Contax und Pentacon

Contax S und Pentacon

Contax S

Die „Spiegelcontax“ gehört sicherlich zu den faszinierendsten und legendärsten Photogeräten, die der Dresdner Kamerabau je hervorgebracht hat. Das mag natürlich an ihrer Pionierrolle liegen, an der Tatsache, daß sie als die erste wirklich „komplette“ Spiegelreflexkamera angesehen werden kann. Wir müssen uns heute einfach vergegenwärtigen, daß es etwas völlig Neuartiges darstellte, in eine Spiegelreflexkamera „hineinschauen“ zu können, wie in eine Sucherkamera, und dabei eine aufrechtstehende und seitenrichtige Abbildung auf einer Mattscheibe zu erblicken. Bislang bedeutete der Spiegelreflexsucher immer einen Einblick im rechten Winkel zur Aufnahmerichtung und überdies ein seitenvertauschtes Sucherbild. Beides war beim Amateur unbeliebt und verhinderte eine weitere Verbreitung dieses Kameratyps. Doch diese technische Hürde wurde nun durch das Umkehrprisma überwunden. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, daß mit diesem Schritt das wunderbare Prinzip der Einäugigen Spiegelreflexkamera ein zweites Mal geboren wurde.

Die Stunde Null als als Chance für Zeiss Ikon


Doch die Geschichte der Spiegelcontax ist eine ziemlich zwiespältige. Das liegt nicht zuletzt auch daran, daß die Entwicklung des VEB Zeiss Ikon nach 1945 sehr zwiespältig verlaufen ist. Und daß die Geschichte dieses Betriebes zwiespältig verlaufen ist, das stand wiederum auch in einem engen Zusammenhang mit den teils recht erratischen Produktentwicklungen des VEB Zeiss Ikon. Wobei diesbezüglich zwischen der Steh- und der Laufbildsparte des Betriebes unterschieden werden muß. Was die Kinomaschinen anging, so konnten die Dresdner trotz der Demontagen von 1945 und aller nachfolgenden Widrigkeiten erstaunlich rasch wieder an das Vorkriegsniveau anschließen (Ernemann VIIb) und sogar neue Spitzenprodukte herausbringen (Dresden D1). Ganz anders sah dies aber im Bereich der Photokameras aus. Hier war in mehrerlei Hinsicht der Faden gerissen. Rollfilmkameras aus Dresden gab es zunächst einmal überhaupt nicht, denn die wurden bereits seit Bereinigung der Produktionsprofile der Zeiss-Ikon-Teilfirmen Ende der 20er Jahre nicht mehr hier gefertigt. Die innovativen Kleinbildkameras aber, die in den 30er Jahren aus dem Dresdener Hauptwerk kamen, fielen mit Ausnahme der kleinen Tenax nun ebenso aus dem Angebot heraus. Denn mit der Demontage der Contax-Fertigungsanlagen und deren Neuaufbau in der Sowjetunion waren nicht nur diese Meßsucherkamera, sondern auch die auf ihrem Metallrolloverschluß aufbauenden Schwesternkameras wie die Super Nettel nicht mehr für Dresden verfügbar.


Andererseits war die Zeit unmittelbar nach Kriegsende geprägt durch völlig neue Perspektiven im Kamerabau, die zum Handeln anspornten. Schon Ende der 30er Jahre mußte die große und damit auch stets ein wenig schwerfällige Zeiss Ikon AG den Erfolg der Kiné-Exakta und anschließend sogar denjenigen der einfachen Praktiflex miterleben. Noch wenige Jahre zuvor wäre belächelt worden, wer den Zeiss-Ikon-Chef Heinrich Küppenbender darauf verwiesen hätte, daß mit der Ihagee und den Kamera-Werkstätten Niedersedlitz binnen kurzer Zeit zwei sehr ernsthafte Konkurrenzfirmen erwachsen würden. Doch der Krieg, die nationalsozialistische Rüstungsfertigung, die Bombardements, die versprengte Facharbeiterschaft usw. hatten dafür gesorgt, daß Zeiss Ikon weniger in einen wettbewerblichen Rückstand geraten war, als dies vor September 1939 zu befürchten gewesen wäre – sieht man einmal davon ab, daß die formell im ausländischen Besitz befindlichen Kamera-Werke Niedersedlitz und die Ihagee nicht demontiert wurden. Aber sechs… sieben… acht Jahre lang hatten alle Drei nur in marginalem Umfange Kameras gebaut. Es hatte sich ein großer Nachfragestau gebildet und noch dominierte keine der drei Firmen den ungeahnt erfolgversprechenden Wachstumsmarkt der Einäugigen Kleinbildspiegelreflexkamera. Man konnte damals absehen, daß sich diese Kamerabauart rasch durchsetzen würde, so wie man heute absehen kann, daß sich bald unwideruflich das Elektroauto durchsetzen wird. Aber wie heute konnte damals noch keiner genau sagen, welche Firma mit exakt welcher technischen Lösung die Führungsrolle übernehmen wird.


Dies hatte folgenden Hintergrund: Die Spiegelreflexkamera an sich war bereits seit vielen Jahrzehnten bekannt. Zwar war sie mit ihrem Mattscheibenbild, das bis kurz vor der Aufnahme sichtbar blieb, als unheimlich exaktes photographisches Handwerksgerät anerkannt, aber zwei Probleme hatten stets verhindert, daß sie sich als allgemeiner Standard durchsetzen konnte. Einmal war dieses Sucherbild nämlich seitenverkehrt und – was als noch viel unangenehmer empfunden wurde – die Betrachtung dieses Sucherbildes mußte stets im rechten Winkel zur Aufnahmeachse erfolgen. Dieser Einblick von oben und das im Sucher seitenverkehrt ablaufende Geschehen vor der Kamera waren für viele Aufnahmegebiete, wie im Bereich Kinder- und Naturphotographie, Sport, Portraits, usw., die ein rasches Nachverfolgen des Motivs verlangen, sehr nachteilig. Die Amateure genauso wie die Berufsphotographen blieben in diesen Motivbereichen vorerst lieber bei der Sucherkamera, obwohl deren Durchsichtssucher auch viele Nachteile aufwiesen. In aller Verzweiflung über dieses Dilemma hatte die Zeiss Ikon AG Mitte der 30er Jahre ihre Zweiäugige Kleinbildspiegelreflexkamera wenigstens mit einem großen Durchsichtssucher nach der Bauart van Albada versehen. Doch letztlich zeigte die Notwendigkeit zum Einbau eines solchen Zusatzsuchers die konzeptionelle Schwäche dieses Kamerflops Contaflex nur noch stärker auf.

Schnitt Contaflex 1935

Die Zeiss Ikon AG Dresden hatte im Jahre 1935 eine eigene Kleinbild-Spiegelreflexkamera herausgebracht. Man meinte damit, den Bewebern auf und davon zu eilen. Doch diese "Contaflex" genannte Kamera war eine Fehlentwicklung. Klobig, schwer und für die damaligen Verhältnisse völlig überteuert entwickelte sie sich – trotz innovativer Details wie den eingebauten Belichtungsmesser – zum Flop. Durch das bei ihr angewandte zweiäugige Prinzip, bei dem Aufnahme- und Sucherobjektiv getrennt waren, geriet die prinzipiell interessante Möglichkeit, Wechselobjektive zu verwenden, letztlich genauso schwer beherrschbar, wie bei den Sucherkameras Contax und Leica. Mit dem Erscheinen der einäugigen Kiné Exakta der Ihagee Dresden ein Jahr später, war die überkandidelte Contaflex bereits passé – eine schwere Bürde für den Kamerariesen Zeiss Ikon.

