Taxona und Pentona


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Taxona und Pentona

Schon in den letzten Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zeichnete sich ab, daß die Ära der 6x9 Faltkamera als dominierendes Amateurgerät einem Ende entgegengeht. Von Jahr zu Jahr wuchs der Absatz an Vergrößerungsgeräten, die es ermöglichten, größere Abzüge als die bloßen Kontaktkopien zu erzielen. Und wer sich einmal zur Anschaffung eines solchen Vergößerungsgerätes entschlossen hatte, der wechselte damit einhergehend oftmals gleich zur modernen Kleinbildkamera hinüber, mit der zudem die Aufnahmeprozedur in nie dagewesener Weise vereinfacht und verbilligt werden konnte. Als zweiter treibender Keil in diese Richtung erwies sich ab Ende der 30er Jahre die neue Farbphotographie, die noch bis weit in die 50er Jahre gleichbedeutend mit Kleinbildphotographie gewesen ist. Nach der Zäsur des Krieges und der ärmlichen Nachkriegszeit setzte sich diese Entwicklung nun um so rascher fort und der VEB Zeiss Ikon reagierte darauf, indem er Kleinbildkameras herausbrachte, die ganz und gar auf die Bedürfnisse des Amateurs zugeschnitten waren.

Tenax und Taxona

Tenax II Zeiss Ikon

Diese zierlichen Kleinbildkameras mit dem quadratischen Format 24x24 mm gingen auf die Zeit vor 1945 zurück. Sie folgten Konstruktionsprinzipien, die noch unter der Leitung Hubert Nerwins ausgearbeitet worden waren. Weg vom Balgen, weg vom Faltprinzip hin zur starren Tubuskamera. Technikgeschichtlich bedeutsam ist auch der erstmalige Einsatz des Zentralverschlusses als sogenannter Hinterlinsenverschluß. Man muß sich vergegenwärtigen, daß es sich hierbei durchaus um einen revolutionären Schritt im Kamerabau gehandelt hat, denn eigentlich ist es ja widersinnig, das komplette Objektiv VOR den Verschluß zu setzen. Anders als bei der konventionellen Bauweise, bei der in logischer Weise die vordere und die hintere Hälfte des Objektivs die Lamellen des Verschlusses und der Blende regelrecht einrahmen, benötigte das vor den Verschluß gesetzte Objektiv nämlich eine eigene Blende.


Am Beispiel der Tenax läßt sich nun aber besonders gut zeigen, weshalb der beträchtliche Mehraufwand dieser Bauweise gerechtfertigt ist und welche Vorteile sich aus ihr ergeben. Als erstes fällt einem auf, wie flach diese Kameras sind, wenn man sie in die Hand nimmt. Der Zentralverschluß ist ganz nah an den Kameragrundkörper gerückt. Wird der Zentralverschluß hingegen in der üblichen Weise zwischen den Linsen angeordnet, dann muß ebenjener stets im Ausmaß der Brennweite von der Bildebene weggerückt werden. Beim Einsatz zwischen Objektiv und Kameragehäuse füllt er hingegen den "leeren Raum" der Schnittweite des Objektives in vortrefflicher Manier sinnvoll aus. Zweitens wird durch die Nähe von Verschluß und Kameragehäuse die Kupplung von Filmtransport und Spannvorgang stark vereinfacht bzw. überhaupt erst möglich gemacht. Das war übrigens einer der Hauptgründe dafür, weshalb diese Bauart nach 1950 so eine starke Verbreitung gefunden hat.


