Schmalfilm Basteleien


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Schmalfilm-Basteleien

Leicina 8 Extra


Leicina 8S with a defective exposure control converted to C-mount. Because of the large flange-film-distance of these C-mount objectives it was possible to retain the permanent reflex viewfinder.


Mal was ganz anderes: Diese Leicina 8 S habe ich geschenkt bekommen. Bei ihr war durch eine ausgelaufene Batterie die filigrane Belichtungsautomatik zerstört, auf die man aber mangels manueller Einstellmöglichkeiten angewiesen ist. Das hochwertige Laufwerk dieser Kamera macht sie aber unbedingt erhaltenswert. Eine Rechtfertigung zum basteln also.


Ebenfalls erhaltenswert war der permanente Reflexsucher dieser Kamera. Es kam also nur eine Umrüstung auf solche Objektive infrage, die eine genügend lange Schnittweite aufzuweisen haben, um ein Beibehalten des Ausspiegelprismas zuzulassen. Ich habe daher die Kamera auf das internationale C-Gewinde umgebaut auch wenn eigentlich die zugehörigen Brennweiten ein wenig zu lang sind. Dafür hat man allerdings eine große Auswahl an sehr hochwertigen Festbrennweiten.

Quarz 1x8 S Spezial



Umbau einer Quarz 1x8S, um das wunderbare Jena Flektogon 2/5,5mm Wolf Dannbergs Retrofokus-Pionier aus dem Jahre 1958 für das Super 8 Format nutzen zu können. Hier entspricht es ziemlich exakt einem 35mm Weitwinkel bezogen auf das Kleinbild.

Quarz 1x8 S

Der eigentliche Hintergrund zu dieser Kamera ist aber der folgende: Gefordert war eine Kamera, mit der man Breitwandaufnahmen machen könne, die aber mit einem ganz normalen Projektor vorgeführt werden sollten. Spezialverfahren wie Panascope schieden daher von vornherein aus. Anamorphotische Verfahren auch, da sie zu kostspielig sind und bei der Projektion zu viel Licht verloren geht. Also war die Idee, einfach das Bildfenster in der Höhe zu maskieren und den Film entsprechend weitwinklig zu projizieren. In der Fachsprache bezeichnet man das als Kaschverfahren; es ist in dieser Form lange Zeit im 35mm-Bereich üblich gewesen. Wie in der Panorama-Photographie benötigt man aber unbedingt Objektive mit einem großen Bildwinkel, um den Bildflächenverlust in der Vertikalen ausgleichen zu können. Sonst erzielt man nichts weiter als einen mehr als unschönen "Briefschlitzeffekt".

Das Bildfenster der umgebauten Quarz wurde daher in der Bildhöhe von 4,2 auf 2,1mm halbiert. Wichtig dabei sind absolut glatte Kanten, denn diese sind in der Projektion vielhundertfach vergrößert auf der Leinwand sichtbar. Bei einer normgemäßen Breite des Projektionsbildfensters von 5,36 mm ergibt sich somit ein Seitenverhältnis von 1:2,55 das damit genau dem ursprünglichen Format des Cinemascope-Verfahrens entspricht. Die noch fällige Maskierung des Suchers war demgegenüber ein Kinderspiel.

Die Bildergebnisse als Breitwandverfahren (oben) und im "Vollformat" (unten). Das Flektogon ist wirklich ein außergewöhnlich hochwertiges Objektiv. Durch den Umbau der Super 8 Quarz könnte es auch wieder einmal auf Farbfilm eingesetzt werden...

