Penti

Die Penti

Es ist wenig bekannt, daß auch diese kleine Kamera ursprünglich ein Projekt des VEB Zeiss Ikon gewesen ist. Zunächst von Welta unter dem Namen "Orix" auf den Markt gebracht, geriet die als Penti II deutlich weiterentwickelte Halbformatkamera später zum Dauerbrenner des VEB Pentacon Dresden.

Penti II Pentacon

1. Weshalb überhaupt ein Sonderformat?

Man muß sich noch einmal die rasante Weiterentwicklung der Phototechnik in den 1950er Jahren vergegenwärtigen, um die Umstände zu begreifen, die am Ende dieses Jahrzehnts eine deratig aus der Reihe tanzende Kamera wie die Penti hervorgebracht haben. In der Zwischenkriegszeit galt eine 6x9-Faltkamera als typisches Amateurgerät: Eine Sucherkamera, bei der man zwar die Schärfe schätzen mußte, die sich aber klein zusammenlegen ließ und überall hin mitgenommen werden konnte. Der Rollfilm war leicht einzulegen, gestattete mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen und konnte erstmals zum entwickeln abgegeben werden. Das war für den Photoamateur derart attraktiv, daß eine Unzahl verschiedener Typen auf den Markt gebracht wurden. Spitzenmodelle hatten sogar einen eingebauten Entfernungsmesser und teils sehr hochwertige Objektive. Interessant ist nun, daß von dieser 6x9-Kamera ausgehend Modelle mit dem verkleinerten Format 4,5x6 cm entwickelt wurden, die doppelt so viele Aufnahmen auf einem Film gestatteten. Diese Kameras fielen noch einmal bedeutend kompakter aus und die kürzere Brennweite der Objektive erleichterte das Schätzen der Entfernung immens.


Zwanzig Jahre später – davon freilich zehn verlorene Jahre des Krieges und der Nachkriegszeit – hatte sich das Kleinbild 24x36 mm beim Amateur durchgesetzt. Weshalb das damals so rasch geschah, hat hauptsächlich damit zu tun, daß nunmehr die Farbphotographie endlich für den Amateur verfügbar geworden war. Und wenn der Nachbar seinen letzten Sommerurlaub in Form von Farbdias dokumentierte, dann wollte man das spätestens im nächsten Sommer auch.


Aber so ein Farbfilm war teuer. Überhaupt Photographie. Zumal man jetzt immer öfter auch den Schwarzweißfilm zum entwickeln weggab, weil man sonst ein Vergrößerungsgerät gebraucht hätte, usw. Also geschah beim Kleinbildfilm dasselbe wie beim Rollfilm BII 8 einige Jahre zuvor: das Bildformat wurde unterteilt. Neben dem quadratischen 24x24 mm, das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich eingeführt worden war, kam nun auch das bereits vom Kino her bekannte 18x24 mm infrage. Zwar hatte es auch zuvor schon Stillbild-Kameras mit dieser Bildgröße gegeben, aber es war die Penti, die diesem sogenannten Halbformat zum Durchbruch verhalf. Auch etliche japanische Halbformatkameras waren bis weit in die 70er Jahre noch sehr erfolgreich.

Welta Penti

2. Der Ursprung der Penti im VEB Zeiss Ikon

Immer wieder haben sich Penti-Freunde darüber gewundert, weshalb diese ausgesprochen innovative Sucherkamera eigentlich durch den eher drittklassigen VEB Welta-Kamerawerk in Freital herausgebracht worden sein soll. Schließlich hatte man in diesem Betrieb, nachdem ein Zusammenschluß mit dem noch kleineren VEB Reflekta-Werk in Tharandt erfolgt war, gerade mal mit Mühe eine Zweiäugige 6x6-Spiegelreflex schaffen können, die zwar modern aussah, aber letztlich auch nur aus zusammengefügten Blechteilen bestand. Das war freilich auch erst nach geraumer Zeit gelungen und nachdem es von der politischen Seite öffentlich geäußerte Kritik gegeben hatte. Und jetzt sollte in diesem Kleinbetrieb nicht nur eine völlig neuartige Kamera entwickelt, sondern auch rasch eine Massenfabrikation aufgezogen worden sein, mit der man den Weltmarkt beliefern wollte? Das konnte so nicht stimmen. Den größten Hinweis dafür, daß der Ursprung dieser neuen Kamera eigentlich woanders lag, gab die Tatsache, daß gegenüber der Öffentlichkeit Walter Hennig (1908 - 1977) als ihr Konstrukteur vorgestellt wurde (siehe PDF am Seitenende); und der hatte mit Welta nichts zu tun, sondern war Leiter der Entwicklungsabteilung des VEB Zeiss Ikon.

