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Sonstige Basteleien

Mentor Studio Reflex

 

Large format single lens reflex 6,5x9cm with a "special" wide angle.

 

Das Mentor Kamerawerk Goltz & Breutmann, Dresden, war international bekannt für ihre großen Atelier-Reflexkameras. Nach dem Kriege wurden zumindest die Modelle 6,5x9 und 9x12 weiter gefertigt. Obwohl es sich eigentlich um eine völlig veraltete Kameratechnologie handelte, waren sie weiterhin gefragt. Das lag an der begrenzten Schärfeleistung des damaligen Agfacolor Negativ-Positiv-Verfahrens. Für farbige Werbeaufnahmen und dergleichen wo es wirklich auf Qualität und Vergrößerungsfähigkeit ankam, wurde in der DDR lange noch das Großformat eingesetzt. Für bewegte Szenen brauchte man die vergleichsweise schnelle Reflexkamera.

Als großer Vorteil dieser Mentor Großformatkameras der Nachkriegszeit ist anzusehen, daß sie allesamt mit Schlitzverschluß ausgestattet waren. Bei der Mentor Panorama war er in der Objektivstandarte untergebracht, lief also direkt hinter dem Objektiv ab. Damit sind sie bis heute dafür prädestiniert, mit Objektiven bestückt zu werden, die selbst keinen Verschluß haben. Hier gibt es eine große Auswahl sehr hochwertiger Typen. Die Bilder unten zeigen links ein Meopta Meopar, das eigentlich ein Vergrößerungsobjektiv ist. Kenner wissen aber, daß es sich hier um einen Heliartyp handelt, der eine ganz spezielle Abbildungscharakteristik aufzuweisen hat. Rechts ist ein Apo-Tessar zu sehen, das aus der reprographischen Industrie stammt und dort für Farbauszüge genutzt wurde. Es vereint ein hohes Auflösungsvermögen mit der Eigenschaft, den Gegenstand in allen Spektralbereichen gleichgroß abzubilden.

Als sehr störend habe ich an der originalen Kamera aber die urzeitlichen Holzkassetten angesehen, wie man sie noch oben auf den Bildern sieht. So etwas war schon in den 20er Jahren nicht mehr zeitgemäß. Ich habe daher das Drehrückteil meiner Studio Reflex auf eine Führung aus Metall umgebaut, bei der man wahlweise Doppelkassetten aus Neusilber oder eine umgebaute Rollex Rollfilmkassette aus Stahlblech verwenden kann. Letzeres ist vor allem für Farbmaterial interessant. Für Schwarzweiß wird man sicherlich beim Planfilm bleiben, den man bequem einzeln in der Schale entwickelt. Die Kamera ist gerade noch kompakt genug, um sie in die freie Wildbahn mitnehmen zu können.

Der eigentliche Clou ist aber das Weitwinkelobjektiv. Normalerweise lassen sich an dieser Reflexkamera nur vergleichsweise langbrennweitige Objektive verwenden. Standardmäßig wurde die 6,5x9 mit dem Tessar 4,5/165mm ausgeliefert. Das ergibt auf das Kleinbild bezogen etwa 70mm Brennweite (der Umrechnungsfaktor beträgt 1:2,4). Normale Weitwinkel für das Großformat sind aber nicht verwendbar, weil bei denen die Schnittweite zu kurz ausfiele und der Spiegel anstoßen würde. Die Schnittweite ist der Abstand des hintersten Linsenscheitels zur Fokalebene. Kurzbrennweitige Objektive mit langer Schnittweite lassen sich nur mithilfe des Retrofokusprinzips konstruieren. Diese werden aber für das Großformat nicht angeboten.

 

Dann ist mir allerdings ein Mamiya-Shiftobjektiv 4,5/75mm zugeflogen. Es hat einstmals stolze 5890,- Mark gekostet. Dann allerdings ist der Besitzer damit Baden gegangen. Das Glasinventar ließ sich reinigen, der Verschluß aber war hinüber. Damit war es aber noch lange nicht schrottreif, denn dieses Ungetüm an Objektiv hat zwei sehr wertvolle Eigenschaften: Erstens hat es einen ausgedehnten Bildkreis (weil es als Shift konstruiert wurde) und zweitens eine extrem lange Schnittweite. Das liegt daran, weil zwischen der eigentlichen Objektivfassung und dem ursprünglichen Kamerabajonett noch der Shiftmechanismus liegt. Wenn man den wegläßt, dann ist dieser Abstand lang genug, daß das Objektiv an den voluminösen Gehäusekasten der Mentor Studioreflex 6,5x9 paßt.

Der Bildkreis und damit auch die Normalbrennweite dieses Nennformates liegt bei etwa 105mm. Die 75mm des Shifts werden dadurch zu einem echten Weitwinkel mit umgerechnet aufs Kleinbild etwa 31mm Brennweite. Daß dabei das Shiftobjektiv keine eigene Fokussiermechanik hat und (nun) auch keinen Verschluß mehr, stört deshalb nicht, weil die Studioreflex sowohl eine Zahnstangenfokussierung als auch einen eigenen Schlitzverschluß aufzubieten hat. Der Bildkreis dieses Objektives würde übrigens sogar ausreichen, um das 9x12 Format abzudecken.

