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Phototechnik aus Jena, Dresden und Görlitz
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Meyer-Optik Görlitz 1950er
Ein Blick in die Geschichte der Firma Hugo Meyer in Görlitz bis zum Beginn der 1950er Jahre
Es kommt nicht von ungefähr, daß es gerade die 1890er Jahre gewesen sind, da ein junger Mann namens Hugo Meyer (1863 - 1905) eine Objektivbauanstalt im schlesischen Görlitz gründete. Diese Epoche muß wohl als die bedeutendste Umbruchphase innerhalb der Geschichte der Photographie bezeichnet werden. Beinah sechs Jahrzehnte – immerhin ein ganzes Menschenalter – war diese bildgebende Medientechnik bereits alt, als sich ganz neue Entwicklungspfade auftaten. Lange Zeit war die Photographie ein Steckenpferd verschrobener Enthusiasten gewesen, die mit ihrer Experimentierfreude einerseits das Medium technisch voranbrachten und andererseits um eine Anerkennung der Photographie als ernstzunehmende Kunstform kämpften. Seit etwa den 1860er Jahren kamen außerdem die Berufsphotographen hinzu, die den ganzen Hexenzauber in einer Weise professionalisierten, daß sich Ateliers aufbauen ließen, mit denen man Geld verdienen konnte. Bis in die 1880er Jahre waren es also diese beiden Gruppen der „Profis“, die das Metier der Photographie beherrschten.

Langfristig gesehen den größten Umschwung brachte dann aber die Einführung der Gelatine-Trockenplatte ab den 1870er Jahren. Nun war es nicht mehr notwendig, das lichtempfindliche Aufnahmematerial erst kurz vor der Aufnahme selbst herzustellen und danach umgehend zu entwickeln, sondern das Material von spezialisierten Herstellern in gleichbleibender Qualität zu kaufen. Das eröffnete den Weg für weitere eklatante Fortschritte. Einer lag in der sogenannten Farbsensibilisierung, die zur Folge hatte, daß nun nicht mehr nur violettes und blaues Licht das Bild alleinig aufbaute, sondern auch grüne und sogar gelbe spektrale Lichtanteile. Dieser photochemische Fortschritt stellte natürlich erhöhte Anforderungen an die Abbildungsoptiken. Die Objektivbauanstalten reagierten auf diese Entwicklung, indem sie den Objektivtyp des Aplanaten herausbrachten, der neben einer sphärischen auch eine chromatische Korrektur erlaubte. Diese technischen Veränderungen sorgten in den 1890er Jahren dafür, daß die bisher verwendeten Objektive außer Gebrauch kamen und die Nachfrage nach neuen Konstruktionen sprunghaft anstieg

Auch die zum 1. April 1896 gegründete Optisch-Mechanische Industrieanstalt Hugo Meyer & Co. begann wohl zunächst mit jenem Aplanat-Typ, der in Form eines Aristoplanat f/8 und eines Aristoplan f/7,2 herausgebracht wurde. Für Portait-Zwecke wurde zudem eine Variante des Petzval-Objektives mit Lichtstärken bis f/3 geschaffen und unter dem Namen Atelier-Schnellarbeiter vertrieben. Der obige Auszug aus dem Gesellschaftsregister Görlitz [aus: Reichsanzeiger vom 17. 4. 1896, S. 24.] läßt uns wissen, daß sich das "Co." im Firmennamen auf den Mitbegründer namens C. H. Schätze bezog.

Parallel zur technischen Weiterentwicklung fand damals auch eine Ausweitung des Nutzerkreises statt: Die 1890er Jahre markieren zweifellos den Durchbruch der Amateurphotographie. Nicht von ungefähr entstehen zur selben Zeit in Dresden bedeutende Photogerätehersteller, die die Stadt für ziemlich genau 100 Jahre prägen werden. Die Einführung des biegsamen Schichtträgers in Form von Rollfilmen fällt in jene Epoche, womit die Handhabung der Photogerätschaften immens vereinfacht werden konnte. Damit tat sich auch ein riesiger neuer Absatzmarkt für Photoobjektive auf, der überhaupt erst das Einstiegstor für neue Firmen wie diejenige des Hugo Meyer bildete. Gleichzeitig wuchsen aber auch die Anforderungen an die Abbildungsleistung der Objektive, denn diese Verbreitung des Photographierens in den breiten Massen hatte zur Folge, daß über die nächsten Jahrzehnte hinweg eine beständige Verkleinerung der Aufnahmeformate ausgelöst worden war. Auf einmal gelang es "Newcomern" wie Goerz, Schneider oder eben Meyer, sich durch innovative Erzeugnisse auch qualitativ von den schon seit Jahrzehnten etablierten Traditionsfirmen wie Voigtländer, Busch oder Steinheil abzusetzen bzw. dieselben herauszufordern und in einen Wettbewerb um die besten Konstruktionen zu zwingen.
Frontansicht der ersten eigenen Fertigungsstätte der Optisch-Mechanischen Industrie-Anstalt Hugo Meyer & Co. in der Biesnitzer Straße 22, die Anfang des 20. Jahrhunderts bezogen wurde, nachdem die bisherigen Räumlichkeiten zu klein geworden waren. Die Anschrift "für Projektion und Kinematographie" deutet auf einen Aufnahmezeitpunkt kurz vor oder nach dem Ersten Weltkrieg. Der persönliche Werdegang Hugo Meyers ist übrigens eng an den Optiker Oscar Simon geknüpft, bei dem er bereits in Potsdam gearbeitet hatte und der ihn als Werkleiter beschäftigte, als Simon seine Fabrikation für wenige Jahre nach Görlitz verlegt hatte. Der erneute Umzug Oscar Simons nach Dresden ließ dessen Fabrikräume in der Löbauer Straße frei werden, was offenbar für Hugo Meyer den Anlaß gab, an diesem Standort zum 1. April 1896 eine eigene Optikfertigung einzurichten. Fünf Jahre später erfolgte der Umzug in die oben genannte Biesnitzer Straße.

Bereits zum 25. November 1897 führte Hugo Meyer seine Firma allein, der Mitinhaber Heinrich Schätze schied wieder aus.
Denn die 1890er Jahre waren schließlich dasjenige Jahrzehnt, in dem es erstmals gelang, Objektive nicht nur sphärisch und chromatisch zu korrigieren, sondern endlich auch den bislang nicht beherrschbaren Astigmatismus (Punktlosigkeit) anzugehen. Und so wie der Kunststoff-Pionier Nitrozellulose die Materialbasis für die Roll- und Kleinbildfilme bildete, so sorgten völlig neuartige optische Gläser für einen immensen Aufschwung im Bereich der rechnenden Optik. Der Begriff des Anastigmats beherrschte nun die Fachwelt und die verschiedenen Lösungsansätze für diesen neuen Objektivtyp boten den Objektivherstellern ein großes Potential, sich rasch im Markt zu etablieren.
Die Ära Friedrich Kollmorgen
Angesichts dieses raschen Innovationsgeschehens wird deutlich, welch eine zentrale Bedeutung dem Optikkonstrukteur Dr. Friedrich Kollmorgen für die Gründungsphase der Firma Hugo Meyer zukam. Es ist wohl hauptsächlich seiner Leistung zu verdanken, daß die junge optische Anstalt in Görlitz binnen so kurzer Zeit einen derart raschen Aufstieg erleben und sich im Markt ein großes Renommee erarbeiten konnte. Dabei ist die Tatsache, daß Kollmorgen für Meyer gearbeitet hat, in der Fachwelt bis heute wenig bekannt. Das liegt daran, daß in der zeitgenössischen Literatur sein Name nicht auftaucht. Auch in den Patentschriften zu seinem Aristostigmat wird er – wie damals üblich – nicht als Erfinder benannt. Erst viel später, als Friedrich Kollmorgen lange schon in die USA ausgewandert war und sich dort als Frederick Kollmorgen ein eigenes Optik-Unternehmen aufgebaut hatte, finden sich eindeutige Verweise auf seine Urheberschaft für den Aristostigmat in der Literatur [Vgl. u.a. Pritschow, Karl: Die photographische Kamera und ihr Zubehör: in: Hay, Alfred (Hrsg.): Handbuch der wissenschaftlichen und angewandten Photographie, Band II, 1931, S. 299 sowie Brandt, Hans-Martin: Das Photo-Objektiv, Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion, 1956, S. 55.].

