Filme und Photochemie

Wer kennt schon den ORWO NP18…

 

Mitte der 30er Jahre wurden in der Filmfabrik Wolfen einige wichtige Forschungsleistungen erbracht, die für die Geltung des Werkes in den nächsten zwei Jahrzehnten ausschlaggebend waren. Jeder denkt natürlich zuerst an die Arbeiten zum Agfacolorverfahren (Wilmans, Schneider, Kumetat u.a.). Mindestens ebenso bedeutsam sind allerdings die Entdeckung des Goldeffektes durch Robert Koslowsky, mit dem sich die Filmempfindlichkeit um zwei Größenordnungen steigern ließ, ohne das Silberkorn zu vergrößern, und die Haltbarmachung durch bessere Stabilisatoren, die maßgeblich durch Birr initiiert wurde.

 

Ein Filmmaterial aus dieser Zeit ist der Isopan F. Nach der 1934 erstmal normierten Filmempfindlichkeitsskala hatte er 17/10° DIN. Diese DIN Norm war aber problematisch, weil das Verarbeitungsregime rein auf den Prüfzweck ausgerichtet war (Pinselentwicklung nach Sicht) und stark von der tatsächlichen Negativentwicklung im photographischen Prozeß abwich. 1957 erfolgte daher eine erste Weiterentwicklung der Norm. Äußeres Kennzeichen ist die Angabe in °DIN (ohne die Zehntelteilung). Die „DIN-Inflation“ von Seiten der Hersteller ging aber weiter (Vgl. z.B. Lindau, Bild und Ton 8/58, S. 202). Das lag daran, daß alle Materialien eine genau festgelegte Zeit lang entwickelt werden mußten. 1961 wurde die Norm daher nochmals überarbeitet und auf eine Entwicklung zu einer einheitlichen Kontrastwiedergabe umgestellt. Die Filmempfindlichkeit nach der Norm von 1961 erkennt man an der Angabe in DIN ganz ohne Gradeinteilung. Durch die Umstellung ergab sich außerdem, daß viele Materialien um 1 DIN höher eingestuft wurden. Das führte dazu, daß nach der Warenzeichenumstellung aus dem Agfa Isopan F 17° DIN der ORWO NP18 wurde – allerdings nur für kurze Zeit. Denn schon bald danach wurden der Isopan F und FF durch die neuen „superscharfen“ Emulsionen ORWO NP 20 und NP 15 ersetzt.

 

In diese Zeit zwischen 1957 und 1961 fällt auch eine Verschiebung im Verhältnis zwischen DIN und ASA Angabe. Das kann man gut an diesen beiden Isopan ISS aus jener Zeit erkennen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß aus dem ISS nach 1964 der ORWO NP22 wurde.

Did you know that these two films are identical?

 

Agfa Isopan F dates back to the second half of the 1930s, when Robert Koslowsky's gold effect was put into practice. The addition of small amounts of goldrhodanide increased the film sensitivity by the factor 2 or 4 without enlarging the silver grain.

 

In 1934 the first norm for film sensitivity was formed in Germany. By that standard the Isopan F had a sensitivity of 17/10° DIN (seventeen tenth degrees). In 1957 and 1961 this norm was revised. After 1957 the declaration of film sensitivity was changed into °DIN (without 1/10 values). 21 °DIN equaled 80 ASA. You find that correlation on some exposure meters of that era.

 

Four years later this norm was changed again. You can recognize this change by the left away degree value. Now 21 DIN equalled 100 ASA, as we still find it on today's film packages.

 

Have you noticed what happened? All DIN values were shiftet higher by 1 DIN in 1961. Another thing happened three years later. In April 1964 Agfa Wolfen was turned into ORWO and the labelling of the films was changed. Agfa Isopan films turned into ORWO NP (NP = negative film panchromatic) complemented by the film sensitivity in DIN. So Agfa Isopan F 17/10° DIN finally became ORWO NP18. This is almost unknown, because this film was discontinued very soon and replaced by the new and better ORWO NP20.

 

But the shift of the DIN sensitivity compared to the ASA value obviously was done over a longer period of time. Here we have two Isopan ISS - one with 21/10° DIN and one with 21° DIN. These two films are from the years between the two changes of 1957 and 1961. One has best before May 1960, the other March 1962 (with a storage time of usual 18 months). The 21/10° DIN is labelled 80 ASA, the 21° DIN 100 ASA.

 

I am not absolutely sure yet, but I think after 1964 the Isopan ISS became the ORWO NP22.