Welta-Rama


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Welta-Rama


6x12 Panorama-Kamera mit 110 Grad Bildwinkel

Welta Rama

Abstract: The Welta-Rama is a quite simple 6x12 panorama camera I made from two old "Weltax" folding cameras. Since the picture quality of this type of cameras is mainly determined by the performance of the photographic objectives attached to them, there should be not much difference to the very expensive models made by the industrial camera makers. A 45 mm Rodenstock Grandagon specially constructed for this format leads to a diagonal picture angle of almost 110 degrees.


Yet a greater challenge was the viewfinder, which has to cover the same angle. Above you see the camera with a converted Newton-type finder from a Soviet "Horizon". But for critical work, e.g. architecture, these finders are not precise enough. So I made a reflex-finder as well. It may not have turned out to be the prettiest device, but it delivers a huge and bright image on a matte screen. This makes composing really delightful compared to the usual Newton-type finders.

Die Königsklasse der Panoramaphotographie ist jene auf Rollfilm 120. Von den Dutzenden an Rollfilmformaten, die bis zum Zweiten Weltkrieg verbreitet waren, ist dieser Typ heute quasi als einziger übriggeblieben. Fast alle Emulsionen, die es als Kleinbildfilm gibt, sind auch als Rollfilm 120 erhältlich. Mit einer nutzbaren Breite von etwa 56 Millimetern stellt er damit das großflächigste Material dar, mit dem völlig problemlos auch farbige Aunahmen und sogar Farbdiapositive möglich sind. Die zweite Dimensionierung, die diese große Bildfläche ausmacht, ist natürlich die Länge des Bildes. Rein Theoretisch könnte ein einzelnes Bild bis etwas über 80 Zentimeter lang sein; doch das nutzen nur sehr wenige Spezialkameras aus. Sinnvollerweise beschränkt man sich auf Bildformate, deren Seitenverhältnisse zwischen 1:2 und 1:3 liegen.

Welta Panorama

Eigentlich ist es ja beim Rollfilm ein großer Nachteil, daß er vom Konzept her so derart veraltet ist. Das durchgängige Schutzpapier verhindert nämlich den Einbau exakter Filmkanäle in Mittelvormatkameras. Und durch die zwei Lagen, die im Bildfenster übereinanderliegen, gepaart mit der großen Filmfläche, ist die Planlage des Materiales oftmals geradezu haarsträubend. Das ist einer der Gründe dafür, weshalb im Mittelformat Lichtstärken über 1:2,8 niemals sinnvoll gewesen sind, da die Bildebene des Objektivs und die Oberfläche des Filmes je nach Witterungsbedingungen oftmals deutlich voneinander abwichen. Wir dürfen halt nicht vergessen, daß die Lichtstärken der Objektive bei 1:9 oder 1:6,3 lagen, als die Rollfilme Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurden. Der Vorteil dieses Aufbaus lag aber stets darin, daß Rollfilmkameras sehr einfach konstruiert werden konnten, da die auf der Rückseite des Schutzpapieres aufgedruckten Bildnummern einen sehr unkomplizierten Bildtransport ermöglichten.


Von diesem Vorteil können wir in der Panoramaphotographie heute wieder großen Nutzen ziehen, denn hohe Lichtstärken und schnelle Schnappschüsse stehen in diesem Metier nun gerade nicht im Vordergrund. Die Kamera selbst beschränkt sich demnach wieder auf die bloße Funktion, den Film zwischen den zwei Spulen plan zu führen. Sie kann daher denkbar simpel ausfallen. Für die "Welta-Rama" habe ich einfach zwei alte Weltax Faltkameras mit löchrigem Balgen zu einer Breitbildkamera zusammengefügt. Die Arbeitsmethoden dafür unterscheiden sich kaum von denen, die ich schon bei den Sterokameras angewendet habe. Ursprünglich war diese Kamera sogar mal als eine 6x6 Stereokamera gedacht.

