera anwenden zu können, wurde die Pentona so konzipiert, daß alle für die Präzision wichtigen Bestandteile wie Filmführung, Objektiv, Verschluß, Andruckplatte usw. an einem metallenen Träger befestigt waren, dieser dann aber in ein Gehäuse aus Kunststoff gesetzt und von diesem umschlossen wurde. Solche Konststoffteile ließen sich Mitte der 50er Jahre mittlerweile kostengünstig aber trotzdem mit hoher Präzision im Spritzgußverfahren herstellen. Bei der Pentona handelte es sich dabei um den Werkstoff Polystyrol [Vgl. Stapf, Helmut: Fotografische Praxis, Einlageblatt Typentafel II, 1957]. Dieser thermoplastisch verformbare Kunststoff war außerdem durch seine Elastizität nicht mehr bruchgefährdet. Diese Elastizität sorgte zudem dafür, daß genaue Anpassungsarbeiten zwischen dem Träger aus Metall und dem Außengehäuse unnötig wurden. Das alles waren sehr gute Voraussetzungen für eine Großserienfertigung. Probleme mit der Lichtdichtheit dieser eingefärbten Kunststoffmasse, wie sie etwa zur selben Zeit bei der einfachen Boxkamera Knips auftraten, waren offenbar mittlerweile überwunden. Oder sie waren möglicherweise der Grund für die verspätete Serienfertigung der Pentona.

DE1726119 Pentona

Ein zweites Gebrauchsmuster zur Pentona wurde vom VEB Zeiss Ikon am 7. März 1956 in der Bundesrepublik angemeldet [DBGM 1.726.122]. Es beschreibt die unkompliziert zu fertigende Bauform des Bildzählwerks dieser Kamera. Beide Gebrauchsmuster wurden in der Folgezeit (teils mehrfach) auf andere Inhaber umgeschrieben.

DE1726119 Pentona

Um so interessanter erscheint vor diesem Hintergrund nun, daß ein drittes Gebrauchsmuster, das das Anmeldataum 26. März 1956 trägt, nun den Briefkopf der Kamera-Werke Niedersedlitz trägt [DE1.728.285]. Kann man daraus schließen, daß bereits zu diesem Zeitpunkt die Konstruktionsverantwortung für die Pentona an diesen Betrieb übergeben worden war? Der Inhalt jedenfalls schützt die Anbringungsart der vorderen Zierkappe um das Objektiv herum.

DE1728285 Pentona
AT201422 Pentona Blendenrechner

In Bezug auf den neuartigen Blendenrechner für Blitzaufnahmen, den die Pentona aufzuweisen hatte, konnte am 16. Februar 1956 noch in Österreich ein Patent erlangt werden. Es trägt die Nummer AT201.422. Anmelder war der VEB Zeiss Ikon.


Nachdem was uns allein diese Quellenüberlieferung suggeriert, muß also bereits zwischen dem 7. und dem 26. März 1956 in Dresden irgendetwas passiert sein, daß der Anmelder der Schutzrechte vom VEB Zeiss Ikon hin zu den Kamerawerken Niedersedlitz wechselt. Für mich ist das bislang das früheste Anzeichen dafür, daß der Dresdner Standort nach etwa Zehn Jahren der Unsicherheit langsam begann, das Markenzeichen "Zeiss Ikon" aufzugeben und vor Heidenheim und Stuttgart zu kapitulieren.

Pentona Werbung

Wie man oben sieht, war auch auf den ersten Werbeanzeigen von 1956 noch Zeiss Ikon als Hersteller angegeben.




Yves Strobelt, Marco Kröger


letzte Änderung: 16. Januar 2022