Die auf der Frühjahresmesse 1936 vorgestellte Exakta mußte gleich in zweierlei Hinblick ein Schock für die Zeiss Ikon AG gewesen sein. Zum einen hatte es Karl Nüchterlein mit wenigen Kollegen geschafft, nicht nur einen hochentwickelten Schlitzverschluß zu konstruieren, sondern ihn auch noch perfekt mit der Spiegelmechanik und dem Filmtransport zu kuppeln. Dazu hätte es bei der großen Zeiss Ikon vermutlich einer ganzen Entwicklungsabteilung bedurft. Zweitens war es Nüchterlein mit einer ganz simplen Lösung gelungen, einen Großteil der Skepsis gegenüber einer Kleinbildreflexkamera vom Tisch zu wischen. Hatte die Zeiss Ikon AG bei der Contaflex nämlich noch ein Sucherobjektiv mit der längeren Brennweite von 80 mm eingesetzt, um zu einer brauchbar großen Mattscheibenabbildung zu gelangen, so konnte Nüchterlein dieses Problem dadurch lösen, indem er einfach eine vergrößernde Bildfeldlinse in Form einer Visolettlupe verwendete. Das Sucherbild erschien dadurch nicht nur groß genug zum Komponieren des Bildes, sondern es war aufgrund der Kollektivwirkung dieser Linse auch noch bis in die Ecken hell. Die daraufhin vom Markt begeistert aufgenommene Exakta muß damals bei der nur wenige hundert Meter entfernten Zeiss Ikon AG einen großen Handlungsdruck ausgelöst haben.

Der Weg zum Pentaprisma

 


Es blieb der Zeiss Ikon AG freilich eine Chance, nicht nur zu den lange unterschätzten Mitbewerbern aufzuholen, sondern sie wieder zu übertrumpfen. Und diese Chance lag in der einzigen großen Schwäche, die Praktiflex und Exakta noch zeigten: Das seitenverkehrte und nur von oben zu betrachtende Sucherbild. Genau das war der Ansatzpunkt, an dem die Zeiss Ikon AG wieder eingreifen und Marktanteile zurückerobern konnte. Es müßte nur gelingen, das seitenverkehrte Sucherbild der Spiegelreflex umzukehren und gleichzeitig den Strahlengang dergestalt abzuknicken, daß man quasi wie bei der Sucherkamera meint, "hindurchzuschauen", obgleich man doch in Wirklichkeit nach wie vor eine Mattscheibenabbildung betrachtet.

CH214.918 ZI Porro-Umkehrsystem

Und tatsächlich kann man nachweisen, daß die Zeiss Ikon AG angesichts der oben aufgeführten Nachteile des herkömmlichen Reflexsuchers bereits seit Ende der 1930er Jahre intensiv an einer einäugigen Kleinbildspiegelreflexkamera mit Geradsichtsucher und seitenrichtigem Sucherbild gearbeitet hat – also schon lange vor dem sogenannten "Syntax-Projekt" der Kriegsjahre. Am 8. September 1938 erfolgte eine Patentanmeldung [auf dessen Existenz allerdings nur noch mithilfe eines Proritätsvermerks in einer Schweizerischen Patentschrift Nr. CH214.918 vom August 1939 geschlußfolgert werden kann] für ein Prismensuchersystem, aus dessen Zeichnungen zu erkennen ist, daß eines der beiden Prismen aus einem rechtwinkligen Halbwürfel gebildet wurde, wie er beim Bau terrestrischer Fernrohre schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts  angewendet worden war. Diese Bauform wird nach ihrem Erfinder auch Porro-Prisma genannt.


Schaut man sich die oben wiedergegebenen Zeichnungen aus der Schutzschrift genau an, dann kann man ein quadratisches Bildfeld erahnen. Da wir uns zum Zeitpunkt der Patentanmeldung in der Ära der Tenax 24x24 mm befinden, scheint eine solche Annahme nicht ganz unbegründet. Ein ausgesprochen rechteckiges Aufnahmeformat, wie es beim üblichen Kleinbild 24x36 mm der Fall ist, wäre mit einem derart aufgebauten Suchersystem nur schwer abzudecken gewesen. Das liegt daran, daß sich die zwei großen Vorteile, die das Porrosystem im Fernglasbau zu bieten hat, als Umkehrsystem für Kamerasucher zum Nachteil verkehren. Beim Fernglas sorgt der lange Lichtweg durch die beiden miteinander verschränkten Prismen dafür, daß das langbrennweitige Objektiv mechanisch an das Okular herangerückt und damit das Fernglas insgesamt bedeutend kürzer gebaut werden kann. Zweitens  führt der prinzipielle Aufbau des Porrosystems dazu, daß die optische Achse des Fernglasobjektivs und des zugehörigen Okulars parallelverschoben sind. Das hat den Vorteil, daß der Objektivabstand eines binokularen Fernglases größer gemacht werden kann, als der Augenabstand, womit die stereoskopische  Basis der Augen künstlich erweitert wird und sich der besonders eindrucksvolle plastische Effekt solcher Porro-Ferngläser einstellt.


Für einen bildumkehrenden Kamerasucher ist es nun aber gänzlich unerwünscht, wenn sich ein langer Lichtweg zwischen Mattscheibe und Okular ergibt. Ein Fernrohr arbeitet (dem Einsatzzweck entsprechend) mit einem langbrennweitigen Objektiv und einem dazugehörigen engen Bildwinkel. Das verhält sich beim Spiegelreflexsucher aber genau umgekehrt. Hier versucht man, ein möglichst weitwinkliges Okular so nah wie möglich an die Mattscheibe heranzuführen, um das gesamte Sucherbild unter einer möglichst starken Vergrößerung betrachten zu können. Ein Porrosystem mit seinen langen Lichtwegen sorgt dafür, daß sowohl der Betrachtungswinkel stark begrenzt wird, als auch ein langbrennweitiges Okular verwendet werden muß, das dann nur eine geringe Vergrößerung des Mattscheibenbildes zuläßt. Der Zweck des Reflexsuchers, nämlich anhand der Mattscheibenabbildung präzise scharfstellen zu können, wird somit stark in Zweifel gestellt. Wenn überhaupt, dann könnte man mit dem engen Durchlaß des langen Porrosystems allenfalls noch ein quadratisches Mattscheibenbild abdecken. Das Sucherbild wäre aber trotzdem enttäuschend klein und dunkel. Porroprismen- und Porrospiegelsucher haben sich daher im Kamerabau nie richtig durchsetzen können, obwohl es vonseiten der Kamerahersteller nicht an Versuchen gefehlt hat, sie ab und an einzusetzen.


Obwohl diese Porro-Anordnung also noch nicht die finale Lösung für ein Umkehrsystem darstellte, die für eine Kleinbildspiegelreflex geeignet gewesen wäre, hat sich die Zeiss Ikon AG meiner Einschätzung nach mit ihr ein geschickt ausformuliertes Grundlagenpatent sichern können. Das Faktum nämlich, daß es sich bei dem Ausführungsbeispiel um zwei (miteinander verkittete) rechtwinklige Prismen handelt, ist nämlich nur ein kleiner Bestandteil des Patentes, der zudem noch in den Unteransprüchen versteckt ist. Der eigentliche Kern dieses Patentes liegt nämlich vielmehr darin, daß es ein Suchersystem schützt, bei dem zum einen die grundlegende Anordnung eines Prismenumkehrsystems „im Lichtweg zwischen Mattscheibe und Einblicksöffnung“ (Unteranspruch 1) geschützt wird und zum anderen, daß in der Einblicksöffnung ein als „Bildfeldlinse“ bezeichnetes Okular angeordnet ist (Unteranspruch 4). Bei genauer Betrachtung könnte man also schlußfolgern, die Zeiss Ikon AG habe versucht, sich mit diesem Patent die Priorität für Prismenumkehrsysteme bei Reflexkameras schlechthin zu schützen.

