Ercona, Taxona und Pentona


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Weitere Zeiss-Ikon-Kameras

Ercona/Exona/Ercona II

Die Ercona wird von Sammlern meist in zwei Versionen eingeteilt. Diese unterscheiden die Ercona I  und die Ercona II, wobei die Exona als Export-Variante der Ercona II betrachtet wird. Was sich bislang an Wissen und Exponaten angesammelt hat, möchten wir auf dieser Seite zeigen.

Ercona 6x9


Sach-Nr. Gruppe: 126

Die Ercona 6x9 war die erste der Ercona-Reihe. Nur für das Bildformat 6x9 eingerichtet, fehlen ihr das zweite Kontrollfenster in der Rückwand und der einklappbare 6x6 Rahmen im Klappsucher. Im Prospekt Nr. 3  "Ercona 6x9" vom Februar 1950  sind 3 Varianten vermerkt, diese besitzen alle das vergütete Novar 4,5  f = 11 cm und unterscheiden sich nur durch den verbauten Verschluß.



Katalog-Nr. 126/20   in Junior-Verschluß       (1/25 - 1/100 Sek., B)

Katalog-Nr. 126/21   in Prontor-S-Verschluß (1-1/250 Sek.,B) mit Vorlaufwerk und Vacublitzanschluß

Katalog-Nr. 126/22   in Compur-Verschluß    (1-1/250 Sek.,B) mit Vorlaufwerk und Vacublitzanschluß


Ercona 6x9 Nr.: 24179 / zeissikonveb.de
Ercona I  6 x 9 / zeissikonveb.de
Ercona 6x9 b / zeissikonveb.de
Ercona 6x9 Bedienungsanleitung 1949 / zeissikonveb.de

Bedienungsanleitung

Ercona 6 x 9

V5002 D 03 4051 1249  10,0*


Ercona 6x9 mit Novar 4,5  f = 11 cm in Juniorverschluß

Gehäuse-Nr.: 24179  Fabrikations-Nr.: 37060

Bestell-Nr.: 126/20



Ercona 6x9 Nr.: 31454 / zeissikonveb.de
Ercona /zeissikonveb.de
Ercona Nr.: 31454 / zeissikonveb.de
zeissikonveb.de/Ercona Bedienungsanleitung 1950

Bedienungsanleitung

Ercona 6 x 9

V5002 D 03 3064 a 950  10,0*


Ercona 6x9 mit Novar 4,5  f = 11 cm      in Junior-Verschluß

Gehäuse-Nr.: 31454  Fabrikations-Nr.: 54123

Bestell-Nr.: 126/20


  V

zeissikonveb.de/Ercona Prospekt Nr. 3


Prospekt Nr. 3  Union Verlags- und Druckerei-GmbH, Dresden N 6   D 19  250  3

So lautet der vollständige Druckvermerk, D 19 ist die Druckerei-Nummer, die Zahl 250 steht für

Februar 1950 und die "3" für die Menge der gedruckten Exemplare in tausend.

 


Ercona 6x9 (6x6) cm


Sach-Nr. Gruppe: 126

Die Zweiformat-Ercona bekam trotz der umfangreichen Änderungen am Gehäuse keine neue Bestell-Nr. Das heißt, daß die beiden Varianten nicht paralell gebaut wurden, da bei einer Bestellung eine Unterscheidung nicht möglich war. Im Prospekt "Schnell, Sicher, Sparsam mit der Zweiformat-Kamera Ercona" vom Juli 1952 werden nur noch 2 Verschlüsse gelistet, das ist zum einen der Junior-Verschluß ohne PC-Buchse und zum anderen der Tempor-0-Verschluß.

Beide mit dem bewährten Novonar 1:4,5/110

V

Ercona 6 x 9 (6 x 6) / zeissikonveb.de
Ercona 6x9 (6x6) / zeissikonveb.de
Ercona / zeissikonveb.de
zeissikonveb.de/Bedienungsanleitung Ercona 6x9 (6x6) 1953


Ercona Bedienungsanleitung

III/9/31  It 3237/53  853  10

TRPT-Nr. 7177/52

Bestell-Nr. 1219 a D

Ercona 6x9 (6x6) mit Novonar  4,5/110      in Tempor 0 Verschluß

Gehäuse-Nr.: 81628   Fabrikations-Nr.: 107627

Bestell-Nr.: 126 29

V

zeissikonveb.de/Ercona 6x9 (6x6) Prospekt 1952
zeissikonveb.de/Prospekt Ercona 6x9 (6x6)  1954


Ercona Prospekt

III/9/19  It 12829-54  10  1254  1793

TRPT-Nr. 5046-53

Best.-Nr. 212a DI


 Der Prospekt "Sicher, Schnell, Sparsam".

III/18/104  Zi 1-5-752/646  4000  B 5637

TRPT-Nr. 11451/52

Best.-Nr. 203 DW



Sach-Nr. Gruppe: 127

 Exona

Exona Nr. 328 / zeissikonveb.de
Exona 6x9 (6x6) / zeissikonveb.de
Exona Nr.: 00328 / zeissikonveb.de
Kurzanleitung Exona 1956, zeissikonveb.de

Kurzanleitung für die Exona

III-9-16  Jt 2934/56  1,5  685

Exona mit Tessar 3,5/105      in Tempor-0-Verschluss mit Vorlaufwerk und Blitzanschluss

Gehäuse-Nr.: 00328  Fabrikations-Nr.: 5055997

Bestell-Nr.: 127/37

  T


Ercona II


  Sach-Nr. Gruppe: 127


Das letzte Modell der Ercona-Reihe ist die Ercona II.