Walter Hennig um 1960

Ich habe mich bereits an verschiedenen Stellen vergleichsweise kritisch über die Person Walter Hennig geäußert, auch wenn Herbert Blumtritt seinen Mentor als „genialen Konstrukteur“ in den höchsten Tönen lobt [Vgl. Blumtritt, Herbert: Die Geschichte der Dresdner Fotoindustrie, Stuttgart, 2000, S. 188]. Es reicht aber nicht, ein genialer Konstrukteur zu sein. Meiner Ansicht nach liegt es nämlich auch im Verantwortungsbereich eines Konstrukteurs, Geräte zu entwerfen, die nicht nur toll sind, sondern mit denen der Betrieb, für den man sie entwirft, auch Geld verdienen kann. Insbesondere ein „Abteilungsleiter Konstruktion“ muß abschätzen können, welche Entwicklungen sinnvoll sind und was wirklich vom Markt verlangt wird. Und was das betrifft, muß man Walter Hennig leider vorwerfen, etliche „Wolkenkuckucksheime“ entwickelt zu haben, die geradewegs am Markt vorbeientwickelt worden oder schlichtweg nicht ausgereift waren. Ein Beispiel für ersteres sind die beiden Spiegelreflexkameras mit Wechselkassetten namens "Pentax", die Hennig für den VEB Zeiss Ikon entwickelt hatte. Wir wissen heute, daß mit diesem Projekt (sowie der Stereo-Reflexkamera Pentaplast) offenbar die gesamte Produktentwicklungskapazität dieses Betriebes blockiert wurde, weshalb dieser in der zweiten Hälfte der 50er Jahre keine konkurrenzfähige Stillbildkamera mehr auf dem Markt hatte. Als zweites Wolkenkuckucksheim entpuppte sich das Verlangen, eine Zentralverschlußspiegelreflexkamera nach westdeutschem Vorbild herauszubringen. Mit einem erfolglosen Konstrukt namens Pentina, für das Hennig maßgeblich verantwortlich zeichnete, wurden die frisch gegründeten Kamera- und Kinowerke stark belastet. Zur regelrechten Katastrophe, was die Reputation des neuen VEB Kamera- und Kinowerke auf den Westmärkten anbelangt, geriet aber die unter Hennigs Verantwortung herausgebrachte Sucherkamera Prakti, auch wenn sie Blumtritt als „sein Meisterstück, sein ‚Juwel‘“ bezeichnet und im Nachsatz „ihre Tragik“ beweint [Ebenda]. Dabei war genau diese die "Tragik" der Prakti nicht vom heiteren Himmel gefallen, sondern das Ergebnis einer völlig überkandidelten Konstruktion, die der damaligen Vermessenheit geschuldet war, viel zu hoch gesteckte Zielvorgaben mit einem Wust an technischen Lösungen erreichen zu wollen. Im Zeitalter der Selenzelle war es eben völlig überambitioniert, eine automatisierte Kamera schaffen zu wollen, die in dieser Form tatsächlich erst in den späten 80er Jahren mithilfe von Autofokus und Programmautomatik Gestalt annehmen konnte. Das hätte Walter Hennig damals erkennen müssen und Herbert Blumtritt hat zu wenig Abstand von seinem Idol, um diesen Punkt objektiv genug beurteilen zu können.

Welta Penti

Um so bemerkenswerter ist doch diese Penti. Offensichtlich ist Hennig gerade da am besten, wo er seine einfachste Kamera entwickelt. Hier läuft dieser Mann ja geradezu zur Höchstform auf. Dabei dürfte die initiale Grundidee zu dieser zunächst "Orix" genannten Kamera darin gelegen haben, die Karat-Kassetten wiederzubeleben, die von der Filmfabrik Wolfen auch nach 1945 noch konfektioniert wurden, um den Weiterbetrieb dieser hauseigenen Kameras aus den 30er Jahren sicherstellen zu können. Hennig besann sich der Einfachheit, mit der das Filmeinlegen bei diesen Schiebekassetten möglich war. Seine Neuerung lag dabei darin, dieses „Schiebeprinzip“ derart auszudehnen, daß jegliche drehende Getriebe zu eliminieren wären. Daher konnte diese Kamera trotz einer Kupplung des Filmtransports mit dem Verschlußaufzug so derart simpel, kompakt und leicht ausfallen. Ich erlaube mir daher, Herbert Blumtritt zu widersprechen und zu korrigieren: Nicht die Prakti, sondern die Penti ist Hennigs Meisterstück gewesen!

Orix Werbung

Doch wie kam es nun dazu, daß diese Kamera 1958 ausgerechnet als Produkt des VEB Welta-Kamera-Werke in Freital vorgestellt wurde? Hinweise darauf sollte eigentlich ein regelrechtes "Grundlagen-Patent" für die Orix mit dem Titel "Photographische Kleinbildkamera für perforierten Rollfilm" liefern. Doch dieses am 8. November 1957 unter der Nummer 21.983 in der DDR und einen Tag später unter der Nummer DE1.117.995 auch in der Bundesrepublik angemeldete Patent läßt keine Urheberschaft der Welta-Werke erkennen. Vielmehr weist die bundesrepublikanischen Version des Patentes mit dem VEB Feinmeß Dresden einen Anmelder aus, der damals als notorischer Alibi-Betrieb für den DDR-Kamerabau im Westen fungierte. Daß aber weder die Welta-Werke noch dieser VEB Feinmeß die wahren Urheber gewesen sein können, kann deshalb bezweifelt werden, weil mit den Herren Oskar Fischer, Horst Strehle, Walter Hennig und Herbert Welzel quasi die gesamte Spitze der Entwicklungsabteilung des VEB Zeiss Ikon als Erfinder benannt wurde. Wie soll das also zusammenpassen?