Weitere Vorteile lagen beispielsweise darin, daß eine Scharfstellung des Objektivs ohne Kompromisse möglich wurde. Wird der Zentralverschluß nämlich zwischen den Linsen eingebaut, dann hat man nur die Wahl entweder den gesamten Verschluß samt Objektiv zum Scharfstellen zu bewegen oder man muß die sogenannte Frontlinseneinstellung wählen, die stets mit einer Verschlechterung der Abbildungsgüte des Objektivs einhergeht. Beim Hinterlinsenverschluß bleibt das Objektiv hingegen eine Einheit und es kann in seiner Gesamtheit verschoben werden ohne jegliche optische Einbußen. Bei der Tenax I bzw. der späteren Taxona ist diese Problematik sogar derartig gelöst worden, daß das vordere Einschraubgewinde des Zentralverschlusses einfach mehrgängig ausgeführt wurde und damit als simple Fokussierhelix des kleinen Vorsatzobjektives fungiert. Aus Aufwandsgründen wurde auf eine Geradführung desselben verzichtet. 


Zu guter letzt – und das wird oben anhand der Tenax II von 1939 gut sichtbar erlaubte die Bauweise des Hinterlinsen-Zentralverschlusses sogar, die vorgesetzten Objektive auswechselbar zu gestalten. Dieser Objektivwechsel war möglich, ohne daß die Kupplung des gesamten Mechanismus mit dem Spanngetriebe, mit dem Entfernungs- und gegebenenfalls mit dem Belichtungsmesser, oder sogar mit der automatischen Springblende, verlorenging. Deshalb ist diese Bauart trotz des eigentlichen Widersinns, das Objektiv aus der Umklammerung des Verschlusses herauszunehmen, späterhin noch so erfolgreich gewesen. Es wurden sogar Einäugige Spiegelreflexkameras nach diesem Prinzip konstruiert. Und die Tenax/Taxona ist als eine der ersten Massenkameras anzusehen, die dieses neuartige Konzept in den Kamerabau einführte.

Für die Tenax gibt es etliche Patentanmeldungen, die sich zu einem großen Teil auf das oben gezeigte Spitzenmodell Tenax II mit Wechselobjektiv und Entfernungsmesser beziehen. Zwei Patente beschreiben aber die Grundkonstruktion dieser Kamera, die auch dem das etwas später herausgekommenen vereinfachten Modell Tenax I zugrundeliegt, aus der nach 1945 die Taxona weiterentwickelt wurde. Essentiell ist das Reichspatent Nr. 666.559 vom 9. Juni 1935, das den gekuppelten Filmtransport und Verschlußaufzug beschreibt. Dazu wurde ein um das Objektiv herum gelagerter Schwenkhebel vorgesehen, der sich bedienen ließe, ohne daß die Kamera vom Auge abgenommen werden müsse. Technikgeschichtlich wichtig ist zudem, daß gesamte Mechanik primär auf die für das Spannen des Verschlusses notwendige Schwenkbewegung ausgelegt wurde, die dann erst in einem zweiten Schritt in eine Drehbewegung für den Filmvorschub abgeleitet wurde. Das ist eine Besonderheit, denn bei vielen ähnlichen Kameras ist es gerade andersherum aus der Drehbewegung für den Filmtransport mußte oft in sehr aufwendiger Weise die hin und her gehende Bewegung für das Verschlußspannen abgeleitet werden. Einen vergleichbaren, wenn auch nicht identischen Ansatz, verfolgten später auch die Konstrukteure der Werra.

DE666559 - Tenax

Aus dem unteren Bild der obigen Patentzeichnung erkennt man auch noch einmal sehr gut, wie stark bei der Tenax/Taxona der Zentralverschluß in das eigentliche Kameragehäuse zurückgesetzt werden konnte. Er ist regelrecht versenkt angeordnet. Das war in diesem Falle natürlich auch eine Folge des quadratischen Formates mit den reduzierten Abmessungen 24x24 mm, bei dem das Problem der Abdunkelung der Bildecken viel geringer war, als beim sehr breitgestreckten Format 24x36 mm. Und weil das kleinere Format mit einer deutlich kürzeren Brennweite auskam, ragte das dem Verschluß vorgesetzte Objektiv auch nur sehr gering aus dem Kameragehäuse hervor.


Ein zweites auf den Filmtranspot der Tenax bezogenes Patent mit der Nummer 660.603 wurde am 18. Juli 1935 angemeldet, das eine Sperrklinke (4) beschreibt, die ein Rückführen des Spannhebels (1) vor dem vollständigen Transporthub verhindert. Damit wurden rasche Aufnahmeserien ohne Absetzen der Kamera möglich.