Ercona II Nr.: 004836 / zeissikonveb.de
Ercona II / zeissikonveb.de
Ercona II Junior / zeissikonveb.de


Ercona II  mit Novonar 4,5/11 cm      in Junior-Verschluß

Gehäuse-Nr.: 004836  Fabrikations-Nr.: 5059466

Bestell-Nr.: 127/20


 V

zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr. 4836
zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr. 4836
zeissikonveb.de/Quittung Ercona II Nr. 4836
zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 4836 c



Ein weiteres Exemplar der Ercona II

zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 13574
zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 13574
zeissikonveb.de/Ercona II Nr.: 13574


 Ercona II mit Novonar 4,5/110      in Junior-Verschluß

Gehäuse-Nr.: 13574  Fabrikations-Nr.: 5067554

Bestell-Nr.: 127/20


  V

zeissikonveb.de/Prüfkarte Ercona II Nr.: 13574 a
zeissikonveb.de/Prüfkarte Ercona II Nr.: 13574 b
zeissikonveb.de/Quittung Ercona Nr.: 13574
zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr.: 13574 a
zeissikonveb.de/Garantieschein Ercona II Nr.: 13574 b
Kurzanleitung Ercona II 1956 / zeissikonveb.de

Wie zur Exona, ist  die Kurzanleitung zur Ercona II  nur eine Abbildung der Kamera und die Liste der nummerierten Bedienelemente.

Obwohl das dazugehörige Exemplar der Ercona II schon die Nummer 4836 trägt, ist in der Kurzanleitung noch die Exona abgebildet.

Druckvermerk: III-9-16  It  2934/56 1,5  685

Keine Bestellnummer


Preise 1957 Ercona II

mit Novonar

in Tempor                      154,- DM

in Automat                     127,- DM

mit Tessar

in Tempor                      182,- DM   

zeissikonveb.de/Bedienungsanleitung Ercona II 1956

Bedienungsanleitung zur Ercona II von 1956

III-9-16 Jt 2509/56  23  686

Bestell-Nr. 1228 D


späte Ercona II mit Tessar

 

Gehäuse, Verschlüsse, Optik


Gehäuse


In der Ercona-Reihe gibt es vier verschiedene Gehäuse aber nur zwei Sach-Nummern.


Sach-Nr.:  126


Das erste Gehäuse ist nur für das Format 6 x 9 ausgelegt, deshalb fehlt das zweite Bildzahlenfenster. Alle anderen Einrichtungen wie die Doppelbelichtungssperre sind vorhanden. Ein weiteres Merkmal der frühen Kameras, ist das Messing-Gehäuse.


Sach-Nr.:  126


Am zweiten Gehäuse wurde bis auf das verwendete Material nichts verändert.

Hier bestehen die Rückwand und das Gehäuse aus Aluminium.


Sach-Nr.:  126

 

Mit dem dritten Gehäuse, wurde die Möglichkeit zum 6 x 6 Bild eingeführt, hierzu erhielt das Gehäuse ein

zweites Bildzahlenfenster und einen Sucher-Rahmen in dem eine 6 x 6 Maske eingeklappt werden konnte.

Die Bildfeldmaske 6 x 6 fehlt zwar heute bei vielen Kameras, gehört aber auch dazu.


Sach-Nr.:  127


Als letzte Neuerung ist die verchrohmte Deckkappe zu nennen, diese beinhaltet einen optischen Durchsichtssucher in den mit einem Drehknopf eine 6 x 6 Maske eingeschwenkt werden kann. Auf der Deckkappe wurde noch ein Steckschuh angebracht.




 


Verschlüsse


Die Verschlüsse sind mit Abstand die größte Variable an der Ercona. Daß ich für nur einen kleinen Teil eine Bestellnummer angeben kann, liegt daran, daß es praktisch keine Quellen gibt, in denen diese für Endverbraucher aufgeführt wurden.

Im letzten Abschnitt finden sie aber weitere Verschlüsse in Kombination mit den Objektiven.


Bezeichnung im Wortlaut des Sachnummern Registers

Sachnummer



Automatverschluß Priomat Gr. 0, B-25-50-100

Blitzkontakt f. Novonar 4,5/110 oder

Tessar 3,5/105, Normalausführung (f. Ercona)

103 000

Tempor 0 Verschluß m. Vorlaufwerk u. Blitz-

einrichtung f. Tessar 3,5/105 m. konischer

Frontplatte (f. Ercona)

104 010

Tempor 0 m. Vorlaufwerk u. Blitzeinrichtung

f. Novonar 4,5/110 m. konischer Frontplatte

(f. Ercona)

104 030

Tempor 0 m. Vorlaufwerk u. Blitzeinrichtung

f. Tessar 3,5/105 m. flacher Frontplatte

(f. Ercona)

104 040

Tempor 0 m. Vorlaufwerk u. Blitzeinrichtung

f. Novonar 4,5/110 m. flacher Frontplatte

(f. Ercona)

104 050



Optik im Verschluss



Im wesentlichen wurden nur zwei Objektiv-Typen an der Ercona verbaut. Dies sind zum einen das Novar 4,5/110 und zum anderen das

Tessar 3,5/105 . Das Novar gibt es ohne Vergütung und mit Vergütung und wurde später in Novonar umbenannt.


Die Nummern dieses Abschnittes bilden zusammen mit den Nummern des Abschnittes "Gehäuse" die Bestellnummer der Kamera.

