Belmira
Belmira 1951

Noch erstaunlicher erscheint es, daß diese Belmira schon weniger als ein Jahr später auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1951 erstmals gezeigt wurde [Vgl. Fotografie 4/1951, S. 104/105]. Produziert wurde sie indes nicht. Erst fünf (!) Jahre später begann unter der Ägide des Belca-Werkes eine erste bescheidene Serienfertigung. Größere Stückzahlen gab es wohl erst, nachdem dieser Betrieb im Jahr darauf aufgelöst und seine Fertigung dem Welta-Werk angegliedert wurde. Charakteristisch für diese Belmira ist, daß sie mittlerweile einen Schrägauslöser bekommen hatte, den einstmals Wilhelm Winzenburg für die Spiegelcontax patentiert hatte. Wenn man so will kann man das als ein frühes Zeichen für die noch folgenden Konzentrationsprozesse ansehen, die 1959 durch die Gründung der Kamera- und Kinowerke gefestigt wurden und letztlich 1968 in der Gründung des großen "Kamerakombinates" Pentacon mündeten.

Belmira Schnellspannhebel

Mit ihrem gekuppeltem Vebur-Zentralverschluß und ihrem gekuppelten Entfernungsmesser gehörte die Belmira zu den wenigen Meßsucherkameras des DDR-Photogerätebaus. Freilich war der Meßsucher nur sehr einfach aufgebaut. Statt mithilfe eines halbtransparenten Spiegels wurde das Mischbild duch einen Glasstab eingespiegelt, der in den Sucher hineinragte und dessen Ende verspiegelt war. Der eigentliche Sucher war linsenlos als Rahmensucher ausgeführt. Damit man das Mischbild überhaupt erkennen konnte, mußte dieser Rahmensucher mithilfer einer getönten Scheibe stark abgedunkelt werden. Das war natürlich deutlich simpler gelöst als bei der zeitgenössichen Werra III des Zeisswerks, die mit ihren Wechselobjektiven aber ohnehin in einer völlig anderen Liga spielte. Leider stellte sich auch heraus, daß der dünne Glasstab leicht abbrach, wenn die Kamera größere Erschütterungen erfuhr. Auch war derselbe als in das Sucherbild hereinragende Störung sichtbar.


Angesichts eines Verkaufspreises von 182,70 Mark für die Version mit Trioplan und 210,- Mark für jene mit Tessar war diese vereinfachte Konstruktion aber akzeptabel. Eigentlich hatte diese Belmira das Potential, eine große Volkskamera der DDR werden können, aber die kurze Zeitspanne, die sie tatsächlich in größeren Mengen produziert wurde, vereitelte dies wohl. Die Belmira ist sicherlich ein Opfer der starken Umstrukturierungen geworden, die der DDR-Kamerabau in den späten 50er Jahren durchleben mußte.

Belmira Trioplan

Späte Belmira mit Trioplan 2,9/50mm und einem anderen Ausschnitt in der Deckkappe für die Einspiegelung des Mischbildes. Da bei dieser Kamera - wie oben bereits angedeutet - typischerweise der verspiegelte Glasstab abgebrochen war, habe ich den Meßsucher auf die übliche Bauart mit einer schräggestellten halbverspiegelten Glasscheibe umgebaut, was man auf dem Bild oben bei genauerer Betrachtung auch erkennen kann. Durch diesen Umbau wurde überdies der Sucher bedeutend heller.

Zum Abschluß noch folgende Informationen: Im "Thiele" kann man nachlesen, daß für die Belmira etwa 38.000 Tessare 2,8/50 geliefert wurden. Bedenkt man, daß diese Kamera ja auch mit Trioplan ausgerüstet wurde, so ist die Belmira nicht wirklich selten. Die oben angedeutete kurze Produktionszeit wird hingegen dadurch bekräftigt, daß die meisten dieser Tessare lediglich zwischen Januar 1956 und Oktober 1958 geliefert wurden. Nur eine Abweichung sticht ins Auge: Dieser Auflistung zufolge seien bereits im November 1954 5000 dieser Tessare fertiggestellt worden. Ob diese geliefert und wirklich in eine frühe Serie dieser Kamera montiert wurden, das kann ich freilich nicht sagen.

Marco Kröger


letzte Änderung: 8. April 2020