DE556783 Staudinger Umkehrsystem

Denn immer wieder wird von verschiedenen Autoren behauptet, ein Patent Kurt Staudingers [Nr. DE556.783 vom 8. August 1931] sei Grundlage für  den Prismensucher der Spiegelcontax gewesen. Dabei muß doch bei bloßer Betrachtung der beigefügten bildlichen Darstellungen seiner Erfindung sofort auffallen, daß Staudingers Patent ein wesentliches Bauteil fehlt, um es als Suchersystem nach den Bedingungen funktionieren zu lassen, wie ich sie oben bereits umrissen habe: Das Okular nämlich!


Es ist doch ziemlich offensichtlich, daß diese Spiegelanordnung Staudingers noch ganz und gar auf die altmodischen, voluminösen Platten-Spiegelreflexkameras mit einem Aufnahmeformat von etwa 13x18 cm zugeschnitten war. Nur ein solches Mattscheibenbild ist nämlich groß genug, um es aus der für ein normalsichtiges Auge üblichen deutlichen Sehweite von 25 bis 30 cm betrachten zu können. Für alle Formate, die kleiner sind, braucht man aber ein Okular – also ein sammelnd wirkendes Augenglas, durch dessen Wirkung man die physiologisch gegebene deutliche Sehweite unterschreiten kann. Aus diesem Grunde hat beispielsweise das Okular einer Kleinbild-Mattscheibenkamera einen Vergrößerungsfaktor von etwa 1:5, denn 5 x 36 mm Bildbreite ergibt dann wieder die 18 cm, die auch das "unbewaffnete" Auge bequem überblicken kann.


Die Brennweite des dafür notwendigen Okulars erhält man nun, wenn man die deutliche Sehweite von 250 mm durch den Vergrößerungsfaktor teilt. Sie liegt demnach bei etwa 50 mm. Das wiederum bedeutet, daß bei einer Kleinbildkamera zwischen Okular und Mattscheibe nur allerhöchstens 50 mm Luftzwischenraum liegen darf. Das klingt nach viel, aber in der Praxis wird der Lichtweg durch die notwendige zweimalige Spiegelung rasch aufgezehrt. Diese zweimalige Spiegelung ergibt sich, weil das Sucherbild erstens auf Seitenrichtigkeit gedreht und zweitens gleichzeitig aufrecht gestellt werden muß. Anders als in Staudingers Patentzeichnung hat es sich später durchgesetzt, daß das Licht dazu nach Eintritt in das Prisma zunächst auf eine sogenannte Dachkante trifft. Diese bewirkt zwar einerseits, daß die Seitenverdrehung des Bildes behoben wird, andererseits steht dasselbe nun auf dem Kopf. Deshalb ist eine weitere plane Reflexionsfläche vonnöten, die zunächst das Bild wieder aufrecht stellt und als eine zweite Wirkung die gewünschte Knickung des Strahlenganges um 90 Grad hervorruft, sodaß die optische Achse des Suchereinblicks jetzt parallel zur Achse des Aufnahmeobjektivs zu liegen kommt. Für den Kameranutzer ergibt sich dadurch eine Wirkung, wie als würde er direkt "durch das Objektiv schauen".

Contax Umkehrsystem

Für diesen Zweck ein monolithisches Prisma aus Glas zu verwenden, statt die Reflexion über Spiegel zu bewerkstelligen, bot mehrere Vorteile. Einmal beruht die Richtungsänderung des Lichtes in einem Prisma im Wesentlichen auf dem physikalischen Prinzip der Totalreflexion, wodurch Reflexionsgrade nahe 100 % erreicht werden können, während selbst an besten Silberspiegeln mindestens 10 % Absorptionsverluste auftreten. Ein Glasprisma hat zudem gegenüber einem Spiegelsystem den Vorteil, daß die Brechzahl des Glases eine scheinbare Verkürzung des Lichtweges bewirkt. So wie unter Wasser alle Gegenstände um ein Drittel näher zu liegen scheinen, weil der Brechungsindex von Wasser bei 1,33 liegt, so sorgt ein Glas mit der Brechzahl 1,5 dafür, daß die Mattscheibe um die Hälfte näher und damit auch 50 % größer erscheint, als wenn sich zwischen Okular und Mattscheibe nur Luft befände. Dachkantumkehrsysteme auf Basis von Spiegeln wurden später allenfalls bei preiswerten Autofokus-Spiegelreflexkameras eingesetzt, bei denen ein entsprechend kleines und dunkles Sucherbild zugunsten einer massiven Gewichtseinsparung in Kauf genommen wurde.


Solcherlei Umkehrprismen brachten anfänglich natürlich etliche konstruktive Schwierigkeiten mit sich. Bildfeldlinse, Prisma und Okular zusammengenommen ergaben schließlich ein optisches System, wie man es im Prinzip auch aus Prismenfernrohren kannte, aber mit dem Unterschied, daß hier ein sehr großer Blickwinkel abgedeckt werden mußte. Bei einem derart großen Blickwinkel hat man aber das Problem, daß die Randstrahlen nicht mehr genau senkrecht auf die Eintritts- und Austrittsflächen des Prismas auftreffen, sondern leicht schräg. Schräger Lichteinfall in ein Prisma bringt aber die Gefahr mit sich, daß das Licht in seine spektralen Bestandteile zerlegt würde. Das hätte eine Abbildung mit farbigen Rändern nach sich gezogen. Außerdem tritt bei schräg durchlaufenden Lichtstrahlen in Prismen leicht Astigmatismus auf. Diese Schwierigkeiten scheinen auch der Grund gewesen zu sein, weshalb ursprünglich bei der Spiegelcontax keine bildaufhellende Feldlinse eingesetzt, sondern kurzerhand die gesamte untere Lichteintrittsfläche mattiert wurde. Durch das auf diese Weise völlig diffus gemachte Licht konnte jegliche problematische Richtungswirkung eliminiert werden.


Freilich benötigte man natürlich eine Glassorte mit einer zu den Lichtweglängen passenden Brechzahl. Zur weiteren Erschwernis mußte sich diese Glassorte mit hoher Lauterkeit herstellen lassen, denn die besagten langen Lichtwege im Prisma verlangten nach absolut klaren sowie blasen- und schlierenfreien Glasstücken, da eine noch so kleine Störung bei der Sucherbildbetrachtung sichtbar gewesen wäre. Diese Forderungen zu erreichen, das war mit der damals zur Verfügung stehenden Herstellungstechnologie nicht leich zu erreichen, zumal die dafür notwendige Ausrüstung offenbar kurz zuvor in die Sowjetunion verbracht worden war.

Contax S Querschnitt

Das Mattieren der Lichteintrittsfläche des Prismas statt einer Bildfeldlinse hatte damals den angenehmen Nebeneffekt, die Kamera insgesamt sehr niedrig halten zu können. Der Nachteil dieser Bauart lag aber darin, daß von der mattierten Prismenunterseite keinerlei Kollektivwirkung ausging, das heißt das Licht wurde wild zerstreut statt gezielt ins Okular gelenkt zu werden. Dadurch erschienen insbesondere die äußeren Bereiche des Bildfeldes derart angedunkelt, daß als Notbehelf die Ränder der Prismenunterseite facettiert wurden, um auf diese Weise wenigstens einen hellen Rahmen zu erzeugen, der das Bild eindeutig äußerlich abgrenzte.


Im Zuge einer offenbar "schleichenden" Übernahme der Konstruktionsverantwortung für die Spiegelcontax durch den VEB Kamerawerke Niedersedlitz erhielt zur Herbstmesse 1956 [Vgl. Brauer, Egon: Herbstmesse 1956 in Leipzig; in: Bild & Ton, Heft 9/1956, S. 246.] das neue Modell Contax F nicht nur umgehend eine Springblendenauslösung, wie sie in etwa zur selben Zeit auch bei der neuen Praktica FX2 ergänzt wurde, sondern auch endlich eine – wenn auch recht dünne – Bildfeldlinse. Dadurch konnte nicht nur die Bildhelligkeit in den Randzonen ein wenig erhöht werden, sondern es wurde auch möglich, ein Meßkeilpaar zur besseren Scharfstellung zu integrieren. Damit näherte sich das mittlerweile ziemlich betagte Suchersystem der Spiegelcontax wieder ein wenig dem internationalen Stand der Technik an.

