Praktica-Stereo
Praktica VLC Stereo

Praktica-Stereo

Abstract:  Stereoscopic camera based on the Praktica L-series with a  10 ⅔ perf. Colardeau transport and a picture size of 24x24mm, coupled focal plane  shutters and exchangeable lenses.


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Exakta RTL1000 Stereo

Auch diese Kameras arbeiten nach dem vorteilhaften 10 ⅔ Perforationslöcher Bildtransport und dem Bildformat 24x24mm. Allerdings muß bei der Praktica mit ihrem Lamlellenverschluß die Kopplung nach einem ganz anderen Prinzip  erfolgen. Hier kann nicht direkt der Ablauf der Vorhänge miteinander verknüpft werden, sondern nur deren Auslösung. Es hat sich aber gezeigt, daß diese Koppelung bei sorgfältigem Abgleich in einer Weise sichergestellt werden kann, daß nicht nur die  Auslösung der zwei Vorhangpaare zeitgleich erfolgt, sondern auch die Verschlußzeiten sehr exakt eingehalten werden können.  Das verdeutlicht dieses Video, bei dem der Start der Vorhänge künstlich verzögert dargestellt ist.

Von der etwas kniffligen Synchronisation der Verschlüsse abgesehen, hat sich die Praktica L-Reihe als sehr günstig  zum Umbau auf Stereo herausgestellt. Ich habe nun schon mehrere solcher Umbauten auf Basis der Praktica L  vorgenommen und kann sagen, daß diese Kameras mit ihren Innenlichtmessungen und ihrer Springblende kaum Wünsche offenlassen. Diese Exakta RTL 1000 Stereokamera bietet sogar Wechselsucher.

So bunt wie die Vielfalt der Praktica L Reihe fallen auch die Stereo-Umbauten dieser Kamera aus.  Die Innenlichtmessung bei Arbeitsblende oder die völlig ausreichende Außenmessung ermöglichen dabei die größte Objektivauswahl.

Praktica Stereo type LTL2
Praktica LLC Stereo
Praktica LB Stereo
Praktica Stereo
Praktica LTL Stereo
Praktica Stereo

Den größten Komfort bietet natürlich die  Praktica VLC mit ihrer sucherunabhängigen Innenlichtmessung bei Offenblende.  Dazu sollte aber wenigstens eines der beiden Objektive eine elektrische Blendenwertübertragung haben.

Praktica Stereo VLC

Am besten sind natürlich diejenigen Prakticas geeignet, die mit ihrer Innenlichtmessung eine sehr exakte Belichtung des Farbumkehrfilmes ermöglichen. Wenn man sich die Mühe des Scannens macht, lassen sich die Stereogramme natürlich auch beliebig in digitaler Form weiterverarbeiten. Dann kann man übrigens auch Farbnegativfilm verwenden.

Wie betrachtet man eigentlich diese Stereogramme? Interessanterweise geht das mit den heutigen hochauflösenden Bildschirmen von Mobiltelephonen und Tablet-PCs erstaunlich gut. Man bringt das  jeweilige Stereobild auf eine Größe, daß korrespondierende Motivteile in beiden Teilbildern etwa 62 mm voneinander entfernt sind (Normabstand). Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Erfahrene Stereoskopiker haben sich den "stereoskopischen Blick" antrainiert. Hierbei wird die Zwangsläufigkeit von Akkomodation (Scharfstellen) und Konvergenz (Verdrehen des Auges) aufgehoben, das heißt,  man läßt die Sehachsen der Augen parallel, obwohl man nicht in die Ferne schaut, sondern in die Nähe. Von Vorteil ist es dabei, wenn man (wie ich) kurzsichtig ist und zum Betrachten nur die Brille absetzen muß. Andernfalls braucht man ein Stereoskop. Das besteht aus zwei Sammellinsen von etwa 70...100mm Brennweite, die im Augenabstand montiert sind. Im einfachsten Falle genügt auch Opas (möglichst starke) Lesebrille. Man nähert und entfernt dann den Bildschirm, bis man das Bild entspannt scharf sieht. Dann verschmelzen die Teilbilder ganz wie von selbst zum plastischen Raumbild.


Die folgenden Stereogramme wurden mit zwei Flektogonen 2,8/20mm angefertigt, die einen für Raumbildaufnahmen ungewöhnlich großen Bildwinkel ergeben. Da das Format 24x24mm groß ist, erreicht man mit den sonst von mir verwendeten Orestegonen 2,8/29mm reichlich 60 Grad. In den meisten Fällen genügt das vollkommen. Mit den Flektogonen erreicht man aber noch über 80 Grad. Das ist bei einigen Motiven sehr vorteilhaft, wenn es nämlich eng zugeht. In der Flachbildphotographie würde man einfach ein Stück weiter weggehen, um "alles drauf" zu haben. Genau das ist in der Raumbildphotographie nicht möglich. Hier muß man darauf achten, daß das Motiv möglichst in der zur Verfügung stehenden Raumtiefe liegt. Bei meinen 24x24mm-Colardeau-Kameras mit ihren 75mm Basen sind das etwa Entfernungen zwischen 3,5 und 12 Meter. Näher darf nichts abgebildet werden, wenn man die Weite mit im Bild darstellen will (sonst gibt es Verschmelzungsstörungen). Und alles was weiter als 12 Meter entfernt liegt, wird kaum noch plastisch wahrgenommen. Raumbildaufnahmen sind also besonders effektvoll, wenn in vergleichsweise geringen Abständen möglichst viele sich in den Raum erstreckende Motivdetails wiedergegeben werden. Solche großen Bildwinkel haben nur den Nachteil, daß aus Versehen rasch einmal zu nahe liegende Details am Rand mit aufs Bild gelangen, die dann die besagten Verschmelzungsstörungen hervorrufen würden. Bei einer Sucherkamera kann das sehr leicht passieren. Bei einer parallaxenfreien Reflexkamera hat man solche Fehler aber stets unter Kontrolle.

Es passen übrigens genau drei Stereogramme des Formates 6x13 cm auf einen Bogen Photopapier des Nennformates 13x18 cm. Sie müssen dann nur noch ausgeschnitten werden, um sie in einen üblichen Stereobetrachter einlegen zu können. Diese klassische Art, sich Stereoaufnahmen anzuschauen, ist trotz ihrer Einfachheit nach wie vor von bestechender Faszination. Mein Stereobetrachter vom "Raumbild-Verlag" ist über 80 Jahre alt.

Marco Kröger


letzte Änderung: 8. Juli 2019