Dokumente


zeissikonveb.de 

zeissikonveb@web.de

Dokumente

Unter den Dokumenten finden Sie zeitgenössische Preise, Bücher sowie Zusammenstellungen von Betriebs-, Druckerei- und Bestellnummern.

Typisch DDR: Die Batterien für die Spiegelreflexkameras mußten aus dem westlichen (!) Ausland ("NSW") importiert werden. Und weil das  Devisen kostete, waren die Zellen kontingentiert. Man konnte also nicht einfach in einen Laden gehen und eine Batterie kaufen, sondern nur dann, wenn die Zeit dafür reif war und man nachweisen konnte, daß man auch  die zugehörige Kamera besaß.

Erst in den  80er Jahren wurden durch AKAelectric Knopfzellen vom Typ LR44 und sogar SR44  hergestellt. Den Kameras der Praktica B-Reihe wurde eine Plastikhülse beigegeben, um vier solcher LR44 einlegen zu können. Gegen Ende der 80er Jahre wurde sogar noch die Praktica L-Reihe auf die kleinere Knopfzelle umgerüstet,  um vom Import der Quecksilberoxydzelle weg zu kommen.

Bemerkenswert: Diese Knopfzellen, die im Januar 1988 durch den VEB Fahrzeugelektrik Ruhla hergestellt wurden, sind über 30 Jahre alt und immer noch nicht leer. Auch ausgelaufen sind sie nicht.  Es war ein Kampf, bis so etwas in der DDR hergestellt wurde. Aber wenn, dann war es Qualität :)

Minitron
Weltspitze
Elgawa Minitron
Fotolux III
Fotolux III
Wartungsvertrag Industrieladen Foto
Industrieladen
Garantieschein Sonnar
Kassenzettel Sonnar

In den obigen Dokumenten ist als Verkaufstelle öfters der "Industrieladen Foto-Kino-Optik" des VEB Carl Zeiss JENA benannt. Dieses ausgesprochene Spezialgeschäft wurde Ende der 50er Jahre zunächst in der Stalinallee (ab 1961 Karl-Marx-Allee) Nr. 83 eröffnet. Zeitzeugen schwärmen heute noch von diesem Zeiss-Industrieladen. Die schiere Größe, die Ausstattung, das Angebot und der Kundendienst müssen weit über dem gelegen haben, was  der gemeine DDR-Bürger üblicherweise gewohnt war. Nicht-Berliner haben mir mit leuchtenden Augen erzählt, wie sie beispielsweise im Rahmen einer Geschäftsreise die freie Zeit nutzten, um dieses republikweit bekannte Geschäft zu besuchen.  Anfang der 70er Jahre wurde dieser Zeiss-Industrieladen dann ins neu errichtete "Haus der Elektroindustrie" am Alexanderplatz Nummer 6 (heute Alexanderstraße 5) verlegt. Unten ist jenes Gebäude im September 2018 gezeigt.

Eines der wenigen privat geführten Fachgeschäfte in der Ostberliner Innenstadt  war Photo Häberle (Inh. Gerhard Lüdke) an der Neuen Promenade 5, direkt gegenüber vom S-Bahnhof Hackescher Markt (dazumal "Marx-Engels-Platz"). Ich habe mir sagen lassen: hier gabs immer mal was Besonderes. Vor allem auch Dinge aus zweiter Hand, die sonst im staatlichen Einzelhandel nicht zu kriegen waren. Deshalb war dieser kleine Laden auch oft Anlaufpunkt für Berufsphotographen. Photogeräte gibt es hier leider heute nicht mehr zu kaufen. Dafür kann man an diesem Orte heute - wie sollte es in der Berliner Innenstadt auch anders sein - Speisen und Getränke zu sich nehmen.  Selbiges kann man freilich auch in den Etablissements direkt rechts und links daneben, sowie geradewegs gegenüber  vor den Stadtbahnbögen.   Als Berlinbesucher laufen Sie heute also keine Gefahr mehr, verhungern zu müssen.




Herrn Aurigs Leidensweg mit seiner Exa


Herr Aurig aus Thalheim im  Erzgebirge hatte nämlich am 15. März 1986 eine Exa 1c für 350,- Mark vermutlich im Centrum Warenhaus in Karl-Marx-Stadt erstanden.  Das Entzücken darüber wäre bestimmt doppelt so groß gewesen, wenn er gewußt hätte, daß ihm  seine neue Exa schon bald einen Einblick in die Kundendienstfreundlichkeit der DDR-Photoindustrie ermöglichen wird.