Denn man merkte der Spiegelcontax mittlerweile ihre Pionierrolle deutlich an. Als sie damals im Jahre 1949 erschien, war die herausragende Bedeutung ihres Prismensuchers vielleicht noch nicht zu 100% abzusehen. Die meisten Hersteller von Reflexkameras – und so viele waren das damals noch nicht – hielten erst einmal am Lichtschacht fest oder fuhren zumindest zweigleisig, indem sie das Prisma nur zum auswechseln oder gar nur zum auf den Lichtschacht aufsteckbar anboten. Die Situation kippte erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Die Kameranutzer hatten quasi mittels ihres Kaufverhaltens über die Frage Prismensucher oder Lichtschacht abgestimmt. Am Anfang wurde der Prismensucher von den Herstellern nur als optionales Zubehör angesehen, vom dem man ausging, daß ihn nur die „ernsthaften“ Amateure zusätzlich anschaffen würden. Das stellte sich aber als falsch heraus. Das Umkehrprisma wurde aufgrund seiner Vorteile sehr stark nachgefragt. Und da zum Beispiel das unpraktische Aufsatzprisma für die Praktica FX die besagten Vorteile einigermaßen verspielte, wurde es damals scharf in der Presse kritisiert, woraufhin die Kamerawerke den Lichtschacht der Praktica FX2 derart umkonstruierten, daß das Umkehrprisma regelrecht in ihn hinengesetzt werden konnte, nur um kurze Zeit später diese Bauweise ganz und gar aufzugeben. So geschah es, daß auf der Frühjahrsmesse 1959 gleich zwei konkurrierende Spiegelreflexkameras mit FEST EINGEBAUTEM Prismensucher erschienen: Die Praktica IV und die Exa II. Das fest eingebaute Prisma war auf einmal zur Standardbauweise geworden. Zur selben Zeit beging die Spiegelcontax, die diese Idee etabliert hatte, freilich bereits ihr zehntes Jubiläum.

Der Pfad, der letztlich zu dieser Reflex-Contax geführt hat, war jedoch ausgesprochen steinig und lang gewesen. Der ganze Anfang dieses Projektes ist schon allein durch die Vorgabe des damaligen ZI-Chefs Heinrich ("Heinz") Küppenbender erschwert worden, weil dieser unbedingt den patentrechtlich umfassend geschützten Metallrolloverschluß der Contax auch für das Projekt einer Kleinbildreflexkamera eingesetzt sehen wollte. Dieses Ansinnen erwies sich sehr bald als unerfüllbar. Die obere Welle des über die kurze Bildfensterseite ablaufenden Rolloverschlusses befand sich nämlich genau dort, wo bei der Reflexkamera das Prisma und das Okular zu liegen hatten. Diese Syntax als oft erwähnter Ausgangspunkt einer "Spiegelreflexversion" der Contax Meßsucherkamera ist aufgrund eines französischen Patentes Nr. 875.596 vom 1. September 1941 überliefert.  Eine noch während des Krieges unter Friedrich Schieber und dem verwundet nach Dresden zurückgekehrten Siegfried Böhm erarbeitete Alternative war bereits von diesem Ansatz abgekehrt. Doch diese Arbeiten sind bei dem verheerenden Bombenangriff auf die Stadt vom Februar 1945 allesamt verbrannt. Die Entwicklergruppe unter Wilhelm Winzenburg mußte also noch einmal völlig von Neuem beginnen, als sie nur wenige Wochen nach dem Kriegsende zum dritten Mal an die Aufgabe gingen, der Zeiss Ikon endlich zu einer Einäugigen Kleinbildspiegelreflexkamera zu verhelfen.

Syntax-Projekt

Oben ist die sehr bekannte Zeichnung aus dem französischen Patent zu sehen, das stets zur Illustration des Syntax-Projektes angeführt wird. Man erkennt sofort, woran die angestrebte Synthese aus der Contax Meßsucherkamera mit dem Spiegelreflexprinzip damals krankte: Der Schlitzverschluß der Contax vertrug sich nicht mit dem großen Glaskörper des Umkehrprismas.


Wenig bekannt sind übrigens zwei schweizer Patente zur Syntax mit den Nummern CH219162 vom 15. April 1940 und CH229553 8. Oktober 1941, die sich beide mit dem Spiegelmechanismus dieser Kamera beschäftigen. Das erste beschreibt die Kupplung von Spiegel und Schlitzverschluß, das zweite baute die Lösung sogar für einen echten Rückkehrspiegel aus. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, daß später der Spiegelmechanismus der Stuttgarter Contarex nach diesem Prinzip arbeitete.

Der Schlitzverschluß der Spiegelcontax



Wilhelm Winzenburg und seine Leute haben sich das grundsätzliche Konzept des Leica-Verschlusses zum Vorbild genommen, als sie kurz nach dem Kriegsende das Projekt einer Kleinbildreflexkamera mit Geradsichtsucher wieder aufnahmen. Das erkennt man an wesentlichen Gestaltungsmerkmalen des Verschlußaufbaus. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die nötigen etwa 40 mm Tuchlänge abrollen zu lassen. Die Schlitzverschlüsse des alten Prinzips arbeiteten quasi alle mit relativ dünnen Walzen, auf denen die Rollos aufgewickelt werden. Diese müssen sich also mehrfach um die eigene Achse drehen, um die gesamte Länge der Vorhänge aufwickeln zu können. Mit der Schlitzweitensteuerung, die sich um weniger als 360 Grad drehen darf, sind diese Walzen daher durch eine Getriebeübersetzung verbunden. Nach diesem Prinzip arbeiten auch die Verschlüsse der Exakta und der Praktiflex/Praktica. Bei der Leica hingegen sind die Rollowalzen derart groß vom Durchmesser gewählt, daß auf ihrem Umfang die gesamte Tuchlänge platzfindet, obgleich der Drehwinkel des Zeiteinstellknopfs ebenfalls unter 360 Grad bleibt. Der große Vorteil dieser Bauart ist, daß schwierig herzustellende, platzintensive und stets Hemmungen mit sich bringende Getriebeteile entfallen können. Bei der Leica kommt noch hinzu, daß der erste Verschlußvorhang den Start des zweiten Vorhanges über eine reine Hebelkonstruktion auslöst, also ebenfalls getriebelos. So eine simple Konstruktion kam für Winzenburg allerdings nicht infrage, denn sein Ziel war es, mit einer einzigen Ansteuerung alle Zeiten von einer Sekunde bis zur Tausendstel abzudecken.

Leica Verschluß Prinzip

Grundsätzliches Funktionsprinzip des Leicaverschlusses mit seinen drei Wellen und der Steuerwalze mit dem großen Durchmesser. Die Getriebeteile, die hier zu sehen sind, haben nur die Funktion, den Verschlußaufzug mit dem Filmtransport zu kuppeln. Für die Verschlußzeitenbildung sind sie prinzipiell  nicht nötig.