Der Schlüssel zur Antwort darauf liegt im geradezu mysteriösen Verschwinden des VEB Zeiss Ikon während dieser Ära. Irgendwann im Frühjahr des Jahres 1957 – und zwar offenbar kurz nach der Leipziger Messe – hatte eine regelrechte Zerschlagung dieser einstmaligen Weltfirma eingesetzt. Zunächst wurde der Großbetrieb dazu in eine Stehbild- und eine Laufbild-Sparte aufgespalten. Während die Filmkameras und -projektoren noch bis März 1958 unter dem Namen Zeiss Ikon weitergebaut wurden, war dieses Label für Photo-Kameras bereits im Jahr zuvor überstürzt aufgegeben und deren Produktion inklusive dem Entwicklungspersonal einfach dem VEB Kamera-Werke Niedersedlitz eingegliedert worden [Vgl. Neues von der Leipziger Frühjahrsmesse; in: fotografie, Heft 6/1957, S. 179.]. Nach außen hin erfolgte dieser Vorgang auffällig geräuschlos und selbst innerhalb des Betriebes wurde allem Anschein eine größere Debatte darüber unterdrückt.


Das ist auch nicht verwunderlich, denn es stellte für die DDR eine Niederlage dar, das Markenzeichen "Zeiss Ikon" aufgeben zu müssen. An sich war es zwar nichts Besonderes, daß in die Bundesrepublik geflohene Firmeninhaber dort Neugründungen vornahmen, weshalb die in der DDR zurückgelassenen Betriebe neu firmieren mußten. Hinter den Markenzeichen "Zeiss" und "Zeiss Ikon" stand jedoch eine derart unvergleichlich große Weltreputation, daß die DDR-Seite zu ihrer Sicherung langjährige Gerichtsprozesse führte. Im Falle Zeiss Jenas zogen sich diese deutsch-deutschen Auseinandersetzung gar bis 1972 hin.


Offenbar müssen aber die Verantwortlichen in der zweiten Jahreshälfte 1956 erkannt haben, daß sie in der Auseinandersetzung um die Rechtsnachfolge der ehemaligen Zeiss Ikon AG hoffnungslos ins Hintertreffen geraten waren. Als erste heute noch nachvollziehbare Reaktion wurde unterbunden, unter diesem Label noch weitere internationale Patentanmeldungen zu riskieren. Wie ich hier etwas breiter ausgeführt und anhand von Patent-Ummeldungen zu belegen versucht habe, stand man nämlich in Dresden in der ernstlichen Gefahr, alle Verfügungsgewalt über die in der Bundesrepublik angemeldeten Patente an den Konkurrenten Zeiss Ikon Stuttgart zu verlieren. Daß diese Befürchtung nicht von der Hand zu weisen war, sieht man daran, daß später tatsächlich etwas Ähnliches im Falle der Ihagee geschehen ist. Ein derartiger Verlust hätte für den VEB Zeiss Ikon mit seinen damals 5000 Beschäftigten eine große Katastrophe bedeutet. Eilig wurden daher nicht nur bislang unerteilte Patente auf Alibi-Firmen wie den "VEB Feinmeß" oder eine "Elbe Kamera GmbH" umgeschrieben, sondern auch die Kameraproduktion formell an andere Betriebe abgegeben. So wurde die eindeutig bei Zeiss Ikon entwickelte und gerade erst herausgekommene Pentona plötzlich zu einem Produkt der Kamera-Werke Niedersedlitz gemacht. Man muß es sich nun offenbar so vorstellen, daß nach genau diesem Muster auch die neue Halbformatkamera an einen "unverdächtigen" Betrieb ausgelagert wurde. Nur durch den Verzicht auf die Herkunftsbezeichnung "Zeiss Ikon Dresden" war ein von rechtlichen Auseinandersetzungen völlig ungestörter Export in die Bundesrepublik sichergestellt. Schließlich sollen nach der Vorstellung der Orix auf der Photokina vom September 1958 gleich mehrere zehntausend Stück bestellt worden sein. Daß in diesem Falle nun gerade Welta und nicht etwa KW oder Belca als Hersteller gewählt wurde, das wird tatsächlich mit in Freital frei verfügbaren Produktionskapazitäten zusammenhängen.

Orix Prototyp

Ein untrügliches Anzeichen für den Ursprung der Orix im VEB Zeiss Ikon gibt dieser Prototyp: Ein Novonar als Objektiv und ein Priomat als Verschluß. Der Priomat war in den frühen 50er Jahren bei Zeiss Ikon entwickelt worden. Die Novonare bzw. Novare hingwegen waren gewissermaßen die "Billigmarke" Carl Zeiss Jenas als preiswerte Objektivbestückungen für Zeiss-Ikon-Kameras. Ein ähnliches Novonar wurde zu selben Zeit auch in großen Stückzahlen in der Taxona verbaut. [Abb. nach Riebe, Wie Orix und Penti auch hätten aussehen können; in: Photo Antiquaria, Nr. 124, September 2015, S. 29ff.]