Eine gewisse Verwirrung und Verunsicherung mag sich damals auch daraus ergeben haben, daß sich in einer älteren Literaturstelle vor dem Ersten Weltkrieg mit "H. Kollmorgen" eine falsche Abkürzung des Vornamens einschleicht, die später von anderen Publikationen stets aufs Neue übernommen wurde. Verantwortlich dafür könnte ausgerechnet Kollmorgens Kollege Hans Harting gewesen sein – der Errechner des Voigtländer'schen Heliars – bei dem diese Fehlleitung wohl zum ersten mal auftaucht [Vgl. Harting: Optisches Hilfsbuch für Photographierende, 1909, S. 139.].
An diesem Aristostigmat, dessen Aufbau im Deutschen Reichspatent Nr. 125.560 vom 6. Juni 1900 geschützt ist, läßt sich nun sehr gut ablesen, wie hart der Konkurrenzkampf unter den Objektivbauanstalten damals gewesen ist und wie schnell diese im Innovationsgeschehen ins Hintertreffen geraten konnten. Diese Erfahrung mußte vor allem ein gewisser Paul Rudolph in Jena machen, denn kaum daß dieser Mann in den Jahren 1889/90 ein Verfahren zur anastigmatischen Bildfeldebnung ersonnen hatte, wurde dasselbe von Emil von Höegh aufgegriffen und als Grundlage für das Goerz Dagor patentrechtlich abgesichert. Dieses Dagor, das Vorbild für viele ähnlich aufgebaute frühe Anastigmate wurde, kann man gewissermaßen als einen auf die Korrektur des Astigmatismus getrimmten Aplanaten ansehen. Und Aplanate waren wiederum aus zwei Fraunhofer-Achromaten aufgebaute symmetrische Doppelobjektive. Als Reaktion auf diesen Rückschlag wandte sich Paul Rudolph nun einem anderen Typus des Achromaten zu: demjenigen von Carl Friedrich Gauß nämlich, der sich durch eine meniskenförmige Durchbiegung von Sammel- und Zerstreuungslinse auszeichnete. Ergebnis war im Jahre 1896 das »Planar«. Doch dieses ambitionierte Objektiv, das den Anastigmaten auf das Lichtstärke-Niveau des alten Petzval-Objektivs gebracht hatte, war seiner Zeit zu weit voraus. Um das Planar vollständig chromatisch korrigieren zu können, hatte Rudolph die „hyperchromatische Zerstreuungslinse“ eingeführt, bei der er durch Verkitten zweier Linsen eine Dispersionswirkung erzielte, die mit einer Einzellinse damals nicht machbar gewesen wäre. Mit seinen sechs Linsen eignete sich das Planar aber schon aus Kostengründen damals nicht als universelles Massenobjektiv.
Und fast so, wie im Dezember 1892 der gerade erst 27-jährige Emil von Höegh (1865 - 1915) Paul Rudolph die Priorität zum symmetrischen Doppelanastigmaten "weggeschnappt" hatte, so griff nun anno 1900 der 28-jährige Friedrich Kollmorgen (1871 - 1961) Rudolphs Ansatz für einen Doppelgauß-Anastigmaten auf und erreichte eine wesentliche Vereinfachung dieses Typs dadurch, daß er dessen chromatische Korrektur auch ohne Rudolphs aufwendige Kittglieder erreichen konnte.
„Bedingung hierfür [war], daß der Brechwert des sammelnden Meniskus bei kleiner Dispersion mindestens so groß wie der des zerstreuenden sein muß“ [Brandt, Hans-Martin: Das Photo-Objektiv, Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion, Wiesbaden, 1956, S.55].
Wie viele praktische Optiker verwendet Herr Brandt hier den Begriff "Brechwert" falsch (der ja eigentlich für die in Dioptrien gemessene Brechkraft steht). Er mein natürlich die Brechzahl. Der Aristostigmat zeichnet sich also dadurch aus, daß bei ihm in den Sammellinsen hochbrechendes Kron Verwendung fand, dem eine Zerstreuungslinse von geringerer Brechzahl aber höherer Dispersion gegenübergestellt wurde. Diese Kombination bezeichnet man als anomales Glaspaar bzw. als Neuachromat. Die sich zwischen den beiden Linsen der Objektivhälfte ausbildende Luftlinse bekam dadurch – obwohl sie ja von der äußeren Form her einer Zerstreuungslinse gleicht – eine sammelnde Wirkung. Das war der Schlüssel dazu, das sogenannte Doppelgaußobjektiv, das sich schon der Amerikaner Alvan Clark 1889 hatte patentieren lassen [US399.499] mit einer anastigmatischen Bildfeldebnung zu versehen. Man muß natürlich dazusagen, daß das Einführen sammelnder Luftlinsen in den Doppelgauß damals "in der Luft lag" und Kollmorgen hatte diese Idee schlichtweg als erster verwirklicht. Im Jahr zuvor hatte Paul Rudolph eine sammelnd wirkende Luftlinse in den Triplet-Typ eingeführt ("Unar").

An diesem Aristostigmat erhitzten sich nun die Gemüter der Fachwelt. Von Manchen wurden solche Vielflächner kategorisch abgelehnt. Bestanden Aplanate oder Dagor-ähnliche Anastigmate aus zwei Linsengruppen mit vier Glasoberflächen, so waren es beim Aristostigmat nun vier einzelnstehende Linsen mit acht Oberflächen. Durch die charakteristische Mensikenform hatten vier von diesen Flächen zu allem Übel auch noch die Gestalt eines regelrechten Hohlspiegels und sie warfen sich die Spiegelbilder von Lichtquellen im Motiv regelrecht gegenseitig zu, bis sie schließlich willkürlich auf die Schicht fielen. Das Arbeiten mit derartigen Doppelanastigmaten verlantge daher stets nach viel Aufmerksamkeit bei der Bildgestaltung. Auf der anderen Seite ließen sich einfach nicht die ausgezeichneten Korrektureigenschaften des Doppelgauß leugnen, die diesen Objektivtyp damals bereits einen qualitativen Vorsprung verschafften und die außerdem der Grund dafür sind, weshalb dieser bis heute noch in Gebrauch ist.