Freilich mußte zuvor das Tuchmaterial der Verschlußrollos getauscht werden. Die Mattscheibe wurde mit einer Bildfeldlinse vom Fresnel-Typ ergänzt, was ein deutlich helleres Sucherbild ergibt. Aus diesem Grunde konnte ich mir einen kürzeren Lichtschacht bauen, der ganz aus Metall ist und nach dem neuzeitlichen "Eintauch-Prinzip" arbeitet. Übrigens weiß man schon nach kurzer Wegstrecke durch Wald und Flur, wieso diese Kameras als Atelier- bzw. Studio-Reflexkameras bezeichnet wurden... ;-)

 

 

Any Colour You Like

 

Wenn man sich schon die Mühe macht, eine Kamera neu aufzubauen, dann kann man auch etwas Farbe ins Spiel bringen.

Pentacon Six repair
Pentacon Six red
Pentacon Six shutter test

Natürlich muß so eine Kamera nicht nur äußerlich schön sein, sondern auch die "inneren Werte" müssen wieder stimmen. Glücklicherweise läßt sich der Verschluß der Pentacon Six ungewöhnlich präzise justiere - ungewöhnlich angesichts der Tatsache, daß diese rein mechanisch gesteuerte Mittelformatkamera auf die Mitte der 1950er Jahre zurückgeht.

 

 

 

Alter Diaprojektor - ganz modern

 

Momentan wird gerade eine eine GU10-Reflektorlampe angeboten (und zwar dort, wo es auch aldi anderen schönen Sachen zu kaufen gibt), die folgende Leistungsdaten zu bieten hat. Bei 8,5 Watt Leistungsaufnahme wird so viel Licht abgegeben, wie eine (theoretische) Halogenlampe von 70 Watt Leistung, nämlich satte 500 Lumen Lichtstrom. Das besondere: Diese 500 Lumen werden nicht durch eine Zusammenschaltung mehrerer Einzel-LEDs erreicht, sondern von einer einzigen Leuchtfläche mit einem Durchmesser von 9mm.

Mit geringem Aufwand habe ich einen alten Aspektar 150 auf dieses Leuchtmittel umgebaut. Und weil die LED alles Licht nach vorne abstrahlt und genau in den Kondensor projiziert, wird ein sehr hoher Wirkungsgrad erreicht. Der Projektor ist fast so hell, wie mit der originalen 150 Watt Lichtwurflampe. Aber natürlich bleibt alles schön kühl - das Gehäuse, und auch das Dia.

Leicina 8 Extra

 

Leicina 8S with a defective exposure control converted to C-mount. Because of the large flange-film-distance of these C-mount objectives it was possible to retain the permanent reflex viewfinder.

 

Mal was ganz anderes: Diese Leicina 8 S habe ich geschenkt bekommen. Bei ihr war durch eine ausgelaufene Batterie die filigrane Belichtungsautomatik zerstört, auf die man aber mangels manueller Einstellmöglichkeiten angewiesen ist. Das hochwertige Laufwerk dieser Kamera macht sie aber unbedingt erhaltenswert. Eine Rechtfertigung zum basteln also.

 

Ebenfalls erhaltenswert war der permanente Reflexsucher dieser Kamera. Es kam also nur eine Umrüstung auf solche Objektive infrage, die eine genügend lange Schnittweite aufzuweisen haben, um ein Beibehalten des Ausspiegelprismas zuzulassen. Ich habe daher die Kamera auf das internationale C-Gewinde umgebaut - auch wenn eigentlich die zugehörigen Brennweiten ein wenig zu lang sind. Dafür hat man allerdings eine große Auswahl an sehr hochwertigen Festbrennweiten.

Leica Laser-Fokussierhilfe

 

 

Bleiben wir gleich bei Leitz-Basteleien. Dieses kleine Zusatzgerät habe ich für jemanden gebaut, der gerne Nachtaufnahmen macht, bei denen es so dunkel ist, daß man weder im Sucher noch im Entfernungsmesser etwas erkennen kann. Mit den Laserpunkten kann man das Motiv nicht nur "blind" anvisieren, sondern auch sehr genau scharfstellen, wenn die beiden Punkte auf Koinzidenz gebracht werden. Auf mittlere Distanzen nimmt man einfach ein kleines Fernglas zuhilfe. Auch für Blitzaufnahmen in düsterer Umgebung eignet sich das Gerät.

 

Custom made focusing aid for Leica cameras. For night shots or flash photography in dark areas. Aiming for the motive with the laser dots and focusing by aligning them.

Superweitwinkel für die Werra

 

 

Aus Einzelteilen eines Ennalyt 4/24mm ist dieses Superweitwinkel für die Werra entstanden. Aufgrund der kurzen Brennweite und der geringen Lichtstärke konnte auf eine Entfernungseinstellung verzichtet werden, da eine Kupplung mit dem Meßsucher ohnehin weder möglich noch sinnvoll gewesen wäre. Die Entfernungsseinstellung ist auf etwa sechs Meter fixiert. Selbst bei voller Öffnung des Objektivs und dem üblichen zulässigen Zerstreuungskreisdurchmesser von 3/100mm reicht die Schärfentiefe von zweieinhalb Meter bis Unendlich. Ein echtes Schnappschußobjektiv also.

Gestaltungsvariante

 

 

Aus einer stark verschlissenen Fassung und dem Linsensatz eines anderen Objektives entstanden.

MK