DE660603 - Tenax Sperrklinke
Tenax 1942
Zeiss Ikon Tenax I

Dieser vereinfachte Abkömmling der Tenax Meßsucherkamera, der in der Folge den Namen Tenax I verpaßt bekam, während das ursprüngliche Modell zur Tenax II umbenannt wurde, hätte das Potential gehabt, zu einer großen Massenkamera zu werden. Durch die Reduzierung der Brennweite des fest eingebauten Objektivs - ein Dreilinser aus Saalfeld - auf kurze 35 mm bei einer Lichtstärke von 1:3,5 ergab eine derart günstige Schärfentiefe, daß auf einen Entfernungsmesser verzichtet werden konnte. Allein die Anzettelung des Krieges noch im selben Jahr, einhergehend mit dem Verlust an Exportmärkten und einer drastischen Ausweitung der Rüstungsproduktion vereitelte vorerst den Erfolg, den diese Konstruktion in sich barg.

Nach den beinah vollständigen Demontagen in den Werken der Zeiss Ikon AG im Verlaufe des Jahres 1945 sollte nun die Produktion wieder angefahren werden; unter anderem deshalb, weil die Sowjetische Besatzungsmacht nach exportfähigen Kameras verlangte. Aus dieser Zeit stammt die obige Aufforderung zur Rekonstruktion der Tenax vonseiten Zeiss Jenas. Zu einer Bestückung dieser Tenax mit Tessaren 3,5/3,75cm kam es übrigens vorerst nicht, da um den Jahreswechsel 1946/47 das Jenaer Zeisswerk umfassend demontiert wurde. Eine stete Belieferung Zeiss Ikons mit diesen Tessaren läßt sich dann erst ab Herbst 1947 nachweisen.

Einer der leergeräumten Werksäle im Ernemannbau.

Im Photo festgehalten von Höhne/Pohl, Deutsche Fotothek

Der Vergleich dieser beiden Kameras zeigt sehr gut die kleinen Veränderungen, die bei der Taxona nach und nach Einzug gehalten haben. So ist bei der obigen Kamera mit der Seriennummer 68.881 das Tessar noch in einer verschromten Messingfassung eingebaut, während bei der Unteren mit der Nummer 94.227 die Fassung aus Aluminium besteht. Neu eingeführt wurde auch das Kunststoffteil über dem Auslösehebel, um einen handelsüblichen Drahtauslöser verwenden zu können. (Übrigens war bei den Vorkriegs-Tenax der Drahtauslöseranschluß dort, wo sich nach dem Krieg der Blitzanschluß befand.)

Bei der noch einmal deutlich späteren Taxona Nr. 125.201 unten ist statt des Tempor-Verschlusses mit der 1/300 Sekunde als kürzester Verschlußzeit nun ein Vebur mit einer 1/250 Sekunde eingebaut. Außerdem hat diese Kamera bereits die veränderten Spulengegenlager am Boden der Kamerarückwand. Auf diese Abänderung und der dahinterstehenden Begründung möchte ich im Folgenden noch etwas ausführlicher eingehen.

Zur Problematik der klemmenden Filme bei der Taxona


Die Taxona ist auch heute noch eine sehr beliebte Kamera, weil sie so kompakt ist und man sie immer mit dabei haben kann. Leider gibt es immer wieder Probleme mit dem Filmtransport. Am Filmanfang klappt alles problemlos, aber mitten im Film geht der Transport zunehmend schwer und irgendwann geht gar nichts mehr. Die Ursache dieser Transportstörungen liegt darin, daß es während der Produktionszeit der Kamera eine Veränderung an den Spulen der Filmpatronen gegeben hat, die man unten im Bild recht gut erkennen kann.

