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Von der AK8 zur Pentaka automatic

Schmalfilm-Amateurkameras aus Dresden

Jaja, ich weiß; nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle mal einen solchen wagen: Die Amateurkamera AK8 war 1954 für den Schmalfilmer der DDR das, was der Trabant drei Jahre später für den Autofahrer dieses kleinen Landes darstellte – eine wohldurchdachte Minimallösung, die letztlich genau das beinhaltete, was zum Zwecke des Filmens beziehungsweise Autofahrens eben gerade so ausreicht. Eine gewisse Sparsamkeit im Materialeinsatz und beim technischem Aufwand sollte es im Gegenzug ermöglichen, daß möglichst viele fleißige Werktätige in den Genuß dieser Errungenschaft geraten konnten. Nach den Aufständen vom 17. Juni war dieses Prinzip nun zur regelrechten wirtschaftspolitischen Doktrin erhoben worden und die AK8 ist neben der Werra Kleinbildkamera als der typischste Vertreter dieses "Neuen Kurses" im Photosektor anzusehen.

AK8
AK8

AK 8

Oben: Bilder von Pressevorstellung der AK8 im Jahre 1954 , photographiert von Erich Höhne und Erich Pohl. [Bildquelle: Deutsche Fotothek].

Unten: Aufnahmen aus der frühen Produktion der AK8 von denselben Bildautoren.

Diese Kameras dürfen hier natürlich auch deshalb nicht fehlen, weil sie in den 50ern quasi eine Monopolstellung im Laufbildsektor der DDR innehatten. Nur die tschechischen Admiras wurden damals schon in geringen Stückzahlen importiert. Die AK8 war für den Amateur in der Anwendung aber günstiger, als die ähnlich ausgestattete Admira 8E, weil sich der Film wesentlich einfacher einlegen ließ. Im Gegensatz zur Admira hatte die AK8 nämlich keine Zahntrommel. Es ist bei einer Filmkamera ja notwendig, die intermittierende Bewegung des Filmes im Bildfenster in eine kontinuierliche an der Aufwickelspule zu überführen. Dazu müssen bei 16mm und Normalfilmkameras Vor- und Nachwickelrollen vorgesehen werden, die eine gleichbleibende Filmschleife gewährleisten. Da bei 8mm Schmalfilmkameras nur eine Bildhöhe von 3,81mm zu transportieren ist, kann man bei geschickter Auslegung des Schaltgetriebes auf diese Wickelrollen verzichten.

AK8 Transport Gummirolle

Bei der AK8 ist der Greifermechanismus so ausgelegt, daß er das Abrollen von der Vorratsspule mit übernimmt. Als Ersatz für die Nachwickelrolle ist hinter dem Filmfenster ist eine Gummiwalze angebracht, die dafür sorgt, daß das Aufwickeln nur während des Bildtransports stattfinden kann. Oder andersherum gesagt: Der Filmzug vonseiten der Aufwickelspule und die Friktion innerhalb des Bildfensters sind so aufeinander abgestimmt, daß in Verbindung mit der Gummiwalze das Filmmaterial während der Belichtung im Bildfenster still steht. Das setzt übrigens voraus, daß der Bandzug richtig eingestellt ist und die Gummirolle sauber ist. Ist das gewährleistet, dann bietet die AK8 trotz der simplen Konstruktion ein sehr bildstabiles Laufwerk, das wesentlich kompakter konstruiert werden konnte, als bei vielen anderen Schmalfilmkameras jener Zeit, die mit Zahntrommel oder gar getrennten Vor- und Nachwickelrollen arbeiteten. Also genau richtig für eine Amateurkamera. Zwar gab es schon seit den 30er Jahren Schmalfilkameras ohne Wickelrollen (wie zum Beispiel die Filmo von Bell & Howell), aber bei denen konnte es bei Temperaturschwankungen oder unterschiedlichen Gleiteigenschaften des Filmes manchmal zu springenden Bilder kommen. Bei der AK8 ist das bei sauberer Gummirolle praktisch ausgeschlossen, sodaß dieses Transportsystem später von vielen Herstellern in diesem Marktsegment übernommen wurde. Sogar die beinah professionelle Pentaflex 8 hat solche Gummiwalzen in ihren Wechselkassetten.