Super 8 Digitalisierer



Bleiben wir gleich beim Thema Super 8. Man könnte ja meinen, in Zeiten von "4K" sei der Schmalfilm längst passé, zumal heute fast jeder einen kleinen Minicomputer mit sich herumträgt, in dem unter vielem anderen auch eine Videokamera steckt. Aber dem ist nicht so im Gegenteil sogar. Kurz vor seinem hundertsten Geburtstag 9,5 und 16 mm Film kamen Anfang der 1920er Jahre heraus erlebt der Schmalfilm sogar eine gewisse Renaissance; und zwar vorwiegend bei jungen Leuten, die einfach nur mal experimentieren wollen oder sogar ernsthaft filmen und damit ihr Geld verdienen. Der Grund scheint auf den ersten Blick paradox: Es ist gerade die Imperfektion, die anziehend wirkt. Die Körnigkeit, das Wackeln... und der Eindruck, die Aufnahmen stammen aus einer ganz anderen Zeit. Aus meiner eigenen beruflichen Praxis kann ich vermelden: Nach 40 Jahren des Niedergangs hatte der Super 8 Film im Jahre 2019 das erste Mal wieder ein Wachstum zu verzeichnen und zwar nach Angaben des Filmherstellers sogar im zweistelligen Bereich!


Gerade aus dieser Bewegung heraus, eine alte Technik, deren Faszination nun eben gerade darin liegt, daß sie alt ist, mit dem modernen Zeitalter zu verknüpfen, ergeben sich neue Problemfelder, die nach gezielten Lösungen verlangen. Um es radikal zu sagen: Die Zeit, wo der Papa mit der Schmalfilmkamera den ganzen Urlaub gefilmt hat und dann dieser Film in der Adventszeit vor versammelter Familie mit dem Projektor auf ein aufgespanntes Bettuch geworfen wurde, die ist unwiederbringlich vorbei. Schon allein die Kosten des Materiales und dessen Entwicklung steht dieser Art der Anwendung entgegen. Heute werden oftmals nur ein... zwei Kassetten für einige ausgewählte Szenen eingesetzt. Außerdem hat sich heute weitgehend der Farbnegativfilm durchgesetzt. Das wäre früher vollkommen unverständlich gewesen, da man von diesem Negativ erst hätte aufwendig Kopien ziehen müssen. Aber genau hier liegt die Krux: Trotz des Arbeitens auf Film steht heute am Ende des Arbeitsprozesses das digitale Video. Nun wollen wir bitte nicht an dieser Stelle darüber diskutieren, wie sinnvoll oder sinnfrei eine solche Vorgehensweise ist. Immerhin geben sich auch manche Musiker heute wieder große Mühe, ihre Kunst möglichst analog zu produzieren und mit einer alten Bandmaschine aufzunehmen oder gar auf Platte zu pressen, nur damit sie der Hörer am Ende doch wieder als Datei von einem Internet-Streamingdienst herunterlädt. Neue Zeiten ergeben halt neue Seltsamkeiten.

Neue Zeiten ergeben aber auch neue Möglichkeiten. Der Farbnegativfilm wird ja heute gerade deshalb so gern genutzt, weil das Material eben nicht projiziert, sondern ohnehin digitalisert werden soll. Gerätschaften zur Digitalisierung sind aber, wenn man ein gewisses Qualitätsniveau überschreiten möchte, riesige Maschinen, die mehrere zehntausend Euro kosten können. Die sind dann meist so ausgelegt, daß sie ganze Archive binnen kurzer Zeit zu digitalisieren imstande sind. Opas ganze Urlaubsfilme usw. Man kann sich leicht ausmalen, daß diese Art der Digitalisierung auch so langsam passé sein wird. Ich habe mir zu Weihnachten 2019 mal Gedanken gemacht, wie ein Digitalisierungsgerät für genau denjenigen Nutzer geschaffen sein müßte, wie ich ihn oben beschrieben habe: Keine endlosen Stunden an Material sondern einzelne 15 Meter Rollen wie sie geradewegs aus der Entwicklungsanstalt kommen. Ein explizit für diese Dimensionierung ausgelegtes Digitalisierungsgerät könnte dann derart kompakt ausgelegt werden, daß es zum bloßen Zusatzgerät für eine vorhandene Digitalkamera werden würde. Prädestiniert sind natürlich moderne Spiegellose Systemkameras, vor allem solche, die neben einem mechanischen Verschluß einen sogenannten elektronischen aufweisen sie arbeiten daher vollständig verschleißfrei. Geschwindigkeit steht dabei nicht im Vordergrund; ein Bild je Sekunde würde vollkommen ausreichen. Da eine Superachtkassette ziemlich genau 3600 einzelne Phasenbilder enthält, würde eine Digitalisierung des gesamten Inhaltes also exakt eine Stunde benötigen schneller noch als jeder Überspielservice. Die weitere Bearbeitung der Einzelbilder und das Zusammenfügen zu einem Video sind heutzutage ein Kinderspiel.