Wilhelm Winzenburg war von Hause aus Kinotechniker. Viel bedeutender als seine Konstruktionsarbeit an der Spiegelcontax war eigentlich sein Beitrag zur Verbesserung der Lichttheaterprojektion. Auf seine Anregung hin wurden ab etwa 1922 statt Linsenkondensoren Spiegeloptiken zur Durchleuchtung des Bildfensters eingesetzt (sog. „Artisollampe“). Die großen Lichtspielhäuser der goldenen Ära des Kinos mit ihren großen Leinwänden und den vielen hundert Sitzplätzen wären ohne solche Spiegelsysteme nicht denkbar gewesen. Winzenburg arbeitete für die Hahn AG in Kassel, die eine Tochterfirma der Goerz AG gewesen ist und zusammen mit dieser 1926 in der neuen Zeiss Ikon AG Dresden aufging. Winzenburg ging nach Dresden und entwickelte hier die Projektoren „Kinobox“ und „Phonobox“, die als kompakte, transportable Projektoren für den Landfilm entwickelt wurden und als Vorläufer des Tonkoffers TK35 angesehen werden können. Aufgrund seiner umfangreichen feinwerktechnischen Kenntnisse wurde Winzenburg gleich nach dem Kriege zum Chefkonstrukteur der Spiegelcontax. Nach Fertigstellung der wesentlichen Arbeiten an diesem Projekt wechselte er wieder in sein Spezialgebiet der Kinogeräte und entwickelte in maßgeblicher Verantwortung die „Dresden D1“ als Nachfolgerin der berühmten Ernemann VIIB Theatermaschine, bevor er schließlich die Gesamtleitung der Abteilung Forschung und Entwicklung des VEB Zeiss Ikon übernahm. [Vgl. dazu Schulze-Manitus, Hans: Technische Filmchronik, Bild und Ton 7/1960, S. 223]. Er starb im Jahre 1972.


Im Grunde genommen ist es unerheblich, wieviel vom „Syntax-Projekt“ nach dem Ausbrennen des Zeiss-Ikon-Werkes noch übrig war, denn was den Verschluß angeht, so haben Wilhelm Winzenburg und Rudolf Kuhnert einen völlig neuen Weg eingeschlagen. Man kann es auch anders ausdrücken: Sie haben sich von dem Murks, den es bedeutet hätte, den Verschluß der Contax Meßsucherkamera in die Reflexkamera einbauen zu müssen, vollständig befreit.

Contax Schlitzverschluß

Das Hauptpatent


Wichtigste Quelle für ein Nachvollziehen der Konstruktionsarbeit Winzenburgs und Kuhnerts ist das Patent Nr. DD5395 „Schlitzverschlußeinrichtung für photographische Kameras“ vom 6. März 1949. Diese umfängliche Patentschrift erhebt nicht weniger als 22 schutzrechtliche Ansprüche. Sie gibt nicht den Entwicklungsstand der Spiegelcontax im Frühjahr 1949 – also kurz vor dem Anlaufen der ersten Serienproduktion – wieder, sondern das Grundprinzip des Verschlusses, an dem offenbar schon seit mehreren Jahren gearbeitet worden war, um ihn produktionsreif zu machen. Allerspätestens wenn ein Produkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist es ratsam, sich die Neuerungen, die dieses Produkt ausmachen, patentrechtlich schützen zu lassen, um einen bloßen Nachbau zu verhindern. Gleichsam ist die Patentanmeldung eine der wichtigsten Möglichkeiten für Konstrukteure, ihre abgeschlossenen Entwicklungsarbeiten zu Veröffentlichen und damit einen Beitrag zur Eruierung des internationalen technischen Standes zu leisten. Offenbar wurden die Konstruktionsarbeiten für die Spiegelcontax im Frühjahr 1949 für weitgehend abgeschlossen angesehen.


Bevor ich auf einige Details des Patents eingehe noch ein paar Worte zum Grundprinzip des Contax-Verschlusses. Das absolut Neue und mithin Moderne dieses Verschlusses war ein Aufteilen des Mechanismus in denjenigen Part, der die Rollos antreibt und denjenigen, der den Ablauf dieser Rollos steuert. Bei Kameras wie der Leica, Exakta und Praktica sind diese beiden Teile untrennbar miteinander verknüpft, das heißt diejenige Kraft, die die Rollos bewegt, treibt auch das Zeitsteuerwerk mit an. Die Bildung des Belichtungsschlitzes und damit der Verschlußzeit wird dadurch erreicht, daß aus der Kraft, die den ersten Verschlußvorhang antreibt, ein Hemmwerk angesteuert wird, das den Ablauf des zweiten Vorhanges um den entsprechenden Betrag verzögert. Bei der Spiegelcontax hingegen wird die in den Federwalzen gespeicherte und für eine gleichmäßige Belichtung möglichst exakt justierte Kraft allein zum Ablauf der Vorhänge genutzt. Die Ansteuerung der Vorhänge erfolgt durch ein gesondertes Zeitbildungswerk, das durch eine eigene Feder angetrieben wird, die mit dem Filmtransport/Verschlußaufzug stets aufs Neue gespannt wird. Diese Ablaufsteuerung „sagt“ den beiden Verschlußvorhängen, die bei gespanntem Verschluß durch Klinken festgehalten werden, wann diese ablaufen dürfen. Das ist technikgeschichtlich ein bemerkenswertes Konzept. Zwanzig Jahre später wurde im VEB Pentacon Dresden am Verschluß der Praktica electronic gearbeitet, deren Ablaufsteuerung auf ähnliche Weise funktioniert; mit dem Unterschied, daß hier nicht ein mechanisches Uhrwerk die Zeitbildung bewerkstelligt, sondern eine elektronische Schwellwertschaltung. Der Start des zweiten Verschlußvorhanges wird bei dieser Kamera nur nicht wie bei der Contax auf mechanischem Wege durch eine sich drehende Nockenscheibe ausgelöst, sondern dadurch, daß das Feld eines kleinen Elektromagneten zusammenbricht und dadurch der bis dahin eingeklinkte Vorhang freigegeben wird. Nach genau diesem Prinzip arbeiten alle elektronisch gesteuerten Verschlüsse bis zum heutigen Tag. Der Schlitzverschluß der Spiegelcontax war also nichts weniger als der Pionier der modernen, fremdgesteuerten Verschlußbauarten.

Contax Zeitwerk
Contax Turmlager

Links das sogenannte Turmlager der Spiegelcontax, in dem die Steuerwalze des Verschlusses läuft. Gut zu sehen sind die beiden schwarzen Hebel, die die Vorhänge in Position halten wenn der Verschluß gespannt ist. Diese Hebel werden vom sogenannten Zeitwerk ausgerückt, das damit den Ablauf der Vorhänge wie ein Uhrwerk steuert. Dieses Zeitwerk mit seinen Nocken ist rechts abgebildet. Der dritte Hebel aus Messing dient der Blitzsynchronisation. Der zugehörige Kontakt ist ganz links erkennbar. Unten ist noch einmal dargestellt, wie diese Hebel an den Nockenscheiben anliegen.

Contax Zeitwerk

Aus der Patentschrift geht übrigens hervor, daß auch der erste Verschlußvorhang vom Zeitwerk ausgelöst wird und nicht direkt vom Auslöser (Patentanspruch 11). Das hat den Hintergrund, daß auf diese Weise der Ablauf des ersten Vorhanges kontrolliert verzögert werden konnte, bis der Reflexspiegel wirklich seine obere Position eingenommen hat. Durch diesen Kunstgriff konnte auf alle Fälle ausgeschlossen werden, daß sich der Verschluß öffnet, noch bevor der Spiegel den Lichtpfad völlig frei gegeben hat. Diesen Fehler zeigte namentlich die Praktica, die Siegfried Böhm (1921-2016) von einem Hub- auf einen Klappspiegel umkonstruiert hatte. In vollem Bewußtsein über dieses Problem, das vor allem bei zu raschem Druck auf den Auslöser zu beklagen war, hatte Böhm die Verschlüsse seiner Praktina und Praktisix so konzipiert, daß diese erst durch den oben angekommen Spiegel ausgelöst wurden. Die Contax ging einen anderen Weg, indem sozusagen eine feste Verzögerungszeit für den Verschlußablauf einprogrammiert wurde, die auch bei behender Verschlußauslösung dem Spiegel noch genügend Zeit zum vollständigen Hochklappen beließ.