AK8 Greifersystem

Ein zweites Merkmal des simpel gehaltenen Laufwerks der AK8 war der Schieberverschluß anstelle des üblichen Rotationsverschlusses. Auch hier lagen die Vorteile auf konstruktiver Seite – die etwas andersartige kinematographische Wirkung dieser Verschlußbauweise spielte für den Bereich des Amateurfilms keine Rolle. Statt eines aufwendigen Getriebes für den Antrieb des Umlaufverschlusses war hier nur eine zusätzliche Kurbel zur Ansteuerung des Schiebers vonnöten, die gleich an die Kurbelwelle des D-Greifers mit angeflanscht werden konnte. Auf komplizierte Kegelrädergetriebe zum Antrieb des Umlaufverschlusses und eine (auch unwuchtbedingte) Kugellagerung (wie bei den sowjetischen Schmalfilmkameras der Quarz-Reihe) konnte daher verzichtet werden. Dieses von der Zeiss Ikon entwickelte Laufwerk der AK8 wurde von 1954 an fast anderthalb Jahrzehnte in großen Stückzahlen gefertigt.

Jena Triotar 2,8/10mm

Die Amateurkamera AK8 (intern auch "Handkamera HK8") war die erste und einfachste Ausführung dieses Typs. Sie wurde überwiegend mit einem von Zeiss Jena im Januar 1952 gerechneten Triotar 2,8/10mm ausgestattet. Dieses Objektiv hatte keinen Schneckengang. Es wurde in der Kamera fest verbaut und auf eine mittelnahe Entfernung justiert. Durch die große Schärfentiefe der kurzen Brennweite und das begrenzte Auflösungsvermögen des Filmmateriales konnte auf eine Fokussierung verzichtet werden, was der Eigenschaft einer reinen Amateurkamera wieder sehr zugute kam. Auch gegenüber der ansonsten üblichen 12,5mm Normalbrennweite waren die 10mm dieser Kamera in dieser Hinsicht günstig. Später wurde von Meyer Görlitz ein brennweitenverlängerndes Fernrohr „Tevo 2x“ geliefert. Der kleine Vorsatz kostete lediglich 62 Mark und 50 Pfennige. Die AK8 selbst war mit 215,- Mark (ab März 1960) gerade noch im Budget des Amateurs. Sie lag auf dem preislichen Niveau einer Altix n mit Tessar. Vor der großen Preissenkung des Jahres 1960 mußte man noch 288,- Mark auf den Tisch legen. Das war damals sehr viel Geld.

AK8 Werbung

Diese Werbeannonce zur AK erschien im Dezemberheft der "Bild und Ton" des Jahres 1958. Mit Beginn des darauffolgenden Monats wurde der VEB Kinowerke, der als Laufbildsektor des VEB Zeiss Ikon übriggeblieben war, mit den Kamerawerken Niedersedlitz zu den Kamera- und Kinowerken (KKW) Dresden zusammengelegt. Ein paar Jahre später wechselte man zum etwas griffigeren Markennamen "Pentacon" (von "Pentaprisma Contax"). Die Formierung der Kamera- und Kinowerke zum 1. Januar 1959 muß daher als endgültige Auflösung der 1926 etablierten Zeiss Ikon Aktiengesellschaft Dresden angesehen werden.

Diese AK8 habe ich einmal auf Doppel-Super 8 umgebaut, das eine etwa um die Hälfte gößere Bildfläche zu bieten hat. Das hochwertige Jena Triotar 2,8/10mm leuchtet auch dieses Material randscharf aus.

Pentaka 8

Pentaka 8B

Für etwas höhere Ansprüche wurde ab 1956 die Pentaka 8 ausgeliefert (340,- Mark nach 1960). Sie basierte auf demselben Laufwerk, nur waren bei ihr die Bildfrequenzen zwischen 8 und 48 Bilder je Sekunde wählbar. Zweites wichtiges Unterscheidungsmerkmal waren die Wechselobjektive per Bajonettanschluß. Neben dem Normalobjektiv Biotar 2/12,5mm waren noch ein Biotar 2/25mm und ein Sonnar 2,8/40mm lieferbar. Ab 1959 kam ein Flektogon 2/5,5mm hinzu, das ein Abkömmling der Superweitwinkel-Retrofokusobjektive gewesen ist, an denen Wolf Dannberg zu jener Zeit arbeitete. Es wurde im Juli 1958 gerechnet und ist dem Flektogon 4/25mm im Grundaufbau sehr ähnlich.

