zeissikonveb.de

zeissikonveb@web.de

Zeiss OPREMA

Carl Zeiss Jena 1960er

OPREMA - Inbegriff eines Technologieschubs

Das Flektogon 2,8/35mm, das nach der Neuberechnung von 1953 erstmals in größeren Stückzahlen gefertigt wurde, bildete für Carl Zeiss Jena den Anschluß an die moderne Objektiventwicklung. Gleichzeitig wurde mit diesem Objektiv aber auch klar, wie stark man mit der bis dahin vorherrschenden Methodik, Objektive zu berechnen, an die Grenzen der Machbarkeit gelangt war. Für das sechslinsige Flektogon artete beispielsweise eine einzige Durchrechnung für drei Farben in etlichen tausend einzelnen Rechenoperationen aus, die von mehreren Dutzend Beschäftigten in ziemlich stupider Weise an mechanischen Rechenmaschinen vorgenommen werden mußten. Es war abzusehen, daß zukünftige Objektive immer komplizierter aufgebaut sein werden und die Rechenarbeit daher mit den bisherigen Methoden nicht mehr zu schaffen sein würde. Aus diesem Grunde wurde seit 1954 an einem der ersten Industrierechner auf deutschen Boden gearbeitet. Die „Optikrechenmaschine OPREMA“ konnte Ende des Jahres 1954 fertiggestellt und im darauffolgenden Jahr ausgiebig erprobt werden. Mit 17000 Relais, 500km Kabel und der Fläche eines größeren Einfamilienhauses erreichte man eine Taktfrequenz von gerade einmal 100 Hertz. Und trotzdem war dieses Monstrum ein ungeahnter Fortschritt, denn die Optikrechenmaschine OPREMA vermochte es, komplexe Objektivberechnungen automatisiert und fehlerfrei binnen Milisekunden durchzuführen und dabei 120 Optikrechner von dieser stupiden Arbeit zu befreien. Letztere hätten Tage oder gar Wochen für dieselbe Arbeitsleistung gebraucht und es bestand stets die allzu menschliche Gefahr, daß sich der Fehlerteufel einschleicht. Die OPREMA ermüdete nicht und es stellte sich auch heraus, daß sie fehlerfrei arbeitete. Sie war nämlich aus zwei gleichartigen Rechnern aufgebaut, die eigentlich zur Fehlerkontrolle parallel laufen sollten. Als man aber sicher gehen konnte, daß dies nicht notwendig war, trennte man die beiden Anlagen und hatte so die doppelte Rechenleistung zur Verfügung.

In einem Aufsatz in der Jenaer Rundschau vom Februar 1956 berichtet der Chef der Abteilung Photo, Prof. Harry Zöllner, davon, daß ihm diese OPREMA seit einem Jahr für die Entwicklung von photographischen Objektiven zur Verfügung steht. In der darauffolgenden Zeit entstehen im Zeisswerk eine handvoll Objektivkonstruktionen, deren Eigenschaften mit den bis dahin zur Verfügung stehenden Methoden im Traum nicht denkbar gewesen wären. Vor allem im Weitwinkelbereich ist ein erstaunlicher Technologieschub zu verzeichnen gewesen. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit lassen den VEB Carl Zeiss JENA, der noch zehn Jahre zuvor in Trümmern gelegen hatte und anschließend bis auf die letzte Maschine demontiert worden war, während der 1960er Jahre wieder zu einem der weltweit führenden Hersteller photographischer Objektiv emporsteigen.

 

Literatur:

 

Hellmuth/Mühlfriedel: Carl Zeiss Jena 1945-1990, 2004, S. 175f.

Kämmerer/Kortum: Oprema, die programmgesteuerte Zwillingsrechenanlage des VEB Carl Zeiss Jena; Feingerätetechnik 3/1955, S 103ff.

Zöllner: Das Foto-Objektiv in Praxis, Entwicklung und Fertigung, Jenaer Rundschau, 2/56, S. 36ff.

Zeiss Oprema
Zeiss Oprema Computer

Flektogon 4/25mm

Dieses Weitwinkelobjektiv ist zweifellos eines jener „OPREMA-Objektive“. Die Arbeiten lassen sich bis auf das Jahr 1956 zurückverfolgen, wo vom 22. Dezember eine DDR-Patentanmeldung von Wolf Dannberg unter der Nummer 17.177 vorliegt. Die Linsenlage 2 dieser Schutzschrift stimmt schon ziemlich gut mit dem später praktisch ausgeführten Objektiv überein. Der wesentliche Teil ist der vordere, der aus zwei zerstreuend wirkenden Menisken aufgebaut ist, die eine Sammellinse einschließen. Mit dieser Anordnung hat Dannberg es erreicht, die stark tonnenförmige Verzeichnung eines solchen Retrofokusobjektivs in den Griff zu bekommen, denn der Betrag der Distorsion läßt sich über die Durchbiegung der eingeschlossenen, Sammellinse steuern. Auch ist laut Patentschrift der vordere Systemteil wesentlich für die Korrektur des Astigmatismus und der Bildfeldwölbung verantwortlich, sodaß für den hinteren Systemteil ein vergleichsweise einfacher, dreigliedriger Aufbau genüge. Damit wird aber auch klar, weshalb dieses Objektiv mit 82 Grad Bildwinkel erst mithilfe der neuen Rechentechnik verwirklicht werden konnte, denn die Optimierung des Vordergliedes zur gleichzeitigen Beseitigung dieser drei oben genannten Bildfehler dürfte sehr viel an Rechenaufwand bedürft haben.

