Sonstige Kameras

Welta Welti und Belca Beltica - zwei zaghafte Versuche des frühen DDR-Kamerabaus, die Nachfrage nach Kleinbildkameras zu stillen. Die war Anfang der 50er Jahre sehr angewachsen, weil jetzt nach dem Kriege viele Amateure auch gerne mal in Farbe photographieren wollten. Farbphotographie war damals aber gleichbedeutend mit Kleinbildphotographie; erstens weil Farbfilme zunächst gar nicht als Rollfilm erhältlich waren und zweitens weil damals (und lange noch) Farbbilder ausschließlich in Form von Dias angefertigt wurden. Parallel zur Kleinbildkamera wuchs daher auch die Nachfrage nach Diaprojektoren sprunghaft an.


Springmechanik und Balgen dieser Kameras waren dabei den Rollfilmkameras der 30er Jahre entliehen und demzufolge alles andere als modern. Diese Bauart ließ insbesondere keine Kupplung zwischen Filmtransport und Verschlußaufzug zu, was beim flinken Kleinbild mit seinen 36 Aufnahmen eigentlich besonders wünschenswert gewesen wäre. Auch ein gekuppelter Entfernungsmesser, mit dem das lichtstarke Tessar erst so richtig ausgenutzt werden könnte, war mit dieser Bauweise einer Kamera nur schwerlich möglich. Sie wurde daher in der Folgezeit rasch durch die moderne Tubuskamera starrer Bauart verdrängt, wie der Altix n, der Belmira und der Werra.

Belca Beltica


Beroquick 135

Beroquick KB 135: Eine für den Westvertrieb umgelabelte Beirette. Das Meritar 2,8/45mm wurde auch in den SL-Kameras dieses Herstellers eingesetzt. Bei größeren Öffnungen ist dieser Dreilinser ein wunderbarer Weichzeichner. ;-)

Reflekta und Weltaflex


Die einfache Zweiäugige Blechkamera "Reflecta" war schon vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden. Ein solcher Photoapparat war für all diejenigen Amateure interessant, die bei niedrigem Preis vom Knipsen wegkommen wollten. Man führe sich vor Augen, daß Rollfilmkameras ansonsten oft nur einfachste Sucher zu bieten hatten und die Entfernungseinstellung der recht langbrennweitigen Objektive geschätzt werden mußte. Wollte man einen gekuppelten Entfernungsmesser, dann wurde es recht schnell recht teuer. Die piepslich kleinen Sucher hatten aber auch diese Kameras. Eine Zweiäugige Reflexkamera bot dagegen sowohl einen großen Sucher, als auch eine präzise Scharfstellung per Mattscheibe. Und die Reflekta war einer der billigtsten Zugänge in diese Kameraklasse. Deshalb wurde sie auch seit 1949 wieder in Tharandt gebaut.

Reflekta

Diese Kamera war dann doch etwas zu einfach aufgebaut. Ohne am Grundprinzip der Blechformteile etwas zu ändern, wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1950 die Reflekta II vorgestellt, deren wichtigstes Merkmal die hinzugekommene Doppelbelichtungssperre war [Vgl. Die Fotografie, 4/1950, S. 92].  Diese Kamera, die mit den verschiedensten Verschlüssen und Objektivbestückungen ausgerüstet wurde, fand rasch eine weite Verbreitung und wurde zeitweilig sogar in die USA  exportiert.

Reflekta II

Aber auch dieses überarbeitete Modell der Reflekta II konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Konstruktion aus Blechformteilen völlig veraltet war. Auch die Entfernungseinstellung mit einer Schnecke um das Aufnahmeobjektiv war ungünstig. Die "Luft", die eine solche Schnecke stets braucht, um sich verstellen zu lassen, sorgt für so viel Spiel, daß das weit entfernte Sucherobjektiv durch die Hebelwirkung merklich wackelt. Ein präzises Ausnutzen der doch recht hochwertigen Aufnahmeobjektive wie dem Meyer'schen Trioplan war damit nicht gewährleistet. Dazu kam, daß es mittlerweile offenbar gute Kapazitäten für Aluminiumdruckguß in der DDR gab. Und ein Grundchassis aus Druckguß läßt sich natürlich viel rationeller fertigen, als ein solches aus Dutzenden Blechformteilen, die miteinander vernietet oder verschraubt werden müssen.

Weltaflex

Diese Weltaflex arbeitete zudem auch mit einer anderen Scharfstellung, bei der die gesamte Objektivstandarte parallelverschoben wurde. Auch der Gehäuseauslöser dieser auf der Leipziger Herbstmesse 1954 [Vgl. Die Fotografie 9/1954, S. 233 und 235.] vorgestellten Kamera war deutlich griffgünstiger angeordnet. Diese Weltaflex war sehr erfolgreich, stellte sie doch zeitweilig die einzige in der DDR produzierte Mittelformat-Reflexkamera dar. So kam es, daß sie sogar von Berufsphotographen eingesetzt wurde.

Weltaflex

Konkurrenz hatte die Weltaflex bis zum Erscheinen der Praktisix nur durch die aus der Tschechoslowakei importierten Flexaret. Mit dem Modell Flexaret Automat zog Meopta seinerzeit der Weltaflex aber auf und davon. Eine Kupplung von Filmtransport und Verschlußaufzug konnte bei Welta leider nicht mehr verwirklicht werden. Aber wenigstens gab es noch ein Modell mit einem automatischen Bildtransport, bei dem kein Blick auf das Rotfenster mehr nötig war. Die Kamera blieb in den 50er Jahren beliebt insbesondere bei Schwarzweiß-Photographen, denen das Kleinbild mit den damaligen Dickschichtfilmen zu unscharf war. Von zeitgenössischen Autoren wie Walter Dreizner oder Hans Kleffe wurde dies geradezu propagiert. Mit den verbesserten Dünnschichtmaterialien und der immer beliebteren Farbphotographie ging das Interesse des Amateurs an Zweiäugigen Reflexkameras der einfachen Bauart aber nach 1960 rasch zurück. Außer der Praktisix gab es in der DDR nun keine Mittelformat Reflexkamera mehr im Angebot.

Marco Kröger


letzte Änderung: 23. April 2020