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Objektivtests

Mit einer Spezialkamera

Abstract: This is a Casio H15 converted to M42 and equipped with a larger shutter. The sensor of this camera offers 14 megapixels on a surface of 6,17 x 4,55mm. This is only 1/30 of the area of the normal 24x36 frame. So this extreme enlargement gives quite a good impression on the actual resolution power of the tested photographic objective.

 

Eine tiefgreifende Prüfung der Abbildungsleistung eines photographischen Objektives läßt sich normalerweise mit Amateurmitteln nicht befreidigend durchführen. Hierzu müßte man beispielsweise Probeaufnahmen auf hochauflösenden Platten machen (Film liegt nicht plan genug), die dann nach Entwicklung mikroskopisch geprüft werden. Wird im Bereich einer endlichen Entfernung geprüft (was meist der Fall ist), dann muß das Objektiv auch mit mikroskoppischer Hilfe fokussiert werden. Hier scheitert man also bereits an den Ausrüstungsgegenständen.

 

Einen Ausweg bietet der winzige Bildsensor, wie er in digitalen Kompaktkameras eingebaut ist. Hier sind beispielsweise auf einer Fläche von 28mm² 14 Millionen Bildpunkte verteilt. Auf das Kleinbildformat 24x36mm gesehen ergäbe das mehr als 430 Megapixel, auf das Mittelformat 6x6 bezogen sogar mehr als 1,5 Gigapixel. Damit läßt sich das Auflösungsvermögen eines Objektives (zumindest in der Bildmitte) einigermaßen gut überprüfen. Vor allem Dezentrierungen oder andere Schäden lassen sich gut erkennen. Ein weiterer Vorteil ist der Digitalzoom, der das Bildfeld noch einmal auf ¼ verkleinert. Dadurch läßt sich im Digitalzoom sehr präzise scharfstellen. Bei der Kamera wurde das Originalobjektiv entfernt und ein Verschluß von solch einem weiten Durchmesser eingebaut, daß er das gesamte Bildfeld freigibt.

Telemegor an Casio
Telemegor 150 Blende 5,5
Telemegor 150 Blende 11

Keine wirklich bestechende Abbildungsleistung hat das Telemegor 5,5/150mm aus den 1930er Jahren zu bieten. Bei Offenblende kann man von Brillanz nicht reden, das ganze Bild ist wie von einem Schleier überdeckt. Abgeblendet auf 1:11 bessert sich dies. Ein hohes Auflösungsvermögen erreicht es aber dennoch nicht. Wenn man noch weiter abblendet macht sich bereits Beugungsunschärfe bemerkbar.

 

 

Sehr aufschlußreich fällt der Vergleich zwischen den drei verschiedenen 300ern auf, die in der DDR erhältlich waren. Das Sonnar 4/300 (hier in der "Zebra-Fassung"), das Meyer Orestegor 4/300 und das MC Sonnar 4/300.

Zeiss Jena und Meyer 300mm
Sonnar 300 Zebra 1:4,0
Orestegor 300 1:4,0
MC Sonnar 300 1:4,0

Unverkennbar ist das Zebra-Sonnar in der Rechnung von 1963 das leistungsstärkste unter diesen drei langbrennweitigen Objektiven, sowohl was Schärfeleistung als auch Kontrast angeht. Aber ganz besonders sollten die Unterschiede im Bereich der chromatischen Aberration beachtet werden, die an den Farbsäumen am rechten Bildrand deutlich werden. Diese sind bei den beiden "echten Teles" mehr als deutlich ausgeprägt. Bei offener Blende hat die gute alte Sonnarkonstruktion die Nase eindeutig vorn. Beim Abblenden um zwei Stufen erreichen die beiden Tele die Leistung des Sonnars bei offener Blende. Allerdings zieht bei Blende 8 das Sonnar seinen beiden Rivalen auf und davon. Es erreicht dann ein Auflösungsvermögen und eine Kontrastleistung, die auch neuzeitlichen Teleobjektiven dieses Brennweitenbereichs mit ED-Gläsern oder Asphären in nichts nach steht.

Sonnar Zebra 1:8
Orestegor 1:8
MC Sonnar 1:8

Diese Aufnahmen widerlegen auch das Gerücht, das MC Sonnar sei gerechnet worden, weil sein Vorgänger angeblich so schlecht gewesen sei. Das ganze Gegenteil war der Fall. Das MC-Sonnar mit seinen dünnen Linsen ließ sich nur wesentlich preiswerter fertigen und war fast die Hälfte leichter, als dieser Brocken von Zebra-Sonnar.

 

Übrigens habe ich von diesen drei Objektiven noch einen zweiten Satz, der bei Überprüfung dasselbe Resultat brachte. Das ganze ist also kein Ausrutscher. Ferner sollte man bedenken, daß alle drei 300er für das Mittelformat 6x6cm (56x56mm) gerechnet sind. Angesichts der Tatsache, daß die Casio nur den 112ten Teil dieser großen Bildfläche erfaßt, ist die Bildleistung aller drei Objektive als gut zu bezeichnen.

 

M. Kröger