Praktica 24x30mm

 

Praktica IV with a nominal picture format of 24x30m

 

Das Kleinbildformat 24x36mm wird zumeist Oskar Barnack zugesprochen. Er hat wohl seinerzeit einfach das Kinoformat von vier Perforationslöchern Bildhöhe auf acht Perforationslöcher Bildbreite verdoppelt. Fakt ist, daß seine Leica dieses Format etabliert hat und zwar mitsamt der bis heute gebräuchlichen Brennweitenabstufung der Wechselobjektive. Richtig glücklich war man aber mit diesem ziemlich langgestreckten Format eigentlich nie. Es verschwendet wie alle ausgeprägten Rechteckformate ziemlich viel Bildfläche des Objektivs. Von dieser Warte aus müßten Photos eigentlich kreisrund sein. Das Quadrat ist dahingehend stets der beste Kompromiß gewesen. Andererseits hatten die Papierformate mit Ausnahme des 10x15-Formates stets ein kleineres Seitenverhältnis als 1:1,5 - obwohl auch hier nie Einheitlichkeit erreicht wurde. In den 30er bis 50er Jahren hat es durchaus immer wieder Versuche verschiedener Kamerahersteller gegeben, ein Kleinbildformat zu etablieren, das weniger langgestreckt sein sollte. Die japanische Firma Nikon war wohl eine der letzten größeren "Widerständler“. Aber als der Export eine immer größere Rolle spielte, gab man dem internationalen Markt nach. Danach waren solche Projekte gestorben. Selbst das eigentlich begehrenswerte Format 24x24mm, wie es in der Zwischenkriegszeit von Kameras wie dem Robot oder der Tenax eingeführt wurde, verschwand in die Bedeutungslosigkeit. Gut, beim 24x24 ist das noch nachvollziehbar. Hier spielten vielleicht technische Gründe eine Rolle, denn der Bildschritt einer Kleinbildkamera ist stets mit dem genormten Perforationslochabstand 4,75mm verbunden. Das 24x24 Format ist kein ganzzahliges Vielfaches davon; der Bildtransport wird ungleichmäßig, mechanisch kompliziert und der Bildstrich ist verglichen zur Perforation dauernd woanders. Aus Sicht des Kamerabauers ist es besser, den Bildtransport auf die Perforation abzustimmen. Acht Perforationslöcher sind Standard, das ergibt 8 x 4,75 = 38mm. Minus zwei Millimetern Bildsteg kommt man zum üblichen 24x36 Format. 7 x 4,75 = 33,25. Hier bringt man knapp das Format 24x32mm unter, das mit einem Seitenverhältnis von 1:1,33 (oder 4:3) vielen Papierformaten entspricht. Da wird aber der Bildsteg sehr dünn. Besser ist ein Format 24x31 bzw. als Nennformat 24x30mm, bei denen man auf einen üblichen Bildsteg kommt. Ich habe eine Praktica IV durch Einbau einer siebenzähnigen Transporttrommel auf dieses Format umgerüstet und natürlich auch das Bildfenster (und den Sucher) auf 31mm Bildbreite maskiert. Die Resultate, die mit der Versuchskamera erreicht wurden, waren überzeugend. Die Bildwirkung des weniger langgestreckten Formates ist gefälliger, man spart auch an Filmmaterial. Leider hat sich das wie gesagt nie durchsetzen können, zumal auch die Kameras hätten kompakter ausgeführt werden können.

Praktica IV 24x30mm
Praktica IV 24x30mm

Übrigens geht das ganze auch mit Zahnrollen, die noch weniger Zähne aufweisen. Mit sechs Zähnen käme man auf ein wenig sinnvolles Format 24x27mm. Mit vier Zähnen jedoch erhält man das ursprüngliche Kinoformat (Stummfilm) von 18x24mm. Ich habe diese Praktica IV zu einer Zeit auf dieses Bildformat umgebaut, als gute Scanner noch teuer waren und man noch auf Disketten speicherte. Auf diese Weise war es möglich, ca. 75 Buchseiten (auch mit farbigen Abbildungen) auf einen einzigen Farbumkehrfilm zu bannen. Für Bücher, die man nur per Fernleihe beziehen konnte, lohnte sich der Aufwand allemal.

Praktica VLC mit Arbeitsblendenmessung

 

Praktica VLC with stop down metering.

 

Das Spitzenmodell der L-Reihe war die VLC, die praktisch als eine LLC bzw. PLC mit austauschbaren Sucherelementen anzusehen ist. Dazu war allerdings eine andere Form der Ausspiegelung des Meßlichtanteils notwendig. Statt am festeingebauten Umkehrprisma wurde das Licht bei diesem Modell am Reflexspiegel abgezweigt, der dazu in der Mitte halbdurchlässig verspiegelt war.

Seinerzeit ein Qualitätsmerkmal dieser Kamera war die Offenblendenmessung durch elektrische Blendenwertübertragung. Leider ist die VLC deshalb aber nur mit solchen Objektiven sinnvoll einsetzbar, die diese Übertragungseinrichtung aufweisen ("electric"). Aus mehreren Ersatzteilen habe ich daher ein Modell gebaut, das die übliche Arbeitsblendenmessung der Praktica LTL bzw. MTL bietet, womit quasi alle M42-Objektive benutzt werden können, ohne die Springblendenautomatik dauernd außer Kraft setzen zu müssen. Das ermöglicht die bekannte Meßtaste, die wie üblich mit der Blendenmechnik gekoppelt ist.

Praktica VLC Arbeitsblendenmessung

Praktica mit externer Verschlußzeitensteuerung

 

Für spezielle Zwecke wie beispielsweise Mikroverfilmung, Laborarbeit, technische Photoarbeiten am Mikroskop oder Fernrohr, zur Registrierung von Abläufen, usw. ist (war) es oftmals notwendig, mit sehr fein abgestuften, längeren Verschlußzeiten zu arbeiten. Diese müssen dann, wenn sie einmal eingestellt wurden, mit großer Wiederholgenauigkeit konstant gehalten werden. Das ermöglicht diese extern steuerbare Praktica, die in Verbindung mit der hier gezeigten elektronischen Belichtungsuhr Verschlußzeiten zwischen 100 Mikrosekunden und 8,1 Minuten liefern kann. Aber auch alle möglichen anderen elektronischen Schaltungen wie Lichtmengenzähler wären denkbar. Ich habe beispielsweise mit dieser Kamera transparente Skalen auf Mikrofilm hergestellt. Dieses Material hat solch einen geringen Belichtungsspielraum, daß man sich sehr feinfühlig an den Punkt der richtigen Belichtung herantasten muß. Diese colortaugliche Belichtungsuhr vom Typ "exakt" ist dafür sehr gut geeignet gewesen.

Praktiflex mit fest installiertem Prismensucher

 

Bei einer Praktiflex wurde der verbeulte Lichtschacht gegen ein festes Pentaprisma ersetzt. Vergleichbare Umbauten wurden auch seinerzeit bereits vielfach vorgenommen - entweder durch geschickte Besitzer der Praktica selbst, durch Reparaturwerkstätten oder sogar durch den Hersteller, wie der Ausschnitt aus der "Fotografie" belegt. Unten rechts ist eine derartig "offiziell" umgebaute Kamera gezeigt. Wie man sieht, war es höchste Zeit, die Praktica standardmäßig mit Umkehrprsima auszustatten. Die Kundschaft verlangte offensichtlich sehr nach diesem Schritt.