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Contax und Pentacon

Die „Spiegelcontax“ gehört sicherlich zu den faszinierendsten und legendärsten Photogeräten, die der Dresdner Kamerabau je hervorgebracht hat. Das mag natürlich an ihrer Pionierrolle liegen, an der Tatsache, daß sie als die erste wirklich „komplette“ Spiegelreflexkamera angesehen wurde. Wir müssen uns heute einfach vergegenwärtigen, daß es etwas völlig Neuartiges darstellte, in eine Spiegelreflexkamera „hineinschauen“ zu können, wie in eine Sucherkamera, und dabei ein aufrechtstehendes und seitenrichtiges Sucherbild zu erblicken. Bislang bedeutete der Spiegelreflexsucher immer einen Einblick im rechten Winkel zur Aufnahmerichtung und überdies ein seitenvertauschtes Sucherbild. Beides war beim Amateur unbeliebt und verhinderte eine weitere Verbreitung dieses Kameratyps. Doch diese technische Hürde wurde nun durch das Umkehrprisma überwunden. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, daß mit diesem Schritt die Spiegelreflexkamera ein zweites Mal erfunden worden ist.

 

Im Jahre 1949, als die Spiegelcontax erschien, war diese herausragende Bedeutung des Prismensuchers vielleicht noch nicht zu 100% abzusehen. Die meisten Hersteller von Reflexkameras – und so viele waren das damals noch nicht – hielten erst einmal am Lichtschacht fest oder fuhren zumindest zweigleisig, indem sie das Prisma nur zum auswechseln oder gar nur auf den Lichtschacht aufsteckbar anboten. Die Situation kippte erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Die Kameranutzer hatten quasi mittels ihres Kaufverhaltens über die Frage Prismensucher oder Lichtschacht abgestimmt. Am Anfang wurde der Prismensucher von den Herstellern nur als optionales Zubehör angesehen, vom dem man ausging, daß ihn nur die „ernsthaften“ Amateure zusätzlich anschaffen würden. Das stellte sich aber als falsch heraus. Das Umkehrprisma wurde aufgrund seiner Vorteile sehr stark nachgefragt. Und da zum Beispiel das unpraktische Aufsatzprisma für die Praktica die besagten Vorteile einigermaßen verspielte, wurde es damals scharf in der Presse kritisiert, woraufhin die Kamerawerke den Lichtschacht der Praktica erst für ein verbessertes Prisma umkonstruierten und ihn kurze Zeit später sogar ganz und gar aufgaben. So geschah es, daß auf der Frühjahrsmesse 1959 gleich zwei konkurrierende Spiegelreflexkameras mit FEST EINGEBAUTEM Prismensucher erschienen: Die Praktica IV und die Exa II. Daraufhin wurden binnen kurzer Zeit Kleinbildspiegelreflexkameras mit Wechselsuchern zu den Sondergeräten des Marktes. Der Weg, den die Spiegelcontax zehn Jahre zuvor aufgezeigt hatte, der hatte sich nun als der richtige erwiesen. Das aufrechtstehende und zugleich seitenrichtige Sucherbild in Kombination mit der Mattscheibenabbildung, die genau das zeigte, was vom Objektiv später auf den Film gebannt wurde, hatte sich ein für alle Mal durchgesetzt. Erst jetzt konnte die Reflexkamera jenen großen Siegeszug im Amateurlager eintreten; und Gnade demjenigen Kamerahersteller, der diesen Weg nicht frühzeitig mitgegangen war!

Damit genug zu technischen Gesichtspunkten, denn die sind bereits an anderen Stellen in den Rubriken „Technik“ und „Geschichte“ eingehender besprochen. Vielmehr sollen einmal ganz außergewöhnliche photographische Aufnahmen aus der Frühzeit der Contax gezeigt werden. Sie stammen von den Pressephotographen Erich Höhne (1912-1999) und Erich Pohl (1904-1968) und werden von der Deutschen Fotothek im Rahmen einer Creative Commons Lizenz zu nichtkommerziellen Zwecken zur Verfügung gestellt. Ich gebe sie hier im Sinne des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns wieder.

 

Der erschütternde Ausgangspunkt unserer Spiegelcontax ist Deutschlands Stunde Null. Man kann bei Victor Klemperer nachlesen, in welcher gespannten Stimmung die Dresdner in den letzten Kriegsmonaten gewesen waren. Die anderen deutschen Großstädte waren längst durch schwere Bombenabwürfe getroffen, da reimten sich die Dresdner Verschwörungstheorien zusammen, weshalb gerade ihre Stadt verschont würde. Das Blatt wendete sich um so jäher, als schließlich die Spreng- und Brandbomben im Februar 1945 doch noch das Dresdner Stadtgebiet in ein Trümmerfeld verwandelten. Diese Aufnahmen dokumentieren die Zerstörungen im traditionsreichen Ernemannbau an der Schandauer Straße. Die Luftaufnahme zeigt zuvor noch einmal das stattliche Ensemble der Ernemannschen Fabrikationsgebäude um 1925.