Zwar ist nicht  überliefert, was genau passiert ist, aber offenbar währte die Freude über seine Errungenschaft nur kurz.  Das können wir daraus schließen, daß Herr Aurig am 23. September 1988 eine Postkarte vom VEB Pentacon Dresden  zugeschickt bekam, mit welcher der Kundendienst dieser Weltfirma den Erhalt seiner Kamera quittierte. Aus diesem Schreiben geht hervor, daß zuvor bereits die dritte Reparatur erfolgt war, weil der Verschluß Probleme bereitete.

Ein paar Tage später, am 30. September 1988, teilte die Hauptabteilung Kundendienst des VEB Pentacon Dresden  Herrn Aurig mit, daß sie es zwar bedaure, wenn seine Exa trotz mehrerer Reparaturen nicht zufriedenstellend arbeite, ihn aber für eine (offenbar vierte) Reparatur wieder an das Dienstleistungskombinat Plauen verweisen müsse. Mit dem Werkstattleiter der dortigen Vertragswerkstatt habe es zuvor eine "kritische Aussprache" gegeben, sprich da hat jemand einen gewaltigen Anschi.... na Sie wissen schon.

In Dresden - und zwar im ehemaligen Certo-Werk - stellte man die Exa zwar her, reparieren wollte man sie dort aber nicht. Dafür hatte man schließlich seit Jahren Vertragswerkstätten authorisiert. Was konnte Pentacon dafür, wenn die Werkstätten  in eine Hierarchie aufgeblasener und oft überforderter Dienstleistungskombinate gepreßt  wurden. Diese und ihre "Komplexannahmestellen" waren in der DDR hinreichend für ihre Eulenspiegeleien bekannt. Also wurde die  Exa (sicherlich zur Begeisterung Herrn Aurigs) erneut an ein solches Dienstleistungskombinat weitergeleitet. Daß man dabei Herrn Aurigs Originalkarton  hat stehen lassen, beweist doch, mit welchem Elan und Wiedergutmachungswillen man nun an die Sache heranging.

Und so geschah es nun endlich, daß am 24. Oktober 1988 Herrn Aurigs Exa 1c  läppische  zweieinhalb Jahre nach ihrem Kauf schließlich doch noch in den Zustand der Funktionstüchtigkeit überführt werden konnte. Da auf den Rechnungen keinerlei Beträge ausgewiesen sind, scheint es sich offenbar nach wie vor um Garantiereparaturen gehandelt zu haben. Mich würde heute natürlich interessieren, wo sich im einfachen Mechanismus dieser Kamera der "verdeckt liegende Mangel" wohl versteckt haben mochte. Aber egal; immerhin war die Operation nun im vierten Anlauf geglückt.  Das sollte uns auch nicht weiter verwundern, denn schließlich war der VEB Dienstleistungskombinat Karl-Marx-Stadt, Sitz Werdau, Betriebsteil "Werkstatt Kamera/Blitzer" in  Plauen ja Träger des Ordens "Banner der Arbeit". :-)

Hier noch ein anderes Detail, aus dem DDR-Konsumalltag, den man heute kaum noch für möglich halten mag.  Photoapparate gab es eigentlich zu kaufen - auch wenn es vielleicht am Ende nur eine Exa war. Viel schwieriger hatten es in der DDR die Freunde des Amateurfilms. Nachdem Ende der 60er Jahre die inländische Produktion von Schmalfilmgeräten eingestellt worden war, mußten die hiesigen Kunden allein mit Importprodukten aus der UdSSR und der ČSSR Vorlieb nehmen. Über deren Qualität will ich mich mal lieber nicht weiter äußern. Es genügt, daß  selbst diese im westlichen Vergleich eher bescheiden ausgestatteten  Gerätschaften nur sehr schwer zu bekommen waren.  Aus diesem Grunde waren selbst betagte Schmalfilmgeräte aus zweiter Hand  begehrt und wurden hoch gehandelt. Ein Hort für den An & Verkauf im Photobereich war das seit dem Jahre 1872 in Familienbesitz befindliche  Drogengewölbe Otto H. Kratzsch in Karl-Marx-Stadt. Hier wurde im August 1984 ein damals brandaktueller (und übrigens gar nicht so schlechter) Zweiformat-Projektor vom Typ MEOS duo zum Preise von stolzen 710,- Mark angeboten.  Die Pointe liegt nun darin, daß  der Endverbraucherpreis eines Neugerätes des MEOS duo  (ohne Leuchtmittel) mit 705,- Mark veranschlagt war. Aber neu gabs wohl  keinen nicht...

Marco Kröger 2018