Wie man sieht wurden zwei der vier inneren Stege einfach weggelassen. Die Führungsbolzen in der Rückwand der Taxona liefen ursprünglich inmitten der vier Stege. Diese Führungsfunktion wurde durch das Weglassen zweier dieser Stege vonseiten des Filmherstellers nun plötzlich eingebüßt. Der Spulenkern verhakte sich nun regelrecht, weil der Bolzen in den Ecken klemmte. Die Reaktion des Kamerherstellers lag alsbald darin, die Art und Weise der Führung der Filmspulen abzuwandeln. Statt innen wurden die Spulen nun durch eine Art Teller außen geführt. Damit waren die Transportprobleme in der laufenden Herstellung der Kamera gelöst.

Bleiben aber die Sorgen mit Kameras nach der alten Bauart, die ja vielleicht auch gerne weiterbenutzt werden wollen. Eine einfache Lösung besteht beispielsweise darin, den Führungsbolzen in der Rückwand im Durchmesser zu vergrößern, sodaß nun die innere Rundfläche der Spule die Führung übernimmt. Dazu reicht beispielsweise eine FLACHE Mutter der größe M5 (Maulweite 8mm), die einfach auf den Bolzen in der Kamerarückwand gesteckt und ggf. festgekelbt wird.

Das "Fotobastelbuch" hatte dazumal noch eine andere Lösung für dieses Problem parat, die insofern einen Nachteil aufweist, als daß der abgesägte Kunststoffdübel in die Filmspule gesteckt werden muß und nicht Teil der Kamera ist. Dadurch kann er bei Abgabe des Filmes vergessen werden und geht verloren. Besser also, man macht die Lösung zu einem unverlierbaren Teil der Kamera selbst!

Pentona



Die Pentona wurde erstmalig 1956 zur Leipziger Frühjahrsmesse gezeigt und war bereits ab der zweiten Hälfte jenes Jahres lieferbar. Der rasche Bedeutungsgewinn des Kleinbildfilms beim Photoamateur verlangte dringend nach entsprechenden Kameras. Als "die neue, preisgünstige Kleinbildkamera 24 x 36 mm" beworben, bot die Pentona Blitzlicht-Synchronisation, ein automatisches Bildzählwerk, eine Doppel- und Leerbelichtungssperre, einen Steckschuh und den "Blendenrechner". Als Objektiv wurde standardmäßig das Meyer Trioplan 1:3,5/45 im Priomat 00 Verschluß verbaut. Weitere Objektive waren das Meyer Domiplan 1:2,8/45 und das E. Ludwig  Meritar 1:3,5/45. Mit all diesen Objektiven waren problemlos Farbaufnahmen auf Agfacolor Umkehrfilm möglich. Solche "bunten" Urlaubsdias erfreuten sich ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre zunehmender Beliebtheit.


Literatur:

Neues für den Lichtbildner, Bericht über die Leipziger Frühjahrsmesse 1956 , in: Die Fotografie 4/1956, S. 120.

Loose, Erhard  "Die Pentona, eine neue Kleinbildkamera", in: Die Fotografie 9/1956, S. 259

Pentacon Pentona II

Pentona (I)




Detailunterschiede:


Die Optik ist mit dem Gütezeichen "S", dem roten "V" und der Seriennummer versehen. Neben der gezeigten "deutschen" Variante, existieren auch Exemplare, die für den Export hergestellt wurden. Bei diesen ist die Entferungsscala und der "Blendenrechner" in feet beschriftet und das Stativgewinde in 1/4 Zoll ausgeführt. Auf der Rückwand ist rechts (in Aufnahmerichtung) die Betriebsnummer 12/2034 und das Gütezeichen 1 eingeprägt, links befindet sich der Schriftzug " MADE IN GERMANY". Vorn gut zu sehen (im Bild links), der große Ernemann-Turm.


Eine geringe Zahl an Exemplaren der Pentona trägt auch eine Fabrikations-Nummer, als Beispiel sei die Pentona Nr. 251 genannt, die die Fabrikations-Nr. 5070 467 trägt.