Interessant für mich ist, wie wenig nun weder Herbert Blumtritt noch Gerhard Jehmlich, die schließlich beide diese Ära als Zeitzeugen miterlebt haben, in ihren Büchern zur Geschichte der DDR-Photoindustrie über dieses erschütternde Ende jenes einstmals so bedeutenden Betriebes VEB Zeiss Ikon zu sagen wissen. Man kann daraus nur die Vermutung ableiten, daß dieses Thema damals Tabu war und daß ein Mantel des Schweigens darüber gedeckt wurde. Nur so ließe sich auch erklären, weshalb beide Autoren selbst nach 1990 diese unerhörte Begebenheit nicht zentral thematisierten. Man muß doch daraus schließen, daß der Vorgang, wie nach der Frühjahrsmesse 1957 der VEB Zeiss Ikon Dresden regelrecht aus dem öffentlichen Leben verschwindet, als hätte es ihn nie gegeben, von ihnen gar nicht als Schlüsselfrage angesehen wurde. Ich kann mir das nur so erklären: Bei der Niederlage gegenüber der Zeiss Ikon AG Stuttgart ging es ja nicht nur um den Verlust weltweit bekannter Markenrechte. Vielmehr war mit den diesbezüglichen Prozessen vor bundesdeutschen Gerichten auch ein Urteil über die Unrechtmäßigkeit der Enteignungen in der SBZ und der DDR nach 1945 gefällt worden. Und damit hatte diese Zeiss-Ikon-Frage auf einmal eine grundsätzliche Dimension erreicht, die das gesamte Selbstverständnis der DDR in Frage gestellt hätte. Erst nachdem mit der Umbenennung der verbliebenen Kinosparte in VEB Kinowerke im März 1958 dieser Tilgungsprozeß abgeschlossen war, konnte es im Sommer 1958 zum großen "Showdown" kommen: Die Überreste des zerschlagenen VEB Zeiss Ikon wurden auf dem V. Parteitag der SED als Sündenbock für verschleppte Produktentwicklung in der Dresdner Kameraindustrie angeprangert.

Orix Faltblatt
Orix Faltblatt
Penti Kamera Werbung

3. Neuartige Konstruktionsmerkmale der Penti

Die meisten Eigenschaften, die den neuartigen Grundaufbau der Orix/Penti ausmachen, sind im oben bereits angesprochenen Grundlagenpatent für die Orix vom November 1957 dargelegt. Wie bereits angedeutet, lag die Grundidee dieser Kamera darin, die in der Zwischenkriegszeit von der Agfa herausgebrachte Karat-Kassette zu reaktivieren. Deren Vorteil lag darin, daß sie als Schiebekassette ausgeführt war, das heißt, es war keine zusätzliche Drehbewegung notwendig, um das belichtete Material aufzuwickeln. Vielmehr wurde es in eine gleichartige Leerkassette geschoben, wodurch auch das Rückspulen entfiel. Und schieben ist genau das Stichwort: Wenn schon die Drehbewegung für das Aufwickeln des Filmes wegfallen kann, wieso sollte man noch – wie ursprünglich die Agfa bei ihren Karat-Kameras – für den Filmtransport eine drehende Zahntrommel verwenden? Die wunderbare Idee Hennigs und seiner Kollegen lag nämlich darin, auch diesen Filmtransport schiebend vorzunehmen. Dazu wurde ein Greifer eingesetzt, der durch eine im Patent als „Schaltstange“ bezeichnete Filmschalttaste bewegt wird. Auf diese Weise konnten alle aufwendigen Getriebeteile für die sonst übliche Zahntrommel, die Wickelspule und den damit verbundenen Verschlußspannmechanismus entfallen, was die Herstellung verbilligte und den Aufbau kompakt werden ließ.

DD 21.983 Orix

Dieses Schiebeprinzip funktionierte vor allem auch deshalb, weil der Filmtransport auf die Hälfte reduziert wurde. Arbeitete die Agfa Karat mit acht Perforationslöchern Filmtransport und damit der normalen Bildgröße 24x36 mm, so transportierte die Orix nur vier Perforationslöcher bei einer Bildgröße von 18x24 mm. Damit verdoppelte sich natürlich auch die Anzahl der möglichen Aufnahmen dieser Karat-Kassette von 12 auf akzeptable 24 pro Film. Als einzig Gewöhnungsbedürftiges ergab sich, daß bei normaler Haltung der Kamera nicht wie üblicherweise Quer-, sondern Hochformataufnahmen entstanden.


Die charkteristische etuiartige Formgebung dieser Orix und deren Herstellung aus spanlos gewonnenen Schalen wurde am 6. September 1958 in der Bundesrepublik zum Patent angemeldet (Nr. 1.810.939). Auch die Rahmenbauweise mit möglichst wenigen hervorspringenden Teilen war Bestandteil dieses Schutzrechtes. Es ist ganz offensichtlich, daß dieses Patent noch kurz vor der Leipziger Herbstmesse vom 7. bis 14. September 1958 angemeldet wurde, auf der die Orix dann das erste Mal gezeigt wurde [Vgl. Bild & Ton, 9/1958, S.226].

