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Phototechnik aus Jena, Dresden und Görlitz
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Wechselobjektive der 1980er
Nachdem über weite Teile der 1970er Jahre hinweg nur noch das M42-Gewinde für hochwertige Wechselobjektive übrig geblieben war, sollten die 80er Jahre mit der Einführung des Praktica B-Bajonettes wieder durch eine Zweigleisigkeit geprägt sein.

Die gläserne Fackel – ein Propagandastück ersten Ranges
Auch in der DDR war das Fernsehen rasch zum Unterhaltungsmedium Nummer 1 aufgestiegen. Damit die Zuschauer nicht nur die Westsender einschalteten, wurden beginnend mit "Gewissen in Aufruhr" von 1961 regelmäßig aufwendige Fernseh-Mehrteiler produziert, die eine spannende Handlung mit einer mehr oder weniger subtil vermittelten "richtigen politischen Gesinnung" verknüpften. Mit dem Mehrteiler "Wege übers Land" von 1968 wurde erstmals eine Form des Erzählens etabliert, die das Schicksal der Protagonisten über einen längeren Zeitraum verfolgt, nämlich von der Nazi-Zeit bis in die junge DDR. Auch wenn die Story am Ende hauptsächlich darauf hinausläuft, die Kollektivierung der Landwirtschaft zu rechtfertigen, so war das Ganze dennoch geschickt und fesselnd erzählt und nicht ganz ohne Selbstironie (mit einem Manfred Krug, der sogar einen SED-Parteisekretär sympathisch darstellen konnte).
Doch gegen Ende der 70er Jahre hatte sich das Blatt gewendet. Mit dem neuen Agitations-Chef Joachim Herrmann, der ein "ganz primitives Kulturverständnis" (Hans Bentzien) an den Tag legte, wurde insbesondere das Leitmedium Fernsehen endgültig zur plumpen Propagandamaschine. Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure, die etwas auf dem Kasten hatten, verließen das Land oder weigerten sich, für die "Ideologiefabrik Fernsehen" (Frank Beyer) tätig zu werden. Auch das Publikum wendete sich ab. Private Antennenvereine, die das Westfernsehen selbst in die terrestrisch ungünstig gelegenen Regionen der DDR brachten, schossen damals wie Pilze aus dem Boden.
Vorläufiger Höhepunkt war der 1984/85 gedrehte Zweiteiler "Ernst Thälmann", der im Prinzip direkt durch das SED-Politbüro gesteuert wurde. So blieb den Machern nur übrig, Thälmann genau als das Abziehbild darzustellen, das die SED-Propaganda über Jahrzehnte hinweg aus der Figur gemacht hatte. Das Ziel eines derartigen Fernsehfilmes war, dem Publikum die gegenwärtige Politik der SED als Ergebnis einer gesetzmäßigen historischen Entwicklung zu begründen und damit als zwangsläufig plausibel zu machen. Der Erfolg war jedoch bescheiden. Diejenigen Zuschauer, die Mitte der 80er Jahre schon lange nicht mehr von der SED überzeugt waren, die schalteten so ein Programm gar nicht erst ein.

Kein Aufwand war zu hoch. Am 1. Juli 1986 schaltete das Fernsehen der DDR in der "BZ" die obige Anzeige, um in ihrer bevorstehenden Großproduktion mit möglichst zeitgenössischen Requisiten eine möglichst authentische Wirkung zu erzielen.
Ein ganz anderer Fall jedoch war die Serie "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" aus derselben Zeit. Hier wurden nicht stereotype Arbeiterführer oder antifaschistische Widerstandskämpfer gezeigt, sondern die Ränkespiele das Adels am sächsischen und preußischen Hofe im 18. Jahrhundert. Der unvorstellbar aufwendig inszenierte Sechsteiler kam – auch weil er für die Vermarktung in der Bundesrepublik vorgesehen war – ohne jegliche Propaganda aus. Ja, der geübte DDR-Fernsehzuschauer konnte in den intriganten Akteuren, die das Kurfürstentum sukzessive in den Bankrott führten, sogar unbeabsichtigte Parallelen zum eigenen Staat erkennen. Diese Mischung aus einem unterhaltsam inszenierten Historienschinken, guten Schauspielern und einer lokalen Thematik war ein ungeheuer Erfolg.