Werbung Flektogon 2/5,5mm
Pentaka 8 Bajonettanschluß
Pentaka 8 Objektive

Der Kunststoffring, den man vor dem Objektivsatz zur Pentaka 8 sehen kann, gehört zum Belichtungsmesseraufsatz „Pentafot“. Schon zur AK8 wurde ein Belichtungsmesser „Abefot“ geliefert, der mit dem Blendenring des Triotars gekuppelt werden konnte und die AK8 damit zum Halbautomaten machte. Nach grundsätzlich dem gleichen Prinzip arbeitete der Pentafot. Bei ihm bestand allerdings die Schwierigkeit darin, daß das Meßwerk nun mit den Wechselobjektiven gekuppelt werden mußte. Dazu wurde auf dem Blendenring der gezeigte Kunststoffring befestigt, der als Kurvenscheibe diente und vom Meßrad des Belichtungsmessers abgetastet wurde. Die genaue Stellung dieser Kurvenscheibe auf dem Blendenring und die Position des Belichtungsmessers auf dem Kameragehäuse mußten einmalig exakt abgeglichen werden, dann erfolgte die Weitergabe des Blendenwerts an das Meßgerät einigermaßen präzise. Mag sein daß mancher Schmalfilmamateur mit dieser Aufgabe überfordert gewesen ist. Bei der Pentaflex 8 wurde daher die Blendenmechanik von vornherein so ausgelegt, daß sie mit dem Kameragehäuse gekuppelt war und von dort aus betätigt wurde. Damit war bei der Pentaflex der Belichtungsmesser – der ansonsten nach derselben halbautomatischen Methode arbeitete – auch mit der Bildfrequenzverstellung gekuppelt. Das konnte der Pentafot an der Pentaka freilich nicht leisten.

Pentaka mit Pentafot

Natürlich waren die gekuppelten Belichtungsmesser Abefot und Pentafot trotzdem eine große Erleichterung für den Amateurfilmer, denn anders als bei der Stehbildphotographie, wo die Belichtung in Ruhe vor der Auslösung eingestellt werden kann, muß bei der Filmkamera die Belichtung stets kontinuierlich den wechselnden Lichtverhältnissen angepaßt werden – also auch während des Filmens, wenn sich die Lichtsituation plötzlich ändert. Dazu ist bei der Halbautomatik lediglich eine im Sucherfenster angezeigte Meßnadel gegenüber einer (von der Filmempfindlichkeit und der Bildfrequenz abhängigen) Festmarke nachzuführen. Trotz dieser Vereinfachung lenkten aber nach wie vor das Beobachten der Meßnadel und das manuelle Drehen des Blendenringes gehörig von der Konzentration auf das Motiv ab. Daher wurde in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre im VEB Kinowerke Dresden intensiv an einer Schmalfilmkamera mit Belichtungsvollautomatik gearbeitet.

Pentaka 8-I automatic

Pentaka 8-I automatic
Pentaka 8-I automatic

Die Idee einer Belichtungsvollautomatik liegt darin, den Blendenmechanismus direkt vom Meßwerk antreiben zu lassen. Das klingt aber einfacher, als es technisch umsetzbar ist. Das Problem ist schlicht und einfach, daß die Selenzelle selbst bei stärkerer Belichtung nur einige Mikrowatt an elektrischer Leistung abgeben kann. Die Betätigung der Blende muß demnach extrem leichtgängig sein. Gleichzeitig muß die gesamte Mechanik aber robust genug ausgeführt werden, damit sie für eine tragbare Kamera geeignet ist. Für den VEB Zeiss Ikon bzw. die Kamera- und Kinowerke hat Erich (und zum Teil auch sein Bruder Werner) Hahn maßgebliche Entwicklungsarbeit zu Belichtungsmeß- und Steuereinrichtungen geleistet. Vom 30. Oktober 1958 liegt eine Schutzrechtanmeldung vor (Nr. DD21.605), die man als Grundpatent der Belichtungsautomatik der „Pentaka 8-I automatic“ bezeichnen könnte. Es gab dabei mehrere konstruktive Probleme gleichzeitig zu lösen. Zwar waren bis dahin schon solche automatischen Blendenantriebe bekannt geworden, diese waren aber zu schwergängig ausgelegt, sodaß das Meßwerk viel zu unempfindlich geriet. Die Pentaka 8-I steuert die Blende auch bei schlechtem Licht noch zuverlässig. Dazu war eine sehr leichtgängige Lagerung aller bewegten Teile vonnöten. Das zweite wichtige Problem, an dem Hahn schon seit mehreren Jahren arbeitete und eine großen Zahl Patentanmeldungen vorzuweisen hatte, war die Linearisierung des gesamten Belichtungssystems. Weder ist die Stromabgabe eines Photoelementes über mehrere Belichtungsstufen hinweg linear zur Beleuchtungsstärke, noch ist die Skalencharakteristik eines Kernmagnetmeßwerks linear (und leider auch nicht logarithmisch), sodaß die Übertragungskurve mechanisch so beeinflußbar sein muß, daß sich bei einer Verdoppelung der Beleuchtungsstärke die Blende um genau eine Stufe schließt und umgekehrt. Als drittes Problem hat Hahn seine Blendensteuerung so konstruiert, daß sich bei einer Abstimmung des Meßwerks an die Selenzelle während des Montageprozesses der Kamera eine zuvor erfolgte Zentrierung der beiden Blendenflügel zur optischen Achse nicht dejustiert wird. Die Blendenöffnung muß eben unbedingt genau in der Mitte der Objektivöffnung sitzen.

