Ercona und Exona

Ercona und Exona

Die Ercona ist das Ergebnis von Bemühungen des VEB Zeiss Ikon, ein eigenes Modell jener seinerzeit sehr beliebten 6x9-Faltkameras herauszubringen. Zwar war die Zeiss Ikon AG mit ihren Ikontas und Nettars geradezu der Inbegriff für diese Kameragattung gewesen, aber all diese Geräte wurden in Stuttgart gefertigt, sodaß nach dem Kriege in der Sowjetischen Besatzungszone von Null auf neu begonnen werden mußte.

Zeiss Ikon Ercona I

Ercona 6x9


Sach-Nr. Gruppe: 126


Die Ercona 6x9 war die erste der Ercona-Reihe. Nur für das Bildformat 6x9 eingerichtet, fehlen ihr das zweite Kontrollfenster in der Rückwand und der einklappbare 6x6 Rahmen im Klappsucher. Im Prospekt Nr. 3  "Ercona 6x9" vom Februar 1950  sind 3 Varianten vermerkt, diese besitzen alle das vergütete Novar 4,5  f = 11 cm und unterscheiden sich nur durch den verbauten Verschluß.



Katalog-Nr. 126/20   in Junior-Verschluß       (1/25 - 1/100 Sek., B)

Katalog-Nr. 126/21   in Prontor-S-Verschluß (1-1/250 Sek.,B) mit Vorlaufwerk und Vacublitzanschluß

Katalog-Nr. 126/22   in Compur-Verschluß    (1-1/250 Sek.,B) mit Vorlaufwerk und Vacublitzanschluß

Ercona 6x9 b / zeissikonveb.de
Ercona 6x9 Nr.: 24179 / zeissikonveb.de
Ercona I  6 x 9 / zeissikonveb.de

Ercona 6x9 mit Novar 4,5  f = 11 cm in Juniorverschluß Gehäuse-Nr.: 24179  Fabrikations-Nr.: 37060 Bestell-Nr.: 126/20

Ercona /zeissikonveb.de
Ercona Nr.: 31454 / zeissikonveb.de
Ercona 6x9 Nr.: 31454 / zeissikonveb.de

Ercona 6x9 mit Novar 4,5  f = 11 cm  in Junior-Verschluß Gehäuse-Nr.: 31454  Fabrikations-Nr.: 54123 Bestell-Nr.: 126/20

Ercona 6x9 Bedienungsanleitung 1949 / zeissikonveb.de

Bedienungsanleitung Ercona  V5002 D 03 4051 1249  10,0*

zeissikonveb.de/Ercona Bedienungsanleitung 1950

Bedienungsanleitung Ercona

V5002 D 03 3064 a 950  10,0*

zeissikonveb.de/Ercona Prospekt Nr. 3

Prospekt Nr. 3  Union Verlags- und Druckerei-GmbH, Dresden N 6  D 19  250  3 - so lautet der vollständige Druckvermerk, D 19 ist die Druckerei-Nummer, die Zahl 250 steht für Februar 1950 und die "3" für die Menge der gedruckten Exemplare in tausend.

Ercona 6x9 (6x6) cm



Sach-Nr. Gruppe: 126



Die Zweiformat-Ercona bekam trotz der umfangreichen Änderungen am Gehäuse keine neue Bestell-Nr. Das heißt, daß die beiden Varianten nicht paralell gebaut wurden, da bei einer Bestellung eine Unterscheidung nicht möglich war. Im Prospekt "Schnell, Sicher, Sparsam mit der Zweiformat-Kamera Ercona" vom Juli 1952 werden nur noch 2 Verschlüsse gelistet, das ist zum einen der Junior-Verschluß ohne PC-Buchse und zum anderen der Tempor-0-Verschluß. Beide mit dem bewährten Novonar 1:4,5/110

Ercona 6 x 9 (6 x 6) / zeissikonveb.de
Ercona 6x9 (6x6) / zeissikonveb.de
Ercona / zeissikonveb.de