 

Bemerkenswert dabei ist, daß vom selben Konstrukteur bereits aus dem Jahr 1955 eine Patentanmeldung vorliegt, die als Grundlage für das spätere Flektogon 25mm angesehen werden kann [DDR-Patent Nr. 23.457 vom 22. Juni 1955]. Dannberg arbeitete nämlich ursprünglich an afokalen Weitwinkelvorsätzen, um die Brennweite bestehender photographischer Objektive verkürzen zu können. Da in solchen Spezialfällen der Ort der Blende im Grundobjektiv feststeht, muß der Vorsatz gezielt auf die Behebung der Verzeichnung korrigiert sein, da diese ansonsten unerträgliche tonnenförmige Ausmaße annehmen würde. Aus dieser Schutzschrift kann man zwischen den Zeilen herauslesen, daß es ursprünglich um vorsetzbare Amorphoten für das Breitwandkino ging. Diese haben die spezielle Eigenschaft, daß sich ihre brennweitenverkürzende, bildwinkelvergrößernde Wirkung nur in einer Richtung, nämlich der horizontalen, erstreckt. Dazu werden statt den üblichen sphärischen spezielle zylindrisch geschliffene Linsen eingesetzt. Mit der Linsenlage Nr. 3 dieser Patentschrift ist aber bereits angedeutet, wie auf dieser Idee basierend ein komplettes Weitwinkelobjektiv mit langer Schnittweite gebildet werden könne.

Links die Schnittzeichnung des ersten Gesamtobjektivs aus dem Patent von 1955, rechts diejenige aus dem Patent von 1956. Im Vergleich zu dem tatsächlichen Aufbau des fertigen Objektivs, der unten dargestellt ist, zeigt sich, daß die Formgebung der Frontgruppe (und damit die Idee zur Fehlerkorrektur) bereits seit 1955 festlag.

Bedenkt man, daß der letztendliche Konstruktionsabschluß für das Flektogon 4/25mm auf den 22. April 1958 datiert ist, dann bedeutet das also nicht weniger als drei Jahre Entwicklungsarbeit. Ein Weitwinkelobjektiv mit über 80 Grad diagonalem Bildwinkel, einer Schnittweite, die etwa 15mm länger ist als die Brennweite und einer für die damaligen Zeit respektablen Lichtstärke von 1:4,0 war also offenbar eine große Herausforderung für den Konstrukteur. Es handelte sich ja schließlich auch um Pionierarbeit, denn solche Retrofokuskonstruktionen galten zu jener Zeit noch als absolutes Neuland. Die Serienproduktion des Flektogon wurde sogar erst im September 1959 aufgenommen, nachdem die neue Mechanik für die vollautomatische Springblende zur Verfügung stand. Erstmals gezeigt wurde das fertige Objektiv dann auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1960. Es war die letzte Neuerscheinung für die Praktina IIA, deren Produktion zwei Monate später eingestellt wurde. Versionen in Exakta Fassung und M42 folgten rasch.

Jena Flektogon 4/25 scheme
Flektogon 4/25mm
Flektogon Exakta

Das Flektogon 4/25mm ist aus heutiger Sicht was Baugröße und Lichtstärke betrifft natürlich völlig überholt. Trotzdem begeistert immernoch die erstaunlich gute Bildleistung dieses frühen Superweitwinkels. Im Park des Schlosses Königs Wusterhausen mußte aufgrund des dichten Laubwerkes bei voll auffgeblendetem Objektive photographiert werden. Und will der Schwarzweiß-Photograph die Farbkontraste gesteigert wiedergeben, dann muß er die entsprechenden Filter in der überbauten Fassung benutzen, die von Anrz bzw. Zeiss Jena unter der bezeichnung M77W geliefert wurden.

