Apo-Germinar
Apo Germinar W

Das war auch deshalb möglich, weil diese klassischen Reproduktionsobjektive nur Bildwinkel von um die 45 Grad abdecken (müssen). Das ist wiederum der Grund dafür, weshalb diese Germinare mit solch langen Brennweiten (bis 1200mm) geliefert wurden. Große Vorlagen, zum Beispiel Gemälde, verlangten nach langen Brennweiten, weil das Ziel ja nicht in der sonst in der Photographie üblichen verkleinerten Abbildung lag, sondern um ein Gewinnen von Farbauszügen in der Größe des gewünschten Endformates. Die zugehörigen Reproduktionskameras nahmen dann übrigens einen ganzen Raum ein. Deshalb sind schon Mitte der 60er Jahre Bestrebungen nachweisbar, den Bildwinkel derartiger Objektive auf über 80 Grad zu erweitern [DDR-Patent Nr. 57.451 vom 5. Oktober 1966, Wolfgang Naundorf und Harald Maenz]. Dieses Objektiv mit seinem beträchtlichen Aufwand wurde aber meines Wissens nicht in Serie gebaut.


Erst Anfang der 1980er Jahre wurden in dieser Richtung wieder Arbeiten aufgenommen und auch in einer größen Serienfertigung praktisch umgesetzt. Ziel war es, bei einer Arbeitsblende von 1:16 und Abbildungsmaßstäben zwischen 1:5 und 5:1 einen Bildwinkel bis etwa 75 Grad abzudecken. Das Ergebnis, das "Apo-Germinar W", wurde von Walter Hörichs und Volker Tautz am 3. Mai 1982 patentiert [Nr. DD207.268]. Es wurden drei unterschiedliche Ausführungen mit Brennweiten von 150; 210 und 240mm geschaffen, die unter Ägide des VEB Carl Zeiss JENA jeweils etwa 800 bis 850 mal gebaut wurden. Eine weitere Herstellung (oder zumindest Montage vorhandener Teile) durch die Nachfolgefirma des Betriebsteiles Saalfeld nach der Wende muß zudem hinzugerechnet werden.

Apo-Germinar W

Auch beim Apo-Germinar W wird in den Linsen drei und sechs jeweils Kurzflint eingesetzt. Die drei im Februar 1981 berechneten Varianten dieses Weitwinkel-Reproduktionsobjektivs  gehörten zum Besten, was international in diesem Metier angeboten wurde. Um den einzig verbleibenden "Bildfehler", nämlich den natürlichen Lichtabfall zum Bildrande hin, der sich bei solche großen Bildwinkeln zwangsläufig einstellt, zu kompensieren, wurden noch eigens für das jeweilige Objektiv berechnete Grau-Verlaufsfilter geschaffen und  am 1. Juni 1983 in der DDR-Schutzschrift Nr. 215.872 patentiert. Dazu wurde eine Chrom-Nickelschicht derart auf das Filterglas aufgedampft, daß die Transparenz zum Rande radial von 40 auf 100 % zunimmt. Diese Grau-Verlaufsfilter sind in der obigen Abbildung auf den drei Apo-Germinaren W aufgesetzt.

Marco Kröger


letzte Änderung: 22. November 2020