Ercona 6x9 (6x6) mit Novonar  4,5/110 V  in Tempor 0 Verschluß, Gehäuse-Nr.: 81628 Fabrikations-Nr.: 107627, Bestell-Nr.: 126 29

zeissikonveb.de/Ercona 6x9 (6x6) Prospekt 1952

 Der Prospekt "Sicher, Schnell, Sparsam". III/18/104  Zi 1-5-752/646  4000  B 5637 TRPT-Nr. 11451/52 Best.-Nr. 203 DW

zeissikonveb.de/Prospekt Ercona 6x9 (6x6)  1954

Ercona Prospekt III/9/19  It 12829-54  10  1254  1793 TRPT-Nr. 5046-53 Best.-Nr. 212a DI

zeissikonveb.de/Bedienungsanleitung Ercona 6x9 (6x6) 1953

Ercona Bedienungsanleitung III/9/31It 3237/53  853 10 TRPT-Nr. 7177/52 Bestell-Nr. 1219 a D

Exona



Sach-Nr. Gruppe: 127



Die Exona wird häufig als Exportmodell der Ercona II beschrieben. Ich halte das für fragwürdig. Zum einen würde das eine gleichzeitige parallele Produktion der Exona und der Ercona II voraussetzen und zum anderen müsste es Druckschriften für beide Modelle aus der gleichen Zeit geben. Ein weiterer Hinweis gegen die Annahme der Exportausführung sind die Seriennummern sowie explizit die Bestellnummern. Hätte man sicherstellen wollen, dass nicht das falsche Modell in den Export geht, so wäre es unabdingbar, verschiedene Bestellnummern zu vergeben. Dies ist aber ganz offensichtlich nicht geschehen. Auch die Kamera- oder Seriennummern belegen, dass keine gleichzeitige Produktion stattgefunden haben kann. Die nicht unbeabsichtigt erworbene Ercona II im folgenden Abschnitt trägt die Kameranummer 4836 und die Fabrikationsnummer 5.059.466. Die hier gezeigte Exona hat dagegen die Kameranummer 00328 und die Fabrikationsnummer 5.055.997. Zwischen diesen beiden Kameras liegen nach der Seriennummer noch weitere 4508 Kameras. Daraus könnte man schlußfolgern, innerhalb dieser Reihe muss die Gesamtzahl an Kameras der Exona liegen.

Exona Nr. 328 / zeissikonveb.de
Exona 6x9 (6x6) / zeissikonveb.de
Exona Nr.: 00328 / zeissikonveb.de
Kurzanleitung Exona 1956, zeissikonveb.de

Exona mit Tessar 3,5/105 T in Tempor-0-Verschluss mit Vorlaufwerk und Blitzanschluss

Gehäuse-Nr.: 00328  Fabrikations-Nr.: 5055997

Bestell-Nr.: 127/37

Kurzanleitung für die Exona

III-9-16  Jt 2934/56  1,5  685

Ercona II


Sach-Nr. Gruppe: 127



Das letzte Modell der Ercona-Reihe ist die Ercona II.

Ercona II Nr.: 004836 / zeissikonveb.de
Ercona II / zeissikonveb.de
Ercona II Junior / zeissikonveb.de


Ercona II  mit Novonar 4,5/11 cm V in Junior-Verschluß

Gehäuse-Nr.: 004836  Fabrikations-Nr.: 5059466

Bestell-Nr.: 127/20

zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr. 4836
zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr. 4836
zeissikonveb.de/Quittung Ercona II Nr. 4836
zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 4836 c



Ein weiteres Exemplar der Ercona II

zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 13574
zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 13574
zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 13574


 Ercona II mit Novonar 4,5/110 in Junior-Verschluß

Gehäuse-Nr.: 13574  Fabrikations-Nr.: 5067554

Bestell-Nr.: 127/20

zeissikonveb.de/Prüfkarte Ercona II Nr.: 13574 a
zeissikonveb.de/Prüfkarte Ercona II Nr.: 13574 b
zeissikonveb.de/Quittung Ercona Nr.: 13574
zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr.: 13574 a
zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr.: 13574 b
Kurzanleitung Ercona II 1956 / zeissikonveb.de

Wie zur Exona, ist  die Kurzanleitung zur Ercona II  nur eine Abbildung der Kamera und die Liste der nummerierten Bedienelemente.

Obwohl das dazugehörige Exemplar der Ercona II schon die Nummer 4836 trägt, ist in der Kurzanleitung noch die Exona abgebildet.

