Tevidon
Tevidon 2/10mm Messing
Tevidon 2/10mm Alu

Das Tevidon 2/10 mm hat ein Rechnungsabschlußdatum vom 27. Oktober 1964. Es handelt sich um ein Retrofokusweitwinkel mit stark verlängerter Schnittweite, das als ein Ableger der Entwicklungsarbeiten an den Flektogonen 4/25 und 4/20 mm durch eine Entwicklergruppe um Wolf Dannberg hervorgegangen sein wird. Es besteht aus sieben einzelnstehenden Linsen und deckt einen Bildwinkel von annähernd 76 Grad ab. Zwischen April 1968 und Februar 1991 wurden über 22.500 Stück hergestellt mit erst ab Mitte der 1970er Jahre stark steigender Tendenz. Das dürfte im Einklang mit der zunehmenden Verbreitung solcher Fernsehkameras gestanden haben und betrifft auch die anderen Objektive dieser Serie.


Anfangs wurden diese Objektive in der zeitgenössischen Zebrafassung geliefert. Ab der zweiten Hälfte der 70er Jahre folgen schwarze Fassungen. Anstelle einer normalen Rändelung scheinen die meisten Objektive jetzt eine Schrägverzahnung an den Einstellringen aufzuweisen, die eine mechanische Kopplung des Objektivs mit der Blenden- und Entfernungseinstellung neuentwickelter Kameras ermöglichen sollte. Einhergehend damit finden sich auch die oben im Bild sichtbaren Winkel, die womöglich für verstellbare Endanschläge vorgesehen waren. Dazu würde es des Studiums spezieller Literatur für die zugehörigen Kameras bedürfen, die mir leider nicht vorliegt. Vielleicht kann dazu jemand berufeneres Auskunft geben.


Erwähnenswert ist noch, daß all diese Tevidone abwechselnd mit dem international üblichen C-Gewinde als auch mit einem spezifischen Bajonettanschluß geliefert wurden. Letzterer war auf dem in der DDR weit verreiteten Schraub- (Klemm-) Verfahren aufgebaut, das verschleißfrei arbeitet und das ursprünglich als Praktina-Bajonett in den Kamerawerken Niedersedlitz entwickelt worden war. Auch die Praktisix, die Altix und die Pentina arbeiteten mit dieser bei Zeiss Jena als Steckanpassung bezeichneten Bajonettart, wobei einjede dieser Kameras Anschlüsse mit anderen Spezifikationen hatte.


Ferner muß noch erwähnt werden, daß die meisten dieser Tevidone offenbar zeitgleich in zwei Fassungsvarianten geliefert wurden: Eine schwere auf Basis von Messing und eine leichte auf Basis von Aluminium. Einhergehend allerdings nicht zwingendermaßen hatten die "schweren" Tevidone mit 10 mm Brennweite einen Filterdurchmesser von 49 mm und die "leichten" einen von 46 mm. Es gibt aber auch Modelle des 10 mm mit Aluminiumfassungen, die 49er Filter verwenden.

Tevidon 16mm Messing
Tevidon 16 mm Alu

Das Tevidon 1,8/16 mm hat als Rechnungsabschluß den 6. Juli 1965. Zwischen Juni 1968 und Oktober 1990 wurden 26.250 Exemplare hergestellt. Auch bei diesem Modell handelt es sich um eine Retrofokuskonstruktion. Durch die auf diese Weise erzielte künstliche Verlängerung der Schnittweite wurde erreicht, daß der hinterste Linsenscheitel weit genug von der Bildebene weggerückt werden konnte, um keine mechanischen Anpassungsprobleme dieses Objektivs an Kameras zu verursachen, die nur einen begrenzten Einbauraum aufweisen. Bei als Gaußtyp aufgebauten 16 mm Objektiven für 16 mm Schmalfilkameras ist genau dies oftmals der Fall. Der hinterste Fassungsteil ragt beim Tevidon 16 mm hingegen nur unwesentlich aus dem C-Anschlußgewinde hinaus, wie auf dem Bild unten zu erkennen ist. Dadurch dürfte es mit keiner Kamera zu Kompatibilitätsschwierigkeiten kommen. Die Aufnahme unten zeigt auch einen Vergleich zwischen Bajonett- und Gewindeanschluß bei diesem Objektiv. Außerdem befindet sich wieder links die Variante mit Messingfassung und rechts jene aus Aluminium.

