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Praktina-Basteleien

Eine schwarze Praktina mag bereits ein ungewöhnlicher Anblick sein; hier geht es aber um das Objektiv. Das Sonnar 4/135mm mit automatischer Springblende wurde erst ab 1965 gefertigt - das war die Produktion der Praktina lange schon ausgelaufen. Deshalb gab es von diesem beliebten Objektiv nie eine Variante für das Praktina Bajonett. Dafür gab es seit 1959 das Biometar 2,8/120mm, das aber kein Teletyp ist und daher sehr unhandlich ausfiel. Ich habe mir daher so ein Sonnar mit seiner praktischen Blendenautomatik für die Praktina umgebaut.

Praktina mit Sonnar 135

Die Praktina IIa ist nicht nur aus technikhistorischer Sicht meine Lieblingskamera, ich nutze sie auch gern praktisch. Mit dem Federwerkmotor liegt sie gut in der Hand und die Springblende arbeitet kompromißlos. Mit einer hellen Einstellscheibe bietet die Kamera ein tadelloses Sucherbild. Nur mit der Belichtungsmessung hat man seine Probleme, vor allem wenn man auf dünnschichtigem Schwarzweißfilm oder Farbumkehrfilm photographiert. Wie praktisch wäre da ein Innenmeßprisma für die Praktina...

Praktina TTL
Praktina TTL
Praktina TTL Prisma

Noch so ein Objektiv, das es eigentlich nicht gibt. Das Flektogon 4/20 kam 1963 raus nachdem die Herstellung der Praktina lange schon eingestellt war. Deshalb gab es dieses Objektiv nie in dieser Fassung. Ich habe trotzdem eins ;-)

Praktina Flektogon 4/20

Es gibt für die Praktina zwar ein Balgengerät mit dem man die Springblende aufrechterhalten kann, aber dafür muß man einen Doppeldrahtauslöser verwenden, der in der Praxis sehr ungünstig ist. Dieses umgebaute Novoflex-Balgengerät überträgt die Vollautomatische Springblende von der Kamera zum Objektiv.

Die Sonnare 180 und 300mm für die Praktisix sind direkt mit der Praktina IIa komaptibel, wenn man einen Zwischenadapter mit Übertragungsstößel verwendet. Dieser Adapter ist selten und wenn man ihn im passenden Zebradesign haben will, dann muß man ihn sich selbst bauen. An dem Video erkennt man auch, wieso die Praktina IIa auch heute noch eine tolle Kamera ist. Bei ihr gab es mechanisch keine Kompromisse mehr.

Laser-Koinzidenzlichtschranke

 

 

Als Pioniere im Bereich der Makrophotographie und des Makrofilmes gelten Ingeborg und Armin Tölke mit ihren zahlreichen Artikeln in der Fachliteratur und ihren Buchveröffentlichungen. Das Verdienst dieses Ehepaar zeichnete sich dabei dadurch aus, daß sie nicht nur zeigten, wie man zu „schönen“ Makrobildern Bilder kommt, sondern wie dieses Aufnahmegebiet auch sinnvoll zum besseren Verständnis für beispielsweise biologische Vorgänge eingesetzt werden kann.

 

Mit ihrem Fachbuch „Makrofoto – Makrofilm“ haben sie Jahre 1965 ein Werk vorgelegt, das sogar im internationalen Maßstab für Aufsehen sorgte, weil es Methoden der wissenschaftliche Makrophotographie am Rande des damals technisch Machbaren vorstellte. Einer der Höhepunkte des Buches waren Nahaufnahmen, die Ingeborg Tölke von fliegenden Insekten gemacht hat, indem sie eine sogenannte Koinzidenzlichtschranke einsetzte. Dabei handelt es sich um zwei gekreuzte Lichtschranken, die die Kamera nur dann auslösen, wenn sich das zu photographierende Objekt in genau diesem Kreuzungspunkt befindet. Dorthin wird zuvor auch der Schärfepunkt der Kamera gelegt. Aus diesem Grund wird diese Lichtschrankenart auch als Punktlichtfalle bezeichnet. Als Kameras verwendeten sie zum Teil mehrere Praktinas mit Langfilmmagazin und elektromagnetisch ausgelöstem Elektromotorantrieb.

Die originale Anordnung der Tölkes aus den frühen 1960er Jahren. Zur Beleuchtung dienten stromfressende Mikroskopierleuchten. Die Lichtschrankenempfänger wurden nach einer einfachen Schaltung des beliebten Fachbuchautors Hagen Jakubaschk aufgebaut.

Weil zur damaligen Zeit nur diskrete Germanium-Bauelemente greifbar waren und als Schrankenlichtquelle stromfressende Glühlampen dienen mußten, war ein ganzer Versorgungswagen nötig, in dem unter anderem ein großer Bleiakkumulator untergebracht war. Hier kann man ein halbes Jahrhundert später auf ganz andere Bauelemente zurückgreifen. Herzstück sind zwei Laser, die einen sehr eng gebündelten Lichtstrahl abgeben und nur etwa den hundertsten Teil des Stromes früherer Glühlampen benötigen. Der eigentliche Lichtschrankenempfänger besteht aus einem Schwellwertdetektor vom Typ A302, der mit einer Betriebsspannung von lediglich 2,5 Volt auskommt und trotzdem eine extrem hohe Eingangsempfindlichkeit aufweist. Der niedrige Strom- und Spannungsbedarf dieser Konzeption sorgt dafür, daß meine Konzidenzlichtschranke mit einer einzigen Lithium-Ionen Zelle auskommt, die im Gehäuse Platz findet und trotzdem mehrere hundert Stunden Betriebsdauer ermöglicht.

Dem Lichtschrankenempfänger ist ein Monoflop nachgeschaltet, der zum einen als Impulsverlängerung dient; d.h. es genügen Unterbrechungen des Lichtstrahls von wenigen Mikrosekunden, um auch eine langsame Kamera noch sicher auslösen zu lassen. Zum anderen dient dieser Monoflop auch als Auslösezeitbegrenzung, die bei einer Dauerunterbrechung der Lichtschranke die Kamera nach einer vorwählbaren Zeit abschaltet und somit einen Defekt verhindert.

Auf dem heutigen Stand der Technik ist auch die Auslösung der anschließbaren Geräte gelöst. Falls nur ein Blitzgerät gezündet werden soll, dann geschieht dies praktisch verzögerungsfrei über einen Thyristor. Auch die Kamera wird nicht wie früher mit einem mechanischen Relais angesteuert, sondern über einen Halbleiter-Schalter auf Basis eines Power-MOSFET, der verzögerungs- und verschleißfrei arbeitet. Beide Ausgänge sind untereinander und von der Lichtschrankenelektronik durch Übertrager bzw. Optokoppler galvanisch getrennt.

Koinzidenz-Lichtschranke

Geblieben ist die Praktina als Kamerasystem. Man erkennt, wie weit diese Kamera in den 1950er Jahren ihrer Zeit voraus gewesen ist. Es gab nur wenige elektrisch angetriebene Kameras zu jener Zeit. Eine, die einen präzisen Reflexsucher zu bieten hatte und zudem noch 450 Aufnahmen am Stück ermöglichte, suchte man bei anderen Herstellern vergeblich. Eine Fernauslösung per Funk war dann noch der Gipfel des ganzen.