Dabei ist aber zu beachten, daß Verschlüsse, die erst 1952 oder noch später zur Verfügung standen nicht mit dem Novar oder an

der Ercona 6 x 9 verbaut worden sein können.


Bezeichnung im Wortlaut des Sachnummern Registers

Sachnummer



Novonar 4,5/110 in Junior-Verschluß 0

25-50-100-B (Ercona)

100 200

desgl. engl.

100 201

Novonar 4,5/110 in Prontor-S-Verschluß 1-250-B  Blitzkontakt mit

konischer Frontplatte (Ercona)

100 220

desgl. engl.

100 221

Novonar 4,5/110 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 290

desgl. engl.

100 291

Novonar 4,5/110 in Priomat 0, 25-100-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 300

desgl. engl.

100 301

Tessar 3,5/105 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 330

desgl. engl.

100 331

Tessar 3,5/105 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 370

desgl. engl.

100 371

Novonar 4,5/110 in Tempor 0, 1-250-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 380

desgl. engl.

100 381

Tessar 3,5/105 in Prontor-S-Verschluß 0

1-250-B Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 400

desgl. engl.

100 401

Novonar 4,5/110 in Prontor-S-Verschluß

1-250-B Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 420

desgl. engl.

100 421

Novonar 4,5/110 in Prontor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 430

desgl. engl.

100 431

Novonar 4,5/110 in Prontor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 440

desgl. engl.

100 441

Tessar 3,5/105 in Prontor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit flacher Frontplatte (Ercona)

100 450

desgl. engl.

100 451

Tessar 3,5/105 in Prestor SVS 0, 1-300-B

Blitzkontakt mit konischer Frontplatte (Ercona)

100 460

desgl. engl.

100 461

Fertigung des Tempor-Zentralverschlusses im VEB Zeiss Ikon ab etwa 1952. Photograpiert von Höhne/Pohl, Deutsche Fotothek.

Entwicklung aus den Vorkriegsmodellen heraus



Die oben gezeigten Erconas und Exonas sind zweifellos direkte Nachfahren der Nettar- und Ikonta-Modelle aus der Zwischenkriegszeit, auch wenn nach dem Kriege erst einmal in Dresden eine neue "Fertigungsstraße" für diese Kameratypen geschaffen werden mußte, weil deren Produktion bislang ausschließlich im Zeiss-Ikon-Teilbetrieb Contessa-Nettel-Werk in Stuttgart erfolgt war. Damals, in den 30er Jahren, war diese Nettar/Ikonta-Kamerareihe der Zeiss Ikon AG übrigens nur eine unter unzähligen Mitbewerbern auf dem riesigen Markt der Rollfilm-Faltkameras. Allenfalls die hochwertigen Tessare der Ikontas waren etwas Hervorstechendes. Problematisch blieb aber, daß sich diese hochwertigen Objektive an einer "blinden" Kamera kaum sinnvoll ausnutzen ließen. Brennweiten um 100 Millimeter und Lichtstärken bis 1:3,5 vertragen sich halt schlecht mit einer Entfernungseinstellung nach Schätzung.

Der entscheidende Schritt lag daher in der Einführung eines gekuppelten Entfernungsmessers bei der Super-Ikonta-Reihe, der nunmehr ein präzises Scharfstellen ermöglichte. Dazu wurde der für die Contax entwickelte Drehkeil-Entfernungsmesser auch für die Rollfilm-Modelle übernommen. Das Vorteilhafte an dieser Bauart lag darin, daß mit den Drehkeilen das eigentliche Herzstück des Entfernungsmessers nicht im Kameragehäuse untergebracht werden mußte, sondern an der Frontstandarte in unmittelbarer Nähe zum Objektiv. Komplizierte, zur Dejustage neigende Lösungen mit Hebelübertragungen zu einem üblichen gehäuseinternen Schwenkspiegelentfernungsmesser, wie bei den Mitbewerbern, konnten auf diese Weise umgangen werden.

Schwenkspiegelentfernungsmesser

Hier ist schematisch die Weiterentwicklung des üblichen Schwenkspiegelentfernungsmessers (oben) zum Drehkeilentfernungsmesser (unten) dargestellt. Der Vorteil lag vor allem darin, die drehende Bewegung der Frontlinsenseinstellung nicht erst mithilfe von Hebelkonstruktionen umwandeln zu müssen, womit man die ansonsten unvermeidlichen Sorgen um Spiel und toten Gang, die einen Entfernungsmesser sehr schnell unpräzise machen, von vornherein fast vollständig vermeiden konnte. Und wie bereits erwähnt hatte dieser Entfernungsmessertypus auch große bauliche Vorteile, da derjenige Bestandteil, der genau einjustiert werden mußte, an der Frontstandarte in unmittelbarer Nähe zum Objektiv angebracht oder wie bei der Nettax oder der Tenax II gar mitsamt des Objektivs auswechselbar gestaltet werden konnte.

Drehkeilentfernungsmesser
Super Ikonta

Beim 6x6-Modell dieser Super Ikonta konnte sogar noch einen Schritt weiter gegangen werden. Statt einer Sucherkamera mit integriertem Entfernungsmesser, die also zwei getrennte Einblicksöffnungen für die beiden optischen Einrichtungen aufwies, konnten hier Sucher und Entfernungsmesser miteinander vereinigt werden. Die erste Rollfilm-Meßsucherkamera war geboren. Erstens konnte auf diese Weise das für damalige Verhältnisse unerreicht lichtstarke Tessar 2,8/8cm sinnvoll ausgenutzt werden und zweitens geschah das auch noch ausgesprochen flink, weil Sucherbildbetrachtung und Scharfstellen nun gleichzeitig stattfinden konnten.