Flektogon 4/20mm

Mit dem 25er Flektogon hatte Zeiss Jena 1960 den Anschluß an den Trend gefunden. Mit Objektiven wie dem Angenieux Retrofocus R61 3,5/24mm oder dem Isco Westrogon 4/24mm standen aber bereits Konkurrenzerzeugnisse zur Verfügung, die einen noch größeren Bildwinkel boten. Bei Zeiss Jena arbeitete daher Wolf Dannberg zusammen mit Eberhard Dietzsch an einem Retrofokusobjektiv, dessen Bildwinkel die 90° Marke übertreffen sollte. Das bedeutete aber, daß die Schnittweite eines solchen Objektives fast doppelt so lang sein mußte, wie die avisierten 20mm Brennweite. Das konnte nur dadurch erreicht werden, daß einem Grundobjektiv eine ziemlich stark zerstreuende Gruppe vorangestellt wurde, die angesichts des großen Bildwinkels einen entsprechend großen Durchmesser aufweisen mußte. Außerdem war es notwendig, den dingseitig sehr aufgeweiteten Strahlengang stark einzuschnüren, damit das Grundobjektiv im Durchmesser klein gehalten werden konnte. Diese Aufgabe erledigt das Kittglied zwischen Frontgruppe und Grundobjektiv. Es besitzt selbst kaum Brechkraft, aber die Kittfläche wirkt sich zusätzlich sehr positiv auf die Bildfehlerkorrektur aus. Als große Leistung ist auch anzuerkennen, daß das Gesamtobjektiv durch starke Verkittung bei zehn Linsen nur zwölf Glas-Luft-Grenzflächen aufzuweisen hat. Das war zu Zeiten einschichtiger Vergütungen ein großer Vorteil im Hinblick auf Reflexfreiheit und Transmission. Auch hat sich die Baugröße gegenüber dem Flektogon 25mm nicht verändert, sodaß das 20mm quasi in derselben Fassung platzfand.

Jena Flektogon 4/20mm
Flektogon 4/20mm scheme

Das Flektogon 4/20mm war eine Meisterleistung, die von manch namhaften japanischen Hersteller erst Anfang der 70er Jahre eingeholt wurde. Die erste Rechnung für das Flektogon lag zwar bereits im Oktober 1961 vor, es wurde aber erst auf der Frühjahrsmesse 1963 vorgestellt und ab Sommer 1963 in größeren Stückzahlen produziert. Patentiert wurde es am 19. Februar 1963 unter der Nummer 30.477. Im November 1964 wurde es neu berechnet (Seriennummern über 7.206.500). Das Flektogon 4/20 wurde noch bis etwa 1978 hergestellt, kurzzeitig sogar parallel zum Nachfolger 2,8/20. Es war mit 487,- Mark für die damalige Zeit ein teurer Spaß.

Flektogon 4/50mm

Ein weiter Vertreter dieser „Weitwinkelzeit“ der frühen 1960er Jahre ist noch das Flektogon 4/50. Hier stand mit 75° kein übermäßiger Bildwinkel im Vordergrund, sondern die Tatsache, daß das Mittelformat 6x6 ausgezeichnet werden sollte. Dieses Objektiv war mit 364,- Mark zwar nicht gerade billig, aber im Vergleich zu dem was (später) ähnliche Objektive anderer Hersteller gekostet haben, sogar für den Amateur bezahlbar. Auch diese Konstruktion stammt von Wolf Dannberg in Zusammenarbeit mit Eberhard Dietzsch und ist im DDR-Patent Nr. 23.869 vom 8. März 1960 geschützt. Die tatsächliche Konstruktion weicht aber (wie das meist der Fall ist) ein wenig von der Linsenlage im Schutzrecht ab. Das Flektogon wurde zwar schon im März 1958 gerechnet, kam aber erst zwei Jahre später auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1960 gemeinsam mit dem Flektogon 4/25 auf den Markt. Es wurde in der Anfangszeit in vergleichsweise geringen Stückzahlen gefertigt. Erst nachdem es im Mai 1966 neu gerechnet wurde, setzte die große Massenproduktion ein, die bis in den Sommer 1990 fortgesetzt worden ist. Insgesamt haben wir es mit dem Flektogon 4/50 wohl mit einem der erfolgreichsten Wechselobjektive für Mittelformatkameras überhaupt zu tun. Übrigens scheint die erste Variante thoriumhaltige Glassorten zu enthalten, die bei Dunkellagerung die bekannte Neigung zur Vergilbung aufweisen. Die neugerechnete Version nach 1966 (Seriennummer größer 7.281.500) ist frei von dieser Erscheinung.

 

Und noch eine Sache, die oft gefragt wird: Bei vielen Flektogonen 4/50 sieht man weiße Pünktchen, wenn man von vorn ins Objektiv schaut. Es sei versichert, daß es sich hierbei um keinen Verkittungsschaden handelt. Es hat sich lediglich der schwarze Lack gelöst, der auf die mattierte Schrägfläche der Kittgruppe aufgebracht ist. Eine Beeinträchtigung der Abbilddungsleistung ist dadurch nicht zu befürchten - es handelt sich allenfalls um einen Schönheitsfehler. Wer es sich zutraut, kann ihn übrigens dadurch beseitigen, daß er die Frontgruppe ausbaut, den alten Lack entfernt (meist reicht schon ein Kratzen mit dem Fingernagel) und die betreffenden Stellen neu lackiert. Aber noch einmal: Technisch notwendig ist das nicht.