Pentona Nr. 20221 Bestell.-Nr. 152 470, Priomat Verschluss mit Trioplan 1:3,5/45 Nr. 175229

Der Prospekt von 1956 ist noch mit VEB Zeiss Ikon Dresden gekennzeichnet. DV: III/9/7  It 2332/56 5

Best. - Nr. 231

6756 Ra  III-9-5  257  15  It 5377/57

15.000 Exemplare ohne Herstellernennung

6014 Ra  III-9-5  357  1

1000 Exemplare ohne Herstellernennung

6524 Ra  III-9-5  1057  16  Ag 10/0826/57

Detailunterschiede:


Die Kamera selbst hat noch alle Merkmale wie das oben gezeigte Exemplar. Alle dazugehörigen Papiere sowie der Karton sind mit dem KW Logo versehen.

Pentona Nr. 39469  Bestell.-Nr. 152.470 Priomat Verschluss mit Trioplan 1:3,5/45 Nr. 1824865

Detailunterschiede:


Die Optik trägt das Gütezeichen "S", es fehlen das rote "V" und die Seriennummer. Der Verschluß ist mit dem Gütezeichen "1" und dem KW-Logo versehen. Während die Kameras mit dem großen Turmsymbol, auf der Rückwand die Betriebs-Nr. 12/2034 rechts tragen, wurde bei den Kameras mit dem KW-Logo, die Betriebs-Nummer 12/2035 auf der linken Seite der Rückwand angebracht. Die Besonderheit, ist hier keineswegs der Seitenwechsel. Das Besondere, ist die Betriebs-Nummer an sich und deren Vorfinden im Zusammenhang mit dem KW-Logo.

Pentona Nr. 75632   Bestell.-Nr. 152.470 Priomat Verschluss mit Trioplan 3,5/45

Detailunterschiede:


Die Optik trägt kein Gütezeichen. Das bei diesem E. Ludwig Meritar 3,5/45 noch vorhandene rote V, lässt die Vermutung zu, daß diese Optik ursprünglich nicht für die Pentona gedacht war. Da auch die für die Pentona hergestellte Sonnenblende, mit einem Aufsteckdurchmesser von 32 mm nicht passt, untermauert diese Vermutung. Der Verschluss trägt das Gütezeichen 1 und den Ernemannturm. Wie das vorherige Gehäuse, trägt auch dieses, das KW Logo und die Betriebs-Nummer 12/2035.

Pentona Nr. 88758, Bestell.-Nr. 152.490, Priomat Verschluß mit Meritar 3,5/45

Pentona II



Detailunterschiede:


Die Optik trägt das Gütezeichen 1, der Verschluss das Gütezeichen 1Q und den Ernemannturm. Die Rückwand ist jetzt mit einem kleinem Ernemannturm versehen und trägt nur noch das Gütezeichen 1. Ein weiteres Detail ist, daß das Trioplan jetzt mit feet- und Meterteilung beschriftet ist.

Pentona II Nr. 102607, Bestell.-Nr. 152.070, Priomat Verschluss mit Trioplan 3,5/45

Detailunterschiede:


Das Domiplan 2,8/45 ist mit dem Gütezeichen 1 versehen, der Verschluss trägt nur noch den Schriftzug "PRIOMAT".


Pentona II Nr. 140600, Bestell-Nr. 152.16, Priomat Verschluss mit Domiplan 2,8/45

100 140

Trioplan 3,5/45 mit Priomat 00 Verschluß (811 070) für Pentona II  Meterteilung

100 141

Trioplan 3,5/45 mit Priomat 00 Verschluß (811 071) für Pentona II   feet-Teilung

100 150

Meritar 3,5/45  mit Priomat  00 Verschluß (811 070) für Pentona II   Meterteilung

100 151

Meritar 3,5/45  mit Priomat  00 Verschluß (811 071) für Pentona II   feet-Teilung

100 160

Domiplan 2,8/45 in Priomat 00 Verschluß

100 470

Trioplan 3,5/45 in Priomat 00 (Erz. Nr. 811 010) für Pentona

100 480

Trioplan 3,5/45 in Priomat 00 (Erz. Nr. 821 010) für Pentona

100 490

Meritar 3,5/45 in Priomat 00  für Pentona

152 000

Pentona Tubuskamera 24 x 36  Gehäuse 

206 150

Aufsteck-Sonnenblende 32 mm

212 402

Bereitschaftstasche für Pentona II, Rindsleder glatt

212 403

wie 412 402,  II. Wahl

Geschichtliche und technische Einordnung der Pentona.