Das Warenzeichen "Aristostigmat" ließ sich Hugo Meyer zum 19. Januar 1903 schützen [aus: Reichsanzeiger 1. Mai 1903, S. 31.]. Aristoplan für die einfachen Aplanate jedoch erst im Sommer 1911 [aus: Reichsanzeiger 8. August 1911, S. 22.].


Der Aristostigmat war zunächst mit der wenig spektakulären Lichtstärke 1:7,7 eingeführt worden, doch die Reklame oben aus dem Jahr 1905 zeigt, daß er schon kurze Zeit später durch die Systeme 1:6,8 und 1:5,5 ersetzt werden konnte. Später kam sogar ein für damalige Verhältnisse sehr lichtstarkes Normalobjektiv 1:4,5 bzw. 1:4 sowie ein als ausgesprochenes Weitwinkelobjektiv ausgelegter Aristostigmat mit der Öffnung 1:9 hinzu. Damit hatte die kleine Firma jetzt nicht nur ein komplettes Portfolio an modernen Anastigmaten im Angebot, sondern konnte durch den erfolgreichen Patentschutz auch ein anderthalbes Jahrzehnt lang ungestört prosperieren. Um diese Leistung zu würdigen, muß man sich einfach noch einmal vor Augen führen, daß zum Zeitpunkt der Patentierung des Aristostigmats die Objektivbauanstalt des Hugo Meyer gerade einmal vier Jahre in Betrieb war. Und nun mußte sie sogleich rasch expandieren, denn diese hochwertigen und preislich attraktiven Objektive wurden vom Markt sehr gut angenommen. So konnte bereits zur Jahresmitte 1910 die Fertigstellung des 50.000ten Objektives gefeiert werden [Vgl. Photographische Rundschau 18/1910, S. 101.]. Daß die junge Firma dabei von Anfang an auch eine hohe Qualität bei der technischen Ausführung ihrer Objektive sicherstellen konnte, war sicherlich der hervorragenden Ausbildung Hugo Meyers bei Oscar Simon und bei Leitz in Wetzlar zu verdanken. Meyer-Optik etablierte sich daher in kürzester Frist zu einem der bedeutendsten Objektivbauanstalten des Weltmarktes.

Leider war es dem Firmengründer nicht lange vergönnt, den Erfolg seines jungen Unternehmens noch mitzuerleben. Hugo Meyer verstarb nach kurzer Krankheit im 41. Lebensjahr am 1. März 1905 [Vgl. Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik, 1905, S. 244.]. Seine Witwe Elise Meyer führt die Firma fort – zunächst auch in Vertretung der fünf gemeinsamen Kinder des Ehepaares [Vgl. Reichsanzeiger vom 14. 4. 1905, S. 20.]. Einer der Söhne – Hugo Meyer junior – erhält in dieser Zeit eine kaufmännische Ausbildung und wird die Firma später leiten.

Daß sich der wirtschaftliche Aufschwung der Firma trotz des Todes des Gründers in der Folgezeit ungebrochen fortsetzt, hat sicherlich auch damit zu tun, daß die geschäftlichen Geschicke ausgebildeten Kaufleuten in die Hände gelegt werden. So wird die Prokura über die Firma zunächst einem Kaufmann namens Alfred Gruchot übertragen [Vgl. Reichsanzeiger vom 1. 5. 1905, S. 38.]. Er wird zwar zum 12. April 1910 wieder aus der Prokura entlassen [Vgl. Reichsanzeiger vom 19. 4. 1910, S. 29.], doch im Jahr darauf wird der Kaufmann Ludwig Rid zum Prokuristen bestellt [Vgl. Reichsanzeiger vom 18. 11. 1911, S. 29.]. Dieser Ludwig Rid wird die Firma Meyer-Optik geschickt durch Weltkrieg, Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise führen.


Zum 16. Oktober 1913 wird dann Hugo Meyer junior gewissermaßen zum offiziellen Führer der Firma neben seiner Mutter erhoben [Vgl. Reichsanzeiger vom 13. 10. 1913, S. 24.]. Im Januar 1928 steigt Ludwig Rid sogar zum Mitgesellschafter auf [Vgl. Reichsanzeiger vom 25. 1. 1928, S. 16.]. Nach 20 Jahren scheidet er zum 27. November 1933 aus der Firma aus [Vgl. Reichsanzeiger vom 19. 12. 1933, S. 18.].




Erste Veröffentlichung zum neuen Aristostigmat durch die Firma Hugo Meyer im Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik von 1901. Im Grunde genommen hatte sich Friedrich Kollmorgen aller Korrekturprinzipien bemächtigt, die Paul Rudolph in den letzten zehn Jahren erarbeitet hatte und schuf auf diese Weise ein Pendant zum Planar, das einfach nur weniger lichtstark und weniger aufwendig war. Es sollte hier auch nicht unerwähnt bleiben, daß sich kurze Zeit darauf noch ein anderer Objektivkonstrukteur, nämlich der gerade erst 23-jährige Karl Martin in der Emil Busch AG, ebenfalls dem Doppelgauß zuwandte und diesen sphärisch, chromatisch und astigmatisch auskorrigieren konnte, ohne auf die neuen Schwerkrongläser zurückgreifen zu müssen. Dieser Omnar-Anastigmat konnte daher noch einmal preiswerter gefertigt werden als der Aristostigmat, erreichte aber ganz offensichtlich nicht im Ansatz dessen den Verkaufserfolg.

Diese Objektive aus der Anfangszeit der Firma Hugo Meyer wurden auch noch bis weit in die 1920er Jahre gefertigt: Der Aristoplanat 1:7,7 als billiges Einsteigerobjektiv und der Atelier-Schnell-Arbeiter 1:3 für Kopfbildnisse im Atelier.
Die Übernahme der Firma Schulze & Billerbeck
In ungewöhnlich kurzer Zeit hatte die Firma Hugo Meyer eine große Marktbedeutung erlangt. Während es wirtschaftlich offenbar blendend lief verschärfte sich das Problem, auf wissenschaftlicher Seite konkurrenzfähig zu bleiben. In dieser Zeit am Vorabend des Ersten Weltkrieges fällt die Übernahme der Konkurrenzfirma Schulze & Billerbeck [Vgl. Reichsanzeiger vom 28. 11. 1911, S. 28.].
Aus dem oben wiedergegebenen Artikel in Eders Jahrbuch erfahren wir, daß die damals als Gebrüder Schulze firmierende optische Werkstatt in Potsdam seit dem Jahre 1904 ein Objektiv mit dem Namen Euryplan 1:6. fertigte [aus: Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik, 1904, S. 35ff.]. Dieser Anastigmat war von Ernst Arbeit konstruiert und im Deutschen Reichspatent Nr. 135.742 vom 21. Februar 1901 geschützt worden. Die Gebrüder Schulze hatten offenbar das Patent erworben oder zumindest die Fertigungslizenz dafür.

Die Gebrüder Schulze scheinen sich aber in der Folgezeit getrennt zu haben. Zu Jahresbeginn 1906 gründet der eine Bruder namens Hermann Schulze mit dem Apotheker Friedrich Billerbeck in der damals noch selbständigen Stadt Schöneberg eine optische Firma [Vgl. Reichsanzeiger vom 28. 2. 1906, S. 25.]. Zum 25. März 1907 verlegen die Inhaber den Sitz nach Berlin [Vgl. Reichsanzeiger vom 2. 4. 1907, S. 49.], und zwar in die Reichenbergstraße 121.