DE1.810.939 Orix
DE1.810.939 Orix

Sogar auf so etwas, wie den kleinen Riegel, der die volle Filmpatrone der Penti daran hindert, sich beim Filmtransport zu verdrehen, wurde in der Bunderepublik ein Gebrauchsmuster angemeldet. Beispielhaft dabei ist, daß dieses DBGM Nr. 1.791.093 zum 6. September 1958 auf den Namen der Kamerawerke Niedersedlitz angemeldet wurde, dasselbe aber am 30. März 1959 auf den VEB Feinmeß Dresden umgeschrieben worden ist. Ein Beispiel wiederum für die unübersichtliche Konsolidierungsphase des Dresdner Kamerabaus in jener Zeit.

DE1791093 Penti

Für die Penti II wurde in Österreich am 29. Feber (!) 1960 noch die sehr charakteristische Filmandruckplatte dieser Kamera unter der Nummer 223.007 zum Patent angemeldet. Der Sinn dieses kapselartigen Federgehäuses lag dabei darin, daß sich anstelle der zuvor bei der Orix noch verwendeten Blattfedern eine Schraubenfeder verwenden ließ, die eine wesentlich günstigere Kraftwirkung aufzuweisen hatte. Bei solch einem kleinen Negativ, wie es die Penti erzeugte, mußte eben viel Wert darauf gelegt werden, daß der Film unbedingt plan im Bildfenster lag.

AU 223.007 Penti
AU 223.007 Penti

4. Die Formgestaltung der Penti

Die spätere Penti wurde im VEB Zeiss Ikon bereits seit 1956 entwickelt [Vgl. Jehmlich, Pentacon, 2009, S.100.]. Die Grundkonzeption dieser Kamera wird daher bereits weitgehend festgelegen haben, als ab 1957 daran gearbeitet wurde, die neuartige Technik auch in einem neuartigen Äußeren zu verpacken. Ausschlaggebendes Moment war dabei die durch Walter Hennig eingeführte Rahmenbauweise für Kameras. Diese ging von dem Ansatz aus, den Grundkörper einer Kamera, der als Träger der optischen und mechanischen Komponenten benötigt wurde, so zu reformieren, um die Montage der Kamera (und damit auch ihre eventuelle Reparatur) einfacher und übersichtlicher werden zu lassen. Völlig neue Möglichkeiten im Hinblick auf das Aussehen der Kamera ergaben sich nun daraus, daß dieses rahmenartige Chassis durch großflächige Schalen aus dünnem Aluminiumblech (Penti, Pentina) oder einem massiven Druckgußteil (Prakti) außerlich verschlossen werden sollte. Endgültig ausgearbeitet und geschützt wurde diese Bauweise mit der Österreichischen Patentschrift Nr. 217.852 vom 15. Februar 1960 bzw. dem Bundesgebrauchsmuster Nr. 1.815.682 vom 28. Oktober 1959 im Zusammenhang mit der Pentina. Der große Spielraum für den Formgestalter lag dabei darin, diese Schalen aus Aluminium in weiten Grenzen beliebig gestalten zu können. Entweder glatt, kantig und nüchtern wie bei der Pentina und der Prakti, oder geschwungen, goldfarben und beinah barock wie bei der Orix.

Penti Gestaltungsmuster
Penti Gestaltungsmuster

Die neuartige Konzeption der Kameras erlaubte es also, daß erstmals nicht allein deren innerer Aufbau das Aussehen vorbestimmte, sondern die Dresdner Kameraindustrie eng mit einer jungen Generation an Industrieformgestaltern zusammenarbeiten konnte, um die neuen Erzeugnisse auch äußerlich vom Einerlei auf dem Weltmarkt abheben zu können. Ergebnis waren zumindest ungewohnte, zum Teil sehr gewagte Entwürfe, die insbesondere im Falle der Pentina damals durchaus Kontroversen erregt haben und heute eher als Kuriosum angesehen werden. Zentrale Verantwortung hatte bei beiden Kameras der Formhegstalter Jürgen Peters. Die beiden oben gezeigten Entwurfszeichnungen, die von einem Werbegrafiker namens Richard Damme stammen und im April 1956 angefertigt worden sein sollen [Vgl. Riebe, Wie Orix und Penti auch hätten aussehen können; in: Photo Antiquaria, Nr. 124, September 2015, S. 29ff.], würden belegen, daß die Enwicklung des neuen inneren Aufbaus und der äußeren Gestaltung parallel zueinander verliefen. Noch gab es auch die später so charakteristische Filmschalttaste nicht, sondern einen versenkbaren Hebel.


Dabei paßte das etwas schwülstige Design der Orix/Penti durchaus noch in den vom Nierentischchen geprägten Zeitgeschmack der 50er Jahre. Die mit einer goldfarbenen Eloxalschicht versehenen Gehäuseschalen ließen die kleine Kamera wie die damals sehr beliebten Zigarettenetuis erscheinen. Mit diesem Aussehen, der "Handtaschentauglichkeit" und der auf wenige Einstellmöglichkeiten beschränkten Bedienung zielten Orix und Penti stark auf die "Damenwelt" ab (wie man das damals ausgedrückte). Entsprechend wurde auch die Werbestrategie in diese Richtung gelenkt.