Flektogon 4/50mm
Flektogon 4/50 scheme

Oben die Bögen der Göltzschtalbrücke mit dem 50er Flektogon an der Praktisix. Unten noch einmal die drei bemerkenswerten Weitwinkel der Jahre um 1960 in ihren schönsten Fassungen.

Flektogone

 

Sonnare 180 und 300mm

Diese Objektive wurden bereits in der Sektion der 1950er Jahre beschrieben. Sie wurden 1959 bzw. 1963 neu gerechnet, um sie für das Mittelformat 6x6 zu ertüchtigen und damit eine Nutzung an der seinerzeit international führenden Mittelformatspiegelreflexkamera Praktisix zu ermöglichen. Die Neuberechnung hängt aber auch mit der Einführung der Vollautomatischen Springblende zusammen. Es fällt nämlich auf, daß die meisten älteren Systeme einer Neurechnung unterzogen wurden, als ihre Fassungen auf Automatikblende umgestellt werden sollten. Grund dafür ist ein Abbildungsfehler namens Blendendifferenz, der bei guten Springblendenobjektiven auch gut korrigiert sein muß. Man versteht darunter die Eigenheit mancher Konstruktionen, daß sich die Ebene der stärksten Einschnürung des bildseitigen Strahlenganges (wo also die "Punktschärfe" liegt) längs der optischen Achse verschiebt, sobald man die Blendenöffnung verändert. Das ist im Prinzip eine direkte Folge des Kugelgestaltsfehlers optischer Systeme (sphärische Aberration) und der Tatsache, daß dieser Kugelgestaltsfehler durch bloßes Abblenden stark gemildert werden kann. Bei Springblendenobjektiven kann man über diese Verschiebung der Schärfe aber nicht mehr hinwegsehen, weil jene prinzipiell und ausschließlich bei offener Blende scharfgestellt werden. Photographiert wird aber fast immer mit einem mehr oder weniger abgeblendeten Objektiv, wodurch nun quasi stets und zwangsläufig bei jeder Aufnahme Blendendifferenz auftritt. Das konnte natürlich bei hochentwickelten Kamerasystemen nicht mehr geduldet werden und so erforderte die Umarbeitung der Blendenmechanik von Normal- auf Automatikblende auch ein Überarbeiten der optischen Konstruktion. Beispielsweise ist überliefert, daß einer der Gründe dafür, weshalb Prof. Zöllner nach Erscheinen der Praktisix das Tessar 2,8/80mm so rasch wie möglich durch das neue Biometar ablösen wollte, darin gelegen hat, daß ersteres erheblich mit Blendendifferenz behaftet gewesen ist. Beim vierlinsigen Tessar war keine weitere Optimierung mehr möglich; bei anderen Objektiven, die auf Springblende umgerüstet wurden, kann man aber davon ausgehen, daß im Zuge der Neuberechnung besonderes Augenmerk auf eine verbesserte Behebung der Blendendifferenz gelegt wurde.

Sonnar 180 Zebra
Sonnar 300 Zebra

Die Umstellung auf die Springblende ging bei diesen beiden Sonnaren mit einer Umstellung auf das Schraubbajonett der Praktisix einher. Dies bot die prinzipielle Möglichkeit, das jeweilige Objektiv über einen Adapter an verschiedene Kleinbildkameras anzuschließen. Als diese Konzeption erarbeitet wurde, waren das Praktina Bajonett und die Exakta die führenden Systeme. Bei diesen beiden Anschlüssen war es möglich, die BLENDENVOLLAUTOMATIK der Sonnare aufrechtzuerhalten. Schon während der Einführung dieser beiden Sonnare schied aber die Praktina IIA wegen Einstellung der Produktion aus und die Exakta verlor nach und nach an Bedeutung. Also war es das M42-Gewinde, das nun den Dresdner Kamerabau dominierte, ohne daß man sich bei Pentacon wirklich bewußt für diese damals schon veraltete Gewinde-Lösung entschieden hätte. M42 war um 1970 von den besagten drei Anschlüssen schlicht und ergreifend derjenige, der übrig geblieben war.

