Exakta Panorama


zeissikonveb.de

zeissikonveb@web.de 

Exakta Panorama Reflex

Exakta Panorama Reflex


Abstract: This is a panorama camera based on the Exakta Varex featuring a picture size of 24x48mm (aspect ratio 1:2). In order to get a good wide angle effect I had the idea to apply shift lenses to cover this larger format. This allows me to use exceptionally short focal lengths and to get picture angles up to 100 degrees without losing the advantage of a reflex finder. So the panoramic picture can be composed on a large fresnel screen.

Exakta Panorama

Ein Seitenformat von 3:1, wie es oben bei der Panorama-Praktica angewendet wird, ist schon etwas Außergewöhnliches. In der Praxis ist es gar nicht so leicht, passende Motive dafür zu finden. Ich möchte daran erinnern, daß sich auch im Kino – obwohl seit den 50er Jahren anamorphotische Breitwandverfahren wie das Cinemascope zur Verfügung standen – stets auch die sogenannten Kasch-Verfahren erhalten haben, die mit moderateren Seitenverhältnissen von 1:1,66 oder 1:1,85 arbeiteten. Auch der klassische 70mm Film – wenn er nicht zusätzlich anamorphotisch verzerrt wird – arbeitet mit einem Seitenverhältnis von 1,2,2. Hierbei liegt die Größe des Projektions-Bildfensters bei etwa 22 x 48,5mm.


Mit dem Filmtransport von 10,66 Perforationslöchern pro Bild, wie ich ihn ursprünglich für meine Stereo-Exakta entwickelt habe, läßt sich nun problemlos eine Bildbreite von etwas über 48mm bei Beibehaltung der üblichen Kleinbild-Bildhöhe von 24mm erreichen. Es werden also nicht zwei quadratische Stereo-Teilbilder im Augenabstand belichtet, sondern ein einzelnes Bild mit einer entsprechend vergrößerten Breite. So etwas zu bauen hat natürlich nur dann einen Sinn, wenn es auch Objektive gibt, die den 10mm größeren Bildkreis dieses Formates abzudecken vermögen. Außerdem sollten diese Objektive einen möglichst großen Bildwinkel aufweisen, damit sich eine gute Breitbildwirkung einstellen kann.

Exakta Panorama
Exakta Panorama

Die initiale Idee, die den Bau dieser Panorama-Exakta letztlich ausgelöst hat, lag darin, daß sogenannte Shiftobjektive ein solchermaßen verbreitertes Bild auszuzeichnen vermögen. Das liegt daran, daß solche Objektive dezidiert dazu konstruiert werden, um mithilfe eines vergrößerten Bildkreises eine Verschiebung des Objektives senkrecht zur optischen Achse zu ermöglichen und damit ein Verkippen der ganzen Kamera vermeiden zu können. Über den Wert solcher Shiftobjektive kann man geteilter Auffassung sein. Sehr wertvoll ist aber dieser vergrößerte Bildkreis, der – anders als wenn man Mittelformatobjektive am Kleinbild verwendet – im Brennweitenbereich des Kleinbildes bleibt. Ein Shift mit 35, 28 oder gar 24mm Brennweite wäre eben schon am normalen Kleinbild 24x36mm ein Weitwinkel. Der erweiterte Bildkreis läßt sich also ganz und gar dazu nutzen, das Bild in die Breite auszudehnen, ohne daß der nötige Bildwinkel in der Bildhöhe fehlt. Das ist der Unterschied zur Verwendung von Mittelformatobjektiven am Kleinbild!

Ein zweiter großer Vorteil von Shiftobjektiven liegt auch darin, daß sie trotz der kurzen Brennweite eine lange Schnittweite haben. Das wiederum ist die Grundvoraussetzung dafür, eine Panoramakamera als einäugige Spiegelreflexkamera zu konstruieren. Nur diese Bauart ermöglicht, vor der Aufnahme genau zu sehen, was man photographiert um nicht mit irgendwelchen Aufstecksuchern arbeiten zu müssen. Es war also von vornherein klar,   daß unbedingt das Reflexprinzip und damit die Mattscheibenabbildung erhalten werden müsse. Dazu war es notwendig, die gesamte Kamera samt Schlitzverschluß um 12mm zu verbreitern, was nur durch Zusammenfügen zweier einzelner Gehäuse möglich war.

Exakta Panorama
Exakta Panorama
Exakta Panorama
Exakta Panorama

Um die hohen Bäume etwas stärker ins Bild zu setzen, wurde das 24mm Objektiv noch ein paar Millimeter nach oben geshiftet. Das ist deshalb möglich, weil das Bildformat der Exakta Panorama den maximalen Bildkreis dieses Spezialobjektivs von 58mm nicht vollkommen ausnutzt.

Brennweiten ab 100mm zeichnen auch das Panorama-Format ohne nennenswerten Lichtabfall bis in die Bildecken aus (Wiedergabe des vollen Bildfensters, Zuiko 2,8/100mm). Diese "Tele-Panoramen" haben übrigens ihren eigenen Reiz - man braucht nur genügend freies Feld zwischen Aufnahmestandpunkt und Motiv. Das Bild unten ist sogar mit einer Brennweite von 135mm gemacht worden. Bei Panoramaaufnahmen sind es also nicht immer nur die Superweitwinkel, die zum Erfolg führen. Gerade die Auswechselbarkeit der Objektive ist in diesem Sondergebiet der Photographie sehr erstrebenswert. Ohne Mattscheibenkontrolle ist man dann aber aufgeschmissen.

Das Paul-Löbe-Haus ist oben bereits gezeigt - abgelichtet mit der Praktica Panorama. Aufgrund des deutlich größeren Bildwinkels, den man mit Shiftobjektiven an der Exakta Panorama erreichen kann, ist es möglich, näher an die Gebäude heranzugehen. Hier zeigen sich die Grenzen des Konzeptes, Mittelformatobjektive  an Kleinbild-Panoramakameras zu benutzen. Es ist in der Praxis kaum möglich, unterhalb von 50mm oder vielleicht noch 40mm zu gelangen. Das sind aber Brennweiten, die beim klassischen Kleinbild als normal gelten. Die Weitwineklwirkung erstreckt sich dann also lediglich auf die  Bildbreite - in der Höhe geht es recht eng zu. Ein  Shiftobjektiv mit 35; 28 oder gar 24mm Brennweite ist eben auch bezogen auf die Bildhöhe des Kleinbildes ein echtes Weitwinkel.  Außerdem sind diese extrem aufwendigen Objektive so konstriert, daß die Schnittweite lang genug bleibt, um nicht auf den Spiegelreflexsucher verzichten zu müssen. 

Marco Kröger


letzte Änderung: 24. März 2020