Außerordentlich bemerkenswert sind die folgenden Aufnahmen. Ich dachte ich traue meinen Augen nicht, als mir bei der Recherche plötzlich diese Bilder von Wilhelm Winzenburg unterkamen. Ich war mir sofort sicher, daß hierauf der Chefkonstrukteur der Spiegelcontax zu sehen ist. Erst im Nachhinein ist mir die Contax aufgefallen, die er in den Händen hält. Die Datierung dieser Bilder auf das Jahr 1949 legt nahe, daß es sich um die Pressevorstellung dieser neuen Kamera gehandelt haben muß, die offensichtlich mit einer Art Feierstunde im Ernemannbau einhergegangen war. Man beachte die Prototypen und Funktionsmuster, die Winzenburg auf seinem Tischchen liegen hat.

Bei den beiden Herren um Winzenburg handelt es sich möglicherweise um die Direktoren Neudeck und Fichtner – aber das wird sich nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen lassen. Rechts sieht man ein gigantisches Modell der Spiegelcontax, durch dessen „Spiegelkasten“ offenbar ein dahinterliegender Raum betreten werden konnte. Weitere Archivbilder zeigen, daß dem förmlichen Teil offenbar noch ein lustiger Abend folgte. Die neue Kamera wurde nach vier Jahren intensiver Arbeit also gebührend gefeiert.

 

Es folgen abschließend noch einige Bilder aus der gerade angelaufenen Produktion. Interessant war für mich zu sehen, daß die Verschlußzeiten offenbar damals schon mit dem neuen Kurzeitmeßgerät von Clamann & Grahnert auf opto-elektronischem Wege gemessen wurden.

Modellübersicht

 

 

 

Contax S Typ C

 

Sach-Nr. Gruppe: 130

Contax S Nr. 13045 / zeissikonveb.de

Contax S Nr. 13045, Fabrikationsnummer 57443 mit Blitzanschluss in der Stativmutter und

feststellbarem Auslöser-Knopf

 

 

 

 

 

Contax S Typ D

 

Sach-Nr. Gruppe: 130

Kurzanleitung für Contax S / zeissikonveb.de
Contax S D Nr. 16442 / zeissikonveb.de

Contax S D Nr. 16442, Fabrikationsnummer 60793 mit Blitzanschluss auf der Deckkappe, der Auslöser ist

nicht mehr feststellbar.

 

 

 

 

 

Contax D

 

Sach-Nr. Gruppe: 130

Contax D Nr. 80732 / zeissikonveb.de

Contax D Nr. 80732, Fabrikationsnummer 261135

 

Mit der Vorstellung der Contax D zur Leipziger Herbstmesse im September 1952, bekam diese eine Reihe

an Zubehör an die Seite gestellt, was ihre Einsatzgebiete erheblich erweiterte.

zeissikonveb.de/Contax D Nr. 82464

Contax D Nr. 82464, Fabrikationsnummer 261293

 

 

 

 

 

Pentacon "ZI"

 

Sach-Nr. Gruppe 133

 

Diese Variante der Pentacon, wie sie eigentlich richtig heißt, wird nur zur Unterscheidung von weiteren Varianten mit dem Zusatz "ZI" versehen. In den Bedienungsanleitungen wird sie als "Pentacon" bezeichnet. Eine Bedienungsanleitung in englischer Sprache beweist die Existenz dieser Variante schon im Jahr 1952. Niedrige Seriennummern lassen sogar den Schluß zu, das die ersten "Pentacon ZI" zeitgleich mit der Contax S D gebaut wurden.

Pentacon "ZI" Nr. 66545 / zeissikonveb.de

 

Pentacon "ZI" Nr. 66545, Fabrikationsnummer 245449, Bestell-Nr. 133/62

 

Die vollständige Dokumentation zu dieser Pentacon umfasst die Bedienungsanleitung, den Garantieschein, die Kontroll-Karte in englisch (Test-card) eine Bedienungsanleitung zur Blendenvorwahl des Objektives und die Rechnung. Die Originalverpackung, das Objektiv und die Bereitschaftstasche sind auch vorhanden.

Contax S  D Bedienungsanleitung / zeissikonveb.de
Kurzanleitung für Contax S / zeissikonveb.de
Contax D Bedienungsanleitung / zeissikonveb.de
Kurzanleitung Contax D / zeissikonveb.de
Instructions for use Pentacon / zeissikonveb.de
zeissikonveb.de/Garantieschein 66545
zeissikonveb.de/Garantieschein 66545
zeissikonveb.de/Prüfkarte 66545
zeissikonveb.de/Prüfkarte 66545
zeissikonveb.de/Quittung 66545

