Feca

Fertsch Feca

Feca camera

Diese Kamera zeigt, daß die Grenzen zwischen einer "vollwertigen" Kamera und einer Box-Kamera fließend ineinander übergehen können. Für eine vollwertige Kleinbildkamera spricht natürlich die Tatsache, daß diese Feca mit einem Markenobjektiv und einem "richtigen" Zentralverschluß ausgestattet ist. Für eine Box spricht hingegen das an die Pouva Start erinnernde Kunststoffgehäuse. Zudem ist der von den Gebrüdern Werner (GW) zugelieferte Verschluß praktisch nur an die Kamera angesetzt. Daher muß auch direkt am Verschluß ausgelöst werden – einen Gehäuseauslöser gibt es nicht. Aus diesem Grund konnte natürlich auch keine Doppelbelichtungssperre vorgesehen werden. Einzig eine gewisse Form der Leerschaltsperre haben Walter und Paul Fertsch in Jena verwirklichen können, indem der Stop nach dem Transport einer Bildlänge mit einem zusätzlichen Knopf entriegelt werden muß, bis zum nächsten Bild weitergedreht werden kann. Eine vollwertige Leerschaltsperre ist das allerdings auch nicht, denn man kann diesen Entriegelungsknopf natürlich auch drücken, ohne daß man vorher den Verschluß ausgelöst hat. Es gehört nun einmal zum Eins und Eins des Kamerabaus, daß Gehäuseauslöser und Entriegelung der Transportsperre mechanisch zusammengelegt werden müssen, um zu einer vollständigen Doppelbelichtungs- und Leerschaltsperre zu gelangen. Verwendet man wie hier einen sogenannten Automatenverschluß, der nicht erst vor der Aufnahme gespannt werden muß, dann hätte man bereits auf relativ einfache Weise eine vollwertige und sehr einfach zu bedienende Kamera geschaffen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mimosa. Durch vollständigen Verzicht auf derartige Verknüpfungsmaßnahmen hatte die Firma Fertsch eine Kleinbildkamera geschaffen, mit der zwar in den optischen Grenzen des billigen Meritars recht hochwertige Aufnahmen angefertigt werden konnten, die von der Bedienung her aber ebenso umständlich und fehleranfällig ausfiel, wie die billigsten Boxkameras. Dieser Umstand könnte bereits die Erklärung dafür liefern, wieso diese Kamera letztlich nicht sehr erfolgreich war. Mitte der 50er Jahre hegten Photoamateure einfach bereits höhere Ansprüche an eine Kleinbildkamera

Fertsch Feca

Außerdem habe ich noch eine ganz andere Vermutung: Die Tatsache, daß so spät noch Objektive ohne Vergütung verbaut wurden, könnte darauf hindeuten, daß die kleine "Mechanisch-Optische Werkstätte" Fertsch unter Umständen einen Überbestand des alten Meritar 3,5/50 verarbeitet hat. Um Geld zu sparen, könnte in Weixdorf auf den zeitaufwendigen Vergütungsprozeß verzichtet worden sein. Mit dem Aufbrauchen der Objektive war dann eben auch Schluß mit der Feca. Aber darüber kann man letztlich nur spekulieren, denn verläßliche Hinweise zu dieser Kamera sind offensichtlich sehr spärlich gesät.

Fertsch Feca

Oben sieht man die aus massivem Messing gefräste Mechanik, die nach einer Bildlänge den Filmtransport zwangsweise stoppt und das Zählwerk weiterschaltet.


Unten: Blick in das einfache Bakelitgehäuse der Feca. Bei einem späteren Modell war die Bildbühne und die Lagerbuchse des Perforationsrades aus Messing gefertigt und in die Preßmasse "eingebacken" worden, um die Präzision und Langlebigkeit ein wenig zu verbessern.

Fertsch Feca
Fertsch Feca

Yves Strobelt und Marco Kröger


letzte Änderung: 4. Juli 2022