Das Euryplan oben im Jahre 1905 noch von den Gebrüdern Schulze in Potsdam, unten im Jahre 1907 von Schulze & Billerbeck in Berlin. Man achte auf die Warenzeichen-Nummer 87.042!


Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verlegen die Inhaber ihre Firma zum Jahresende 1910 nach Görlitz [Vgl. Reichsanzeiger vom 29. 12. 1910, S. 14.]. Zum 10. Januar 1911 wird Friedrich Billerbeck als alleiniger Inhaber eingetragen [Vgl. Reichsanzeiger vom 16. 1. 1911, S. 43.]. Und zum 20. November 1911 übernimmt dann Hugo Meyer jr. die Firma Schulze & Billerbeck [Vgl. Reichsanzeiger vom 28. 11. 1911, S. 28.] und macht Ludwig Rid zum Prokuristen.


Wohlgemerkt wird die Firma Schulze & Billerbeck nicht aufgelöst. Zwar wird der Besitz am Warenzeichen 87.042 zum 20. Dezember 1911 an Hugo Meyer umgeschrieben, doch das Euryplan wird zunächst unter der bisherigen Herstellerbezeichnung Schulze & Billerbeck weiterfabriziert. Man hat den Eindruck, daß Meyer Görlitz kein Interesse daran hatte, das Euryplan als ein weiteres Objektiv aus eigenem Hause am Markt zu haben. Möglicherweise war auch die Patentlizenz an den Namen Schulze & Billerbeck gebunden. Es fällt auf, daß erst während des Weltkrieges, nachdem das Grundpatent abgelaufen war, Euryplan-Objektive unter der Herstellerbezeichnung "Hugo Meyer Görlitz" am Markt erscheinen.



Für die Firma Hugo Meyer eröffnete die Euryplan-Konstruktion auch den Zugang zu einem hochwertigen Satzobjektiv (der zuvor angebotene Aristostigmat-Satz hatte kaum Verbreitung gefunden). Da – wie es Ernst Arbeit in dem obigen Aufsatz bereits angesprochen hat – die Einzelhälften bereits für sich gut korrigiert waren, ließen sie sich beliebig einzeln oder in Kombination miteinander verwenden, was zu drei verschiedenen Brennweiten führte. Nachdem ab 1920 Paul Rudolph mit Meyer zusammenarbeitete, und hier seine vom Euryplan abgeleiteten Plasmate einbrachte, verschwanden die originalen Eurynare aus dem Angebot der Firma.
Die Ära Hermann Servus
Im Jahre 1908 war nach den damals geltenden Gesetzen der Patentschutz des Goerz Dagors abgelaufen. Viele Objektivbauanstalten begannen nun, diesen Objektivtyp in ihr Programm zu nehmen. Sogar die Firma Zeiss, obgleich sie ja ihr Protar im Angebot hatte, baute diesen Objektivtyp unter dem Namen Doppel-Amatar nach. Meyer brachte einen solchen Doppelanastigmat mit den Öffnungen 1:6,8 und 1:5,4 heraus, der jedoch im Vergleich zu den Konkurrenzerzeugnissen keine Besonderheiten aufwies. Gegenüber dem Aristostigmat hatte dieser Dagor-Typ lediglich den Vorteil, daß er statt acht nur vier Glas-Luft-Grenzflächen aufwies und daher deutlich weniger spiegelte.

Im Jahre 1910 gelang es der Firma Hugo Meyer aber, mit einem nach dem Vorbild des Dagors aufgebauten Doppel-Anastigmaten mit der beachtlichen Lichtstärke 1:4,2 Aufmerksamkeit zu erlangen [Vgl. Photographische Chronik Nr. 97/1910, S. 597.]. Als Konstrukteur dieses teils unter dem Namen "Silesar" beworbenen Objektivs wurde ein Prof. Dr. Servus angegeben [Vgl. Photographische Rundschau Nr. 22/1910, S. 113.]. Auch im oben gezeigten Ausschnitt aus Eders Jahrbuch 1912 wird ein Dr. H. Servus als Schöpfer des Meyer Doppelanastigmaten f/4,2 erwähnt. Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, daß es sich dabei um den Oberlehrer für Mathematik am Friedrichs-Realgymnasium in Berlin und Privatdozenten an der Technischen Hochschule Charlottenburg Hermann Servus handelt. Dieser Mann hat offenbar "nebenbei" Objektive für Meyer Görlitz gerechnet – was tief blicken läßt in Bezug auf den Mangel an Fachpersonal, an dem die prosperierende Firma damals litt.

Eders Jahrbuch von 1914 gibt uns sogar zwei Gebrauchsmuster an. Leider sind dieselben bisher nicht auffindbar. Wenigstens erfahren wir, daß die Grundlage für den Konstruktionserfolg der Einsatz der damals ziemlich neuartigen Fluor-Kron-Gläser gewesen sei, die mit ny-Werten bis 70 außerordentlich gering dispergierten. Zumindest zeitweise wird dieses Doppelobjektiv unter dem Markennamen "Silesar" herausgebracht.

Der Markenname Silesar für diese Meyer Doppelanastigmate wird aus bisher nicht bekannten Gründen nicht durchweg verwendet. In SPÄTEREN Werbeannoncen wird der Typus wieder schlicht Doppel-Anastigmat F:4,2 genannt.


Den Markennamen Silesar für die Doppelanastigmate hat sich die Firma Hugo Meyer erst im Juli 1919 schützen lassen.

Der oben wiedergegebene Ausschnitt aus dem Buch "Lichtbildkunde" von 1927 teilt uns mit, daß besagter Dr. Servus "leider zu früh verstorben" sei. Der aus Halle stammende Hermann Servus promovierte im Jahre 1885 über Bahnberechnungen von Himmelskörpern und ging im selben Jahr (weil er sich mit einer Martha Ruprecht verlobt hatte) nach Berlin, wo er zunächst als Hilfslehrer und ab 1889 als ordentlicher Lehrer beschäftigt wurde. Wegen seiner Verdienste im Schulwesen wurde der mittlerweile zum Oberlehrer aufgestiegene Servus im Februar 1906 zum Professor ernannt [Vgl. Reichanzeiger vom 14. Februar 106, erste Beilage.]. Zwischen 1888 und 1911 war er auch Privatdozent an der Technischen Hochschule Berlin. Er betätigte sich als Autor mathematischer, pädagogischer und technikgeschichtlicher Sachbücher und erlangte auch als Lagrange-Übersetzer Bekanntheit. Dieser Hermann Servus starb unerwartet am 26. November 1916 im Alter von 58 Jahren.

Noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg brachte die Firma Meyer das dreilinsige Trioplan heraus [Vgl. Photographische Chronik Nr. 6/1914, S. 43.], das heute sicherlich zu ihren berühmtesten Erzeugnissen zählt. Es wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls von Hermann Servus gerechnet. Es war zunächst mit der hohen Lichtstärke 1:3 speziell für kinematographische Aufnahme- und Wiedergabegeräte im Angebot. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Portrait-Trioplan 1:3,0 als Ersatz für die veralteten Petzval-Schnellarbeiter geschaffen und die lichtschwächeren Trioplane 1:4,5 und 1:6,8 füllten bereits als Universalobjektive die Marktlücke der günstigen Preisklasse aus, die dem Trioplan später noch so große Verbreitung einbringen sollte, als in den späten 1920er Jahren die mannigfaltigen Amateurkameras des Kleinbild- und Mittelformates ihren Durchbruch erlebten.