Der Garantieschein trägt nur die Fabrikationsnummer, diese ist zudem handschriftlich geändert worden, die genauen Gründe dafür sind noch unbekannt, es ist aber kein Einzelfall. Die Kontroll-Karte trägt vorn den Namen der Kamera, die Bestellnummer und die Fabrikationsnummer. Rückseitig sind die Seriennummer (ganz oben) die Unterschriften der Kontrolleure und die Objektivnummer (handschrifftlich) vermerkt.

zeissikonveb.de/Pentacon "ZI" Nr. 83665

Pentacon ZI Nr.: 83665, Fabrikationsnummer: 262970

 

 

 

 

Pentacon

Pentacon Nr.: 93049, Fabrikationsnummer: 5009477

Contax E

Contax E Nr. 94727 / zeissikonveb.de

Contax E Nr. 94727, Fabrikationsnummer 5018651

zeissikonveb.de/Contax E Nr.101017

Die Erste in meiner Sammlung war die Contax E Nr. 101017, Fabrikationsnummer 5031497

 

 

 

 

Pentacon F

 

Sach-Nr. Gruppe: 133

zeissikonveb.de/Pentacon F Nr. 105291

Pentacon F Nr. 105291, Fabrikationsnummer 5083208, Bestell-Nr. 133/854

 

Zu dieser Kamera liegen der Garantieschein, die Prüfkarte und die Rechnung vor. Die Bestell-Nr. 133/854 belegt, das die Kamera am 16. Oktober 1957 verkauft wurde und das dazugehörige Objektiv ab Werk geliefert wurde. Der zweite Ziffernblock bezieht sich auf das Objektiv, ein C.Z.Jena B 1:2 f = 58 (Biotar)

Contax F

 

Sach-Nr. Gruppe: 130

zeissikonveb.de/Contax F Nr. 106722

Contax F Nr. 106722, Fabrikationsnummer 5084296

 

 

 

 

Pentacon FM

 

Sach-Nr. Gruppe: 131

zeissikonveb.de/Pentacon FM Nr. 134794

Pentacon FM Nr. 134794, Fabrikationsnummer 432438

 

 

 

Pentacon F

 

Sach-Nr. Gruppe: 133

zeissikonveb.de/Pentacon F Nr. 140157

Pentacon F Nr. 140157, Fabrikationsnummer 471351

 

 

 

 

 

Contax F

 

Sach-Nr. Gruppe: 130

zeissikonveb.de/Contax F Nr. 152115

Contax F Nr. 152115, Fabrikationsnummer 491122

 

 

 

 

Pentacon FM

 

Sach-Nr. Gruppe: 131

zeissikonveb.de/Pentacon FM Nr. 161744

Pentacon FM Nr. 161744

 

Diese Kamera wurde laut Garantieschein im Oktober 1959 im Werk geprüft und am 05. Juni 1961 verkauft.

zeissikonveb.de/Garantieschein Pentacon FM Nr. 161744
zeissikonveb.de/Pentacon FM Nr. 190106

Pentacon FM Nr. 190106

 

Am Schluß doch noch etwas Technisches. Zum Schlitzverschluß der Spiegelcontax existieren zwei Patente Nr. DD5395 und DD5403, die am 6. März 1949 im Zuge der Messevorstellung der Spiegelcontax angemeldet wurden und die ich auf den „Technik-Seiten“ näher behandelt habe. Am selben Tag wurde aber noch ein drittes Patent mit der Nr. DD978 angemeldet. Es beschreibt den für die Contax so typischen Schrägauslöser. Zynischerweise hatte die schreckliche Verwüstung Dresdens für Zeiss Ikon den positiven Effekt, daß man quasi von vorn beginnen mußte. Alle Vorarbeiten der Kriegszeit bezüglich der Kleinbildreflexkamera waren zunichte gemacht. So waren Winzenburg und seine Leute gezwungen, „from scratch“ neu zu starten, wie die Engländer sagen. In vielen Beziehungen ist das aus heutiger Sicht als Glücksfall anzusehen, denn so war es möglich, sich von vielem Ballast der Küppenbender-Zeit freizumachen. So kann man aus dem besagten Patent 978 beinah wörtlich herauslesen, daß Winzenburg vom koaxial in den Transportknopf der Contax Meßsucherkamera eingelassenen Auslöser gar nichts hielt. Er hatte daher den Auslöser bei der Spiegelcontax so angeordnet, daß der Auslösedruck der natürlichen Fingerbewegung folgen konnte. Außerdem stellte sich später heraus, daß die nach hinten unten gerichtete Bewegung die Kamera in die sie haltende Handfläche drückte und damit am besten ein Verreißen der Kamera verhindert werden konnte. Das ist der Grund dafür, weshalb diese Anordnung des Auslösers zum regelrechten Markenzeichen des Dresdner Kamerabaus geworden ist. Die Praktina, die Praktisix, die Belmira, die Pentacon Super, die Praktica nova und L-Serie – alle diese Kameras haben diesen Schrägauslöser übernommen. Eine bessere Anerkennung für die Arbeit eines Konstrukteurs läßt sich kaum finden.

DD978

Yves Strobelt, Marco Kröger 2017