Tevidon bayonet and c-mount
Tevidon 1,4/25 mm Messing
Tevidon 1,4/25 mm Alu

Das Jena Tevidon 1,4/25 mm ist das einzige aus dieser FSK-Serie, das nicht explizit für diesen Anwendungsfall neu geschaffen wurde. Das ist daraus zu erkennen, daß es mit dem 1. September 1955 ein viel früheres Rechnungsabschlußdatum aufweist. Diese Tatsache offenbart vielmehr, daß es sich beim Tevidon 1,4/25 mm um das ursprünglich für die AK 16 Schmalfilmkamera geschaffene Biotar 1,4/25 mm handelt, das optisch unverändert weitergebaut wurde. Zwischen April 1968 und September 1990 wurden über 38.000 Stück hergestellt.

Tevidon 1,9/35mm Messing
Tevidon 1,9/35 Alu

Trotz seiner kurzen Brennweite baulich sehr lang geraten ist das Tevidon 1,9/35 mm. Daraus könnte man schließen, daß hier die Retrofokusbauart des ersten Typs angewendet wurde, bei dem dem Grundobjektiv ein zerstreuender Meniskus im Abstand der Brennweite vorgesetzt wird (nähere Erläuterung in diesem Zusammenhang), ähnlich wie beim Flektogon 2,8/35mm. Fakt ist, daß trotz der im Vergleich zum Tevidon 25 mm deutlich längeren Brennweite (und damit auch Schnittweite) hier nun wieder die Bauart des Retrofokus gewählt wurde. Weshalb das geschah, ist mir nicht bekannt. Vom Tevidon 35 wurden zwischen April 1968 und April 1990 über 16.400 Stück hergestellt.

Tevidon 1,8/50 mm Messing
Tevidon 1,8/50 Alu

Obgleich man beim Tevidon 1,8/50 mm problemlos auf die damaligen Normalobjektive für das Kleinbild hätte zurückgreifen können, wurde auch hier eine eigenständige Konstruktion errechnet, die zum 15. April 1966 abgeschlossen wurde. Der Grund könnte darin gelegen haben, daß bei diesen Objektiven ein besonderes Augenmerk darauf gelegt wurde, daß die Bilder für das blaue, grüne und rote Bild möglichst gleich groß sind. In Hinblick auf eine (damals noch nicht verwirklichte) Anwendung beim Farbfernsehen ist eine Hebung der chromatischen Querabweichung sehr vorteilhaft. Damit ist freilich (anders als auf Internetseiten zu lesen) keine apochromatische Korrektur gemeint. Gerade das Fernsehen mit seinen wenigen 100.000 Bildpunkten ist der Literatur zufolge aber geradezu anfällig für Interferenzerscheinungen aufgrund von Farbsäumen. Ein benachbarter Bildpunkt kann eben gerade noch oder gerade nicht mehr vom betreffenden farbigen Teilbild gestreift werden. Zwischen diesen groben Bildpunkten liegende Farbdichten werden einfach nicht aufgelöst. Daraus resultierende Lageverschiebungen zwischen Rot, Grün und Blau verursachen im schlimmsten Fall sehr störende Überlagerungseffekte ("Moiré"). Ein für Video-Anwendungen gerechnetes Objektiv muß daher auf andere Gesichtspunkte hin abgestimmt werden, als ein Photoobjektiv, zumal mit wachsender Brennweite auch Abbildungsfehler wie die chromatische Aberration mit anwachsen. Allgemein kann jedoch gesagt werden, daß die Tevidone die Auflösungsanforderungen des Fernsehens weit übertreffen.


Zwischen Mai 1968 und März 1990 wurden über 14.000 Exemplare vom Tevidon 1,8/50 gebaut.

Tevidon 2,8/70 mm

Das Tevidon 2,8/70 mm hat seinen Rechnungsabschluß vom 7. April 1968. Zwischen Mai 1968 und Juni 1989 wurden reichlich 9000 Stück hergestellt.

Tevidon 2,8/100 mm

Die Rechnung zum Tevidon 2,8/100 mm wurde ebenfalls im April 1968 abgeschlossen. Zwischen Mai 1968 und Oktober 1990 wurden 9600 Exemplare hergestellt. Mit diesem Objektiv, dessen Brennweite mehr als sechs mal größer als die Bilddiagonale ist, wurde die Reihe der Fernsehkamera-Objektive vorerst abgeschlossen.