Der siebenteilige Fernsehfilm "Die gläserne Fackel", der 1989 im DDR-Fernsehen lief, scheint nun auf genau dieser Erfolgswelle mitzuschwimmen. Wieder ein historisches Thema, diesmal aber in Thüringen angesiedelt. Wieder aufwendig inszeniert mit guten Schauspielern. Doch es fällt auf, daß diese Reihe über die Weltfirma Zeiss heute kaum bekannt ist und nach 1990 auch wenig im Fernsehen wiederholt wurde. Zwar werden die Figuren genau so grobschlächtig gezeichnet, wie man es von einer schlechten DDR-Verfilmung kennt: Die Arbeiter sind immer die Guten und stehen treu an der Seite der friedlichen Sowjetunion, die Kapitalisten sind immer böse und außerdem raffgierige Kriegstreiber. Doch darüber könnte man hinwegsehen angesichts der sehenswerten Bilder vor allem in den ersten beiden Folgen.

Wolfgang Held – ein Schriftsteller ganz nach dem Geschmack der SED. Ideologie mußte möglichst spannend verpackt werden, um propagandistische Wirkung zu entfalten, und dazu brauchte es ausgewiesene Fachkräfte. Und freilich ist es ein gutes Gefühl, wenn man als Künstler für diesen Zweck von den Mächtigen gebraucht wird. Der Stolz über seine Rolle verleitet Herrn Held freilich dazu, im obigen Artikel auszuplaudern, daß er seine "gläserne Fackel" im Auftrag des Zeiss-Generaldirektors geschrieben hat.
Doch das ganze ist viel schlimmer. Der aufmerksame Zuschauer stellt recht bald fest, daß der Entwicklung der Firma Zeiss mit den mal unter ihrem realen, mal unter verschleiertem Namen agierenden historischen Figuren eine dominante Nebenhandlung zur Seite gestellt wird. Über fünf Folgen hinweg müssen wir die ziemlich langatmig erzählte Geschichte einer fiktiven Familie Steinhüter über uns ergehen lassen, die über mehrere Generationen geradezu zwanghaft mit dem realen Werdegang der Firma Zeiss verwoben wird. Das ganze geht chronologisch vor sich und endet in Folge 5 in der Nachkriegszeit.
Doch dann gibt es in Folge 6 einen Schnitt und es wird unmittelbar in die 1970er Jahre gesprungen, wo Robert Steinhüter, der Ururenkel der in Folge 1 als Haushälterin der Familie Zeiß arbeitenden Karoline Steinhüter, plötzlich zum Generaldirektor des VEB Zeiss Jena gemacht wird. Jedem, der mit der Firmengeschichte des VEB Zeiss Jena vertraut ist, dürfte klar sein, dass es sich bei diesem Robert Steinhüter nur um eine Verkörperung Wolfgang Biermanns handeln kann. Damit wird einem aber auch schlagartig bewußt, daß diese ganze Darstellung des Schicksals der Familie Steinhüter in den Folgen zuvor nur den einzigen dramaturgischen Zweck verfolgt hat, dem Zuschauer zu suggerieren, dass der Generaldirekor Biermann bereits über Generationen hinweg mit Zeiss verknüpft sei und deshalb als Sohn der Arbeiterklasse legitimiert ist, nun den Betrieb zu leiten.

Und damit diese Propaganda auch wirklich ihre volle Wirkung entfalten kann, setzt die Regie für die Darstellung dieses Robert Steinhüter denselben Schauspieler ein, der in Folge 1 den Firmengründer Carl Zeiß verkörpert hatte. Damit wird der allmächtige Generaldirektor Biermann zur regelrechten Reinkarnation von Carl Zeiß gemacht.