Das Warenzeichen "Trioplan" war der Firma Hugo Meyer in Görlitz bereits im Sommer 1913 erteilt worden.
Die Ära Paul Rudolph
Der beispielhafte Aufstieg der Optischen Anstalt Hugo Meyer vor dem Ersten Weltkrieg hatte gezeigt, wie eine junge Firma in einem bedeutenden Wachstumsmarkt von Null an die Spitze vorstoßen kann, wenn sie gute Produkte anzubieten hat. Eine Zeit lang läßt sich auf diesem Erfolg ausruhen; dann braucht es freilich adäquate Nachfolgeprodukte. Und dies verlangt nach talentierten Konstrukteuren. Auf Friedrich "Fritz" Kollmorgen konnte dabei jedoch nicht zurückgegriffen werden, denn der arbeitete zwei Jahre später bereits für die Wiener Firma C. Reichert und entwickelte dort die beiden Anastigmate "Solar" und "Combinar" [Österr. Pat. Nr. 2094 vom 9. Januar 1902]. Im Jahre 1905 wanderte er gar nach Amerika aus und machte sich dort 1911 mit einer Spezialfirma für Sehrohre selbständig – angesichts des bevorstehenden Ersten Weltkrieges ein fabelhafter Einfall!

Sich als Ersatz für einen fest angestellten Optik-Konstrukteur die Objektive von einem Gymnasiallehrer quasi "nebenbei" errechnen zu lassen, das war für Meyer Optik auch keine ideale Lösung. Aber nachdem dieser Hermann Servus zum Jahresende 1916 unvermittelt verstorben war, wurde dieses Problem für die Firma nun akut. Es läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen, wie das damals genau abgelaufen ist, doch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kommt es zu einer Zusammenarbeit der Firma Hugo Meyer mit dem Begründer der Abteilung Photo bei Zeiss Dr. Paul Rudolph.
Paul Rudolph, wie Hermann Servus im Jahre 1858 geboren, hatte die Firma Zeiss im Oktober 1910 nach langjährigen Auseinandersetzungen in Zwietracht verlassen. Er zog sich gezwungenermaßen ins Privatleben auf sein Gut im Vogtland zurück. Rudolph durfte infolge seines im Alter von 30 Jahren mit dem Zeisswerk geschlossenen Arbeitsvertrages binnen einer Frist von zehn Jahren nach dem Ausscheiden bei Zeiss nicht im Objektivbau tätig werden. Nachdem eine erneute Annäherung an Zeiss, als er während des Krieges bei seinem alten Arbeitgeber dienstverpflichtet worden war, mißlang, weil Paul Rudolph die Patente für seine bei Zeiss geschaffenen Neuentwicklungen unter seinem eigenen Namen angemeldet hatte und Zeiss nicht zu einer Lizenz-Fertigung bereit war, fand er ausgerechnet im Konkurrenten Meyer-Görlitz einen dankbaren Lizenznehmer dafür [Vgl. Paul Rudolph✝; in: Fotografische Rundschau und Mitteilungen, 7/1935, S. Xf.]. Für die schlesische Objektivbauanstalt entpuppte sich das als ein großer Glücksfall, weil in den folgenden Jahren nicht allein die neugeschaffenen Produkte, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung Rudolphs für beständige Aufmerksamkeit in den Fachkreisen sorgen sollten.

Im Jahre 1922, als die Inflation in Deutschlands in den Galopp überging, sah sich Rudolph gar gezwungen, seinen Landsitz zu verlassen und nach Groß-Biesnitz bei Görlitz umzuziehen, um sich trotz seines fortgeschrittenen Alters von über 60 Jahren bei Meyer wieder als fest angestellter Optikrechner zu betätigen. Für diesen Schritt scheint also durchaus wirtschaftliche Not eine Rolle gespielt zu haben [Vgl. ebenda.]. Im Jahre 1923 ist er erstmals in der auch heute noch sehr bürgerlichen Promenadenstraße im Adressbuch verzeichnet. Die große Schaffenskraft, die Paul Rudolph trotz seines fortgeschrittenen Alters nun wiedererlangte, brachte für Meyer ein Innovationspotential, wie es durch ein vorübergehendes Einkaufen von fremden Konstrukteuren, wie den oben erwähnten Ernst Arbeit oder des Prof. Servus, so nie zu erreichen gewesen wäre.

Für die Görlitzer Optikanstalt war diese "Talentabwanderung" auch deshalb ein echter Glücksfall, da mittlerweile ein neues Zeitalter angebrochen war, das nach neuen Objektivtypen verlangte. Mit dem Emporkommen der Kinematographie während des Krieges hatte sich für Objektive ein ganz neues Anwendungsfeld aufgetan. Auch der Amateur-Schmalfilm sowie die Kleinbildphotographie standen jetzt kurz vor dem Durchbruch. Die Firma Meyer-Optik war davon bedroht, im Zuge dieses Wandels mit ihren auf die Belange der Plattenkameras ausgerichteten Produkten an Konkurrenzfähigkeit einzubüßen. Statt Objektive, die aufgrund der großen Bildfläche bisheriger Aufnahmeformate nur für begrenzte Vergrößerungsmaßstäbe ausgelegt sein mußten, wurden nun Anastigmate von höchster Lichtstärke gefordert, die die neuen kleinen Formate mit kompromißloser Schärfe auszeichnen mußten, damit genügend Reserven für die prinzipbedingt starken Nachvergrößerungen vorhanden waren. Als Reaktion wurde nach dem Ersten Weltkrieg eine Abteilung für Kinoaufnahme- und Projektionsobjektive gegründet.
Plasmat-Satz 4,5/22,3cm für das Plattenformat 13x18cm. Das hintere Glied läßt sich allein verwenden und hat dann die Daten 8/32cm. Verwendet man die Frontgruppe allein, dann hat man, verglichen mit dem Gesamtobjektiv, eine mehr als doppelt so lange Brennweite zur Verfügung, deren Lichtstärke bei 1:11 liegt. Paul Rudolph hatte damit seine Arbeiten an einem Satz-Anastigmaten seit den Jahren 1891/92 zu einer gewissen Perfektion gebracht.

Als Grundlage für einen Start in dieses neue Zeitalter sollte sich der Plasmat-Anastigmat [DRP Nr. 322.506 vom 27. März 1918] erweisen, den Paul Rudolph am Ende des Krieges zum Patent angemeldet und nun quasi "zum Einstand" bei Meyer "mitgebracht" hatte. Mit dieser Konstruktion war es Rudolph gelungen, ein neues Niveau an sphärochromatischer Korrektur zu erreichen, ohne jedoch mit dem Patentschutz seines eigenen Planares ins Gehege zu kommen. Aber auch Alternativen zum Tessar hatte er bereits "im Gepäck" [DRP Nr. 331.844 vom 7. Mai 1918 und 331.807 vom 14. Dezember 1918]. Während der folgenden Dekade baute Rudolph seinen Plasmat-Typus sowohl zum universellen Plasmat-Satz aus (siehe Bild oben), als Doppel-Plasmat 1:4 aber auch zum lichtstarken Portraitobjektiv für das Großformat. Doch in der Fachliteratur entspann sich zugleich eine lebhafte Debatte darüber, inwiefern es in der Praxis nachweisbar sei, daß Rudolph für seine Plasmat-Objektive aufgrund ihrer hervorragenden sphärochromatischen Korrektur eine bessere Bildplastik reklamierte. Die Fachwelt blieb über diese Objektive gespalten und die Kundschaft war verunsichert, was Rudolph zu wütenden öffentlichen Äußerungen veranlaßte.