Pentaka Belichtungsautomatik

Die zweite Eigenschaft, die die Belichtungsautomatik der Pentaka 8-I kennzeichnet ist die Art und Weise, wie diese außer Kraft gesetzt werden kann. Bei bestimmten Situationen kann es nämlich vorteilhaft sein, die Blende von Hand einzustellen. Bei den bisherigen Lösungen einer Blendenautomatik war das nicht möglich bzw. die Anzeige des Blendenwertes ging verloren. Die Pentaka 8-I zeigt nämlich den von der Automatik gewählten Blendenwert im Sucher an. Erich Hahn hatte nun einen Mechanismus erfunden, der eine manuelle Wahl des Blendenwertes ermöglicht, ohne daß diese Sucheranzeige verloren geht (Patent Nr. DD27.075 vom 15. Juli 1959).

Belichtungsanzeige Pentaka automatic

Damit beschränken sich die Bedienungselemente an der Pentaka 8-I automatic auf den Einstellknopf für die Filmempfindlichkeit und auf ein Einstellrad für manuelle und automatische Belichtung. Wird dieses aus dem Automatikbereich hinausgedreht, dann kuppelt die Blendenverstellung ein und man kann mit den Rädchen direkt den im Sucher angezeigten Blendenwert anwählen.

Pentaka 8-I
Pentaka 8-I

Ansonsten ist die Pentaka 8-I automatic eher einfach gehalten und erinnert an die AK8. Sie hat eine feste Bildfrequenz von 16 B/s und muß angesichts der Automatikblende auch auf Wechselobjektive verzichten. Es ist das Flektogon 2/12,5mm eingebaut, das schon bei der Pentaflex 8 genutzt wurde. Selbiges sitzt übrigens in einer sog. Fixfokusfassung, d.h. es wurde auf eine Entfernungseintellung verzichtet. Ich halte das nicht für nachteilig. Schon bei offener Blende reicht die Schärfentiefe von drei Meter bis unendlich und wächst beim Abblenden schnell an. So ist es eher als Vorteil zu sehen, wenn der Filmamateur vom Scharfstellen entlastet wird. Viel viel wertvoller als Wechselobjektive ist für ihn die Belichtungsvollautomatik, bei der er nur noch „draufhalten“ muß und von jeglicher technischer Belastung befreit wird. So ist das Filmen mit der Pentaka automatic eine echte Freude. Schwenkt man beispielsweise vom Schatten in die Sonne, dann schließt sich sanft die Blende und man kann sich voll und ganz auf die Verfolgung des Motivs konzentrieren.

 

Leider war diese Kamera nicht mehr erfolgreich. Sie wurde ab 1964 (bis etwa 1967) in lediglich 13.000 Exemplaren gefertigt – das kann man anhand der Produktionsziffern des Flektogons 2/12,5mm abschätzen. Diese Erfolglosigkeit liegt zum einen daran, daß mit Einführung des Superacht-Filmes Kameras auf Basis des alten Doppelacht-Materials schlagartig unverkäuflich wurden – offenbar selbst innerhalb des Ostblocks, wo die Sowjetunion bald den Doppelsuperachtfilm als neuen Standard etablierte und später auch auf die Kodak-Kassette umschwenkte. Eine Schmalfilmkamera mit einer solch ausgeklügelten Belichtungsautomatik wie die Pentaka automatic sollte es aber bis zum Erscheinen der Lomos der 200er Serie fast 20 Jahre lang nicht mehr geben.

 

Außerdem setzte sich nach 1965 eine Spezialisierung innerhalb des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe durch, nach der nun Schmalfilmgeräte nur noch in der Tschechoslowakei und der UdSSR gefertigt werden sollten. Damit endete nach sechs Jahrzehnten der Bau von Filmkameras am traditionsreichen Dresdner Kamerastandort, der dereinst von Heinrich Ernemann begründet worden war.

 

 

 

Marco Kröger, Mai 2016