Bei der Frage nach dem Bildformat ist es günstig, wenn man sich an die normierten Abstände hält, mit denen die Zahlen auf dem Schutzpapier des Rollfilmes aufgedruckt sind. Die Grundwerte sind 48; 64 und 94 Millimeter; korrespondierend mit den Nennformaten 4,5x6; 6x6 und 6x9. Man könnte sich jetzt verschiedene Formate als Vielfaches dieser Nummernabstände ausdenken. Man müßte dabei nur berücksichtigen, daß zwischen den Aufnahmen wenigstens etwa fünf Millimeter Bildsteg abzuziehen sind. In der Praxis haben sich aber hauptsächlich zwei Wege durchgesetzt: Entweder man nimmt die mittlere Nummernreihe auf dem Schutzpapier für das 6x6-Format als Anhaltswert und stellt hier jeweils die ungeraden Bildnummern ein. Dann hätte man eine Bildlänge von 2x64 Millimeter zur Verfügung. Zieht man reichlich bemessene 8 Millimeter Bildsteg ab, so ergibt sich ein Nutzformat von 56x120 Millimeter Das Bildverhältnis läge also bei ca. 1:2. Legt man die untere Zahlenreihe für das 6x9-Format zugrunde, dann käme man auf eine Bildgröße von ca. 56x180 Millimeter, also zu einem Seitenverhältnis von etwa 1:3. Man bekommt somit entweder sechs oder gar nur noch vier Aufnahmen auf einen Rollfilm.

Das 6x18-Format klingt vielleicht verlockend, aber es hat in der Praxis doch etliche Nachteile. Das liegt hauptsächlich daran, daß solche extrem langgestreckten Formate die Bildfläche eines Objektives nur sehr schlecht ausnutzen. Bei einer Diagonale von fast 190 Millimetern wäre das 6x18-Format bereits auf Objektive angewiesen, die für das Großformat 13x18 vorgesehen sind. Das bedeutet, daß selbst bei Verwendung eines Superweitwinkelobjektives die Brennweite kaum unter 90 Millimetern angesetzt werden dürfte. Auf die Bildhöhe von 56 Millimetern bezogen sind aber 90 Millimeter Brennweite recht lang, sodaß in der Vertikalen keine wirkliche Weitwinkelwirkung zustande käme. Selbst mit einem 75 Millimeter Objektiv erreicht man gerade einmal die übliche 6x6-Normalbrennweite. Für die Landschaftsphotographie kann diese Beschränkung in der Vertikalen günstig sein, aber in der Architektur- und Reisephotographie hat man dann stets das Problem, daß man in der Höhe "nichts drauf bekommt". Zwar hätte ein 13x18-Objektiv genügend Bildwinkelreserve, daß man es hochverschieben könnte, um stürzende Linien zu vermeiden, aber eine solche Prozedur würde verlangen, daß man mit einem Stativ arbeitet und die Wirkung der Bildverstellung vor der Aufnahme auf einer Mattscheibe beurteilt. Damit wären aber die Vorteile einer kompakten Rollfilmkamera weitgehend zunichte gemacht.


Ich halte daher das Format 6x12 für deutlich universeller, wenn man nicht gerade ausgesprochene Landschaftspanoramen anfertigen will. Hier liegt die Diagonale nämlich gerade mal bei etwas über 130 Millimetern. Schaut man in die Objektivkataloge einschlägiger Hersteller, dann erkennt man, daß dieser Bildkreis problemlos von den üblichen 65-Millimeter-Objektiven ausgezeichnet wird. Diese Brennweite wäre aber selbst im Mittelformat 6x6 ein leichtes Weitwinkel; d.h. bezogen auf die Bildhöhe von 56 Millimetern kommt es zu deutlich weniger Platzproblemen. Das in diesem Fall der Welta-Rama verwendete Objektiv hat sogar eine extrem kurze Brennweite von nur 45 Millimetern, was selbst beim 6x6-Format bereits ein handfestes Weitwinkel darstellen würde. Dieses Ojektiv wurde offenbar genau für den Einsatzzweck des 6x12-Formates konstruiert und deckt daher den sagenhaften diagonalen Bildwinkel von 110 Grad ab.