Druckvermerk: III-9-16  It  2934/56 1,5  685

Keine Bestellnummer


Preise 1957 Ercona II

mit Novonar

in Tempor                      154,- DM

in Automat                     127,- DM

mit Tessar

in Tempor                      182,- DM   

zeissikonveb.de/Bedienungsanleitung Ercona II 1956

Bedienungsanleitung zur Ercona II von 1956

III-9-16 Jt 2509/56  23  686

Bestell-Nr. 1228 D


späte Ercona II mit Tessar

 

Gehäuse, Verschlüsse, Optik


Gehäuse


In der Ercona-Reihe gibt es vier verschiedene Gehäuse aber nur zwei Sach-Nummern.


Sach-Nr.:  126


Das erste Gehäuse ist nur für das Format 6 x 9 ausgelegt, deshalb fehlt das zweite Bildzahlenfenster. Alle anderen Einrichtungen wie die Doppelbelichtungssperre sind vorhanden. Ein weiteres Merkmal der frühen Kameras, ist das Messing-Gehäuse.


Sach-Nr.:  126


Am zweiten Gehäuse wurde bis auf das verwendete Material nichts verändert.

Hier bestehen die Rückwand und das Gehäuse aus Aluminium.


Sach-Nr.:  126

 

Mit dem dritten Gehäuse, wurde die Möglichkeit zum 6 x 6 Bild eingeführt, hierzu erhielt das Gehäuse ein

zweites Bildzahlenfenster und einen Sucher-Rahmen in dem eine 6 x 6 Maske eingeklappt werden konnte.

Die Bildfeldmaske 6 x 6 fehlt zwar heute bei vielen Kameras, gehört aber auch dazu.


Sach-Nr.:  127


Als letzte Neuerung ist die verchrohmte Deckkappe zu nennen, diese beinhaltet einen optischen Durchsichtssucher in den mit einem Drehknopf eine 6 x 6 Maske eingeschwenkt werden kann. Auf der Deckkappe wurde noch ein Steckschuh angebracht.




 


Verschlüsse


Die Verschlüsse sind mit Abstand die größte Variable an der Ercona. Daß ich für nur einen kleinen Teil eine Bestellnummer angeben kann, liegt daran, daß es praktisch keine Quellen gibt, in denen diese für Endverbraucher aufgeführt wurden.

Im letzten Abschnitt finden sie aber weitere Verschlüsse in Kombination mit den Objektiven.


Bezeichnung im Wortlaut des Sachnummern Registers

Sachnummer



Automatverschluß Priomat Gr. 0, B-25-50-100

Blitzkontakt f. Novonar 4,5/110 oder

Tessar 3,5/105, Normalausführung (f. Ercona)

103 000

Tempor 0 Verschluß m. Vorlaufwerk u. Blitz-

einrichtung f. Tessar 3,5/105 m. konischer

Frontplatte (f. Ercona)

104 010

Tempor 0 m. Vorlaufwerk u. Blitzeinrichtung

f. Novonar 4,5/110 m. konischer Frontplatte

(f. Ercona)

104 030

Tempor 0 m. Vorlaufwerk u. Blitzeinrichtung

f. Tessar 3,5/105 m. flacher Frontplatte

(f. Ercona)

104 040

Tempor 0 m. Vorlaufwerk u. Blitzeinrichtung

f. Novonar 4,5/110 m. flacher Frontplatte

(f. Ercona)

104 050



Optik im Verschluss



Im wesentlichen wurden nur zwei Objektiv-Typen an der Ercona verbaut. Dies sind zum einen das Novar 4,5/110 und zum anderen das

Tessar 3,5/105 . Das Novar gibt es ohne Vergütung und mit Vergütung und wurde später in Novonar umbenannt.


Die Nummern dieses Abschnittes bilden zusammen mit den Nummern des Abschnittes "Gehäuse" die Bestellnummer der Kamera.

Dabei ist aber zu beachten, daß Verschlüsse, die erst 1952 oder noch später zur Verfügung standen nicht mit dem Novar oder an

der Ercona 6 x 9 verbaut worden sein können.


Bezeichnung im Wortlaut des Sachnummern Registers

Sachnummer



Novonar 4,5/110 in Junior-Verschluß 0

25-50-100-B (Ercona)

100 200

desgl. engl.

100 201

Novonar 4,5/110 in Prontor-S-Verschluß 1-250-B  Blitzkontakt mit

konischer Frontplatte (Ercona)

100 220

desgl. engl.

100 221

Novonar 4,5/110 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 290

desgl. engl.