Die Pentona ist trotz ihrer einfachen Ausstattung eine bemerkenswerte Kamera. Das gilt in technischer wie geschichtlicher Hinsicht. Historisch gesehen ist sie die letzte Neukonstruktion, die der VEB Zeiss Ikon noch auf den Markt gebracht hat. In der zweiten Jahreshälfte 1956 wird diesem Betrieb aber erst die Konstruktionsabteilung entzogen und (offenbar) den Kamera-Werken Niedersedlitz untergeordnet, und anschließend irgendwann im Frühjahr 1957 geschieht dasselbe mit der gesamten Zeiss-Ikon-Stehbildabteilung. Äußeres Anzeichen dieses betrieblichen Umbaus ist, wie oben von Yves Strobelt gezeigt, daß die ersten Bedienungsanleitungen zwar den Ernemannturm als typisches Erkennungsmerkmal des VEB Zeiss Ikon Dresden tragen, aber die Nennung genau dieses Betriebes als Hersteller der Pentona in der Anleitung fehlt. Später wird dann sogar das KW-Logo auf die Kamera und die Anleitungen gedruckt und geprägt. Genauso wie bei der Spiegelcontax erfolgt die Fertigung aber mit großer Sicherheit weiterhin in den Betriebsteilen von Zeiss Ikon, und nicht etwa in Niedersedlitz. Dieser seltsame betriebliche Umbau hat schon viele Autoren (wie zum Beispiel Herrn Kuć) verwirrt und zu falschen Schlüssen getrieben. Dieses mehr als abrupte Ende des VEB Zeiss Ikon ist in der Literatur bislang auch wenig behandelt worden.


Meinen Recherchen nach lassen sich zwei wesentliche Triebkräfte für diesen Wandel ausmachen: Einmal die eklatante Erfolglosigkeit des VEB Zeiss Ikon bei der Entwicklung neuer Kameratypen. Das gilt sowohl für die überambitionierten Konzepte der Pentax und der Pentaplast als auch für die Sackgasse geratene Entwicklung einer Dresdner Contaflex. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, daß es Siegfried Böhm von den Kamerawerken Niedersedlitz gewesen ist, der die Spiegelcontax in der zweiten Jahreshälfte 1956 wenigstens mit der neuen Springblende und einem helleren Sucherbild ausgestattet hat, um dieser in die Jahre gekommenen Kamera das Überleben zu sichern. In diesem Hinblick kam die Pentona als Neuentwicklung für den VEB Zeiss Ikon leider zu spät.


Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Wie ich im Aufsatz zu den DDR-Zentralverschlüssen darzustellen versucht habe, drohte dem VEB Zeiss Ikon offenbar das Schicksal, alle seine in der Bundesrepublik angemeldeten Patente an Stuttgart zu verlieren. Das muß man jedenfalls aus dem Reigen an Umschreibungen von Patentanmeldungen schließen, der ab 1956/57 einsetzt. Der Markenname "Zeiss Ikon" wurde in der Folgezeit schlicht und ergreifend aus dem DDR-Wirtschaftsgefüge getilgt. Eine vergleichbar vehemente Verteidigung der Markenrechte wie beispielsweise im Falle Carl Zeiss Jenas sind beim VEB Zeiss Ikon nicht einmal im Ansatz ersichtlich. Und was den Rest betraf, war es offenbar schlicht und ergreifend so, daß allein der VEB Kamera-Werke Niedersedlitz als vergleichbarer Großbetrieb übriggeblieben war, dem der Stehbildsektor des "Konkurrenten" überhaupt noch angegliedert werden konnte. Von einer feindlichen Übernahme im westlichen Sinne ist daher nicht zu sprechen. Immerhin wissen wir heute, daß diese Zugehörigkeit des ZI-Stehbildsektors zu KW ja nur eine etwa zweijährige Übergangszeit betraf, in der die gesamten betrieblichen Strukturen im Photo- und Filmgerätebau der DDR neu geordnet worden sind und an deren Ende die Gründung der Kamera- und Kinowerke stand, die später zum Kombinat Pentacon weiterentwickelt wurden. Für uns bleibt aber festzuhalten, daß allem Anschein nach gleichermaßen interne wie externe Faktoren zum raschen Ende Zeiss Ikons geführt haben.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß einige Schutzrechtanmeldungen zur Pentona überliefert sind, die nicht nur Aufschluß über die neuartige Konstruktionsansätze dieser Kamera, sondern auch noch etwas nähere Einblicke in den Auflösungsprozeß Zeiss Ikons bieten. Die früheste Gebrauchsmusteranmeldung für die Pentona ist die Nummer DBGM 1.726.119 vom 27. Februar 1956, eingereicht durch den VEB Zeiss Ikon. Gegenstand ist der neuartige Grundaufbau der Pentona, bei der eine Metall-Kunststoff-Bauweise zur Anwendung kommen sollte. Kunsstoffe wie Bakelit waren bislang nur bei Kameras der niederen Preisklasse verwendet worden. Um die Vorteile der einfachen Bearbeitung von thermoplastischen Kunststoffen auch an einer Mittelklassekamera anwenden zu können, wurde die Pentona so konzipiert, daß alle für die Präzision wichtigen Bestandteile wie Filmführung, Objektiv, Verschluß, Andruckplatte usw. an einem metallenen Träger befestigt waren, dieser dann aber in ein Gehäuse aus Kunststoff gesetzt und von diesem umschlossen wurde. Solche Konststoffteile ließen sich Mitte der 50er Jahre mittlerweile kostengünstig aber trotzdem mit hoher Präzision im Spritzgußverfahren herstellen. Solche thermoplastischen Kunststoffe waren außerdem durch ihre Elastizität nicht bruchgefährdet. Diese Elastizität sorgte zudem dafür, daß genaue Anpassungsarbeiten zwischen dem Träger aus Metall und dem Außengehäuse unnötig wurden. Das alles waren sehr gute Voraussetzungen für eine Großserienfertigung.

DE1726119 Pentona

Ein zweites Gebrauchsmuster zur Pentona wurde vom VEB Zeiss Ikon am 7. März 1956 in der Bundesrepublik angemeldet [DBGM 1.726.122]. Es beschreibt die unkompliziert zu fertigende Bauform des Bildzählwerks dieser Kamera. Beide Gebrauchsmuster wurden in der Folgezeit (teils mehrfach) auf andere Inhaber umgeschrieben.

DE1726119 Pentona

Um so interessanter, daß ein drittes Gebrauchsmuster, das das Anmeldataum 26. März 1956 trägt, nun den Briefkopf der Kamera-Werke Niedersedlitz trägt. Kann man daraus schließen, daß bereits zu diesem Zeitpunkt die Konstruktionsverantwortung für die Pentona an diesen Betrieb übergeben worden war? Der Inhalt jedenfalls schützt die Anbringungsart der vorderen Zierkappe um das Objektiv herum.

DE1728285 Pentona

Für den neuartigen Blendenrechner bei Blitzaufnahmen, den die Pentona aufweist, konnte am 16. Februar 1956 noch in Österreich ein Patent erlangt werden. Es trägt die Nummer AT201.422. Anmelder war der VEB Zeiss Ikon. Auch auf ersten Werbeanzeigen ist 1956 noch Zeiss Ikon als Hersteller angegeben.