Um diese Ungeheuerlichkeit einordnen zu können, müssen wir uns noch einmal vor Augen führen, daß "Die gläserne Fackel" gedreht wurde, als dieser Wolfgang Biermann dem vergreisten Honecker und dem inkompetenten Mittag gerade den "Megabit-Speicherchip" überreicht hatte [Bild oben: Klaus Franke, Bundesarchiv]. Die Staatslenkung tat damals so, als würde die DDR zu den technologisch führenden Industrienationen der Welt gehören, während ein Großteil der Bevölkerung in immer weiter verfallenden Häusern lebte und jeden Tag für weitgehend wertloses Geld zur Arbeit ging. Der hier glorifizierte Wolfgang Biermann war in Wirklichkeit einer der verhaßtesten Figuren in der Endphase der DDR.



Eine ganz besondere Note bekommt dieses über fast ein Jahrzehnt hinweg betriebene Fernseh-Propagandastück aber dadurch, daß es offensichtlich gezielt für den 40. Republik-Geburtstag produziert worden war. Die erste Folge lief am Sonntag dem 8. Oktober 1989 um 20 Uhr auf DDR 1 an. Wer die technische Möglichkeit dafür hatte, wird zu diesem Zeitpunkt aber eher die Tagesschau in der ARD eingeschaltet haben, in der Joachim Brauner von den gewaltsam aufgelösten Demonstrationen in der Nacht zuvor berichtete sowie von der Gründung der Sozialdemokratischen Partei der DDR am darauffolgende Tage.

Während der SED auf den Straßen bereits alle Felle wegschwammen, ließ sie in den nach wie vor von ihr beherrschten Medien ein Trotzbild aus Schwung, Frohsinn, Optimismus und guter Stimmung verkünden. Und ein Pappkamerad, auf den sich die Partei dabei verlassen konnte, war der Autor der "Gläsernen Fackel" Wolfgang Held.

Zur Farce wurde diese Tragödie aber, als es die historische Entwicklung so wollte, daß die letzten beiden Teile der Serie, die ja genau jene Huldigung des "Generals" Biermanns zum Thema hatten, auf die in den vorausgegangenen Folgen so mühselig hingearbeitet worden war, ausgerechnet am 12. und am 19. November 1989 gesendet wurden – also unmittelbar nach dem Fall der Mauer. Statt als Meister "der Hochtechnologie unserer Republik" gefeiert zu werden, prasselten in jenen Tagen immer lauter werdende Rücktrittsforderungen auf Biermann herein, denen er erst nachgab, als in Jena und Saalfeld am 7. Dezember mit Streik gedroht wurde [Vgl. Hellmuth/Mühlfriedel, Zeiss 1945 - 1990, S. 341].

Nach dem Mauerfall trauten sich nun auch die Autoren in den Zeitungen und Zeitschriften, ihre aufrichtige Meinung kundzutun. Daß es aber nicht einem fernsehtramaturgischen Unvermögen von Held und Kunert zuzuschreiben war, weshalb in dem Mehrteiler über die Firma Zeiss die Generationenkonflikte der Familie Steinhüter so merkwürdig deplaciert eingewoben erschienen, sondern weil doch ganz offensichtlich auf Wunsch von Herrn Biermann die gesamte Geschichte der Firma auf dessen Übernahme der Betriebsleitung zugespitzt werden sollte, das hatte auch die Kritikerin Angelika Rätzke noch nicht erkannt.


Fast schon etwas Rührendes hat der Leserbrief des Biermann-Vorgängers Helmut Wunderlich, der sich im ND darüber beklagt, der Autor Wolfgang Held habe die eigentlich von Wunderlich stammenden Leistungen derselben Kunstfigur Robert Steinhüter zugeschrieben, die ja eindeutig Biermann verkörpern soll. Nicht einmal er hatte begriffen, daß er damit den falschen Verantwortlichen adressierte.

"Es war ein Leben umsonst" – der sichtlich zerknirschte Wolfgang Biermann im Interview mit dem "ND" im Frühjahr 1990. Hier wird noch einmal deutlich, welche Bedeutung der Stichtag des 8. Oktobers 1989 für Biermanns weiteres Schicksal gespielt hat – ausgerechnet der Tag, an dem nach etwa achtjähriger Vorarbeit sein großer Fernsehauftritt Premiere feierte.
Marco Kröger, 19. Februar 2026

Yves Strobelt, Zwickau
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