 

Was den Adapter von Praktisix auf M42 betrifft, wurde nun allerdings gerade bei diesem Anschluß leider keine Vollautomatik erreicht, sondern die Blende mußte nach dem Auslösen immer manuell geöffnet werden. Das war an sich schon ungünstig, wurde aber noch problematischer, als mit der PRAKTICAmat die Innenlichtmessung bei Arbeitsblende eingeführt wurde. Nun sprang bei jeder Belichtungsmessung die Blende zu und mußte dann wieder manuell geöffnet werden, um scharfstellen zu können. Das war äußerst unpraktisch, wurde aber im Prinzip 20 Jahre lang so gebaut, weil man 1959 nun einmal (unbewußt) diese Richtungsentscheidung getroffen hatte. Eine gewisse Erleichterung brachte die Blendenelektrik, die ja ein Abblenden des Objektives zur Messung unnötig machte. Dafür mußten aber nun aber wiederum mechanische Einrichtungen geschaffen werden, um die Stellung des Blendenrings an den Adapter weiterzugeben, der das Potentiometer für die Blendenelektrik enthielt. Das verkomplizierte das System unnötig, ohne daß man grundsätzlich die nur halbautomatische Springblende in eine vollautomatische umwandeln konnte. Nur das Zuspringen der Blende bei jeder Messung wurde dadurch eliminiert. Aus diesem Grunde wurde in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre beispielsweise mit dem Sonnar 2,8/200 und dem Prakticar 4/300 nun wieder vom Konzept der Adapter abgegangen und eigens zu den jeweiligen Systemen kompatible Objektive entwickelt.

 

Diese ganze Entwicklung konnte man freilich 1959 noch nicht absehen. Die Richtungsentscheidungen, die man damals in Dresden und Jena getroffen hatte, deuten darauf hin, daß ursprünglich das Schraubbajonett der Praktina IIA als zukünftiger Standard vorgesehen war. Die Objektivanschlüsse der Praktina und Praktisix waren - vom unterschiedlichen Auflagemaß und dem Bajonettdurchmesser abgesehen - voll kompatibel zueinander, sodaß der dazugehörige Adapter quasi nur eine mechanische Verlängerung darstellte. Mit der Einstellung der schwer verkäuflichen Praktina ein Jahr später war diese Ideallösung allerdings gestorben und der Dresdner Kamerabau hatte sich dadurch gewissermaßen unbeabsichtigt eine Konzentration auf das problematische M42-Gewinde auferlegt. Das sollte sich später noch als eine große Bürde herausstellen.

Selten anzutreffen ist diese Kombination des Olympiasonnars mit einem Adapter zur Aufrechterhaltung der automatischen Springblende an der Praktina IIA. Das liegt daran, daß die Serienfertigung des Springblenden-Sonnars erst im September 1962 anlief, währenddessen die Produktion der Praktina schon im Mai 1960 eingestellt worden war. Und weil einer der Gründe für das Aufgeben der Praktina-Reihe darin lag, daß man unbedingt die Bevorratung mit Objektiven ihres Anschlusses los haben wollte, wurden Wechselobjektive für die Praktina während der 1960er Jahre auch nur noch sporadisch ausgestoßen. Bei diesem Exemplar handelt es sich übrigens um die erste Version des Springblenden-Sonnars 180mm, das sich noch durch eine kürzeste Einstellentfernung von 2,2m auszeichnet. Unten die für die damalige Zeit (1962!) hochmodern gefertigten Fassungsteile. Man beachte den kugelgelagerten Blendenkäfig. Diese aufwendige Konstruktion war notwendig, um trotz der massereichen Blendenmechanik die Blendenschließzeit von etwa 25 Millisekunden zu gewährleisten.

Zusammen mit der Springblende wurde außerdem bei vielen damaligen Objektiven sukzessive der extrasteile Schneckengang und eine automatische Blendenkorrektur eingeführt. Letztere sorgte dafür, daß beim beim Naheinstellen der durch den verlängerten Auszug bedingte Lichtverlust automatisch durch eine Öffnung der Blende ausgeglichen wurde. Das war eine praktische Angelegenheit, die besonders beim Flektogon 2,8/35mm und dem Sonnar 3,5/135mm mit ihren langen Schneckengängen eine sinnvolle Wirkung hatte, weil bei diesen der Verlängerungsfaktor nicht mehr vernachlässigt werden kann. Zum Patent angemeldet wurde diese Idee am 17. Oktober 1960 (DDR-Patent 29.092). Helmut Scharffenberg, Rudolf Paul und Hermann Friebe waren die Erfinder. Grundlage war der schräg verlaufende Schlitz der Blendenführung (Teil 7), die unten anhand der Zeichnung und rechts am praktischen Beispiel dargestellt ist. Diese damals sehr sinnvolle Einrichtung wurde aber rasch obsolet, als in der zweiten Hälfte der 60er Jahre die Innenlichtmessung zum Standard wurde, die diesen Lichtverlust nun automatisch berücksichtigte.