Pentona Werbung

Mimosa II


Der Vollständigkeit halber gehört auch diese Kleinbildkamera auf diese Seite, denn die Mimosa II war zum Schluß eine offizielle Zeiss-Ikon-Kamera. Das mit dem "offiziell" ist übrigens der springende Punkt: Die Mimosa ist meiner Ansicht nach die geheimnisvollste Kamera der Mitteldeutschen Photoindustrie, denn ihre genaue Herkunft ist unklar. Auf dieser Seite gehe ich etwas ausführlicher auf den Gesichtspunkt ein, daß eine solche ausgereifte Kamera und vor allem ihr Zentralverschluß nicht "mal eben" von Mitarbeitern eines Photopapierwerkes entwickelt worden sein können. Zwar wird in der Literatur der Name Robert Graichen genannt, aber weitere Angaben fehlen. Auch Schutzschriften sind keine auffindbar. Meine These, daß es sich bei den Entwicklern und Monteuren dieser Kleinbildkamera um versprengte Zeiss-Ikon-Leute gehandelt haben könnte und die Mimosa-Werke nur als Dach für die Produktion fungierten, kann ich freilich auch nicht belegen. Ich habe aber bislang auch noch nichts Schlüssigeres gelesen.


Wie dem nun auch im Einzelnen sei; jedenfalls findet die finale Produktion ab Anfang der 50er Jahre unter der Ägide des VEB Zeiss Ikon statt. Diese Kameras erkennt man daran, daß sie – zeiss-ikon-typisch – zugleich eine Kamera- und eine Fabrikationsnummer tragen.

Geradezu legendär sind bei dieser Mimosa die unglaublich vielen Varianten, die vor allen Dingen in verschiedenen Verschlüssen und Objektivbestückungen zum Ausdruck kommen. Man erkennt an diesem Umstand, in welcher Zeit diese Kamera gefertigt wurde und wie schwer es gewesen sein mag, das notwendige Material zu beschaffen. Kaum eine Kamera gleicht daher der anderen. Man darf wohl zudem davon ausgehen, daß sowohl neuproduzierte Teile wie "aufgetriebene" Lagerware verbaut wurde. Seltsame Blüten trug dieser Umstand nichtselten; wie zum Beispiel oben die Blendenskala, die in ihrem linken Teil nach der alten deutschen, ab Blende 8 aber nach der internationalen Blendenreihe skaliert ist.

Unter Zeiss Ikon hat es dann dahingehend eine gewisse Vereinheitlichung gegeben. Auch steigt meiner Sicht nach die Fertigungsqualität etwas an. Das bei der oben gezeigten Mimosa II verbaute Tessar, dessen Produktionslos im Thiele leider fehlt, das aber aus dem Jahre 1952 stammen dürfte, würde übrigens nahelegen, daß diese Kamera doch länger gefertigt worden ist, als das bislang stets angegeben wurde. Was das betrifft, schreibt eben jeder Autor vom anderen ab. Als Ausgangspunkt der Daten findet sich dann meist Richard Hummel – ein Mann, der weder das Belegen von Informationsquellen noch das Kenzeichnen von Vermutungen zu seinem handwerklichen Repertoire zählte.

In der Draufsicht erkennt man sofort, woher sich der Spitzname "das Brikett" für die Mimosa ableitet: Die erhebliche Dicke ihres Kameragehäuses. Die Ursachen dafür haben etwas damit zu tun, was ich oben in Bezug auf die Taxona bereits ausführlich erörtert habe. Wenn man nämlich in eine Kleinbildkamera ein Objektiv mit der ziemlich langen Brennweite von 50 mm in der Art einbaut, daß der Zentralverschluß zwischen den beiden Hälften des Objektives angeordnet ist, dann rückt dieser Verschluß weit von der Bildebene weg und sorgt für eine insgesamt recht ausladende Bauart. Diese unangenehme Folge wurde später oftmals entweder dadurch abgewendet, daß wie gesagt der Verschluß hinter das Objektiv versetzt wurde, oder daß wie bei der Pentona die Brennweite des Objektivs wenigstens um fünf Millimeter verkürzt wurde.

Yves Strobelt, Marco Kröger


letzte Änderung: 29. November 2020