Penti II Vorentwurf

Bei der Umgestaltung der bisherigen Penti zur Penti II, die von Manfred Claus besorgt wurde, ist deutlich das Bestreben erkennbar, die Anmutung der Kamera zu modernisieren, ohne den Grundentwurf zu verlassen. Deutlich sind die geraderen Kanten und die glatteren Flächen zu erkennen, die die Kamera sogar flacher wirken lassen, obgleich nun wesentlich umfangreichere Technik verbaut wurde. Immerhin sollte ein gekuppelter Belichtungsmesser das Photographieren mit der Halbformatkamera perfektionieren. Der Ausgangspunkt für Manfred Claus lag dabei in dem oben gezeigten Holzmodell [Bild nach Riebe, Wie Orix und Penti auch hätten aussehen können; in: Photo Antiquaria, Nr. 124, September 2015, S. 29ff.]. An den Gehäuseschalen mit Eloxalbezug wurde dabei grundsätzlich festgehalten. Zwar hatte sich die Eloxalschicht durch ihre große Härte als ausgesprochen kratzfest erwiesen (viel kratzfester jedenfalls, als die teilweise sehr farbenfroh lackierten Rahmen), allerdings verbeulte das dünne Aluminiumblech bei Druck, Stoß oder Fall rasch. Durch den oben bereits angesprochenen neuartigen Aufbau der Kamera geriet der Austausch der Frontschale (und natürlich noch mehr der Rückwand) nun jedoch zur billigen Standardreparatur.

Penti II schwarz, FKM 4/1965

Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1965 wurde dann die oben zu sehende hell eloxierte und schwarz belederte Penti II herausgebracht [Vgl. FOTOKINO magazin, 4/1965, S. 99], um ein wenig vom Image der "Damenkamera" wegzukommen. Der Erfolg war aber offenbar begrenzt und so verschwand diese Variante rasch wieder aus der Produktion. Die Penti blieb schlichtweg über fast zwei Jahrzehnte hinweg DIE Damenkamera der DDR. Erst im Jahre 1977 wurde die Produktion eingestellt.

5. Eigentlich eine Neukonstruktion: Die Penti II

Die gelungene Grundkonzeption der ursprünglichen Orix erkennt man daran, daß ihr ein deutliches Weiterentwicklungspotential innelag. Nachdem sich der zu Jahresanfang 1959 gegründete VEB Kamera- und Kinowerke konsolidiert und das Durcheinander in den zusammengelegeten Betriebsteilen gelegt hatte, wurde der Penti eine gekuppelte Belichtungshalbautomatik verpaßt. Im Leuchtrahmensucher der ebenfalls neu war mußten nun lediglich zwei Zeiger zur Deckung gebracht werden, und schon war die richtige Belichtung eingestellt. Die Kupplung dieses Belichtungsmessers mit der Blendeneistellung, der Verschlußzeit und der Filmempfindlichkeit verlangte freilich nach einer sehr umfangreichen Überarbeitung der gesamten Kamera.

Penti Werbung 1960er

Zusammen mit dem einfachen Einlegen des Filmes und der großen Schärfentiefe des dreilinsigen Aufnahmeobjektivs geriet die Penti II nun zur unkompliziertesten Amateur-Qualitätskamera der DDR-Photoindustrie. Wie gut sie auf die Ansprüche ihres Kundenkreises zugeschnitten war, spiegelt sich auch darin wieder, daß sie erst Ende der 70er Jahre (!) aus dem Warenkatalog des Photobinnenhandels der DDR verschwand, nachdem die Prakti, die Werra-Reihe, die Altix, die Belmira usw. längst schon eingestellt worden waren. Sie war nicht nur die am längsten hergestellte höherwertige Sucherkamera des DDR-Kamerabaus, sondern am Schluß sogar die einzig verbliebene solche aus DDR-Produktion. Ansonsten beherrschte nämlich Plastik dieses Marktsegment. Das änderte sich erst mit der Beirette electronic Anfang der 80er Jahre, die wieder eine Qualitätskamera darstellte. Wer Glück hatte, der konnte bis dahin eine aus der Sowjetunion importierte Sokol Automat ergattern, die wirklich gut war, aber stets in zu kleinen Kontingenten in die Geschäfte kam. Wie schon mehrfach erwähnt: Gute Sucherkameras waren ein von der DDR-Photoindustrie frühzeitig verlassenes Marktsegment.

Penti II

Von dieser Penti II wurde eine Variante ohne Belichtungsmesser abgeleitet, die Penti I genannt wurde und nur 109,- statt 155,- Mark kostete. Nachdem die Produktion (oder exakter wohl: die Montage) der Orix 1958 noch bei Welta in Freital angelaufen war, wurde dieser Betrieb bereits zu Jahresanfang 1959 dem VEB Kamera- und Kinowerke angegliedert. Die Umbenennung der Orix in "Penti" steht sicherlich in einem engen Zusammenhang mit der Übernahme in den neuen Kamera-Großbetrieb, aus dem später "Pentacon" werden sollte, und in dem es nun Kameras wie eine Pentaflex, eine Pentina, eine Pentona und sogar einen Projektor namens Pentax gab.