Der gesamte Verschlußablauf der Spiegelcontax beruht also darauf, daß ein bald als Zeitwerk, bald als Auslösewerk bezeichneter Steuermechanismus stets eine volle Umdrehung ausführt (Patentanspruch 2) und während dieser Umdrehung den ersten Verschlußvorhang durch eine feststehende Nocke, den zweiten Vorhang durch eine in der Position veränderliche Nocke auslöst (Patentanspruch 3). Die Breite des Belichtungsschlitzes und damit die Länge der Verschlußzeit ergibt sich also daraus, welchen Winkel diese beiden Nocken zueinander einnehmen. Dazu ist die Nocke des zweiten Verschlußvorhanges über eine Friktion verstellbar; das heißt ursprünglich wäre eine stufenlose Einstellung der Verschlußzeit möglich gewesen, denn von einer Rastung ist weder im Text noch in der Zeichnung etwas zu erfahren. Auch später nicht so verwirklicht wurde, daß ein für die längeren Zeiten notwendiges Hemmwerk (Patentanspruch 4) je nach eingestellter Verschlußzeit SELBSTTÄTIG zugeschaltet wurde (Patentanspruch 5). Da sich dieses Ansinnen offenbar nicht umsetzen ließ, wurde bei den späteren Serienkameras das Hemmwerk mit dem bekannten Schieber an der Rückseite manuell zugeschaltet und gleichsam der Einstellindex auf die roten Zahlen umgestellt. Wichtig zu erwähnen ist noch, daß das Aufziehen des Zeitwerkes in zwangsläufiger Kupplung mit dem Zurückführen der Verschlußvorhänge und dem Filmtransport geschah (Patentanspruch 1). Die übrigen Schutzansprüche beschäftigen sich hauptsächlich mit den nötigen mechanischen Triebmitteln, die ein solch komplexer Aufbau insgesamt benötigt.



Das  Zusatzpatent


Für die Geschichte der Spiegelcontax ziemlich interessant ist weiterhin ein Zusatzpatent Nr. DD5403, das Winzenburg zwar am selben Tag wie das obige angemeldet hat, dessen Ideen aber deutlich jünger zu sein scheinen, weil sie erst im Laufe der Entwicklungsarbeiten zur Contax aufgekommen sein müssen. Das Zusatzpatent befaßt sich mit dem Problem, daß insbesondere die kürzeste Verschlußzeit bei einem Schlitzverschluß große konstruktive Probleme bereitet. Bei einer tausendstel Sekunde liegt die Weite des Belichtungsschlitzes gerade einmal um einen Millimeter herum. Jede kleinste Abweichung von dieser Spaltbreite – und sei es in der Größenordnung eines Zehntelmillimeters – führt dazu, daß die tatsächliche Belichtungszeit massiv vom Nominalwert abweicht. Noch schlimmer ist allerdings, wenn sich diese Abweichungen ergeben, während dieser schmale Spalt über das Bildfenster wandert. Lichtabfall über die Breite des Negativs hinweg oder auch häßliche streifige Belichtung, die mit keinem Mittel der Welt mehr im Kopierprozeß zu korrigieren sind, wären die Folge. Ganz offensichtlich litten die ersten Nullserienmodelle der Spiegelcontax unter diesem Problem, denn Sammler haben Modelle aufgetan, bei denen die kürzeste Verschlußzeit auf eine 1/500 Sekunde beschränkt wurde. Mit solch einer Beschränkung wollte man sich aber offenbar bei Zeiss Ikon nicht zufriedengeben. Deshalb hat Winzenburg seinen Verschluß dergestalt umgeändert, daß nach dem im verdeckten Zustand erfolgten Zurückführen der Verschlußtücher diese freigegeben werden und in ihre bereits oben angesprochenen Halteklinken fallen. Diese sind nun aber so zueinander angeordnet, daß der erste Verschlußvorhang wieder ein Stück zurückläuft, bevor er in seine Klinke fällt. Dadurch wird der gedeckte Zustand des Verschlusses bereits am Ende des Spannvorganges beendet und es bildet sich ein Belichtungsschlitz von gerade derjenigen Breite heraus, der für die Verschlußzeit von einer 1/1000 Sekunde nötig ist (0,6mm Normwert lt. Montageanweisung). Bei dieser kürzesten Verschlußzeit werden also beide Vorhänge in diesem festgelegten Abstand gleichzeitig ausgelöst; wobei gewährleistet ist, daß die korrekte Spaltbreite beim Abgleich des Verschlusses genau einjustiert werden kann, sodaß die 1/1000 Sekunde sehr präzise eingehalten wurde.

Contax Schlitzweitenverstellung

Die genaue Justage der Spaltbreite und damit auch der 1/1000 Sekunde erfolgt an dem im roten Kreis sichtbaren Excenter.

Der Schrägauslöser


Ebenfalls am 6. März 1949 wurde noch ein drittes Patent mit der Nr. DD978 angemeldet. Es beschreibt den für die Contax so typischen Schrägauslöser. Zynischerweise hatte die schreckliche Verwüstung Dresdens für Zeiss Ikon den positiven Effekt, daß man quasi von vorn beginnen mußte. Alle Vorarbeiten der Kriegszeit bezüglich der Kleinbildreflexkamera waren zunichte gemacht. So waren Winzenburg und seine Leute gezwungen, „from scratch“ neu zu starten, wie die Engländer sagen. In vielen Beziehungen ist das aus heutiger Sicht als Glücksfall anzusehen, denn so war es möglich, sich von vielem Ballast der Küppenbender-Zeit freizumachen. So kann man aus dem besagten Patent Nummer 978 beinah wörtlich herauslesen, daß Winzenburg vom koaxial in den Transportknopf der Contax Meßsucherkamera eingelassenen Auslöser gar nichts hielt. Er hatte daher den Auslöser bei der Spiegelcontax so angeordnet, daß der Auslösedruck der natürlichen Fingerbewegung folgen konnte. Außerdem stellte sich später heraus, daß die nach hinten unten gerichtete Bewegung die Kamera in die sie haltende Handfläche drückte und damit am besten ein Verreißen der Kamera verhindert werden konnte. Das ist der Grund dafür, weshalb diese Anordnung des Auslösers zum regelrechten Markenzeichen des Dresdner Kamerabaus geworden ist. Die Praktina, die Praktisix, die Belmira, die Pentacon Super, die Praktica nova und L-Serie – alle diese Kameras haben diesen Schrägauslöser übernommen. Eine bessere Anerkennung für die Arbeit eines Konstrukteurs läßt sich kaum finden.

DD978

Die historische Einordnung der Spiegelcontax


Spätestens seit dem Fall der Mauer gibt es eine Debatte um die herausgehobene geschichtliche Bedeutung der Contax S. Die hübsch anzuschauende Kamera wurde offenbar nun auch von westdeutschen Kamerasammlern nicht mehr als ostzonales, sondern als gesamtdeutsches Erzeugnis anerkannt und sie hat sich im Zuge dessen sukzessive zum Zankapfel entwickelt. Schließlich ist der Titel "erste Spiegelreflex der Welt mit Prismensucher" zu vergeben. Wahlweise wird die Contax S dann in einen Wettbewerb mit einer italienischen oder einer ungarischen Kamera gebracht und es wird um das früheste Datum des ersten Erscheinens der Kameras gestritten. Diese zum Teil sehr kleinlich geführten Auseinandersetzungen scheinen mir ganz und gar den Blick auf den viel interessanteren Aspekt verstellt zu haben, wie problembehaftet der Werdegang der Spiegelcontax tatsächlich gewesen sein muß.


