zeissikonveb.de

zeissikonveb@web.de

Das Tessar

Carl Zeiss Jena

Diese halbverkittete Tripletvariante zählt zu den erfolgreichsten Objektivkonstruktionen aller Zeiten. Entwickelt wurde das Tessar zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Paul Rudolph. Sein Assistent Ernst Wandersleb hat dann kurze Zeit danach die Weiterentwicklung dieses Typs übernommen und die lichtstärkeren Versionen 1:4,5 und später sogar 1:3,5 berechnet. Mit Beginn der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird dieser interessante Mann, der mit einer jüdischstämmigen Frau verheiratet gewesen ist, sukzessive aus seiner Führungsposition innerhalb der Abteilung Photo des Zeisswerkes verdrängt. Inwieweit daran sein Nachfolger Willy Merté beteiligt gewesen ist, ist mir noch nicht ganz klar. Fakt ist, daß letzterer sowohl Wanderslebs Position innerhalb der Abteilung Photo als auch die Weiterentwicklung der prestigeträchtigen Tessare übernimmt. Merté gelingt es, das Tessar als Normalobjektiv auf die Öffnung 1:2,8 zu bringen. Diese Arbeit wird schließlich nach dem Kriege vom neuen Leiter der Abteilung Photo Harry Zöllner fortgeführt. Noch im Jahr der Demontage berechnet er das Tessar auf Basis der während des Krieges fortentwickelten Glastechnologie neu. Das Tessar 2,8/50 mit dem Konstruktionsdatum 29. Oktober 1947 gilt damit als Neuanfang des Jenaer Zeisswerks nach der Katastrophe von 1946/47. Zöllner gelingt es, das Tessar so zu optimieren, daß es bis in das Jahr 1987 – also vier Jahrzehnte lang – optisch unverändert gefertigt wird.

Tessar Fehlerkurven
Tessar Verzeichnung

Die Fehlerkurven des Tessars 2,8/50mm in der Version von 1947. Im Vergleich zur Vorkriegskonstruktion stellte das einen erheblichen Fortschritt dar. Das 2,8/50 lag nun mindestens auf dem Leistungsniveau des Tessars 3,5/50. Auch als später die Qualitätsanforderungen allgemein stiegen, blieb das Tessar 2,8/50 immer noch ein sehr gutes Normalobjektiv für den Amateurphotographen. Eine bei voller Öffnung feststellbare Weichheit verschwindet beim Abblenden rasch. Dann wird dieses einfach aufgebaute Objektiv auch sehr hohen Ansprüchen gerecht.

Tessar 3,5/50
Tessar 2,8/50

Zwei Beispiele für Tessare: Links ein Tessar 3,5/50 mit Normalblende, mit denen allenfalls die frühen Modelle der Contax S Typ C bestückt wurden. Rechts die für die Contax F gelieferte Version mit Halbautomatischer Springblende. Bewegt man hier den Blendenring über den Öffungswert 2,8 hinaus, so rastet die Blende in der vollen Öffnung ein. Kurz vor Auslösung des Verschlusses wird der Stößel des Objektivs so weit eingdrückt, daß die Rastung aufgehoben wird und die Blende auf den vorher eingestellten Arbeitswert zuspringt. Der Vorteil dieses Systems ist, daß der Auslöser kaum mit einer zusätzlichen Kraft belastet wird. Der Nachteil besteht darin, daß nach jeder Verschlußauslösung die Blende wieder manuell geöffnet werden muß. Daher Halbautomatische Springblende.

 

 

 

 

 

 

MK