Doch Paul Rudolph setzte seine Entwicklungsarbeit beharrlich fort. Zum Jahresende 1922 war es ihm mit dem Reichspatent Nr. 401.630 gelungen, mit einem Umschwenken auf eine andere Grundkonstruktion einen Kino-Plasmat zu entwickeln, der mit einer Lichtstärke von 1:2,0 die Firma Meyer zu den Spitzenherstellern im Geschäftsfeld der Objektive für die professionelle Kinematographie werden ließ. Dort verlangten die Anwender deshalb nach besonders lichtstarken Objektiven, weil bei der Kinokamera die Belichtungszeit mit der Bildfrequenz vorgegeben war und sie sich daher nicht beliebig verlängern ließ. Da auch das Ausmaß an künstlicher Beleuchtung im Studio aufgrund der enormen Wärmeentwicklung der Bogenlampen nicht beliebig gesteigert werden konnte und die Filmempfindlichkeiten noch mäßig waren, blieb nur der Weg der höheren Lichtstärke. Damit war Paul Rudolph mit seinem Kino-Plasmat 1:2 der Konkurrenz auf einmal vorausgeeilt. Bei Zeiss versuchte nun der Konstrukteur Willy Merté (1889 - 1948) speziell ein Kino-Tessar 1:2,7 zu schaffen, um den Anschluß nicht zu verlieren. In der Zwischenzeit war es jedoch auch dem jungen Ludwig Bertele (1900 - 1985) bei Ernemann in Dresden gelungen, mit seinen Ernostaren 1:2 und 1:1,8 [DRP. Nr. 436.260 vom 6. Dezember 1924] in die Öffnungsverhältnisse 1:2 und höher vorzustoßen, was für Zeiss zusätzliche Bedrängnis brachte. Rudolph trieb den Wettlauf weiter an, indem er 1926 den Kino-Plasmaten 1:1,5 schuf und damit erneut einen Markstein im Segment der professionellen Aufnahmeobjektive setzte. Man kann heute sagen, daß Zeiss das Ausschlagen einer Zusammenarbeit mit Rudolph nach dem Ende des Krieges beinah bitter bezahlt hätte, wenn sie nicht Willy Merté gehabt hätten, der 1927 mit seinem Biotar 1:1,4 endlich eine adäquate Reaktion bieten konnte. Ende 1929 hatte Rudolph gar einen Rapid-Plasmaten 1:1,0 entwickelt, der in geringem Umfang für 8-mm-Schmalfilmkameras gefertigt wurde, im Deutschen Reich wurde ihm das am 23. Oktober 1929 angemeldete Patent jedoch nicht erteilt.

Für Meyer-Optik war Rudolph dennoch ein großer Zugewinn an Prestige. Nach zwei Jahrzehnten rangierte die Görlitzer Firma wieder in der obersten Riege der Objektivbauer. Wurde Paul Rudolph zuvor bei Zeiss nicht einmal als Erfinder in den Patenten erwähnt, so warb Meyer-Optik nun in jeder Annonce offensiv mit seinem Namen und gravierte diesen sogar auf die Objektive auf. Im Alter kam Paul Rudolph also endlich die gebührende Anerkennung zu, was er nach zehn Jahren auf dem Abstellgleis sicherlich als eine Genugtuung empfunden haben wird. Allerdings dürfte ihm und seinem Arbeitgeber nicht verborgen geblieben sein, daß seine professionellen Spitzenobjektive nicht unbedingt das Potential hatten, wie sein Tessar zum Massenartikel zu werden. Sowohl für die Weitsicht dieses erfahrenen Mannes, wie für die trotz seiner fast 70 Lebensjahre nach wie vor vorhandene schöpferischen Kraft spricht daher der Weg, den Paul Rudolph im Sommer 1926 einschlug. Mit seinem Makro-Plasmaten [DRP Nr. 456.912 vom 19. August 1926] hatte er einen Typus entwickelt, der bei mittlerer Lichtstärke eine für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Korrektur erreichte. Damit sollte ein neues Spitzenobjektiv für die aufkommenden Kleinbild- und Rollfilmapparate geschaffen werden, das durch seine relativ schwach gekrümmten Linsen und den Verzicht auf teure Schwerkrongläser trotzdem vergleichsweise preiswert zu fertigen sein sollte. Durch die Einsatz niedrig brechender Linsen und damit herabgesetzter Reflexion an den Grenzflächen sollte zudem eine geringere Streulichtempfindlichkeit erreicht werden [Gronow, Harald von: Paul Rudolph zu seinem 70. Geburtstag; in: Photographische Korrespondenz, 11/1928, S. 325f.]. Aber trotzdem war dieser Makro-Plasmat seiner Zeit noch viel zu weit voraus, um große Verbreitung zu erlangen. Solche hochkorrigierten Objektivtypen konnten erst mit Aufkommen der neuen Dünnschichtemulsionen und präziser Spiegelreflexkameras zwanzig Jahre später annähernd leistungsmäßig ausgeschöpft werden. In einer Würdigung Rudolphs zu dessen hundertstem Geburtstag zog der wissenschaftliche Leiter des Zeisswerks Harry Zöllner daher einen Vergleich seines Biometars zu Rudolphs letztgerechneten Objektiv, dem Kleinbild-Plasmat 1:2,7 aus dem Jahre 1931 [DRP Nr. 572.222]. Daraus geht hervor, wie weit er am Ende seines Lebens bezüglich der Fehlerkorrektur vorangekommen war.
Vergleich der Querabweichungen (sphärische Aberration und meridionale Koma) zwischen dem Kleinbildplasmat 1:2,7 und dem Biometar 1:2,8, das etwa 15 Jahre später erschien und damals als optimal auskorrigiert galt. [nach Zöllner, Harry: Jena - seit 70 Jahren Zentrum der Fotoobjektiventwicklung, Zum 100. Geburtstag von Dr. Paul Rudolph; in Fotografie 11/1958, S.395...398.]

Letztmalig im Görlitzer Adressbuch ist Dr. phil. Paul Rudolph im Jahrgang 1932/33 verzeichnet. man kann nur vermuten, daß seine Bindung an Meyer-Optik auf zehn Jahre befristet war. Für seinen Kleinbild-Plasmaten ließ Rudolph anschließend in Berlin (Halensee und Charlottenburg) eine eigene Kamera entwickelt, die Roland genannt wurde und die für 16 Aufnahmen 4,5x6 cm auf Rollfilm BII8 eingerichtet war. Die Kamera war mit einem Kleinbild-Plasmat 2,7/70 mm versehen, der garantiert aus Görlitz kam, jedoch den Hersteller mit keiner Silbe erwähnte. Die Kamera war bereits 1934 vorgestellt worden, blieb aber weitgehend unbeachtet. Während der Frühjahrsmesse 1935, als die Roland-Kleinbildkamera ein zweites Mal präsentiert wurde, starb Paul Rudolph im 77. Lebensjahr.