DD29092

Den extrasteilen Schneckenhang hatte das 180er Springblendensonnar übrigens nicht von Anfang an. Ursprünglich lag die Naheinstellgrenze bei 2,2m und wurde ab der Zebra-Version auf 1,7m verkürzt. Das 300er gab es aber von Anfang an nur in der letztgenannten Version. Für die Pentacon Super wurden sogar einzelne Stücke dieser beiden Sonnare herausgebracht, bei denen ein zusätzlicher Stößel den eingestellten Blendenwert an diese speziell dafür eingerichtete Kamera übermittelte. Das war insgesamt alles sehr modern und international wirklich tonangebend. Insbesondere das 180er Sonnar mit seinem steilen Schneckengang und der dadurch springenden Scharfstellung ist auch heute noch ein begehrenswertes Objektiv für die Pentacon Six. Von der Bildleistung ganz zu schweigen. Unter Umständen muß heute nur einmal der Schneckengang mit einem modernen, synthetischen Fett neu geschmiert werden. Die Originalschmiermittel sind nach 40...50 Jahren meist verbraucht. Wie sowas aussieht, das kann man sich in der Reparatur-Sektion einmal ansschauen. Das Sonnar 180mm kostete 652,80 Mark für die Praktisix, 734,80 Mark für M42 und Exakta (mit zusätzlichem Adapter) und 747,80 Mark für die Pentacon Super.

Pancolar 1,4/55mm

Ich kann rückblickend nur vermuten, daß in der DDR Photoindustrie zwei…drei Jahre nach Einstellung der Praktina IIa die Erkenntnis reifte, daß man sich quasi aus dem Marktsegment der professionellen Kleinbild-Systemreflexkamera verabschiedet hatte, als jenes gerade erst so richtig durchstartete. Man hat im Frühjahr 1960 wohl gemeint, die sich noch gut verkaufende Exakta Varex sei professionell genug. Angesichts neuer Kameras wie einer Nikon F oder einer Topcon RE war die 25 Jahre alte Konstruktion der Exakta nun aber hoffnungslos veraltet und im Prinzip nicht weiterentwicklungsfähig. Offensichtlich war ein Wille da, den Dresdner Kamerabau wieder in das Segment der Profispiegelreflex zurückzubringen. Das kann man auch daran ablesen, daß seit Anfang der 1960er an einem Lamellenverschluß gearbeitet wurde, der als Kernstück für die neue Kamera gedacht war (siehe unter der Rubrik „Technik-Seiten“). In Hinblick auf die Photooptik ist die Konstruktion des Pancolars 1,4/55mm im August 1963 als Normalobjektiv für diese neue Profikamera ein Indiz. Ein derart aufwendiges Normalobjektiv war – so viel kann man von vornherein sagen – nicht für die Amateurkamera Praktica gedacht. Dazu war es mit 547,- Mark auch viel zu teuer. Ein 1,4er für die Praktica gab es erst anderthalb Jahrzehnte später, als man wirklich nicht mehr drum herum kam. Bei diesem Objektiv und dem verwandten Pancolar 1,4/75mm hat sich die Abteilung Photo des Zeisswerks Jena noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Das Biotar wurde durch Hinzufügen zusätzlicher Elemente und Auflösen der Kittgruppen in einzelne Glieder weiterentwickelt. Die Variante mit 75mm enthielt nun gar keine Verkittungen mehr (Linsenschnitt unten rechts). Letzteres wurde sogar im DDR-Schutzrecht Nummer 48.055 vom 9. September 1964 verankert. Hier werden Harald Maenz und Rudolf Wanke als Urheber genannt. Das Pancolar 1,4/75mm hätte laut Listenpreis übrigens 515,- Mark gekostet, falls man es je in einem DDR-Geschäft angetroffen hätte.

Pancolar 1,4/55mm
Pancolar 1,4/75mm
Pancolar 1,4/55mm

Doch das wird kaum der Fall gewesen sein. Diese beiden Hochleistungsobjektive müssen leider zutiefst zwiespältig beurteilt werden. Einerseits bewies der VEB Carl Zeiss Jena Anfang der 60er Jahre, daß er durch Einführung neuer Meß- und Prüfmethoden an der Spitze der Objektivfertigung der Welt stand. Im gleichen Atemzug sind diese beiden Pancolare aber Ausdruck für einen einsetzenden Wandel, durch den die einstmals in vielen Bereichen fast konkurrenzlose DDR-Photoindustrie zu nicht mehr als einem der vielen Mitbewerber auf dem internationalen Markt degradiert wurde. Das wird durch folgenden Umstand deutlich: Beide Objektive wurden serienmäßig mit der mechanischen Offenblendenübertragung für die Pentacon Super ausgeliefert. Sie waren also für diese Kamera gedacht, auch wenn sie bei abgeschalteter Offenblendenmessung auch an anderen M42-Kameras nutzbar waren (siehe Bild oben). Und genau an diesem Punkt werden erste Anzeichen eines Dilemmas sichtbar. Beide Objektive wurden nur in geringen Stückzahlen gefertigt (das 55mm etwa 5000 mal, das 75er maximal 500 mal). Das lag daran, daß sich die Pentacon Super zum Verkaufsflop entwickelte. Als diese Kamera 1968 endlich ausgeliefert wurde, da brauchte sie niemand mehr. Die Pressephotographen des Nichtsozialistischen Auslandes hatten längst eine Nikon-F- Ausrüstung. Ich glaube das war der Punkt, an dem Carl Zeiss Jena langsam das Interesse am Photoobjektivbau zu verlieren begann. Zum einen wandelte sich das Kombinat zu dieser Zeit immer mehr zum Hightech-Zentrum der DDR-Industrie, bei dem die traditionellen Zweige wie Mikroskop- oder eben Objektivbau langsam in den Hintergrund traten. Zum anderen hatte es seit Beginn der 1960er Jahre für den Jenaer Objektivbau einige Enttäuschungen gegeben. Man hatte mit viel Aufwand neue Objektive für neue Kameras errechnet, die anschließend vom internationalen Markt ignoriert wurden. Um es hier noch einmal deutlich zu sagen: Zeiss Jena Objektive waren vorrangig dazu gedacht, im NSW verkauft zu werden und Devisen einzubringen. Die Befriedigung der Inlandsnachfrage hatte dahinter zurückzutreten. Seit dem Ende der 1960er Jahre zeichnete sich ab, daß in diesem Bereich langsam umgedacht werden mußte.