Nach Aussage von Lawrence Gubas, der sich lange Jahre mit der Geschichte des Zeisskonzerns im 20. Jhd. beschäftigt hat, kann man pauschal sagen, daß vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Kleinbildkameras aus Dresden kamen, während die Rollfilmkameras weiterhin in den Contessa-Kamera-Werken Stuttgart (Dornhaldenstraße 5) hergestellt wurden. Die Grundlagen für eine solche Spezialisierung dieses Betriebes wurden durch den bekannten Konstrukteur August Nagel gelegt, dessen Firma 1925/26 in der neuen Zeiss Ikon A.G. aufging. Nicht verwechselt werden sollte diese Firma übrigens mit einer 1928 von Nagel außerhalb Stuttgarts neu gegründeten Kamerabauanstalt, die später von Kodak übernommen wurde.


In den Contessa-Werken, die übrigens kaum von Kriegszerstörungen betroffen gewesen sein sollen, waren also nicht nur die gesamten Werkzeuge, sondern auch die entsprechend ausgebildeten Fachkräfte vorhanden, die diese Rollfilm-Faltkameras herzustellen vermochten. Man muß sich also nicht wundern, daß hier die Produktion nach dem Kriegsende bald wieder anlief - lange bevor in Dresden die vergleichbaren Erconas herausgbracht werden konnten. Es muß also ebenso nicht verwundern, daß eine so hochentwickelte Rollfilm-Meßsucherkamera, wie die unten abgebildete Super Ikonta II, recht bald wieder durch Stuttgart geliefert werden konnte, während man in Dresden aber nie mit einer vergleichbar aufwendigen Rollfilmkamera anschließen konnte. Dafür gab es in Dresden schlichtweg keine spezialisierte Kamerabautradition.

Das nachfolgende Dokument, das auch interessante Details zur Rekonstruktion der Contax-Messucherkameras enthält, belegt Anstrengungen zur Wiederaufnahme der Kamerafertigung bei Zeiss Ikon im Herbst 1945. Angesichts der gerade zuvor erfolgten Demontagen in den Betriebsteilen der Zeiss Ikon AG war das zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich reine Utopie. Ich zeige das Archivmaterial hier aber, weil man schwarz auf weiß nachlesen kann, daß es von Anfang an um die Rekonstruktion der Ikonta 6x9 ging, die dann später lediglich unter einem neuen Namen gefertigt wurde. Diese Tatsache wurde nämlich bislang von verschiedenen Seiten in Zweifel gezogen.

Infolge der Demontagen wurde die rekonstruierte Ikonta 1946 zuerst in der Sowjetunion als "Moskwa" gefertigt. Erst ab 1948 konnte der VEB Zeiss Ikon die neu erarbeitete Ercona liefern. Da die angestammten Lieferanten für Zentralverschlüsse in den westlichen Besatzungszonen lagen, entwickelte sich der hochwertige Spannverschluß zu einem echten Engpaß. Zum Anfang dominierte daher ein einfacher Selbstspannverschluß aus ZI-eigener Fertigung und die einfachen dreilinsigen Anastigmate "Novar" bzw. "Novonar". Diese Situation besserte sich erst, als ab 1952  mit dem "Tempor" ein "volkseigener" Spannverschluß zur Verfügung stand. Nun konnte auch das lichtstärkere Tessar 1:3,5 in größerem Umfange angeboten werden, dessen Einbau in einfache Selbstspannverschlüsse mit ihrem schlechten Wirkungsgrad bislang wenig sinnvoll war. Bis zu diesem Punkt war man stets auf die problematischen Westimporte angewiesen.


Man muß aber dazusagen, daß ab Mitte der 50er Jahre, seit Wolfen den Agfacolor Ultra stabil liefern konnte (damals noch in Ost und West gleichermaßen), der Stern der Faltkamera 6x9 rapide zu sinken begann. Statt Schwarzeiß-Kontaktabzüge waren jetzt Farbdiapositive im Kleinbildformat en vogue. Die Rollfilm-Faltkamera aus "Opas Zeiten" wurde selbst in der DDR rasch zum Ladenhüter. In Verschlüssen gefaßte Objektive, die für diese Kameras vorproduziert waren, dann aber nicht mehr gebraucht wurden, sollen noch bis in die 70er in einschlägigen Fachgeschäften als Bastlerware erhältlich gewesen sein.


Nachfolgend noch ein paar Bilder aus der Frühzeit der Ercona-Produktion (um 1950) von Höhne/Pohl; Deutsche Fotothek.

