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Domiron, Oreston und Pentacon

Feinoptisches Werk Görlitz

Die Ära der lichtstarken Normalobjektive mit Blendenautomatik aus dem Görlitzer Hause beginnt am 7. November 1958. An diesem Tag wurde das Domiron 2/50 mit der Bundesrepublikanischen Schutzschrift Nr. 1.786.978 zum Patent angemeldet. Das Neuartige an diesem Objektiv war, daß nur Linsen mit Brechwerten über 1,645 Verwendung fanden. Dieses Objektiv war also auf moderne optische Gläser angewiesen. Die Geschichte, daß Zeiss Jena und das Jenaer Glaswerk dem Görlitzer Objektivhersteller diese optischen Gläser verweigert habe und das Domiron deshalb nur kurze Zeit im Jahre 1961 gebaut worden sei, wird damit zwar nicht bewiesen, aber plausibel gemacht. Das Domiron gab es nur mit Exakta-Anschluß und die Exakta verkaufte sich gut in den USA und die Dollardevisen sollten offenbar mit dem Jenaer Pancolar und nicht mit dem Görlitzer Domiron verdient werden. Immerhin fiel das Domiron mit 213,- Mark genau 10% preiswerter aus als das Pancolar.

Aber schon ein paar Jahre später hatte sich die Situation gedreht. In Dresden wurde für die Montage der Praktica nova eine Fließbandfertigung eingeführt. Erst alle 90 Sekunden und mit Eröffnung des zweiten Fließbandes alle 45 Sekunden war eine neue Praktica versandfertig. Die jährliche Ausstoßmenge stieg in die Hunderttausende und nun mußten plötzlich ebensoviele Normalobjektive bereitgestellt werden. Genau zu dieser Zeit wurde das neue Oreston 1,8/50 herausgebracht. Es war bei gleichem Grundaufbau also noch etwas lichtstärker als das Domiron und damit dem internationalen Niveau angepaßt. Die Optik wurde in eine moderne, hochwertige Fassung mit Automatischer Druckblende (ADB) eingebaut. Das war alles ausgesprochen zeitgemäß.

Domiron 2/50mm
Domiron Patentzeichnung
Oreston 1,8/50mm
Oreston 1,8/50 Schema

1969 kam ein weiterer Schub. Von der Praktica L-Reihe sollten noch größere Stückzahlen produziert werden. Der modulare Aufbau dieser Kamera erlaubte eine noch rationellere Montage auf kürzeren Fließbändern. Außerdem wurde mit dem Modell LLC die Blendenelektrik eingeführt. Das verlangte einen veränderten Aufbau der Objektive. Im Rückteil mußte genügend Raum für den exponentiellen Spannungsteiler geschaffen werden und dessen Schleifer mußte mit dem Blendenring verknüpft werden. Im Zuge dessen wurde das Oreston 1,8/50 noch einmal optisch und mechanisch umkonstruiert. Der Linsenschnitt zeigt, daß nun die zweite und dritte Linse noch stärker meniskenhaft durchbogen sind. Der Aufbau erinnert ein wenig an das ältere Pancolar 1:2. Damit hatte man die günstigste Lösung gefunden. Dieses Normalobjektiv wurde nun millionenfach für die Praktica L- und B-Reihe geliefert. Als die Praktica L und LLC auf der Herbstmesse 1969 vorgestellt wurden, hieß das neue Objektiv übrigens noch Oreston. Kurz darauf wurden alle Görlitzer Objektive aber durchweg als „Pentacon“ bezeichnet und die Firmenbezeichnung „Meyer-Optik“ wurde fallengelassen.

Pentacon auto 1,8/50
Oreston 1,8/50
Pentacon 1,8/50 Schema
Pentacon electric 1,8/50 MC

Nach dem Erscheinen der Praktica L-Reihe auf der Herbstmesse 1969 wurde das neuentwickelte Normalobjektiv noch einige Monate unter der Bezeichnung "Oreston 1,8/50" gefertigt (links). Spätestens mit der neuen Praktica EE2 gab es ab 1977 die schwarze Kreuzrändelfassung mit Mehrschichtvergütung (rechts).

Durch den für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich steilen Schneckengang, der von der Bildebene aus gemessen Aufnahmeabstände bis herab zu 33cm ermöglicht, ist das Görlitzer Normalobjektiv auch für spontane Nahaufnahmen gewappnet. Photographiert von Dörte Krell mit dem Oreston 1,8/50 an der Practica PLC3, Adox Silvermax.

 

 

 

 

M. Kröger, April 2016