Wilhelm Winzenburg und seine Mitstreiter scheinen doch ganz offensichtlich große Schwierigkeit gehabt zu haben, ihre Neukonstruktion zu einem funktionsfähigen Produkt zuendezuentwickeln. So muß man davon ausgehen, daß sie etwa vier Jahre an dieser Kamera laboriert hatten, nur um dann zum Ende des Jahres 1949 wiederum mit immensen Problemen beim Anlauf der Serienfertigung kämpfen zu müssen. Daraus muß man doch schlußfolgern, daß Wilhelm Winzenburg mit seiner Aufgabe schlicht und ergreifend überfordert gewesen ist. Diese Tatsache scheint in der jungen DDR offenbar weitgehend tabuisiert und betriebsintern unter den Teppich gekehrt worden zu sein. Doch eine nüchterne Einschätzung seiner Arbeit durch den amerikanischen Geheimdienst, der damals noch sehr an den Vorgängen in Jena und Dresden interessiert war und dessen Geheimberichte aus jener Zeit mittlerweile öffentlich zugänglich sind, fällt demgegenüber geradezu entlarvend aus [CIA-RDP82-00457R006200340005-5 vom 20. Dezember 1950].

CIA-RDP82-00457R006200340005-5

Die Zuträger des CIA bescheinigten also Winzenburg, er habe in Bezug auf die Konstruktion der Spiegelcontax sein Unvermögen unter Beweis gestellt. Das ganze Rätselraten um die frühe Spiegelcontax, die wenigen Kameras im Originalzustand, die Verwirrung in bezug auf Seriennummern und äußere Erkennungsmerkmale sowie die allgemein im Dunkeln liegende frühe Fertigungsperiode kann man daher als Anzeichen dafür hernehmen, daß der VEB Zeiss Ikon mit einem katastrophalen Produktionsstart der neuen Kamera konfrontiert war, über den man so weit es ging den Mantel des Schweigens gedeckt hat. Nicht nur mußten offenbar in einem großen Umfang Kameras zurückgerufen und nachgebessert werden, sondern parallel dazu verlangte der quasi funktionsuntüchtige Verschlußaufbau nach einer weitgehenden Neukonstruktion. Neuesten Erkenntnissen zufolge haben der VEB Zeiss Ikon bzw. die Vertragswerkstätten noch auf Jahre hinaus mit dem Umbau der fehlerhaften Kameras auf den nachgebesserten Verschluß zu tun gehabt. Ausführlicher gehe ich auf diesen Aspekt in einem gesonderten Aufsatz ein.


Unmittelbare Folge dieses Desasters war wohl ein massiver Reputationsverlust des traditionsreichen Dresdner Kameragiganten insbesondere auf den westlichen Exportmärkten, wohin die Spiegelcontax gleich zu Anfang zu sehr hohen Preisen exportiert worden war. Als weitere Folge ist daher auch ein drastischer Wertverfall dieser Kamera zu verzeichnen gewesen, von der sich die gesamte Baureihe nie wieder erholen sollte. Die wahren Ursachen dafür wurden in der DDR durch die üblichen Propagandalügen verschleiert.


Die Undurchsichtigkeit der Frühphase der Spiegelcontax wirkt sich zum Teil bis heute auf ihre historische Einordnung aus. So hat sich eine große Kontroverse in der Aufarbeitung der Geschichte der Spiegelcontax um die Autentizität der Modelleinteilung in A, B und C entzündet. Die fragwürdige Attitüde und das unsaubere Arbeiten einiger älterer Autoren taten dabei ihr Übriges. Wie oben gezeigt, hat es bis zum Erscheinen der Contax S mehrere Entwicklungsstufen ihres Schlitzverschlusses gegeben, die eine solche Unterteilung sinnvoll erscheinen lassen, selbst wenn sie vorerst nur betriebsintern vorgenommen wurde.


Wenn auch grundsätzlich die Funktionsuntauglichkeit der Contax mit dem Modell D abgestellt werden konnte, so konnte doch die Reputation der ganzen Reihe nie völlig wiederhergestellt werden. Ich habe noch Zeitzeugen gekannt, die sich dazumal lieber für eine Praktica entschieden haben, weil ihnen der Händler unter vorgehaltener Hand von der Contax abgeraten hatte. Wenn die Zahlen stimmen, dann wurden zwar am Ende immerhin fast 190.000 Stück dieser Reihe hergestellt für eine 13-jährige Produktionszeit wäre das aber eine recht moderate Zahl.

CIA-RDP83-00415R013200080002-4

Der obige Ausschnitt aus einem CIA-Bericht aus dem Jahr 1952 [CIA-RDP83-00415R013200080002-4] bringt die schwierige Lage des VEB Zeiss Ikon zu jener Zeit noch einmal drastisch zum Ausdruck. Demnach fielen 40% der Kameraproduktion auf die Contax S Modell A bis C (!), diese seien aber qualitativ minderwertig und könnten nicht mit westdeutschen Produkten konkurrieren. Zudem sei das Zeiss-Ikon-Werk in eine finanzielle Schieflage geraten, nichtzuletzt aufgrund der großen Auslandsreklamationen. Die Informationen selbst dürften aus dem Jahr 1951 stammen (in der Kopfzeile ist diese Angabe leider geschwärzt), wurde doch der Werksteil Reick zu Jahresanfang 1952 bereits an Zeiss Jena abgegeben, wie aus einem weiteren CIA-Bericht zu erfahren ist [Vgl. CIA-RDP82-00457R012100140008-8 vom 23. Mai 1952. Dazu muß bemerkt werden, daß damit lediglich derjenige Flügel des ehemaligen Wünsche-Werkes in Dresden Reick gemeint ist, in dem die Zeiss Ikon AG vorher ihre eigene Optik-Abteilung untergebracht hatte. Hier wurde z.B. das Pentovar 2/30-120 gefertigt. Aber auch nach der Übergabe an den VEB Zeiss Jena blieb das Werk Reick stark an die Photoindustrie gebunden. So wurden hier allein 1954 450.000 Linsen für die Sucher von Kameras aller erdenklichen Fabrikate der DDR gefertigt sowie 300.000 Spiegel und 35.000 Pentaprismen für Spiegelreflexkameras. Vgl. dazu CIA-RDP80-00810A006600600002-4 vom 18. Mai 1955 und CIA-RDP80-00810A006700130003-4 vom 20. Mai 1955. Damit wissen wir nun auch, woher das Sucherprisma für die Spiegelcontax kam. Im Bericht vom 20. Mai ist sogar eine Lageskizze angegeben. Der CIA interessierte sich damals sehr für das Werk, weil es auch militärische Entfernungsmesser fabrizierte, die u.a. nach China geliefert wurden].

CIA-RDP80-00810A006700130003-4 Reick Werk

Interessant ist auch die Information, daß die Tenax und die Ercona im Mimosa-Werk von etwa 250 Beschäftigten hergestellt wurden.



Zum Abschluß sollen an dieser Stelle einmal ganz außergewöhnliche photographische Aufnahmen aus der Frühzeit der Contax gezeigt werden. Sie stammen von den Pressephotographen Erich Höhne (1912-1999) und Erich Pohl (1904-1968) und werden von der Deutschen Fotothek im Rahmen einer Creative Commons Lizenz zu nichtkommerziellen Zwecken zur Verfügung gestellt. Ich gebe sie hier im Sinne des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns wieder.


Der erschütternde Ausgangspunkt unserer Spiegelcontax ist Deutschlands Stunde Null. Man kann bei Victor Klemperer nachlesen, in welcher gespannten Stimmung die Dresdner in den letzten Kriegsmonaten gewesen waren. Die anderen deutschen Großstädte waren längst durch schwere Bombenabwürfe getroffen, da reimten sich die Dresdner Verschwörungstheorien zusammen, weshalb gerade ihre Stadt verschont würde. Das Blatt wendete sich um so jäher, als schließlich die Spreng- und Brandbomben im Februar 1945 doch noch das Dresdner Stadtgebiet in ein Trümmerfeld verwandelten. Diese Aufnahmen dokumentieren die Zerstörungen im traditionsreichen Ernemannbau an der Schandauer Straße. Die Luftaufnahme zeigt zuvor noch einmal das stattliche Ensemble der Ernemannschen Fabrikationsgebäude um 1925.