100 291

Novonar 4,5/110 in Priomat 0, 25-100-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 300

desgl. engl.

100 301

Tessar 3,5/105 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 330

desgl. engl.

100 331

Tessar 3,5/105 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 370

desgl. engl.

100 371

Novonar 4,5/110 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 380

desgl. engl.

100 381

Tessar 3,5/105 in Prontor-S-Verschluß 0

1-250-B Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 400

desgl. engl.

100 401

Novonar 4,5/110 in Prontor-S-Verschluß

1-250-B Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 420

desgl. engl.

100 421

Novonar 4,5/110 in Prontor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 430

desgl. engl.

100 431

Novonar 4,5/110 in Prontor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 440

desgl. engl.

100 441

Tessar 3,5/105 in Prontor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 450

desgl. engl.

100 451

Tessar 3,5/105 in Prestor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 460

desgl. engl.

100 461

Fertigung des Tempor-Zentralverschlusses im VEB Zeiss Ikon ab etwa 1952. Photograpiert von Höhne/Pohl, Deutsche Fotothek.

Entwicklung aus den Vorkriegsmodellen heraus



Die oben gezeigten Erconas und Exonas sind zweifellos direkte Nachfahren der Nettar- und Ikonta-Modelle aus der Zwischenkriegszeit, auch wenn nach dem Kriege erst einmal in Dresden eine neue "Fertigungsstraße" für diese Kameratypen geschaffen werden mußte, weil deren Produktion bislang ausschließlich im Zeiss-Ikon-Teilbetrieb Contessa-Nettel-Werk in Stuttgart erfolgt war. Damals, in den 30er Jahren, war diese Nettar/Ikonta-Kamerareihe der Zeiss Ikon AG übrigens nur eine unter unzähligen Mitbewerbern auf dem riesigen Markt der Rollfilm-Faltkameras. Allenfalls die hochwertigen Tessare der Ikontas waren etwas Hervorstechendes. Problematisch blieb aber, daß sich diese hochwertigen Objektive an einer "blinden" Kamera kaum sinnvoll ausnutzen ließen. Brennweiten um 100 Millimeter und Lichtstärken bis 1:3,5 vertragen sich halt schlecht mit einer Entfernungseinstellung nach Schätzung.

Zeiss Ikon Nettar
Zeiss Ikon Ikontas

Der entscheidende Schritt lag daher in der Einführung eines gekuppelten Entfernungsmessers bei der Super-Ikonta-Reihe, der nunmehr ein präzises Scharfstellen ermöglichte. Dazu wurde der für die Contax entwickelte Drehkeil-Entfernungsmesser auch für die Rollfilm-Modelle übernommen. Das Vorteilhafte an dieser Bauart lag darin, daß mit den Drehkeilen das eigentliche Herzstück des Entfernungsmessers nicht im Kameragehäuse untergebracht werden mußte, sondern an der Frontstandarte in unmittelbarer Nähe zum Objektiv. Komplizierte, zur Dejustage neigende Lösungen mit Hebelübertragungen zu einem üblichen gehäuseinternen Schwenkspiegelentfernungsmesser, wie bei den Mitbewerbern, konnten auf diese Weise umgangen werden.

Zeiss Ikon Super Ikonta 6x9
Schwenkspiegelentfernungsmesser

Hier ist schematisch die Weiterentwicklung des üblichen Schwenkspiegelentfernungsmessers (oben) zum Drehkeilentfernungsmesser (unten) dargestellt. Der Vorteil lag vor allem darin, die drehende Bewegung der Frontlinsenseinstellung nicht erst mithilfe von Hebelkonstruktionen umwandeln zu müssen, womit man die ansonsten unvermeidlichen Sorgen um Spiel und toten Gang, die einen Entfernungsmesser sehr schnell unpräzise machen, von vornherein fast vollständig vermeiden konnte. Und wie bereits erwähnt hatte dieser Entfernungsmessertypus auch große bauliche Vorteile, da derjenige Bestandteil, der genau einjustiert werden mußte, an der Frontstandarte in unmittelbarer Nähe zum Objektiv angebracht oder wie bei der Nettax oder der Tenax II gar mitsamt des Objektivs auswechselbar gestaltet werden konnte.