Kein Kinderspiel ist heute aber nach wie vor die Kinematik eines solchen Digitalisierers. Hier sind doch einige mechanische Grundsätze zu beachten, an denen sich dutzende von Filmtechnik-Konstrukteuren bereits vor Jahrzehnten abgearbeitet haben. Filmschaltgetriebe, Vor- und Nachwicklung, Aufwickelfriktion alles muß aufeinander abgestimmt und entsprechend präzise ausgelegt werden. Durch die Idee aber, sich konsequent auf die Filmlänge einer einzelnen Super 8 Kassette zu beschränken, wird das alles viel einfacher. Weder ist eine Zahntrommel für Vor- und Nachwicklung notwendig, noch muß die Aufwicklung große Spulendurchmesser (und damit große Drehmomentbereiche) abdecken. Die gesamte Mechanik des Digitalisierers kann daher so spartanisch und auch so kompakt ausfallen, wie in einer Filmkamera. Daher habe ich bei diesem Mustergerät, das vollständig aus "Schrottteilen" besteht, genau solche fertigen Baugruppen verwendet; insbesondere das Filmschaltgetriebe mit seinem hochwertigen D-Greifer. Angenehmer Nebeneffekt: Der Bildstand ist hervorragend. Die zweite Idee lag darin, das ganze Gerät so auszulegen, daß es einen Vorsatz für ein industriell hergestelltes Balgengerät ergibt. Das vereinfacht die Anpassung an verschiedene Kameras und deren Sensorgröße. Außerdem wird dadurch die Bildqualität kompromißlos. Am Ende hängt alles nur von der Qualität des Übetragungsobjektives ab. Neben speziellen Mikroobjektiven eignen sich aber auch ganz gewöhnliche Objektive für Schmalfilmkameras mit Brennweiten zwischen etwa 25 und 50 mm, wenn sie in Retrofokus-Stellung angewendet werden (also mit der Frontlinse zur Kamera).

Abtaster für 16 mm



Noch ein ganzes Stück weiter geht dieser Scanner, der alle 16 mm breiten Filme digitalisieren kann; also nicht nur 16mm und Super 16, sondern auch Panascope Breitbildformate auf Doppelacht und Doppelsuperacht. Als Grundlage diente die Bildbühne eines Meopta Meoclub 16. Es kommt ein spezieller Schleppgreifer mit stark vermindertem Totpunktfehler zum Einsatz, der quasi die obere Kante der Perforationslochs gegen einen harten Anschlag drückt. Zur genauen Positionierung der verschiedenen Bildformate ist dieser Anschlag aber justierbar.

Auf den Bildern erkennt man auch, daß das Pentacon Balgengerät vollkommen umgebaut werden mußte, damit das Objektiv seitlich und in der Höhe per Feintrieb verstellbar ist. Das war nötig um die verschiedenen Bildformate genau auf dem Sensor der Kamera positionieren zu können. 

Durch das neue Balgengerät, das erlaubt, zum Ausrichten des Bildes im Sucher einfach das Objektiv horizontal und vertikal zu verschieben anstelle den ganzen Scan-Mechanismus bewegen zu müssen, konnte ich auch meinen Scanner für Super 8 auf das Pentacon Balgensystem umbauen. Damit ergeben sich jetzt quasi verschiedene "Scanköpfe", die wie in einem Baukastensystem gegeneinander ausgetauscht werden können. Fehlt nur noch einer für Normal 8. 🙂

Die ganze Anlage für 16 mm und für Super 8 paßt in einen Koffer und ist damit problemlos transportabel.

Marco Kröger


letzte Aktualisierung: 1. Mai 2020