Ercona-Produktion
Ercona Fertigung
Ercona Zeiss Ikon Produktion
Ercona Zeiss Ikon Produktion

Tenax und Taxona

Oben: Tenax Nr.: 11 644  Fabrikationsnummer: 69 896 NOVAR-ANASTIGMAT 1:3,5  f = 35 mm


Unten: Kameranummer 27.178, Fabrikationsnummer aber 55.044 (Dieses System begreife wer will)

Tenax Nr.: 31 326  Fabrikations-Nr.: 77 492 Tempor 00 Verschluss mit Novonar Anastigmat 3,5/35   

Taxona Nr.: 40321  Fabrikations-Nr.: 86 301 Tempor 00 Verschluss mit Novonar Anastigmat 3,5/35


Taxona Nr.: 79000   Fabrikations-Nr.: 158 348; Tempor 00 Verschluss mit Tessar 3,5/37,5  Nr.: 3826441 Bestell-Nr. 121 36

Taxona Nr.: 098778  Fabrikations-Nr.: 5011 809; Tempor 00 Verschluss mit Tessar 3,5/37,5   Nr.: 3930517



Nach den beinah vollständigen Demontagen in den Werken der Zeiss Ikon AG im Verlaufe des Jahres 1945 sollte nun die Produktion wieder angefahren werden; unter anderem deshalb, weil die Sowjetische Besatzungsmacht nach exportfähigen Kameras verlangte. Aus dieser Zeit stammt die obige Aufforderung zur Rekonstruktion der Tenax vonseiten Zeiss Jenas. Zu einer Bestückung dieser Tenax mit Tessaren 3,5/3,75cm kam es übrigens vorerst nicht, da um den Jahreswechsel 1946/47 das Jenaer Zeisswerk umfassend demontiert wurde. Eine stete Belieferung Zeiss Ikons mit diesen Tessaren läßt sich dann erst ab Herbst 1947 nachweisen.

Einer der leergeräumten Werksäle im Ernemannbau.

Im Photo festgehalten von Höhne/Pohl, Deutsche Fotothek

Der Vergleich dieser beiden Kameras zeigt sehr gut die kleinen Veränderungen, die bei der Taxona nach und nach Einzug gehalten haben. So ist bei der obigen Kamera mit der Seriennummer 68.881 das Tessar noch in einer verschromten Messingfassung eingebaut, während bei der Unteren mit der Nummer 94.227 die Fassung aus Aluminium besteht. Neu eingeführt wurde auch das Kunststoffteil über dem Auslösehebel, um einen handelsüblichen Drahtauslöser verwenden zu können.

Bei der noch einmal deutlich späteren Taxona Nr. 125.201 unten ist statt des Tempor-Verschlusses mit der 1/300 Sekunde als kürzester Verschlußzeit nun ein Vebur mit einer 1/250 Sekunde eingebaut. Außerdem hat diese Kamera bereits die veränderten Spulengegenlager am Boden der Kamerarückwand. Auf diese Abänderung und der dahinterstehenden Begründung möchte ich im Folgenden noch etwas ausführlicher eingehen.

Zur Problematik der klemmenden Filme bei der Taxona


Die Taxona ist auch heute noch eine sehr beliebte Kamera, weil sie so kompakt ist und man sie immer mit dabei haben kann. Leider gibt es immer wieder Probleme mit dem Filmtransport. Am Filmanfang klappt alles problemlos, aber mitten im Film geht der Transport zunehmend schwer und irgendwann geht gar nichts mehr. Die Ursache dieser Transportstörungen liegt darin, daß es während der Produktionszeit der Kamera eine Veränderung an den Spulen der Filmpatronen gegeben hat, die man unten im Bild recht gut erkennen kann.

Wie man sieht wurden zwei der vier inneren Stege einfach weggelassen. Die Führungsbolzen in der Rückwand der Taxona liefen ursprünglich inmitten der vier Stege. Diese Führungsfunktion wurde durch das Weglassen zweier dieser Stege vonseiten des Filmherstellers nun plötzlich eingebüßt. Der Spulenkern verhakte sich nun regelrecht, weil der Bolzen in den Ecken klemmte. Die Reaktion des Kamerherstellers lag alsbald darin, die Art und Weise der Führung der Filmspulen abzuwandeln. Statt innen wurden die Spulen nun durch eine Art Teller außen geführt. Damit waren die Transportprobleme in der laufenden Herstellung der Kamera gelöst.

Bleiben aber die Sorgen mit Kameras nach der alten Bauart, die ja vielleicht auch gerne weiterbenutzt werden wollen. Eine einfache Lösung besteht beispielsweise darin, den Führungsbolzen in der Rückwand im Durchmesser zu vergrößern, sodaß nun die innere Rundfläche der Spule die Führung übernimmt. Dazu reicht beispielsweise eine FLACHE Mutter der größe M5 (Maulweite 8mm), die einfach auf den Bolzen in der Kamerarückwand gesteckt und ggf. festgekelbt wird.

Das "Fotobastelbuch" hatte dazumal noch eine andere Lösung für dieses Problem parat, die insofern einen Nachteil aufweist, als daß der abgesägte Kunststoffdübel in die Filmspule gesteckt werden muß und nicht Teil der Kamera ist. Dadurch kann er bei Abgabe des Filmes vergessen werden und geht verloren. Besser also, man macht die Lösung zu einem unverlierbaren Teil der Kamera selbst!

Pentona



Die Pentona wurde erstmalig 1956 zur Leipziger Frühjahrsmesse gezeigt und war bereits ab der zweiten Hälfte jenes Jahres lieferbar. Der rasche Bedeutungsgewinn des Kleinbildfilms beim Photoamateur verlangte dringend nach entsprechenden Kameras. Als "die neue, preisgünstige Kleinbildkamera 24 x 36 mm" beworben, bot die Pentona Blitzlicht-Synchronisation, ein automatisches Bildzählwerk, eine Doppel- und Leerbelichtungssperre, einen Steckschuh und den "Blendenrechner". Als Objektiv wurde standardmäßig das Meyer Trioplan 1:3,5/45 im Priomat 00 Verschluß verbaut. Weitere Objektive waren das Meyer Domiplan 1:2,8/45 und das E. Ludwig  Meritar 1:3,5/45. Mit all diesen Objektiven waren problemlos Farbaufnahmen auf Agfacolor Umkehrfilm möglich. Solche "bunten" Urlaubsdias erfreuten sich ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre zunehmender Beliebtheit.