Zum 27. Januar 1936 änderte sich die Unternehmensbezeichnung zu "Optische und Feinmechanische Werke Hugo Meyer & Co."

Die heute so bekannte Marke "Meyer-Optik" für die Firma Hugo Meyer wurde erst am 5. Dezember 1941 ins Warenzeichenregister eingetragen und zum 30. Mai 1942 erteilt.
Die Ära Schäfter und Roeschlein
Nachdem sich Paul Rudolph im hohen Alter offenbar noch einmal selbständig gemacht hatte, begann die sehr fruchtbringende Phase, in der Paul Schäfter einige sehr wertvolle Objektive errechnete, welche dann anschließend das Produktionsportfolio des Görlitzer Werkes für beinah ein Vierteljahrhundert beherrschen sollten. Allen voran natürlich das Primoplan 1:1,5, für das am 17. [18.] Juni 1936 ein Gebrauchsmusterschutz angemeldet wurde. Es entwickelte sich in der Ausführung als Primoplan 1,9/5,8 cm zu einem der am meisten gebauten lichtstarken Objektive in der Frühphase der Kleinbildreflexkamera. Auch die dem Tessartyp angehörigen Primotare, darunter die noch lange Zeit gebauten langbrennweitigen Primotare 1:3,5/135 mm und 180 mm, gehen der Literatur zufolge auf Schäfter zurück. Weitere Entwicklungen dürften das Megon 1:2,0 und der Optimat 1:1,7 sein.



Über diesen, für die deutsche Photo-Optik doch so bedeutsamen Mann ist bislang wenig bekannt geworden. Aus den Adressbüchern der Stadt Görlitz habe ich herausgefunden, daß Paul Schäfter im Jahrgang 1932/33 noch nicht enthalten ist. Im Jahrgang 1934/35 ist er dann aber als Diplom-Optiker genannt. Im Jahrgang 1938/39 wird er als Mathematiker geführt und 1941/42 war er bei Meyer-Optik zum Prokuristen und Oberingenieur aufgestiegen. Gewohnt hat er in der Reichertstraße 34 erst im zweiten, später im dritten Stock. Nach 1945 findet man ihn in Helmstedt wieder, von wo aus er für ISCO arbeitete. Er muß noch bis mindestens 1978 gelebt haben, denn zu diesem Zeitpunkt wohnte er in der dortigen Finkenstraße 14.

Im Sommer 1941 gelang es Paul Schäfter sogar, bei Meyer zum Prokuristen aufzusteigen [aus: Reichsanzeiger vom 24. 7. 1941, S. 17.].
Als ein zweiter wichtiger Mann bei Meyer-Optik in jener Epoche vor dem Zweiten Weltkrieg ist Stefan Roeschlein anzuführen, der sich als Errechner des berühmten Trioplans 1:2,8 hervorgetan hat. Roeschlein kam Anfang der 30er Jahre von Rathenow nach Görlitz, um dann aber bereits um 1936 nach Kreuznach überzuwechseln und die Nachfolge Alfred Tronniers bei Schneider anzutreten. Und nur weil er im Herbst 1920 einmal kurz als Prokurist eingesetzt wurde, ist überliefert, daß er zu jener Zeit in einer Optischen Anstalt "Optan" in München gearbeitet hat. Man beachte, daß jeweils sein Name anders geschrieben worden ist.


Das Adressbuch von 1932 führt ihn erstmals als Mathematiker in der Melanchthonstraße 16 in Görlitz. Interessant ist, daß eine ab 1934 zunächst als Therese und 1941 als Theresia verzeichnete Frau Roeschlein in Görlitz gemeldet war, die angesichts des unverwechselbaren Namens mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Stefan Roeschlein in Verbindung gebracht werden muß. In Bad Kreuznach sind dann aus unerfindlichen Gründen plötzlich sowohl Vor- wie Nachname falsch geschrieben, was sich leider auch durch die Literatur zu Stefan Roeschlein zieht.





Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Stefan Roeschlein bei Schneider Kreuznach wieder Prokura
Unten: Seine eigenhändige Unterschrift dürfte keine Zweifel mehr darüber lassen, wie Stefan Roeschleins Name richtig geschrieben sein muß.

Ein Trioplan 2,8/17 mm aus den 30er Jahren in einer Fassung mit C-Gewinde für 16 mm Schmalfilmkameras. Aus Kostengründen wurde bei diesem kurzbrennweitigen Objektiv auf eine Entfernungseinstellung gänzlich verzichtet.
Einen ähnlichen Trend zum möglichst preiswerten Objektiv gab es auch bei den Kleinbild- und Mittelformatkameras, wo sich die einfachen Trioplane perfekt für die Massenfertigung der Amateurphotographie eigneten

Auch die Telemegore gehen auf Roeschlein zurück, mit denen er in kurzer Zeit ein großes Nachfragepotential bei Nutzern der neuen Schmalfilm- und Kleinbildkameras befriedigen konnte. Neben den Konkurrenzprodukten von Schneider wurden die Görlitzer Telemegore in der Folgezeit zum regelrechten Inbegriff für den Typus des echten Teleobjektives. Im Katalog von 1939 beherrschten daraufhin die praktikablen und preiswerten Neukonstruktionen Schäfters und Roeschleins das Angebot der Firma Meyer-Optik – bis auf einen Makro-Plasmat 2,7/10,5 cm waren alle Konstruktionen Paul Rudolphs verschwunden.

Oben: Eine Annonce aus dem Jahre 1937. Zu den Großformatobjektiven in Normalfassung waren Objektive in Zentralverschlüssen gekommen, die in mannigfaltigen Rollfilm- und Kleinbildkameras des Amateurs eingebaut wurden. Im Vordergrund ein Objektiv mit Schneckengangfassung für Schmalfilm-Handkameras. In diesem Sektor hatte sich Meyer-Optik mit den neuen, preisgünstigen Trioplanen und Primoplanen rasch einen guten Ruf erarbeitet.
Die Nachkriegszeit und die Ära Ulbrich
Nicht minder schwer als bei den Mitbewerbern in der Mitteldeutschen Photoindustrie, gestaltete sich auch der Neuanfang in Görlitz nach dem Zweiten Weltkrieg. Einfache, dreilinsige Typen in einfachen Aluminiumfassungen beherrschten nun erst einmal das Angebot. Aber auch das Primoplan 1,9/58 mm wurde rasch wieder gefertigt, weil es zur Komplettierung der von der Besatzungsmacht forcierten Produktion der Einäugigen Kleinbildreflexkameras dringend gebraucht wurde. In ganz geringen Stückzahlen fertigte man noch den ambitionierten Makro-Plasmat 2,7/105 mm für 6x6-Reflexkameras, der durch die nun obligatorische Linsenentspiegelung erst richtig brauchbar gemacht werden konnte. Aber für solch hochkorrigierte Systeme gab es vorerst keinen Bedarf.

Auf dem Bild oben von der Frühjahrsmesse 1951 sieht man die damals noch zahlreichen Objektive für die Primarflex und die Meister-Korelle, die schon im Jahr darauf aus dem Angebot verschwanden [Bild: Roger Rössing, Deutsche Fotothek, Datensatz 88883861]. Ansonsten beherrschte bis Mitte der 50er Jahre noch weitgehend das Portfolio der Zwischenkriegszeit das Angebot des nun als VEB Feinoptisches Werk Görlitz firmierenden Herstellers. Zu den nun nach und nach zustoßenden Neuentwicklungen zählte lediglich ein Telemegor 4,5/300 mm und das in der Anzeige unten fälschlich als Primoplan ausgegebene Primagon 4,5/35 mm als erste Retrofokuskonstruktion des Werkes.