Bleibt noch zu erwähnen, daß sich die Blenden all dieser Objektive beim Hinausdrehen über den kleinsten Blendenwert vollständig verschließen lassen. Das kann heute noch nützlich sein, wenn die Tevidone an Filmkameras verwendet werden sollen und man ab- bzw. überblenden und rückwickeln will. Für heutige Anwender sei auch noch einmal betont, daß die Tevidone mindestens das Super 16 Format abdecken, selbst wenn das Objektiv nicht auf die neue Bildmitte hin zentriert wurde. Insbesondere das Tevidon 10 mm ist dahingehend ein echter Geheimtip. Übliche, für das 16 mm Format ausgelegte Objektive mit solch kurzen Brennweiten, sind dabei meist völlig überfordert. Bei den längerbrennweitigen Exemplaren (ab 50 mm) reicht der rückseitige Bildwinkel sogar weit über das veranschlagte Format hinaus.

Vario-Tevidon 2/18-90 mm

Fast anderthalb Jahrzehnte nachdem die oben gezeigten festbrennweitigen Tevidone konstruiert worden waren, setzte man sich im VEB Carl Zeiss JENA im Jahre 1980 an die Konstruktion eines variofokalen Fernsehobjektivs für 1 Zoll Röhren. Es sollte den Brennweitenbereich etwa von der Normalbrennweite bis zum 5,5-fachen dieser Brennweite abdecken. Eine erste Rechnung wurde zum 31. März 1980 fertiggestellt und anschließend zwischen November 1981 und Juni 1984 weniger als 1500 mal gebaut. Eine neue Rechnung vom 16. November 1981 wurde anschließend bis März 1987 noch einmal über viereinhalb tausend mal gebaut. Abgelöst wurde dieses Zoom durch das Vario-Tevidon 15-150 mm, das im Juni 1982 errechnet worden war und von dem bis zum März 1989 nur noch knapp 650 Exemplare fabriziert wurden. Dieses Monstrum scheint wohl nicht ganz billg gewesen zu sein.

Vario Tevidon 18-90 mm und Extender

Zum Vario-Tevidon 18-90mm konnte noch ein Extender geliefert werden, der den Brennweitenbereich des Zooms insgesamt verdoppelte.


Unten sieht man noch einmal einen Größenvergleich zwischen der Bildaufnahmeröhre und dem Tevidon 16 mm (das zugegebenermaßen das kleinste der gesamten Reihe ist).

Endikon
RFT Nachrichtenelektronik 1973/74
RFT Nachrichtenelektronik 1973/74
RFT Nachrichtenelektronik 1973/74
RFT Nachrichtenelektronik 1973/74
RFT Nachrichtenelektronik 1973/74
VEB Studiotechnik Berlin, Rungestraße

Oben sieht man das Werktor des VEB Studiotechnik Berlin, wo die Fernsehkameras produziert wurden, im Zustand kurz vor der Wende. Irgendwie sahen diese Gebäuse mit ihren abgeplatzten Fassaden immer ein wenig aus, als sei der Kampf um die Reichshauptstadt erst wenige Wochen her gewesen... [Michael Fuchs; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/f/fe/STTWerk1.JPG]


Unten das Hauptgebäude ("Behrens-Bau") des ehemaligen Werkes für Fernsehelektronik in Berlin Oberschöneweide im November 2020. Hier wurden die Bildaufnahmeröhren für die DDR-Fernsehkameras gefertigt.


Werk für Fernsehelektronik Behrens Bau Schöneweide

Zum Schluß noch etwas zum schmunzeln. Im Werk für Fernsehelektronik wurden zwar komplizierte technische Geräte im Wert von vielen tausend DDR-Mark hergestellt, aber was auf gar keinen Fall wegkommen durfte, das war die Umverpackung der Röhre bestehend aus ein paar Gramm Schaumpolystyrol. In der DDR herrschte halt immer an irgend einer Ecke Knappheit. :)

Ich danke Sebastian Philipp Manke, der diesen Artikel möglich gemacht hat.

Marco Kröger 2020


letzte Änderung: 2. Dezember 2020