Außerordentlich bemerkenswert sind die folgenden Aufnahmen. Ich dachte ich traue meinen Augen nicht, als mir bei der Recherche plötzlich diese Bilder von Wilhelm Winzenburg unterkamen. Ich war mir sofort sicher, daß hierauf der Chefkonstrukteur der Spiegelcontax zu sehen ist. Erst im Nachhinein ist mir die Contax aufgefallen, die er in den Händen hält. Die Datierung dieser Bilder auf das Jahr 1949 legt nahe, daß es sich um die Pressevorstellung dieser neuen Kamera gehandelt haben muß, die offensichtlich mit einer Art Feierstunde im Ernemannbau einhergegangen war. Man beachte die Prototypen und Funktionsmuster, die Winzenburg auf seinem Tischchen liegen hat.

Winzenburg Contax

Bei den beiden Herren um Winzenburg handelt es sich möglicherweise um die Direktoren Neudeck und Fichtner – aber das wird sich nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen lassen. Rechts sieht man ein gigantisches Modell der Spiegelcontax, durch dessen „Spiegelkasten“ offenbar ein dahinterliegender Raum betreten werden konnte. Weitere Archivbilder zeigen, daß dem förmlichen Teil offenbar noch ein lustiger Abend folgte. Die neue Kamera wurde nach vier Jahren intensiver Arbeit also gebührend gefeiert. Unten im Vergleich dazu ein offizielles Pressephoto aus der Zeit, das die Konstrukteure Rudolf Kuhnert, Walter Hennig und Wilhelm Winzenburg zeigt (von links nach rechts).

Kuhnert, Hennig, Winzenburg

Es folgen abschließend noch einige Bilder aus der gerade angelaufenen Produktion. Interessant war für mich zu sehen, daß die Verschlußzeiten offenbar damals schon mit dem neuen Kurzeitmeßgerät von Clamann & Grahnert auf opto-elektronischem Wege gemessen wurden.

Modellübersicht




Contax S Typ C


Sach-Nr. Gruppe:  130

Contax S Nr. 13045 / zeissikonveb.de

Contax S  Nr.  13045,  Fabrikationsnummer  57443  mit Blitzanschluss in der Stativmutter und

feststellbarem Auslöser-Knopf


Kurzanleitung für Contax S / zeissikonveb.de

Contax S Typ D


Sach-Nr. Gruppe:  130

Contax S D Nr. 16442 / zeissikonveb.de

Contax S D  Nr. 16442, Fabrikationsnummer  60793  mit Blitzanschluss auf der Deckkappe, der Auslöser ist nicht mehr feststellbar.

Contax S  D Bedienungsanleitung / zeissikonveb.de
Kurzanleitung für Contax S / zeissikonveb.de

Contax D


Sach-Nr. Gruppe:  130

Contax D Nr. 80732 / zeissikonveb.de

Contax D  Nr. 80732,  Fabrikationsnummer  261135


Mit der Vorstellung der Contax D zur Leipziger Herbstmesse im September 1952, bekam  diese eine Reihe

an Zubehör an die Seite gestellt, was ihre Einsatzgebiete erheblich erweiterte.

Contax D Bedienungsanleitung / zeissikonveb.de
Kurzanleitung Contax D / zeissikonveb.de
zeissikonveb.de/Contax D Nr. 82464

Contax D Nr. 82464,  Fabrikationsnummer  261293






Pentacon "ZI"


Sach-Nr. Gruppe 133


Diese Variante der Pentacon, wie sie eigentlich richtig heißt, wird nur zur Unterscheidung von weiteren  Varianten mit dem Zusatz "ZI" versehen. In den Bedienungsanleitungen wird sie als "Pentacon"  bezeichnet.    Eine Bedienungsanleitung in englischer Sprache beweist die Existenz dieser Variante schon im Jahr 1952.  Niedrige Seriennummern lassen sogar den Schluß zu, das die ersten "Pentacon ZI" zeitgleich mit der  Contax S D gebaut wurden.

Pentacon "ZI" Nr. 66545 / zeissikonveb.de


Pentacon "ZI"  Nr. 66545,  Fabrikationsnummer 245449, Bestell-Nr. 133/62


Die vollständige Dokumentation zu dieser Pentacon umfasst die Bedienungsanleitung, den Garantieschein, die Kontroll-Karte in englisch (Test-card) eine Bedienungsanleitung zur Blendenvorwahl des Objektives und die Rechnung. Die Originalverpackung, das Objektiv und die Bereitschaftstasche sind auch vorhanden.

zeissikonveb.de/Garantieschein 66545
zeissikonveb.de/Garantieschein 66545
zeissikonveb.de/Prüfkarte 66545
zeissikonveb.de/Prüfkarte 66545
zeissikonveb.de/Quittung 66545

Der Garantieschein trägt nur die Fabrikationsnummer, diese ist zudem handschriftlich geändert worden, die genauen Gründe dafür sind noch unbekannt, es ist aber kein Einzelfall. Die Kontroll-Karte trägt vorn den Namen der Kamera, die Bestellnummer und die Fabrikationsnummer. Rückseitig sind die Seriennummer (ganz oben) die Unterschriften der Kontrolleure und die Objektivnummer (handschrifftlich) vermerkt.

Instructions for use Pentacon / zeissikonveb.de
zeissikonveb.de/Pentacon "ZI" Nr. 83665

Pentacon ZI  Nr.: 83665,  Fabrikationsnummer: 262970




Pentacon

Pentacon Nr.: 93049, Fabrikationsnummer: 5009477

Contax E

Contax E Nr. 94727 / zeissikonveb.de

Contax E  Nr. 94727,  Fabrikationsnummer  5018651

 

zeissikonveb.de/Contax E Nr.101017

Die Erste in meiner Sammlung war die  Contax E  Nr. 101017,  Fabrikationsnummer  5031497

Pentacon E

Pentacon F


Sach-Nr. Gruppe:  133

zeissikonveb.de/Pentacon F Nr. 105291

Pentacon F  Nr. 105291,  Fabrikationsnummer  5083208,  Bestell-Nr. 133/854


Zu dieser Kamera liegen der Garantieschein, die Prüfkarte und die Rechnung vor. Die Bestell-Nr. 133/854 belegt, das die Kamera am 16. Oktober 1957 verkauft wurde und das dazugehörige Objektiv ab Werk geliefert wurde. Der zweite Ziffernblock bezieht sich auf das Objektiv, ein C.Z.Jena  B 1:2  f = 58 (Biotar) 

Contax F


Sach-Nr. Gruppe:  130

zeissikonveb.de/Contax F Nr. 106722

Contax F  Nr. 106722,  Fabrikationsnummer  5084296





Pentacon FM


Sach-Nr. Gruppe:  131

zeissikonveb.de/Pentacon FM Nr. 134794

Pentacon FM  Nr. 134794,  Fabrikationsnummer  432438                                     




Pentacon  F


Sach-Nr. Gruppe:  133

zeissikonveb.de/Pentacon F Nr. 140157

Pentacon F  Nr. 140157,  Fabrikationsnummer  471351






Contax  F


Sach-Nr. Gruppe:  130

zeissikonveb.de/Contax F Nr. 152115

Contax F  Nr. 152115,  Fabrikationsnummer  491122





Pentacon  FM


Sach-Nr. Gruppe: 131

zeissikonveb.de/Pentacon FM Nr. 161744

Pentacon FM  Nr. 161744


Diese Kamera wurde laut Garantieschein im Oktober 1959 im Werk geprüft und am 05. Juni 1961 verkauft.

 

zeissikonveb.de/Garantieschein Pentacon FM Nr. 161744
zeissikonveb.de/Pentacon FM Nr. 190106

Pentacon FM  Nr. 190106


Contax gif

Yves Strobelt, Marco Kröger 2017


letzte Änderung: 7. Dezember 2021