Literatur:

Neues für den Lichtbildner, Bericht über die Leipziger Frühjahrsmesse 1956 , in: Die Fotografie 4/1956, S. 120.

Loose, Erhard  "Die Pentona, eine neue Kleinbildkamera", in: Die Fotografie 9/1956, S. 259.







Pentona (I)




Detailunterschiede:


Die Optik ist mit dem Gütezeichen "S", dem roten "V" und der Seriennummer versehen. Neben der gezeigten "deutschen" Variante, existieren auch Exemplare, die für den Export hergestellt wurden. Bei diesen ist die Entferungsscala und der "Blendenrechner" in feet beschriftet und das Stativgewinde in 1/4 Zoll ausgeführt. Auf der Rückwand ist rechts (in Aufnahmerichtung) die Betriebsnummer 12/2034 und das Gütezeichen 1 eingeprägt, links befindet sich der Schriftzug " MADE IN GERMANY". Vorn gut zu sehen (im Bild links), der große Ernemann-Turm.


Eine geringe Zahl an Exemplaren der Pentona trägt auch eine Fabrikations-Nummer, als Beispiel sei die Pentona Nr. 251 genannt, die die Fabrikations-Nr. 5070 467 trägt.

Pentona Nr. 20221 Bestell.-Nr. 152 470, Priomat Verschluss mit Trioplan 1:3,5/45 Nr. 175229

Der Prospekt von 1956 ist noch mit VEB Zeiss Ikon Dresden gekennzeichnet. DV: III/9/7  It 2332/56 5

Best. - Nr. 231

6756 Ra  III-9-5  257  15  It 5377/57

15.000 Exemplare ohne Herstellernennung

6014 Ra  III-9-5  357  1

1000 Exemplare ohne Herstellernennung

6524 Ra  III-9-5  1057  16  Ag 10/0826/57

Detailunterschiede:


Die Kamera selbst hat noch alle Merkmale wie das oben gezeigte Exemplar. Alle dazugehörigen Papiere sowie der Karton sind mit dem KW Logo versehen.

Pentona Nr. 39469  Bestell.-Nr. 152.470 Priomat Verschluss mit Trioplan 1:3,5/45 Nr. 1824865

Detailunterschiede:


Die Optik trägt das Gütezeichen "S", es fehlen das rote "V" und die Seriennummer. Der Verschluß ist mit dem Gütezeichen "1" und dem KW-Logo versehen. Während die Kameras mit dem großen Turmsymbol, auf der Rückwand die Betriebs-Nr. 12/2034 rechts tragen, wurde bei den Kameras mit dem KW-Logo, die Betriebs-Nummer 12/2035 auf der linken Seite der Rückwand angebracht. Die Besonderheit, ist hier keineswegs der Seitenwechsel. Das Besondere, ist die Betriebs-Nummer an sich und deren Vorfinden im Zusammenhang mit dem KW-Logo.

Pentona Nr. 75632   Bestell.-Nr. 152.470 Priomat Verschluss mit Trioplan 3,5/45

Detailunterschiede:


Die Optik trägt kein Gütezeichen. Das bei diesem E. Ludwig Meritar 3,5/45 noch vorhandene rote V, lässt die Vermutung zu, daß diese Optik ursprünglich nicht für die Pentona gedacht war. Da auch die für die Pentona hergestellte Sonnenblende, mit einem Aufsteckdurchmesser von 32 mm nicht passt, untermauert diese Vermutung. Der Verschluss trägt das Gütezeichen 1 und den Ernemannturm. Wie das vorherige Gehäuse, trägt auch dieses, das KW Logo und die Betriebs-Nummer 12/2035.

Pentona Nr. 88758, Bestell.-Nr. 152.490, Priomat Verschluß mit Meritar 3,5/45

Pentona II



Detailunterschiede:


Die Optik trägt das Gütezeichen 1, der Verschluss das Gütezeichen 1Q und den Ernemannturm. Die Rückwand ist jetzt mit einem kleinem Ernemannturm versehen und trägt nur noch das Gütezeichen 1. Ein weiteres Detail ist, daß das Trioplan jetzt mit feet- und Meterteilung beschriftet ist.

Pentona II Nr. 102607, Bestell.-Nr. 152.070, Priomat Verschluss mit Trioplan 3,5/45

Detailunterschiede:


Das Domiplan 2,8/45 ist mit dem Gütezeichen 1 versehen, der Verschluss trägt nur noch den Schriftzug "PRIOMAT".


Pentona II Nr. 140600, Bestell-Nr. 152.16, Priomat Verschluss mit Domiplan 2,8/45

100 140

Trioplan 3,5/45 mit Priomat 00 Verschluß (811 070) für Pentona II  Meterteilung

100 141

Trioplan 3,5/45 mit Priomat 00 Verschluß (811 071) für Pentona II   feet-Teilung

100 150

Meritar 3,5/45  mit Priomat  00 Verschluß (811 070) für Pentona II   Meterteilung

100 151

Meritar 3,5/45  mit Priomat  00 Verschluß (811 071) für Pentona II   feet-Teilung

100 160

Domiplan 2,8/45 in Priomat 00 Verschluß

100 470

Trioplan 3,5/45 in Priomat 00 (Erz. Nr. 811 010) für Pentona

100 480

Trioplan 3,5/45 in Priomat 00 (Erz. Nr. 821 010) für Pentona

100 490

Meritar 3,5/45 in Priomat 00  für Pentona

152 000

Pentona Tubuskamera 24 x 36  Gehäuse 

206 150

Aufsteck-Sonnenblende 32 mm

212 402

Bereitschaftstasche für Pentona II, Rindsleder glatt

212 403

wie 412 402,  II. Wahl

Geschichtliche und technische Einordnung der Pentona.