Zeiss Ikon Orix Cameras

Der Produktname "Orix" wurde von Zeiss Ikon Dresden bereits Ende der 20er Jahre für Laufbodenkameras verwendet. Daß die neue Halbformatkamera nur wenige Wochen lang so genannt wurde, zeigt, wie konsequent auf einmal alle mit Zeiss Ikon in Verbindung stehende Markenzeichen getilgt werden mußten.

Schon zu Jahresanfang 1960 wurde das ehemalige Welta-Werk jedoch in den VEB Prüfgeräte Medingen eingegliedert [Vgl. Jehmlich, Pentacon, 2009, S. 93.], weshalb die Produktion der Kamera zunächst im ehemaligen Ica-Werk in Dresden Striesen weitergeführt wurde um dann ab 1965 in die ehemalige Chemische Fabrik in Dresden-Helfenberg verlagert zu werden, die als Objekt 10 des VEB Pentacon eigens für den Bau von Sucherkameras hergerichtet worden war [Vgl. ebenda, S. 100.].


Zeitgenössische Bilder aus diesem Werk, die vom Photographengespann Höhne/Pohl stammen und durch die Deutsche Fotothek überliefert werden, zeigen uns, daß die Penti ein Jugendobjekt der FDJ gewesen ist und daß sie von genau derlei Damen, für die sie hauptsächlich gedacht war, offensichtlich auch gefertigt worden ist. :-)

Penti Herstellung

6. Eine Automatik- und eine Reflex-Penti?

Allem Anschein nach sollte die Weiterentwicklung der Penti zum Modell II mit Belichtungshalbautomatik in den Jahren 1960/61 ursprünglich nicht der finale Schritt sein. Ich habe nämlich verschiedentliche Hinweise dafür gefunden, daß dieses Konzept der „Halbformatkamera“ noch wesentlich weiter ausgebaut werden sollte. Die wichtigsten Anzeichen liefert uns dafür das Sachnummernverzeichnis der DDR-Photoindustrie, in dem alle Erzeugnisse aufgeführt sind, die in diesem Industriezweig produziert wurden oder werden sollten. Hier ist zum Beispiel von einer Penti III (Sachnummer 150.000) die Rede, ohne daß genau herauszufinden ist, wodurch diese sich von der Penti II unterschieden hätte.


Wesentlich eindeutiger ist allerdings ein Eintrag unter der Nummer 821.000, der einen Zentralverschluß vom Typ "Prestormat" für eine gewisse "Penti IV" verzeichnet. Ich habe mich ausführlich mit der Quellenlage zur Zentralverschluß-Konstruktion in der DDR beschäftigt und komme zu dem Schluß, daß in den Kamera- und Kinowerken in den 60er Jahren noch an einem Prestor mit integrierter Blendenautomatik gearbeitet wurde. In der Bundesrepublik waren seinerzeit mehrere solcher Vollautomatik-Verschlüsse mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen im Markt. Offenbar sollte auf diese Weise die Penti zum Belichtungsvollautomaten weiterentwickelt werden. Möglicherweise handelt es sich um denselben Verschluß, der auch in den Nullserienmodellen einer Werra mit Blendenautomatik ("WERRA-Supermat") eingesetzt wurde. Dazu kann aber bislang nichts genaues gesagt werden, denn eine Serienproduktion erfolgte in beiden Fällen nicht mehr. 

DD27.386 Prestormat (?)

Nachdem 1959 die Kamera- und Kinowerke gegründet worden waren, lassen sich etliche Arbeiten nachweisen, die einen Zentralverschluß mit Blendenautomatik zum Ziel hatten. Unter anderem dieses DDR-Patent Nr. 27.386 vom 22. März 1960, das sich mit der Steuerung der Blendenöffnung per Abtastung eines Meßgerätezeigers beschäftigt und eine Abschaltung dieses Funktionsprinzips bei Blitzbetrieb beschreibt (Werner Hahn, Johannes Weise, Edith Berger). Ein weiteres Patent Nr. DD32.042 vom 24. September 1963 von Werner Hahn und Karl Krömer schützt ein Summengetriebe, das eine Eingabe beispielsweise der Filmempfindlichkeit und der Belichtungszeit in die Blendensteuerung ermöglicht. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Schutzschriften um Vorarbeiten zum besagten Prestormat.

Neben der oben genannten "Penti IV" ist in diesem Sachnummernverzeichnis unter der Ziffer 821.010 auch ein Prestormat für eine "Reflex-Penti" aufgeführt. Das würde bedeuten, daß in den Kamera- und Kinowerken auch an einer Halbformat-Spiegelreflexkamera mit Zentralverschluß und Blendenautomatik gearbeitet worden wäre. Die Tatsache, daß diese Kamera bereits im Sachnummernverzeichnis aufgeführt ist, zeigt, daß die Arbeiten daran schon fortgeschritten gewesen sein mußten.


