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VEB Feinmeß Dresden

Bonotar 4,5/105mm

Dieses kleine Fernobjektiv sollte hier in dieser Zusammenstellung nicht fehlen, da es aufgrund seines niedrigen Preises von Vielen als das erstes Zusatzobjektiv zu ihrer Spiegelreflexausrüstung gekauft wurde. Ursprünglich war es als Normalobjektiv für 6x9cm Faltkameras geschaffen worden. Die Nachfrage nach diesen Kameras ging allerdings in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre allmählich zurück, weil sie schlicht aus der Mode gekommen waren. Daraufhin wurde das Bonotar auf der Frühjahrsmesse 1956 in einer einfachen Schneckengangfassung mit Normalblende vorgestellt (Vgl. Brauer, Eugen: Messe-Neuheiten; in: Bild und Ton 4/1956, S. 97.). Der damalige Preis ist mir nicht bekannt, aber dieses Objektiv dürfte damals für Jedermann erschwinglich gewesen sein. In dieser Form wurde es dann bis etwa 1960 geliefert. Der letzte Preis lag nach der großen, von oben angeordneten Senkung vom Mai 1960 bei 55,- Mark. Mag sein, daß dies der Punkt gewesen ist, ab dem sich die Herstellung nicht mehr gelohnt hat.

 

Angesichts der dreilinsigen Ausführung und des stets moderaten Preises könnte man eigentlich davon ausgehen, daß man qualitativ nicht allzu viel von diesem Objektiv zu erwarten habe. Dadurch aber, daß an einer Kleinbildkamera nur ein wesentlich kleinerer, zentral gelegener Bildteil ausgenutzt wird, und das Bonotar durch sorgfältige Konstruktionsarbeit generell ziemlich gut auskorrigiert ist, entpuppt sich dieses Triplet als erstaunlich leistungsfähig. Es dürfte dem Objektiv auch zugutegekommen sein, daß es als Kleinbildobjektiv nicht durch die Verstellung der Frontlinse, sondern durch Schneckengang fokussiert wird. Frontlinsenfokussierung ist aus Sicht des Kamerakonstrukteurs eine tolle Sache, aus Sicht des Optikers aber immer ein zwiespältiger Kompromiß, denn er hat seinem Objektiv wohldefinierte Linsenabstände mitgegeben, auf deren Basis die Gesamtkorrektur des System aufgebaut ist. Wird einer dieser Abstände zum Zwecke einer mechanisch sehr einfach gehaltenen Scharfstellung angetastet, so wirkt sich das stets als mehr oder minder tiefgreifende Qualitätseinbuße aus.

 

Somit wurden Besitzer dieses Bonotars nur deshalb manchmal ein wenig belächelt, weil sie angesichts der begrenzten Lichstärke mit ihrem 16 DIN Agfacolor Umkehrfilm bei schlechten Lichtverhältnissen öfters mal auf eine Aufnahme verzichten mußten - nicht aber, weil es sich beim Bonotar grundsätzlich um ein minderwertiges Objektiv gehandelt hätte.

Feinmess Bonotar
Bonotar Junior Verschluß
Bonotar Kontrollschein

Links der "Kontrollschein" für ein Kleinbild-Bonorar Nr. 2427 vom 5. Oktober 1956. Rechts ein Werbeartikel für das Bonotar, Bild und Ton Heft 4/1957