Die Pentona ist trotz ihrer einfachen Ausstattung eine bemerkenswerte Kamera. Das gilt in technischer wie geschichtlicher Hinsicht. Historisch gesehen ist sie die letzte Neukonstruktion, die der VEB Zeiss Ikon noch auf den Markt gebracht hat. In der zweiten Jahreshälfte 1956 wird diesem Betrieb aber erst die Konstruktionsabteilung entzogen und (offenbar) den Kamera-Werken Niedersedlitz untergeordnet, und anschließend irgendwann im Frühjahr 1957 geschieht dasselbe mit der gesamten Zeiss-Ikon-Stehbildabteilung. Äußeres Anzeichen dieses betrieblichen Umbaus ist, wie oben von Yves Strobelt gezeigt, daß die ersten Bedienungsanleitungen zwar den Ernemannturm als typisches Erkennungsmerkmal des VEB Zeiss Ikon Dresden tragen, aber die Nennung genau dieses Betriebes als Hersteller der Pentona in der Anleitung fehlt. Später wird dann sogar das KW-Logo auf die Kamera und die Anleitungen gedruckt und geprägt. Genauso wie bei der Spiegelcontax erfolgt die Fertigung aber mit großer Sicherheit weiterhin in den Betriebsteilen von Zeiss Ikon, und nicht etwa in Niedersedlitz. Dieser seltsame betriebliche Umbau hat schon viele Autoren (wie zum Beispiel Herrn Kuć) verwirrt und zu falschen Schlüssen getrieben. Dieses mehr als abrupte Ende des VEB Zeiss Ikon ist in der Literatur bislang auch wenig behandelt worden.


Meinen Recherchen nach lassen sich zwei wesentliche Triebkräfte für diesen Wandel ausmachen: Einmal die eklatante Erfolglosigkeit des VEB Zeiss Ikon bei der Entwicklung neuer Kameratypen. Das gilt sowohl für die überambitionierten Konzepte der Pentax und der Pentaplast als auch für die Sackgasse geratene Entwicklung einer Dresdner Contaflex. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, daß es Siegfried Böhm von den Kamerawerken Niedersedlitz gewesen ist, der die Spiegelcontax in der zweiten Jahreshälfte 1956 wenigstens mit der neuen Springblende und einem helleren Sucherbild ausgestattet hat, um dieser in die Jahre gekommenen Kamera das Überleben zu sichern. In diesem Hinblick kam die Pentona als Neuentwicklung für den VEB Zeiss Ikon leider zu spät.


Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Wie ich im Aufsatz zu den DDR-Zentralverschlüssen darzustellen versucht habe, drohte dem VEB Zeiss Ikon offenbar das Schicksal, alle seine in der Bundesrepublik angemeldeten Patente an Stuttgart zu verlieren. Das muß man jedenfalls aus dem Reigen an Umschreibungen von Patentanmeldungen schließen, der ab 1956/57 einsetzt. Der VEB Zeiss Ikon wurde in der Folgezeit schlicht und ergreifend vollständig getilgt. Solch vehemente Versuche, den Markennamen wie beispielsweise bei Zeiss Jena zu halten, sind im Dresdner Fall nicht ersichtlich. Und was den Rest betraf, war es offenbar schlicht und ergreifend so, daß allein der VEB Kamera-Werke Niedersedlitz als vergleichbarer Großbetrieb übriggeblieben war, dem der Stehbildsektor des "Konkurrenten" angegliedert wurde. Von einer feindlichen Übernahme im westlichen Sinne ist daher nicht zu sprechen. Immerhin wissen wir heute, daß diese Zugehörigkeit des ZI-Stehbildsektors zu KW ja nur eine etwa zweijährige Übergangszeit betraf, in der die gesamten betrieblichen Strukturen im Photo- und Filmgerätebau der DDR neu geordnet worden sind und an deren Ende die Gründung der Kamera- und Kinowerke stand, die später zum Kombinat Pentacon weiterentwickelt wurden. Für uns bleibt aber festzuhalten, daß allem Anschein nach gleichermaßen interne wie externe Faktoren zum raschen Ende Zeiss Ikons geführt haben.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß einige Schutzrechtanmeldungen zur Pentona überliefert sind, die nicht nur Aufschluß über die neuartige Konstruktionsansätze dieser Kamera, sondern auch noch etwas nähere Einblicke in den Auflösungsprozeß Zeiss Ikons bieten. Die früheste Gebrauchsmusteranmeldung für die Pentona ist die Nummer DBGM 1.726.119 vom 27. Februar 1956, eingereicht durch den VEB Zeiss Ikon. Gegenstand ist der neuartige Grundaufbau der Pentona, bei der eine Metall-Kunststoff-Bauweise zur Anwendung kommen sollte. Kunsstoffe wie Bakelit waren bislang nur bei Kameras der niederen Preisklasse verwendet worden. Um die Vorteile der einfachen Bearbeitung von thermoplastischen Kunststoffen auch an einer Mittelklassekamera  anwenden zu können, wurde die Pentona so konzipiert, daß alle für die Präzision wichtigen Bestandteile wie Filmführung, Objektiv, Verschluß, Andruckplatte usw. an einem metallenen Träger befestigt waren, dieser dann aber in ein Gehäuse aus Kunststoff gesetzt und von diesem umschlossen wurde. Solche Konststoffteile ließen sich Mitte der 50er Jahre mittlerweile kostengünstig aber trotzdem mit hoher Präzision im Spritzgußverfahren herstellen. Solche thermoplastischen Kunststoffe waren außerdem durch ihre Elastizität nicht bruchgefährdet. Diese Elastizität sorgte zudem dafür, daß genaue Anpassungsarbeiten zwischen dem Träger aus Metall und dem Außengehäuse unnötig wurden. Das alles waren sehr gute Voraussetzungen für eine Großserienfertigung.

