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Stereokameras

Kameraumbauten zum Zwecke der Raumbildphotographie

Abstract: 35mm material is an economic basis for stereophotography. As a result of that many constructors worked on such 35mm-stereo-cameras. All of these are concieved around the "pitch" of 4,75mm - this is the distance between the perforation holes. Well known are the successful American stereo cameras of the 1950s. They worked with an even film transport ("Colardeau-type") of 10 perforation holes and a resulting frame width of 5 holes. Unfortunatelly this leads to an disadvantageous upright rectangular picture (about 24x21mm) which does not give a good stereo impression. So I thought about an advanced Colardeau shift. I slightly enlarged the transport to 10⅔ perforation holes to get a real square picture of 24x24mm. As a result of that the distance of the film gates are 76mm and the lens base about 75mm.

In the last years I made several single lens reflex stereo cameras based on that film transport. It is very economical and it does not at all effect the usual handling of the camera. No uneven transport, no counting, no additional signs to take care of.

Die wohl höchste Form der Photographie ist die Raumbildphotographie (stereos: der Raum). Wir sind uns im Alltag meist gar nicht bewußt, mit unseren Augen eine Tiefenstaffelung wahrzunehmen, weil es für uns eine Selbstverständlichkeit ist. Ein technisch einwandfrei angefertigtes Stereophoto hat dann deshalb so eine verblüffende Wirkung, weil es uns plötzlich unsere Fähigkeit zum räumlichen Sehen deutlich macht.

 

Aber genau im Stichwort "technisch einwandfrei" liegt die Crux. Die Stereophotographie ist eine technische Nachbildung derjenigen physiologischen Vorgänge, die dem natürlichen räumlichen Sehen zugrundeliegen. Und diese Vorgänge und Zusammenhänge kann man nur als einigermaßen komplex charakterisieren. Von eklatanten Grundregeln, die beim anfertigen von Stereobildern unbedingt befolgt werden müssen, bis hin zu speziellen gestalterischen Gesichtspunkten des fertigen Raumbildes, spielen jene physiologischen Bedingungen des Raumsehens eine große Rolle. Kurzgesagt: Raumbilder kann man nicht einfach "irgendwie" machen.

 

Diese speziellen Anforderungen haben natürlich auch ihre Auswirkungen im Bereich der Kameratechnik. Auch eine Stereokamera kann deshalb nicht "irgendwie" konstruiert sein. Die zugrundeliegenden Zusammenhänge des räumlichen Sehens mußten aber erst entdeckt und theoretisch erklärt werden, bevor man wirklich technisch hinlängliche Stereokameras bauen konnte. Hier seien stellvertretend die Hersteller Jules Richard (mit seinem Konstrukteur L.J.E. Colardeau) und Reinold Heidecke genannt, sowie die Herren Lüscher und Pietsch die mit ihren hervorragenden Lehrbüchern dafür gesorgt haben, daß auch der Laie einen Zugang zur Stereophotographie finden konnte. Erst mit diesen perfektionierten Kameras und leicht verständlichen Lehrbüchern wurde es in den 1950er Jahren möglich, daß die Stereophotographie nicht länger nur Steckenpferd eingefleischter Spezialisten blieb, sondern auch Photoamateure sich diesem Metier widmen konnten.

Die Konstruktion einer Stereokamera beginnt mit dem Ausklügeln des Filmtransportes. Die ganzen Bedingungsfaktoren aufzuzählen, die dabei eine Rolle spielen, würde hier zu weit führen. Der Film sollte jedenfalls so gut wie möglich ausgenutzt werden und der Abstand der Objektive (sog. Stereobasis) sollte einigermaßen im Bereich des natürlichen Augenabstandes liegen. Alles andere dreht sich um den vorgegebenen Perforationslochabstand von 4,75mm beim Kleinbildfilm und der Art, wie dieser bewegt wird. Es gibt grundsätzlich zwei Wege: Den ungleichmäßigen Bildschritt, wie er von einigen Richard-Kameras und der Belplasca her bekannt ist, und den gleichmäßigen Bildschritt (benannt nach Richards Konstrukteur Colardeau). Der erstere ist technisch sehr aufwendig, weil einem großen Schaltschritt (20 oder 21 Perforationslöcher) ein kleiner (7 Perforationslöcher) folgen muß, damit es nicht zu Überlappungen kommt. Wenn eine solche Stereokamera praktikabel sein soll – man darf schließlich bei diesem Schaltspiel niemals durcheinanderkommen – dann muß sie von vornherein auf diesen Filmtransport hin konstruiert worden sein. Einfacher ist der gleichmäßige Schaltschritt nach Colardeau, bei dem zwischen den Bildfenstern immer zwei Bilder liegen. Dieser Filmtransport ist in den 1950er Jahren in den USA sehr populär gewesen. Diese Kameras transportierten immer gleichmäßig zehn Perforationslöcher, wobei die Bilder immer fünf Perforationslöcher breit waren. Daraus ergibt sich aber leider ein Teilbild, das netto etwa 24x21mm groß ist, also leicht hochkant steht. Dieses Bildformat ist für Stereoaufnahmen aus ästhetischen Gründen aber nicht gut geeignet. Das soll auch der Grund dafür gewesen sein, wieso Oskar Barnack seine „Doppelleica“ im Prototypstatus verworfen hat.

Oben ist die Bildfolge abgebildet, wie sie beim gleichmäßigen Colardeau-Schaltschritt entsteht. Meine Abwandlung besteht nun darin, daß der Film nicht nur 10, sondern 10 ⅔ Perforationslöcher transportiert wird. Dadurch sind die Bilder nicht nur 5, sondern 5 ⅓ Perforationslöcher breit. Das klingt erst einmal unerheblich. Tatsächlich ergibt sich aus dieser leichten Vergrößerung nun aber ein echtes 24x24mm Bildformat, also quadratisch. Quadratische Stereoaufnahmen sind aus mehreren technischen und gestalterischen Gründen aber die Ideallösung. Daß dabei die zwangsläufige Bindung an die Perforationslage verlorengeht, sehe ich nur als Schönheitsfehler, denn in der Praxis müssen Stereoaufnahmen ohnehin immer exakt montiert werden. Ein einfaches Einhängen der Perforation in irgendwelche Nasen des Diarahmens genügt nämlich meist nicht.

 

Aus diesem Bildtransport ergibt sich eine Stereobasis von 76mm, die gegenüber der Normalbasis von 65mm eine leicht gesteigerte Tiefenwirkung zur Folge, was aber bei Beachtung der stereoskopischen Grundregeln kein Problem darstellt.

 

Einige Stereokameras, die ich auf diesen Bildtransport hin umgebaut habe, möchte ich im folgenden darstellen.

 

 

 

 

MK