In den Quellen finden sich darüber hinaus noch weitere Hinweise auf die Arbeiten an einer Halbformat-Spiegelrefelxkamera, die sich aber von den oben genannten Ansätzen teils erheblich unterscheidet. So ist unter der Sachnummer 180.007 eine „Spiegelreflexkamera 18x24 mit Belichtungsautomatik“ aufgeführt, die „SR24“ hätte heißen sollen. Spiegelreflex mit 24 Aufnahmen? Das wäre ein unverkennbarer Hinweis auf das Halbformat in Verbindung mit der SL-Kassette. Die weiteren Angaben „Kameragrundkörper, ohne Objektiv“ verweisen auf Wechselobjektive.


Bei Durchsicht der Patentüberlieferung der Kamera- und Kinowerke stößt man nun auf Entwicklungen aus jener Epoche, die teils von den technischen Beschreibungen her, teils aber auch in Bezug auf die äußerlichen Erscheinungsformen der Zeichungen auf eine solche "Penti-ähnliche" Spiegelreflexkamera passen würden.


Ein Beispiel dafür ist das DDR-Patent Nr. 27.284 „Zeiteinstelleinrichtung für Schlitzverschlußkameras“, das Horst Strehle und Günter Heerklotz am 29. September 1960 in der DDR angemeldet haben. Neben den Ähnlichkeiten zur Penti und der großen Selenzelle für die Belichtungsautomatik könnte auch die Verstellung der Verschlußzeiten des Schlitzverschlusses zu einer „SR24“ passen, die wie bei der Penti durch einen Ring erfolgen soll, der konzentrisch um das Objektiv herum angebracht ist (Schutzanspruch 10)

DD27.284 Reflex Penti (?)
Reflex Penti?

Zum oben genannten Patent Nr. 27.284 existiert noch ein Zusatzpatent Nr. 35.294 vom 3. Oktober 1960, das sich ebenso mit der Einstellung der Verschlußzeit und deren Anzeige z.B in einem optischen Durchsichtssucher beschäftigt. Das ziemliche Durcheinander, das in diesen beiden Patentenmeldungen zum Ausdruck kommt, weil beispielsweise von Schlitzverschluß, Dachkantprisma und Durchsichtssucher gleichzeitig die Rede ist, zeugt aber davon, daß ihnen noch kein ausgegorenes Produkt zugrunde lag.

DD35.294

Ein weiteres sehr an den Grundaufbau der Penti erinnerndes Patent Nr. DD33.382 haben Herbert Welzel und Heinz Bachmann am 28. Dezember 1963 angemeldet, das eine Unterbringung eines Abgleichpotentiometers für eine Belichtungsautomatik unter der vorderen Belederung beschreibt. Möglicherweise ist auch dies Teil der Entwicklung einer solchen Automatik-Halbformatkamera (Penti IV) in ebenjener Zeit.

DD33.382

Für uns ist heute freilich Fakt, daß die Penti-Weiterentwicklungen in Form einer halbformatigen Sucherkamera mit Belichtungsvollautomatik (Penti IV), einer halbformatigen Spiegelreflexkamera mit Zentralverschluß und Belichtungsvollautomatik (Reflex-Penti) sowie einer halbformatigen Spiegelreflex mit Wechselobjektiven und Belichtungsautomatik (SR24) nicht mehr zustande kamen. Von allen drei Projekten zeugen nur noch die vorfertig zugeordneten Sachnummern. Wie bei anderen solchen Fällen (z.B. ein Oreston 1,4/50 aus Görlitz oder eine 6x6 Sucherkamera namens "Ecasix", für die auch solche Sachnummern existieren) kamen diese bereits getypten Produktentwicklungen letztlich nie auf den Markt.

Penti Werbung 1970er

Zum Abschluß möchte ich Ihnen diese kleine Anekdote nicht vorenthalten. Der untenstehende "kleine Tip" erschien im Fotofalter Dezemberheft 1960. Eigentlich hätte der Beitrag "Kleiner Tip für Pentifreunde" heißen sollen. Doch der Setzer hatte entweder einen schlechten Tag oder er war gar eine "feindlich negative Person", wie dazumal der Jargon beim MfS lautete. Denn allzusehr fällt auf, daß hier etwas nachträglich geschwärzt werden mußte. Und sowas war aufwändig! Um einen alltäglichen Druckfehler kann es sich hierbei also kaum gehandelt haben. Ein Glück für uns, daß damals wirklich noch mit beweglichen Lettern gedruckt wurde, die eben – wie der Ausdruck impliziert – neben Farbe noch einen EINDRUCK hinterlassen. Und wenn man nun das Papier unter ein günstiges Licht hält und ein wenig hin- und herdreht kann man es lesen, was da in tausenden Heften ursprünglich gestanden hat: "Kleiner Tip für Parteifreunde" nämlich. Das war natürlich ungeheuerlich und durfte keinesfalls ungeschwärzt in den Postzeitungsvertrieb gelangen. Da dürfte damals wohl einer gehörig was auf den Deckel bekommen haben...

Oben: Im Septemberheft des Jahres 1959 wurde im Fotofalter in drei aufeinanderfolgenden Artikeln kräftig Werbung für die endlich in die Serienfertigung gelangte Penti gemacht.


Unten: Genau ein Jahr später stand bereits die auf der Frühjahrsmesse 1960 vorgestellte Penti II im Blickfeld des Interesses.

Marco Kröger


letzte Änderung: 16. November 2022