Es in der Breites des Panoramaformates nicht zu übertreiben und dafür lieber die kürzest möglichen Brennweiten zugrundezulegen, um auch in der vertikalen Bildrichtung noch zu einem akzeptablen Aufnahmewinkel zu kommen, war auch bereits der Leitgedanke bei der Exakta-Panorama und der Exa-Rama.

Die kurze Brennweite hat übrigens zwei sehr angenehme Nebeneffekte: Erstens bleibt die Kamera sehr flach und kompakt. Sie kann problemlos überallhin mitgenommen werden. Zweitens konnte auf eine Scharfstellung verzichtet werden. Das Objektiv wurde mit dem Autokollimator auf eine Entfernung von ca. 10 Metern fest eingestellt. Das entspricht einer Auszugsverlängerung von etwa zwei Zehnteln eines Millimeters. Bei einem für das Mittelformat üblichen Zerstreuungskreisdurchmesser von 0,05 Millimetern würde sich bereits bei voller Öffnung die Schärfentiefe von 4,75 Metern bis Unendlich erstrecken. Da Großformatobjektive zumal bei solch einer großen Bildwinkelausnutzung prinzipiell stark abgeblendet werden, wächst diese Schärfentiefe rasch an. Bei Blende 11 ist von 2,7 Metern an alles scharf, bei Blende 16 ab 2 Meter.

Welta Rama finder

Besonderes Augenmerk bei solch einer Kamera ist stets auf den Sucher zu legen. Am Seitenanfang ist die Kamera mit einem umgebauten Newton-Sucher aus einer sowjetischen Horizont gezeigt, der geringfügig in der Breite maskiert wurde. Das ist zwar schön kompakt, aber aber leider sind diese Sucher nicht sehr genau. Sie verzeichnen stets und die Bildfeldbegrenzung verändert sich, wenn man aus leicht unterschiedlichen Winkeln ins Okular schaut. Für eine exakte Bildkomposition, wie sie beispielsweise in der Architekturphotographie sehr wichtig ist, sind diese Art Sucher nur bedingt brauchbar. Ich habe daher für diese Panoramakamera einen Reflexsucher konstruiert, der zwar nicht gerade kompakt ist, aber dafür ein riesiges, strahlend helles Sucherbild liefert. Der Linsensatz eines ausrangierten Superweitwinkels 3,5/17mm entwirft ein Bild mit 110 Grad Gesichtswinkel auf eine Mattscheibe 21x42 mm, die mit einem verstellbaren Oukular begutachtet werden kann. Damit wird die Kamera quasi zu einer Zweiäugigen Panorama-Reflex.

Ursprünglich war die verdoppelte Weltax als eine 6x6 Stereokamera vorgesehen und auch für diesen Zweck umgebaut worden. Dafür habe ich aber mittlerweile mit einer verdoppelten Certophot eine andere Lösung gefunden..

Welta-Rama gif

Unten erste Testaufnahmen auf Schwarzweißfilm. Die Kamera ist lichtdicht und die Scharfzeichnung des Grandagons ab Blende 8 selbst in den Ecken ausgezeichnet - und das obwohl ich den Bildwinkel deutlich überanstrengt habe. Dadurch daß die umgebaute Weltax ursprünglich als eine Stereokamera gedacht gewesen ist, liegt das Bildformat letztlich bei 57x128 mm. Für 6x12-Dias werde ich wohl einen speziellen Centerfilter besorgen müssen. Der passende Diaprojektor ist auch schon in Planung... :)

Marco Kröger


letzte Änderung: 10. Mai 2020