Cardinar 2,8/85mm

Das Symptom, Entwicklungskapazitäten für Kamera-Flops verbraten zu haben, läßt sich auch an diesem Zeissobjektiv ablesen. Es wurde für die Pentina geschaffen – eine Kleinbildspiegelreflexkamera mit Zentralverschluß. Diese Kamera ging noch auf ein Projekt der alten Zeiss Ikon zurück und hing nach der Zusammenlegung der Entwicklungsabteilungen wie ein Klotz am Bein der Kamerawerke. Mit viel Aufwand hatte man die Kamera zuendeentwickelt und mit ebenso viel Aufwand hatten Meyer-Optik und Zeiss drei Wechselobjektive geschaffen. Diese mußten aufgrund des engen Durchlasses des Zentralverschlusses ganz spezielle Vorgaben erfüllen. Das Cardinar 2,8/85mm ist angesichts der zu überwindenden optischen Klippen ein wirklich hochwertiges Portraitobjektiv. Doch nur 3000 Stück ließen sich absetzen. Ob sich damit überhaupt die Entwicklungskosten wieder einspielen ließen, möchte ich mal dahingestellt lassen. Geld verdient hat man damit jedenfalls nicht, und Devisen schon gar nicht. Mit den Objektiven für die Schmalfilmspiegelreflexkamera Pentaflex 8 lassen sich noch weitere Beispiele für solche Flops finden. Sie waren mit speziellen Anpassungen für einen speziellen Kameratyp geschaffen worden. Damit schied eine „Umnutzung“ an einem anderen System aus. Ich kann nur Vermuten, daß die Abteilung Photo des Zeisswerks in den 60er Jahren auf einigen Entwicklungskosten sitzengeblieben ist. Anhand der nachfolgenden Entscheidungen kann man zum Schluß kommen, daß von nun an mit spitzerem Bleistift gerechnet worden ist. Zum Beispiel wurde 1965 zwar das 135er Sonnar in der Lichtstärke auf 1:3,5 gesteigert, für das offenbar bereits im Niedergang befindliche Exaktabajonett blieb es aber bei der alten Lichtstärke von 1:4,0. Auch die Zahl der echten Neuentwicklungen ging nun in den 70er Jahren deutlich zurück.

Cardinar 2,8/85mm
Cardinar 2,8/85mm scheme

Cardinar 4/100mm

 

 

Auf derselben Frühjahrsmesse 1960 wurde neben dem Cardinar 85mm für die Pentina auch das Cardinar 4/100mm für die Werra vorgestellt. Dieses "Erscheinungsdatum" ist insofern ein wenig irreführend, da Egon Brauer bereits zur Herbstmesse 1957 zusammen mit der neuen Werra III von einem "neu errechnete[n] Typ 1:3,5, f = 100mm" berichtete [Bild & Ton 10/57, S. 270]. Hierbei muß es sich um einen Prototypen gehandelt haben. Das letztlich produzierte Cardinar hat als Abschlußdatum der Konstruktion den 14. Juni 1958. Im Messebericht der "Bild & Ton" vom März 1960 (also VOR der Messe) war noch von einem namenlosen Teleobjektiv die Rede. Offenbar zögerte man, die beiden neuen Teleobjektive 2,8/85 und 4/100 unter dem Markennamen "Sonnar" auf den Markt zu bringen, obwohl es sich durchaus um echte Sonnartypen handelte. Zeiss Jena war im damaligen Rechtsstreit mit Zeiss Oberkochen derart verunsichert, daß man begann, neue Objektivnamen zu kreieren.