Drehkeilentfernungsmesser
Super Ikonta

Beim 6x6-Modell dieser Super Ikonta konnte sogar noch einen Schritt weiter gegangen werden. Statt einer Sucherkamera mit integriertem Entfernungsmesser, die also zwei getrennte Einblicksöffnungen für die beiden optischen Einrichtungen aufwies, konnten hier Sucher und Entfernungsmesser miteinander vereinigt werden. Die erste Rollfilm-Meßsucherkamera war geboren. Erstens konnte auf diese Weise das für damalige Verhältnisse unerreicht lichtstarke Tessar 2,8/8cm sinnvoll ausgenutzt werden und zweitens geschah das auch noch ausgesprochen flink, weil Sucherbildbetrachtung und Scharfstellen nun gleichzeitig stattfinden konnten.

Nach Aussage von Lawrence Gubas, der sich lange Jahre mit der Geschichte des Zeisskonzerns im 20. Jhd. beschäftigt hat, kann man pauschal sagen, daß vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Kleinbildkameras aus Dresden kamen, während die Rollfilmkameras weiterhin in den Contessa-Kamera-Werken Stuttgart (Dornhaldenstraße 5) hergestellt wurden. Die Grundlagen für eine solche Spezialisierung dieses Betriebes wurden durch den bekannten Konstrukteur August Nagel gelegt, dessen Firma 1925/26 in der neuen Zeiss Ikon A.G. aufging. Nicht verwechselt werden sollte diese Firma übrigens mit einer 1928 von Nagel außerhalb Stuttgarts neu gegründeten Kamerabauanstalt, die später von Kodak übernommen wurde.


In den Contessa-Werken, die übrigens kaum von Kriegszerstörungen betroffen gewesen sein sollen, waren also nicht nur die gesamten Werkzeuge, sondern auch die entsprechend ausgebildeten Fachkräfte vorhanden, die diese Rollfilm-Faltkameras herzustellen vermochten. Man muß sich also nicht wundern, daß hier die Produktion nach dem Kriegsende bald wieder anlief - lange bevor in Dresden die vergleichbaren Erconas herausgbracht werden konnten. Es muß also ebenso nicht verwundern, daß eine so hochentwickelte Rollfilm-Meßsucherkamera, wie die unten abgebildete Super Ikonta II, recht bald wieder durch Stuttgart geliefert werden konnte, während man in Dresden aber nie mit einer vergleichbar aufwendigen Rollfilmkamera anschließen konnte. Dafür gab es in Dresden schlichtweg keine spezialisierte Kamerabautradition.

Super Ikonta Zeiss Ikon Stuttgart

Daß schon frühzeitig nach dem Kriege Anstrengungen zur Wiederaufnahme der Kamerafertigung bei Zeiss Ikon unternommen wurden, belegt das nachfolgende Dokument vom Herbst 1945, das auch interessante Details zur Rekonstruktion der Contax-Meßsucherkameras enthält. Angesichts der gerade zuvor im Sommer erfolgten Demontagen in den Betriebsteilen der Zeiss Ikon AG war das zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich reine Utopie. Deshalb werden hier wohl auch ausdrücklich Fertigungsstandorte in Saalfeld und Gera ins Spiel gebracht. Wie ich weiter unten noch zeigen werde, erfolgte die vonseiten der sowjetischen Militärverwaltung verlangte Rekonstruktion der Ikonta 6x9 dann tatsächlich in Saalfeld. Daraus müßte man eigentlich den Schluß ziehen, daß diese Arbeiten an einer 6x9-Faltkamera unabhängig von denjenigen in Dresden verlaufen sind, aus denen später die Ercona hervorgegangen ist.

Aus einem Bericht an den amerikanischen Geheimdienst vom 10. März 1948 [CIA-RDP82-00457R001300850007-4] kann man nämlich herauslesen, daß ab 1946 in Saalfeld die Fertigung für die Contax Meßsucherkamera rekonstruiert und anschließend kurz nach Anlauf der Serienproduktion zur Verlagerung in die Sowjetunion abtransportiert wurde. Dies ist seit längerem bekannt [Vgl. z.B. Gubas, L: The trail of the Contax, Zeiss Historica, 1/2005, S.11]. Neu dürfte allerdings die nachfolgende Information sein, daß nämlich auch die Rekonstruktion der Ikonta in Saalfeld erfolgte und die dafür notwendigen Werkzeuge vom "Südwerk" des VEB Carl Zeiss Jena bereitgestellt wurden. Nach der vollständigen Abgabe der Contaxfertigung an Kiew habe Saalfeld 1948 nunmehr ausschließlich die Ikonta im Fertigungsprogramm.