DE1726119 Pentona

Ein zweites Gebrauchsmuster zur Pentona wurde vom VEB Zeiss Ikon am 7. März 1956 in der Bundesrepublik angemeldet [DBGM 1.726.122]. Es beschreibt die unkompliziert zu fertigende Bauform des Bildzählwerks dieser Kamera. Beide Gebrauchsmuster wurden in der Folgezeit (teils mehrfach) auf andere Inhaber umgeschrieben.

DE1726119 Pentona

Um so interessanter, daß ein drittes Gebrauchsmuster, das das Anmeldataum 26. März 1956 trägt, nun den Briefkopf der Kamera-Werke Niedersedlitz trägt. Kann man daraus schließen, daß bereits zu diesem Zeitpunkt die Konstruktionsverantwortung für die Pentona an diesen Betrieb übergeben worden war? Der Inhalt jedenfalls schützt die Anbringungsart der vorderen Zierkappe um das Objektiv herum.

DE1728285 Pentona

Für den neuartigen Blendenrechner bei Blitzaufnahmen, den die Pentona aufweist, konnte am 16. Februar 1956 noch in Österreich ein Patent erlangt werden. Es trägt die Nummer AT201.422. Anmelder war der VEB Zeiss Ikon. Auch auf ersten Werbeanzeigen ist 1956 noch Zeiss Ikon als Hersteller angegeben.

Pentona Werbung

Mimosa II


Der Vollständigkeit halber gehört auch diese Kleinbildkamera auf diese Seite, denn die Mimosa II war zum Schluß eine offizielle Zeiss-Ikon-Kamera. Das mit dem "offiziell" ist übrigens der springende Punkt: Die Mimosa ist meiner Ansicht nach die geheimnisvollste Kamera der Mitteldeutschen Photoindustrie, denn ihre genaue Herkunft ist unklar. Auf dieser Seite gehe ich etwas ausführlicher auf den Gesichtspunkt ein, daß eine solche ausgereifte Kamera und vor allem ihr Zentralverschluß nicht "mal eben" von Mitarbeitern eines Photopapierwerkes entwickelt worden sein können. Zwar wird in der Literatur der Name Robert Graichen genannt, aber weitere Angaben fehlen. Auch Schutzschriften sind keine auffindbar. Meine These, daß es sich bei den Entwicklern und Monteuren dieser Kleinbildkamera um versprengte Zeiss-Ikon-Leute gehandelt haben könnte und die Mimosa-Werke nur als Dach für die Produktion fungierten, kann ich freilich auch nicht belegen. Ich habe aber bislang auch noch nichts Schlüssigeres gelesen.


Wie dem nun auch im Einzelnen sei; jedenfalls findet die finale Produktion ab Anfang der 50er Jahre unter der Ägide des VEB Zeiss Ikon statt. Diese Kameras erkennt man daran, daß sie – zeiss-ikon-typisch – zugleich eine Kamera- und eine Fabrikationsnummer tragen.

Geradezu legendär sind bei dieser Mimosa die unglaublich vielen Varianten, die vor allen Dingen in verschiedenen Verschlüssen und Objektivbestückungen zum Ausdruck kommen. Man erkennt an diesem Umstand, in welcher Zeit diese Kamera gefertigt wurde und wie schwer es gewesen sein mag, das notwendige Material zu beschaffen. Kaum eine Kamera gleicht daher der anderen. Man darf wohl zudem davon ausgehen, daß sowohl neuproduzierte Teile wie "aufgetriebene" Lagerware verbaut wurde. Seltsame Blüten trug dieser Umstand nichtselten; wie zum Beispiel oben die Blendenskala, die in ihrem linken Teil nach der alten deutschen, ab Blende 8 aber nach der internationalen Blendenreihe skaliert ist.

Unter Zeiss Ikon hat es dann dahingehend eine gewisse Vereinheitlichung gegeben. Auch steigt meiner Sicht nach die Fertigungsqualität etwas an. Das bei der oben gezeigten Mimosa II verbaute Tessar, dessen Produktionslos im Thiele leider fehlt, das aber aus dem Jahre 1952 stammen dürfte, würde übrigens nahelegen, daß diese Kamera doch länger gefertigt worden ist, als das bislang stets angegeben wurde. Was das betrifft, schreibt eben jeder Autor vom anderen ab. Als Ausgangspunkt der Daten findet sich dann meist Richard Hummel – ein Mann, der weder das Belegen von Informationsquellen noch das Kenzeichnen von Vermutungen zu seinem handwerklichen Repertoire zählte.

Yves Strobelt, Marco Kröger


letzte Änderung 7. Oktober 2019