Besser informiert über die letztliche Namensgebung war aber der Schöpfer dieses Objektivs Erich Fincke, der zusammen mit seinem Kollegen Wolf Dannberg einen längeren Aufsatz zu "Neuen Zeiss-Foto-Objektiven aus Jena" in der "Fotografie" veröffentlichte [Heft 3/1960, S. 83f.] Dannberg stellte sein neues Flektogon 4/25 vor, Fincke seine Cardinare. Hier beschrieb Fincke die hauptsächlichen Konstruktionsprobleme, die bei diesen beiden Objektiven gelöst werden mußten, um sie dezidiert für den Einsatz an Zentralverschlußkameras einsatzfähig zu machen. Da sie ja nicht eingebaut, sondern als Wechselobjektive VOR den Verschluß gesetzt werden sollten, drehte sich die hauptsächliche Schwierigkeit um die Festlegung des sogenannten Blendenorts. Diese in diesem Zusammenhang stehenden Konstruktionsschwierigkeiten hat Fincke zusammen mit Prof. Zöllner in einer Patentschrift zum Cardinar 4/100 näher ausgeführt, die ich erst kürzlich aufgetan habe [DDR Nr. 23651 vom 17. November 1958]. Um Vignettierungen zu vermeiden, muß die Blende des Wechselobjektivs so nah wie möglich an die Verschlußlamellen herangeführt werden, genau so, wie man das vom fest in den Zentralverschluß eingebauten Objektiv kennt. Sonst würde schlicht keine gleichmäßige und gleichzeitige Belichtung des gesamten Bildfeldes erfolgen während der Zeit, in der sich die Lamellen des Verschlusses öffnen und schließen. Dieses Verlegen der Blende weit nach hinten bei gleichzeitiger Verkürzung der Schnittweite, damit die Hinterlinse so nah wie möglich an den Verschluß rückt, waren die hauptsächlichen Konstruktionsprobleme, die Zöllner und Fincke zu lösen hatten. Erfüllt wurden diese Forderungen erfindungsgemäß dadurch, daß die Hinterlinse als dünnes, sammelnd wirkendes Element ausgeführt wurde, das so nah an den vorderen Objektivteil herangerückt wurde, daß der Luftraum zwischen den beiden Teilen nur 17% der Gesamtbrennweite des System betrug und zudem die gesamte Baulänge des Objektivs vom vorderen Linsenscheitel der Frontlinse bis zum hintersten der Hinterlinse kleiner ist als 57% der Gesamtbrennweite von 100mm blieb. Dabei läßt das Patent für die besagte Hinterlinse ein Glas mit der für damalige Verhältnisse bemerkenswerten Brechzahl von n = 1,807 erkennen.

Interessant ist auch, daß das Berechnungsbeispiel in der Patentschrift mit einem Öffnungsverhältnis von 1:3,5 angegeben ist. Das ist insofern von Bedeutung, als daß mir aufgefallen ist, daß sich bei fast allen Cardinaren für die Werra die Blende nicht vollständig öffnen läßt. Ich interpretiere das dahingehend, daß das maximale Öffnungsverhältnis mechanisch auf 1:4,0 begrenzt wurde, damit dieses Objektiv mit vollen Blendenstufen besser zur Belichtungsautomatik der Werra kompatibel war. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, daß ich ein einzelnes Exemplar dieses Cardinars besitze, bei dem sich die Blende tatsächlich vollständig öffnen läßt und auf diese Weise offenbar die volle Lichtstärke von 1:3,5 wirksam wird. Auch einer der Konstruktionsverantwortlichen für die Werra, Rolf Miller, schreibt in seinem Aufsatz "Die Bildleistung der Werra" [Fotografie Heft 4/1958, S.122ff] von einem Teleobjektiv 3,5/100mm.

 

Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, daß das Cardinar eigentlich auf diese etwas höhere, aber "krumme" Lichtstärke 1:3,5 berechnet worden ist. Da die zwischenzeitlich herausgekommene Werra IV und später auch die Werra V aber mit einem Lichtwertverschluß arbeiteten, der nur volle oder halbe Stufen einzustellen erlaubte, waren Blendenwerte außerhalb dieser Normreihe problematisch geworden. Der auch heute noch oft anzutreffende maximale Öffnungswert 1:3,5 entstammt einer Blendenreihe, die längst nicht mehr gebräuchlich ist. Der rechnerisch exakte Blendenwert 3,564 ist dabei genau 1/3 Belichtungsstufe lichtstärker als das Öffnungsverhältnis 1:4,0. Für die Werra III spielte diese Abweichung eine untergeordnete Rolle, aber sie stand im Widerspruch mit den gekuppelten Belichtungsmessern der anderen Modelle.

Links das übliche Öffnungsbild der Blende bei Einstellung auf 1:4, rechts das abweichende Bild bei einem nicht mechanisch begrenzten Einzelexemplar.

Von diesem gut auskorrigierten Fünflinser wurden zwischen 1959 und 1969 etwa 18.000 Stück hergestellt. Es kostete glatt 200,- Mark und war damit mehr als doppelt so teuer, wie das vergleichbare Telefogar 3,5/90mm für die Altix.

Marco Kröger 2016