CIA-RDP82-00457R001300850007-4

Man muß das ganze doch so verstehen, daß diese Saalfelder Fertigungsanlagen und Werkzeuge der rekonstruierten Ikonta bereits parallel dazu für die Fabrikation der "Moskwa" nach Krasnogorsk abgegeben wurden. Entweder wurde nun die Ercona in Dresden unabhängig davon erarbeitet, oder aber die Fertigungsanlage in Saalfeld wurde nach Abschluß der Aufbauarbeiten in Krasnogorsk an Dresden abgegeben. Weil nämlich der CIA bei allem was Zeiss und Zeiss Ikon betraf für gewöhnlich "sehr gut informiert" war, erfahren wir aus einem anderen Bericht, daß die Ercona zusammen mit der Mimosa II und der Tenax Anfang der 50er Jahre mittlerweile von etwa 250 Beschäftigten im Mimosa-Werk des VEB Zeiss Ikon hergestellt wurde [Vgl. CIA-RDP83-00415R013200080002-4].


Verwirrend ist doch diese ganz Zeit für uns heute deshalb, weil der Widersinn nur schwer zu begreifen ist, daß die Russen in Dresden gerade die Anlagen abgebaut hatten, mit denen auch die Contax produziert worden war, sie aber quasi parallel dazu Zeiss Jena verpflichteten, die Fertigung der Kameras zu rekonstruieren und die dazu notwendigen Werkzeuge neu zu schaffen. Das lag wohl letztlich daran, daß die Zuständigkeiten bei der sowjetischen Militärverwaltung nach Regionen aufgeteilt war und nicht nach Firmen oder Branchen. Speziell im Fall der Dresdner Ikonta/Ercona-Produktion kommt zudem die Verkomplizierung hinzu, daß eine erste Serie 1946 oder 1947 angeblich mit "ausgelagerten Teilen" erfolgt sei [Vgl. Jehmlich, Pentacon, 2009, S. 63], d.h. es erfolgte nur eine Montage bereits vorhandener Teile ohne daß diese neu gefertigt wurden. Diese frühen Erconas dürfen nicht mit den späteren Serienmodellen in einen Topf geworden werden.


Da die angestammten Lieferanten für Zentralverschlüsse in den westlichen Besatzungszonen lagen, entwickelte sich der hochwertige Spannverschluß zu einem echten Engpaß in der Frühphase der Ercona-Fertigung. Zum Anfang dominierte daher ein einfacher Selbstspannverschluß aus ZI-eigener Fertigung und die einfachen dreilinsigen Anastigmate "Novar" bzw. "Novonar". Diese Situation besserte sich erst, als ab 1952  mit dem Tempor ein "volkseigener" Spannverschluß zur Verfügung stand. Nun konnte auch das lichtstärkere Tessar 1:3,5 in größerem Umfange angeboten werden, dessen Einbau in einfache Selbstspannverschlüsse mit ihrem schlechten Wirkungsgrad bislang wenig sinnvoll war. Bis zu diesem Punkt war man stets auf die problematischen Westimporte angewiesen.


Man muß aber dazusagen, daß ab Mitte der 50er Jahre, seit Wolfen den Agfacolor Ultra stabil liefern konnte (damals noch in Ost und West gleichermaßen), der Stern der Faltkamera 6x9 rapide zu sinken begann. Statt Schwarzeiß-Kontaktabzüge waren jetzt Farbdiapositive im Kleinbildformat en vogue. Die Rollfilm-Faltkamera aus "Opas Zeiten" wurde selbst in der DDR rasch zum Ladenhüter. In Verschlüssen gefaßte Objektive, die für diese Kameras vorproduziert waren, dann aber nicht mehr gebraucht wurden, sollen noch bis in die 70er in einschlägigen Fachgeschäften als Bastlerware erhältlich gewesen sein.



Nachfolgend noch ein paar Bilder aus der Frühzeit der Ercona-Produktion (um 1950) von Höhne/Pohl; Deutsche Fotothek.

Ercona-Produktion
Ercona Fertigung
Ercona Zeiss Ikon Produktion
Ercona Zeiss Ikon Produktion

Yves Strobelt, Marco Kröger


letzte Änderung 9. Mai 2021