Exakta Panorama

Die initiale Idee, die den Bau dieser Panorama-Exaktas letztlich ausgelöst hat, lag also darin, daß sogenannte Shiftobjektive ein solchermaßen verbreitertes Bild auszuzeichnen vermögen. Solche Objektive wurden nämlich dezidiert dazu konstruiert, um mithilfe eines vergrößerten Bildkreises eine Verschiebung des Objektives parallel zur optischen Achse zu ermöglichen und damit ein Verkippen der ganzen Kamera in bestimmten Aufnahmesituationen vermeiden zu können. Über den Wert solcher Shiftobjektive kann man geteilter Auffassung sein. Sehr wertvoll ist aber dieser vergrößerte Bildkreis, der – anders als wenn man Mittelformatobjektive am Kleinbild verwendet – im Brennweitenbereich des Kleinbildes bleibt. Ein Shift mit 35, 28 oder gar 24mm Brennweite wäre eben schon am normalen Kleinbild 24x36mm ein Weitwinkel. Der erweiterte Bildkreis läßt sich also ganz und gar dazu nutzen, das Bild in die Breite auszudehnen, ohne daß der nötige Bildwinkel in der Bildhöhe fehlt. Das ist der Unterschied zur Verwendung von Mittelformatobjektiven am Kleinbild!

Ein zweiter großer Vorteil von Shiftobjektiven liegt auch darin, daß sie trotz der kurzen Brennweite eine lange Schnittweite haben. Das wiederum ist die Grundvoraussetzung dafür, eine Panoramakamera als einäugige Spiegelreflexkamera zu konstruieren. Nur diese Bauart ermöglicht, vor der Aufnahme genau zu sehen, was man photographiert um nicht mit irgendwelchen Aufstecksuchern arbeiten zu müssen. Es war also von vornherein klar,   daß unbedingt das Reflexprinzip und damit die Mattscheibenabbildung erhalten werden müsse. Dazu war es notwendig, die gesamte Kamera samt Schlitzverschluß um 12mm zu verbreitern, was nur durch Zusammenfügen zweier einzelner Gehäuse möglich war.

Exakta Panorama
Exakta Panorama
Exakta Panorama
Exakta Panorama
Exakta Panorama
Exakta Panorama Reflex film gate
Exakta Rama

Um die hohen Bäume etwas stärker ins Bild zu setzen, wurde das 24mm Objektiv noch ein paar Millimeter nach oben geshiftet. Das ist deshalb möglich, weil das Bildformat der Exakta Panorama den maximalen Bildkreis dieses Spezialobjektivs von 58mm nicht vollkommen ausnutzt.

Brennweiten ab 100mm zeichnen auch das Panorama-Format ohne nennenswerten Lichtabfall bis in die Bildecken aus (Wiedergabe des vollen Bildfensters, Zuiko 2,8/100mm). Diese "Tele-Panoramen" haben übrigens ihren eigenen Reiz - man braucht nur genügend freies Feld zwischen Aufnahmestandpunkt und Motiv. Das Bild unten ist sogar mit einer Brennweite von 135mm gemacht worden. Bei Panoramaaufnahmen sind es also nicht immer nur die Superweitwinkel, die zum Erfolg führen. Gerade die Auswechselbarkeit der Objektive ist in diesem Sondergebiet der Photographie sehr erstrebenswert. Ohne Mattscheibenkontrolle ist man dann aber aufgeschmissen.

Das Paul-Löbe-Haus ist oben bereits gezeigt - abgelichtet mit der Praktica Panorama. Aufgrund des deutlich größeren Bildwinkels, den man mit Shiftobjektiven an der Exakta Panorama erreichen kann, ist es möglich, näher an die Gebäude heranzugehen. Hier zeigen sich die Grenzen des Konzeptes, Mittelformatobjektive  an Kleinbild-Panoramakameras zu benutzen. Es ist in der Praxis kaum möglich, unterhalb von 50mm oder vielleicht noch 40mm zu gelangen. Das sind aber Brennweiten, die beim klassischen Kleinbild als normal gelten. Die Weitwineklwirkung erstreckt sich dann also lediglich auf die  Bildbreite - in der Höhe geht es recht eng zu. Ein  Shiftobjektiv mit 35; 28 oder gar 24mm Brennweite ist eben auch bezogen auf die Bildhöhe des Kleinbildes ein echtes Weitwinkel.  Außerdem sind diese extrem aufwendigen Objektive so konstriert, daß die Schnittweite lang genug bleibt, um nicht auf den Spiegelreflexsucher verzichten zu müssen. 

Diese beiden Bilder sind mit der Exakta - Rama mit originalem Exaktabajonett entstanden. Oben mit dem Biometar 2,8/80 bei offener Blende, unten mit dem PA-Curtagon 35 mm bei Blende 5,6.

Diese beiden Aufnahmen wurden vom selben Standpunkt aus gemacht; oben mit dem Pa-Curtagon 4/35 mm, unten mit dem Zeiss Sonnar 4/135 mm. Heeresbekleidungsamt in Bernau.

Marco Kröger


letzte Änderung: 10. April 2021