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Personen

An dieser Stelle soll in loser Folge an einige wichtige Leute erinnert werden, die für die Mitteldeutsche Photoindustrie Bedeutendes geleistet haben.

Diese Aufnahme Wolfgang Schröters auf Agfacolor Umkehrfilm zeigt Werner Broche (links) und Kurt Wagner, die verantwortlichen Konstrukteure der Kleinbildkamera "Werra", im Jahre 1954. Man beachte den Prototypen, der vor ihnen liegt. [Deutsche Fotothek, Datensatz 71206836]

Auf diesem Bild aus den 1950er Jahren sieht man Harry Zöllner (29. Januar 1912 bis 30. Dezember 2007). Nachdem die Amerikaner die erste und anschließend die Sowjets die zweite Riege an Zeiss-Fachleuten in ihre Länder deportiert hatten, war dieser junge Doktor der Physik, der bis zum Kriegsende sein Handwerk bei Voigtländer in Braunschweig ausübte, als einer der wenigen erfahrenen Objektivkonstrukteure auf dem Gebiet der SBZ übrig geblieben. Das bedeutet freilich nicht, daß dieser Mann dritte Wahl gewesen sei – ganz im Gegenteil. Ihm ist es zu verdanken, daß Jena überhaupt als einer der bedeutendsten Objektivbaustandorte der Welt erhalten geblieben ist. Denn kaum hatte Zöllner seine Aufgabe als Leiter des Rechenbüros der Abteilung Photo aufgenommen, wurde das Werk von der Besatzungsmacht bis beinah auf die letzte Maschine demontiert. Aber in genau diese Zeit fallen die Neu- oder Umkonstruktionen jener Objektivtypen, mit denen Zeiss Jena nach einer Phase der Rekonvaleszenz rasch wieder an den Vorkriegsstand anknüpfen konnte. Ich erinnere nur an das neugerechnete Tessar 2,8/50mm vom Herbst 1947, das später nicht weniger als 40 Jahre lang in dieser Konfiguration gefertigt wurde, oder an Zöllners neuen Typ des Biometars von 1948. Eine große Rolle hat dieser Mann auch bei der Umstellung auf digitale Rechentechnik („OPREMA“) Mitte der 50er Jahre gespielt. Über den Technologieschub, der sich daraus ergab, habe ich in der Sektion Objektive schon einiges berichtet. Zöllner selbst entwickelt in der Folgezeit mit dem Flexon noch einen Nachfolger des Biotar-Normalobjektivs. Ein ultralichtstarkes Röntgenobjektiv und Reproduktionsobjektive vom Typ Apo-Germinar konstruiert er noch. Seine Anfang der 50er Jahre angestoßene Entwicklung von Retrofokusweitwinkeln (Flektogon 2,8/35mm) werden aber bereits von jüngeren Kollegen weitergeführt. Zöllner übernimmt ab Anfang der 60er Jahre immer größere Leitungsaufgaben innerhalb der Abteilung Photo und wird Professor an der TU Ilmenau, konstruiert aber bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1977 noch einige Spezialobjektive für das Großformat und für die Mikrophotographie. Für den Photoamateur hatte Zöllner über die Jahre hinweg einige wertvolle Aufsätze in den Fachzeitschriften des Landes veröffentlicht, in denen dieser in verständlicher Sprache technische Probleme wie die unterschiedliche Farbwiedergabe verschiedener Objektivtypen behandelte, Einblick in die Arbeit des Objektivkonstrukteurs lieferte oder an die schöpferischen Leistungen seiner Vorgänger erinnerte. Harry Zöllner muß ganz in der Tradition Ernst Abbes als einer der größten Optiker Deutschlands gesehen werden.

Bei diesem eleganten Herrn handelt es sich um Ing. Karl Pouva. Links ist er mit dem neuesten Modell seiner Pouva Start zu sehen, die gerade einen fest ins Gehäuse integrierten Sucher und Blitzsynchronisation bekommen hatte. Rechts begutachtet er zusammen mit einem Mitarbeiter Kondensorlinsen für den bekannten Amateurprojektor "Pouva Magica". Die Pouva KG Freital hat also nicht nur Preßlinge aus Bakelit hergestellt, sondern besaß sogar eine eigene Linsenschleiferei. Photographiert wurde diese Szene von Richard Peter jun. [Deutsche Fotothek, Datensatz 71301473]

 

Karl Pouva gehörte zu denjenigen Pionieren, die nach dem Zweiten Weltkrieg quasi aus dem Nichts heraus wieder so etwas wie eine industrielle Produktion aufgebaut haben. Von Kochgeschirr aus Flugzeugteilen und ähnlichen "Umwidmungen" gerade vorhandener Materialen ist die Rede. Seine Pouva Start war in den 50er und 60er Jahren für viele junge Leute der tatsächliche Start in die Amateurphotographie, zumal deren Preis mit 16 Mark und 50 Pfennigen für Jedermann erschwinglich ausfiel. "Die Kamera der Millionen" hieß es dann bald etwas überschwänglich in den Werbeannoncen. Wir schließen heute daraus, daß Karl Pouva sowohl was das Entwickeln von Produkten, als auch deren Vermarktung betraf, ein geschickter Praktiker gewesen sein muß. Nur mit seinem "Pouva Bändi" Amateurtonbandgerät hatte er sich 1964 deutlich übernommen. Das großartig angekündigte, preiswerte Gerät enttäuschte im Prinzip in jeglicher Hinsicht [Vgl. Radio und Fernsehen, Heft 11/1964, S. 349]. Am Ende blieb von der ganzen Euphorie um das Bändi eine Einstufung als mechanisches Spielzeug übrig. Dieses Debakel zeigte auf, an welche Grenzen ein halbprivater Betrieb mit dem Inhaber als Chefkonstrukteur gelangt war. Der Betrieb wurde daher ab Anfang der 70er Jahre zur bloßen Fertigungsstätte für die neu eingeführten Kleinbildkameras auf Basis der ORWO-SL-Kassette, die nun statt aus pheno- aus thermoplastischen Kunststoffen hergestellt wurden.