Nach dem Kriege taucht dann in der Literatur ein gewisser Thierhold als Konstrukteur auf, über den ich bislang leider nichts Weiteres in Erfahrung bringen konnte. Ähnliches gilt für einen Herrn Schubert. Bei letzterem könnte es sich um den Optiker Richard Schubert gehandelt haben, der in der Reichertstraße 6 in Görlitz gewohnt hat. Beide waren damals für die Entwicklung der Meyer'schen Tessartyp-Abwandlungen »Primotar« verantwortlich. Eindeutiger, weil durch Patentüberlieferungen belegbar, sind die Leistungen eines Wolfgang Gröger, Wolfgang Hecking, Otto-Wilhelm Lohberg und vor allem eines Hubert Ulbrich. Letzterer tat sich als Schöpfer von Objektiven wie dem Orestegon 2,8/29 oder dem Orestor 2,8/135 hervor, die zu den am meisten gebauten Wechselobjektiven der Geschichte gehören dürften. Doch das war dann schon in den 1960er Jahren, in der sich die handwerklich arbeitende Objektivbauanstalt des Hugo Meyer längst zum modernen Industriebetrieb entwickelt hatte.
Dieses Augenmerk – größte Stückzahlen bei guter Qualität aber möglichst geringem Aufwand – das stand nun in den letzten drei Jahrzehnten beim Görlitzer Hersteller im Vordergrund. Nachdem das Werk Anfang der 70er Jahre zum bloßen Betriebsteil des Kamera-Kombinats Pentacon degradiert worden war, hatte die große Zeit der Experimente und Ideen endgültig ihr Ende gefunden. Man kann das bedauern, sollte aber gleichzeitig nicht außer Acht lassen, wie die gestraffte, auf wenige Modelle konzentrierte Produktion das Überleben im schwierig gewordenen Weltmarkt sicherstellte. In der "guten alten Zeit" der 1950er Jahre, da man bei Meyer Optik noch wenig internationale Konkurrenz zu fürchten hatte, ging es dagegen noch wesentlich gemächlicher und manufakturell zu, wie diese Bilder von Max Ittenbach dokumentieren.
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Zuerst mußten die Glaspreßlinge auf sogenannte Tragkörper gekitteten werden, damit sie gefräst und geschliffen werden konnten (oben). Nach dieser Formgebung wurden die Linsen auf der Hebelpoliermaschine poliert und anschließend mit einem Probeglas auf Maßhaltigkeit geprüft. Dabei wurden Abweichungen im Nanometerbereich sichtbar gemacht (unten).
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Mindestens genauso diffizil gestaltete sich das unten sichtbare Zentrieren, das bei einfachen Linsenformen mithilfe eines Automaten erfolgte (was man damals zumindest unter einem Automaten verstand). Die mechanisch fertiggestellte Linse (hier das dritte Element des berühmten Trioplan 2,8/100mm) wird anschließend auf Freiheit von Materialfehlern und Unsauberkeiten geprüft.
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Als letzten Schritt der Linsenfertigung schloß sich die nach 1945 allgemein üblich gewordene Vergütung der Glasoberflächen an; das Aufdampfen einer nur wenige hundert Nanometer dicken Schicht im Hochvakuum, die anschließend gehärtet wurde.
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Mindestens genau so wichtig wie die exakte Bearbeitung des Glases war Fertigung der Fassung. Anfang der 60er Jahre wurden dazu bereits moderne Revolverdrehautomaten eingesetzt. Das Nieten der Blendenlamellen geschah aber noch von Hand. Auch das Eloxieren der Fassungsteile erforderte damals noch viel Handarbeit in der stets gesundheitlich bedenklichen Galvanikabteilung.
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Auch das Gravieren der Objektivdaten auf dem Vorschraubring erfolgte um 1960 noch mit viel Handarbeit an der "Fünfspindelgraviermaschine". Mithilfe des im mittleren Bild dargestellten Brennweitenmeßgerätes ließ sich dieselbe auf den 1/100mm genau bestimmen. Seit den späten 1950er Jahren mußten zudem die Blendenschließzeiten der neuen Druckblendenobjektive exakt überprüft werden.
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Der Televorsatz "Tevo 2x"
Zum Abschluß eine Neuentwicklung aus dem Jahre 1959, die eigentlich gar nicht zu den Objektiven gezählt werden kann. Vielmehr handelt es sich um ein brennweitenloses Vorsatzsystem mit zweifacher Vergrößerung, das Hubert Ulbrich für die Amateur-Schmalfilmkamera AK8 entwickelt hatte [DD22.909 vom 11. April 1959]. Das in die Kamera fest eingebaute Jena Triotar oder Meyer Trioplan (selten!) 2,8/10 mm wird in seiner Brennweite also auf 20 mm verlängert. Da dieses Triplet selbst keine Entfernungseinstellung hat, diese bei Vorschalten des Fernrohres nun aber unbedingt erforderlich ist, wird sie durch Verändern des Luftabstandes der beiden Systemhälften im Vorsatzfernrohr bewerkstelligt.
Obwohl solche Vorsatzsysteme für Schmalfilmkameras schon seit der Zwischenkriegszeit bekannt waren, wurden für den Tevo patentfähige Neuerungen eingeführt, die sich im Wesentlichen auf die Reduktion auf vier statt bisher übliche fünf Linsen beziehen. Außerdem war durch die tief liegende Frontlinse des Einbauobjektivs der AK8 ein Luftzwischenraum zwischen beiden Linsensystemen zu überwinden, der etwa 50% der Brennweite des Grundobjektivs betrug. Erreicht wurde diese Leistung durch den Einsatz hochbrechender Gläser. Der Tevo ist aus einem sammelnden und einen zerstreuenden Achromaten aufgebaut, die interessanterweise aus jeweils derselben Glaspaarung zusammengesetzt sind. Die Sammellinse des vorderen Systemteils und die Zerstreuungslinse des hinteren bestehen aus dem damals neuartigen Schwerkron SK24 mit einer Brechzahl von über 1,66 bei einem ny-Wert von über 56. Die anderen beiden Linsen sind aus Schwerflint SF1 mit einer Hauptbrechzahl von über 1,7.


Oben der Strahlenverlauf des Tevo wenn er vor das in die Kamera eingebaute Trioplan bzw. Triotar 2,8/10 mm gesetzt wird. Die Brennweite verdoppelt sich, ohne daß die Schnittweite des Gesamtsystems verändert wird. Zwischen Fernrohr-Vorsatz und Grundobjektiv ist der Strahlengang parallel - der Fachmann spricht von afokal.

Da der Tevo wie ein Galilei'sches Fernrohr aufgebaut ist, das zweifach vergrößert, läßt er sich durchaus auch als solches benutzen. Wie uns der Photograph Christian Borchert hier demonstriert, kann man sich diese Tatsache zunutze machen, falls man einmal in heikler Umgebung, ohne größeres Aufsehen zu erregen, doppelt so tiefe Einblicke erhaschen möchte [Deutsche Fotothek, Datensatz 80586010].
Marco Kröger, 2016
Letzte Änderung: 16. März 2026

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